Donnerstag, 3. Oktober 2013

Was geschah und geschieht bei WELEDA Russland?


Vor einiger Zeit schrieb Andrei Loktev, der ehemalige Geschäftsführer der WELEDA Russland GmbH, einen Kommentar zu dem Blogeintrag "Was machen die Ex-Manager?"
Daraufhin entwickelte sich eine Kommunikation, in der er mir seine Not schilderte und bat, die Vorgänge, die sich in Russland im Zusammenhang mit der Entwicklung der WELEDA abgespielt hatten und zur Zeit abspielen, der "westlichen" Welt zur Kenntnis zu geben und sie zu bitten, sich zur Wahrung des Ansehens der Anthroposophie in der Welt und zur Wahrung der Gerechtigkeit einzumischen und Stellung zu beziehen.
Dieser Bitte komme ich hier gerne nach und bitte Sie, diese Informationen so weit wie möglich zu verbreiten. Vielen Dank.

In diesem Beitrag werden die Ereignisse aus der Sicht von Herrn Loktev geschildert, ergänzt durch einige objektive Fakten und Dokumente. Ich freue mich sehr, auch von anderer Seite über diese Zusammenhänge zu erfahren, um ein möglichst klares Bild der Ereignisse zeichnen zu können.

Herr Loktev war (und ist) einer der führenden Anthroposophen Russlands, seit 1981 ist er Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft, seit 1990 Klassen-Mitglied. Zur Zeit ist er Mitglied des Vorstandes der Anthroposophischen Gesellschaft in Moskau.
Seine Not besteht darin, dass er von der jetzigen WELEDA AG und deren jetzigen Vertreter in Russland für die 2006 erfolgte Insolvenz der damaligen WELEDA Russland GmbH, deren Geschäftsführer er war, verantwortlich gemacht und von diesen auf Rückzahlung der Restschulden in Höhe von 175.000 € verklagt wird.

Ich versuche hier die Grundlagen darzustellen, damit Sie sich eine eigene Meinung zu den Ereignissen bilden können.
Die WELEDA Russland GmbH wurde 1992 gegründet als Gemeinschaftsunternehmen der WELEDA AG Arlesheim (75%) und der LAD Moskau (25%), die größtenteils Herrn Loktev gehörte. Er wurde als Geschäftsführer der WELEDA Russland GmbH in Moskau eingesetzt.

Hier kurz einen Blick darauf, was die Geschäftsberichte der WELEDA über Russland aussagen:
In den WELEDA Geschäftsberichten wird die WELEDA Russland GmbH - jeweils mit Zweigniederlassung in St. Petersburg - 2004 bis 2006 aufgeführt.
Im WELEDA Geschäftsbericht 2004 wird die WELEDA Russsland lobend erwähnt. Dort heisst es: "Ein großer Erfolg war die Zulassung von ISCADOR in Russland für die Indikation Hepatitis C. Eine klinische Studie in Moskau hat gezeigt, dass ISCADOR auch für den Einsatz bei Hepatitis C geeignet ist und zu positiven Ergebnissen führt. WELEDA hat entschieden, in diesem Indikationsbereich die Forschung weiterzuführen."
Weiterhin steht in diesem Geschäftsbericht über die wirtschaftliche Lage:
Die Geschäftsentwicklung auf dem russischen Markt gestaltete sich 2004 insgesamt schwierig. In St. Petersburg wurde 2004 eine Tochtergesellschaft der russischen Gesellschaft für einen neuen strategischen Impuls gegründet. Auf der medizinischen Seite konnte in Russland ISCADOR für die Indikation Hepatitis C registriert werden, wodurch sich für 2005 neue Perspektiven ergeben. Trotz dieser positiven Maßnahmen ist die Geschäftsentwicklung 2005 unsicher und muss genau beobachtet werden. Die eingeleiteten vertrieblichen Initiativen wurden bereits 2004 veranlagt.
und
med. WELEDA Moskau
• Mitarbeiter: 16 (Vorjahr: 23)
• Umsatz: Rubel 18.499.975 (entspricht: CHF 752.949)
• Umsatz pro Mitarbeiter: Rubel 1.156.248 (CHF 47.059)
• Gesellschaftskapital: Rubel 8.106 (CHF 330)
• Anteil WELEDA AG: 75,0%
• Ergebnis nach Steuern: Rubel –2.666.100 (CHF –108.510) (Vorjahr: Rubel –928.789)
med. Weleda Moskau
• Mitarbeiter: 17 (Vorjahr: 16)
• Umsatz: Rubel 22.977.837(entspricht: CHF 1.034.003)
• Umsatz pro Mitarbeiter: Rubel 1.351.637 (CHF 60.824)
• Gesellschaftskapital: Rubel 8.106 (CHF 365)
• Anteil WELEDA AG: 75,0%
• Ergebnis nach Steuern: Rubel 2.418.963 (CHF 108.853) (Vorjahr: Rubel – 2.666.100)
Seit 2005 gibt es auch die WELEDA Nachrichten in russischer Sprache.

Im Geschäftsbericht 2007 wird WELEDA Russland GmbH noch mit Adresse erwähnt, aber keine Zahlen mehr veröffentlicht, 2008 bis 2011 wird Russland nur als Land genannt, in dem WELEDA Produkte erhältlich sind, erst im WELEDA Geschäftsbericht 2012 taucht WELEDA Russland als neue Gesellschaft wieder auf. Dort steht:
... Zum Wachstum trug die Neugründung von WELEDA Russland ganz wesentlich bei. Diese Gesellschaft war bereits im Jahr ihrer Gründung profitabel. ... In Russland konnte der Umsatz verdreifacht werden, allerdings von einem noch sehr niedrigen Niveau ausgehend. In Russland und Schweden wurde jeweils ein neues Arzneimittel für die Selbstmedikation zugelassen. ... Der Erfolg auf dem russischen Markt basiert auch auf dem Ausbau des Vertriebs über Apotheken und über spezialisierte Babyläden. Die Zielgruppe der werdenden Mütter fühlte sich besonders angesprochen: Die WELEDA Babylinie konnte auf den ersten Platz im russischen Naturkosmetik-Markt vorrücken.
und
Während beispielweise die Euro­Krise Südeuropa erheblich belastet, gewinnen Länder wie Brasilien und Russ­land an Bedeutung. ... WELEDA Brasilien und Russland entwickelten sich sehr dynamisch. ...
Die Zahlen weisen für 2012 einen Mitarbeiterstand von 12 Mitarbeitern und einen Umsatz von 71,6 Mill. Rubel = 1.795 T€ aus, 97% mit Kosmetika.

In keinem der WELEDA Geschäftsberichte wird eine Insolvenz oder eine Schließung einer WELEDA Russland erwähnt.

Was ist also passiert zwischen 2004, wo die erfolgreichen ISCADOR Studien in Russland durchgeführt wurden, und 2012, wo in Moskau eine neue WELEDA Gesellschaft gegründet wurde?

Die mir zugänglichen Dokumente besagen das folgende:

2006 gab die WELEDA AG ihre Beteiligung an WELEDA Russland GmbH auf (obwohl der WELEDA Geschäftsbericht 2005 einen von 18,5 auf 23 Millionen Rubel gesteigerten Umsatz und ein positives Ergebnis meldet!). Herr Loktev hat mir die dazu gehörigen Dokumente übersendet: Ein von den Beteiligten unterschriebenes Protokoll der Vereinbarungen des Rückzugs der WELEDA AG aus ihren Beteiligungen an der WELEDA Russland GmbH (im Protokoll fälschlicherweise als WELEDA Russland AG bezeichnet) vom November 2005, den danach geschlossenen Vertrag zur Übernahme des Darlehens und der Vermögenswerte sowie das offizielle Schreiben der WELEDA AG zur Aufkündigung der Geschäftsbeziehungen mit WELEDA Russland GmbH vom November 2007.

Herr Loktev schrieb dazu am 9. April 2013 in einem Brief an Herrn Paul Mackay als Verwaltungsratspräsident der WELEDA AG und Vorstandsmitglied der AAG (von mir zur besseren Lesbarkeit leicht bearbeitet):
Sehr geehrter Herr Mackay!
Ich schreibe Ihnen wegen einer Geschichte, die mir zufällig vor einigen Tagen bekannt wurde, deren Folge aber meine Existenz bedroht.
Fakten: 1992 wurde die WELEDA Russland GmbH gegründet als Gemeinschafts­unternehmen nach Russischen Recht. 75% der Anteile hielt die WELEDA AG, Schweiz, 25% der Anteile die LAD, Moskau, an der ich immer einen entscheidenden Anteil hatte. Wie erwähnt, wurde ich als Geschäftsführer der WELEDA Russland GmbH eingestellt, mit entsprechender jährlicher Bestätigung durch die WELEDA AG, Schweiz, bis 2006, als die WELEDA AG ihre Beteiligung aufgab.
Die Vermögenswerte der WELEDA Russland GmbH wurden wie folgt verteilt: ein nicht bebautes Grundstück in der Nähe von Moskau, 1HA, wurde auf die WELEDA AG übertragen; die Schulden aus dem Einkauf von Waren gegenüber der WELEDA AG wurden in ein Darlehen umgewandelt. Innerlich fand ich all das nicht gerecht. Die Verhandlungen darüber waren lang und schwer. Letztendlich habe ich all das unterschrieben weil mir versichert wurde, dass die WELEDA Russland GmbH das genannte Grundstück für den Heilpflanzen-Anbau nutzen könnte. Wir wollten das Darlehen zurückzahlen durch weiteren Verkauf von westeuropäischer WELEDA Kosmetik und ISCADOR, das 2003 in Russland registriert wurde, sowie durch Verkauf der in Russland hergestellte Heilmittel, wir hatten die 10 wichtigsten OTC-Medikamente und mehr als 300 andere anthroposophische Heilmittel im Programm.
Diese für uns schwierige Konstruktion hätte funktionieren können. Einen großen Teil des Darlehens bzw. unserer Schulden von insgesamt 250.000 € konnten wir relativ schnell zurückzahlen. Doch die WELEDA AG hatte schon seit 2005 parallel neue Vertriebswege und Partnerschaften in Russland aufgebaut und wir wurden nicht mehr mit ISCADOR und Kosmetik beliefert - Lieferstopp. Was mit dem an die WELEDA AG übergebenen Grundstück geschehen ist, ist uns nicht bekannt. Auch die legale Heilmittelherstellung in Moskau wurde unmöglich gemacht, da der zugesagte Lizenzvertrag seitens WELEDA AG nie besprochen wurde. Im Jahre 2007 bekamen wir von der WELEDA AG die offizielle Aufkündigung unserer Partnerschaft. Auf meiner Besorgnisse wegen dem restlichen Teil des Darlehens wurde mir versichert, dass uns die WELEDA AG wegen unserer mehr als 15-jährigen und auch teilweise fruchtbare Zusammenarbeit auf jeden Falls nicht verfolgen würde … Wir haben, sozusagen, „viel geweint” und letztendlich all das als „Vergangenheit“ in uns bezeichnet.
Jetzt ist mir plötzlich bekannt geworden, dass die WELEDA AG noch im Jahre 2009 ein Verfahren gegen die WELEDA Russland GmbH, Moskau, beim Schiedsgericht in Moskau angestrengt hat, und zwar ohne uns zu informieren – weder offiziell noch inoffiziell, nicht per Mail oder Telefon. So wurde die WELEDA Russland GmbH wegen der Restsumme von 175.000 € aus den Schulden vom Gericht als insolvent und bankrott erklärt – ohne unsere Teilnahme im Prozess und ohne das wir informiert wurden.
Dies war aber noch nicht Alles, denn 2010 wurde von Vertretern der WELEDA AG ein neues Verfahren am selben Schiedsgericht gegen uns angestrengt, wiederum ohne uns zu informieren, um die Auszahlung der o.g. Verbindlichkeit nach dem Bankrott-Entscheidung zu erreichen. Dabei wächst die Summe natürlich durch Zinsen und Verfahrenskosten.
Jetzt habe ich einige Beschlüsse und Zwischen-Beschlüsse auf der Internetseite des Schiedsgerichts „zufällig” gelesen. Sie laufen darauf hinaus: „das Gericht will den Geschäftsführer im Prozess haben, kann ihn aber nicht finden”. Dabei war ich alle diese Jahre in Moskau tätig, von mir sind mehrere Übersetzungen anthroposophischer Literatur erschienen (R. Steiner, I. Wegmann, V. Bott, A. Selawry, W. Pelikan, Marg. Kirchner-Bockholt, O. Wolf…) ich organisierte Seminare und Vorträge, z.B in der Anthroposophische Gesellschaft und in der Hochschule, bei der Firma WALA in Moskau, ich war auch einer der Dolmetscher während des jüngsten Moskau-Besuches von Frau Sea Zimmermann! Mein Pass, meine Adresse, meine Telefonnummer und Email sind alle diese Jahren unverändert gewesen!
Aber das Schlimmste kommt noch: durch Veränderungen in der russischen Gesetzgebung – dieser Artikel wurde erst 2009 verabschiedet – ist ein Geschäftsführer einer GmbH persönlich, als physische Person, verantwortlich für die Schulden seiner Gesellschaft, wenn er nicht rechtzeitig eine untätige Gesellschaft liquidiert. Der Stand von heute in dieser schmutzigen Geschichte ist, dass man mich persönlich für alle Schulden haftbar machen will, vermehrt durch verschiedene Zinsen, Strafen, Gerichtsausgaben etc.. Nachdem mir diese Angelegenheit jetzt bekannt wurde, werde ich selbstverständlich vor Gericht gehen. Die nächste Sitzung ist am 18 April. Die Juristen sagen, dass die Situation schlecht ist – insbesondere durch meine lange Abwesenheit bei vorigen Prozessen. Ich werden einen guten Rechtsanwalt bitten mir zu helfen. (Ich denke es ist nicht nötig zu sagen, dass ich kein Vermögen habe um die „Schulden” zu bezahlen … .
Ich komme zum Schluss, sehr geehrter Herr Mackay, ich kann mich vorstellen, dass Sie viel zu tun haben…
Formellerweise könnten Sie mich fragen: „Warum, lieber Freund, schreibst Du dies an mich?”, „Was willst Du eigentlich?”… – Ich hätte nicht grob und direkt geantwortet: „Weil es alles passiert im Namen der WELEDA AG…” – Ich sage anders: „Wenn es so weiter gehen wird in unserer Anthroposophischen GEMEINSCHAFT, dann werden wir alle, besonders wir, die Verantwortung für die entsprechende soziale Gebiete weltweit tragen, bald, noch während dieses Erdenlebens die bittere Früchte essen…”
Außer Ihrer Funktion als Verwaltungsrat der WELEDA AG, wegen der Sie meinen Schreiben nicht einfach in Ihrem Tisch liegen lassen werden, habe ich gedacht, dass ich Ihnen einigen Menschen nenne, die während meiner mehr als 30-Jährigen anthroposophischen „Karriere” mit mir „zu tun hatten” und denen ich direkt ins Auge schauen durfte (ich nenne auch manche verstorbene Personen, weil wenn ich Ihnen jetzt auch vertraulich schreibe, ich stehe vor ihnen auch):
Sergei und Astrid Prokoffiev, meine liebe und alte Freunden, noch von Ende 70-en Jahren
Herr Dr Hans Werner, Öschelbronn – mein “geistige Vater” und Freund, Lehrer in der Medizin und in der Anthroposophie (seit 1983)
Frau Dr. Michaela Gloeckler (seit etwa 1988)
Herr Dr. Schuppbach (mit ihm wurde 1989 bei mir zu Hause – an derselben Adresse, – im Beisein von Dr. Udo Hermannsdorfer die Entscheidung getroffen, eine WELEDA-Tochter in Russland zu gründen)
Herr Dr. Unger und Frau Ruth Unger (noch seit Sowjetischen Zeiten, in Moskau, meine Erste-Klassen-Leser)
Frau Else Klink (meine erste und ewige Lehrerin in Eurythmie, seit 1987…)
Herr Dr. Olaf Titze, medizinischer Direktor der WELEDA, mein Freund, der ungeheuer viel für uns getan hat.
Herr Dr. Jürgen Schürholz, während aller 90-er Jahre
Herr Dr. Otto Wolf (ich dolmetschte immer bei seiner Vorträgen in Russland, er wohnte sogar jedes Mal bei mir, in der Wohnung, die “WELEDA -Vertreter” jetzt innerhalb 3 Jahren “nicht finden konnten”)
Frau Irene Johanson (eine der Vorstände der Christengemeinschaft) – seit etwa 1982, manche erste “Weihehandlungen” wurden damals auch in meiner Wohnung gefeiert)
Herr Matthieu van Hoogenband, mein geliebte “Boss” und “Trainer”, mit dem es für mich manchmal schwer war, aber er war Trainer! … Und ich kann mich nicht vorstellen, dass er mit der oben beschriebene Geschichte zu tun hat mit unrechtem Gericht gegen mich als “Sündenbock”…
Ich werde keine weiteren Personen nennen, weil sonst das Gefühl entsteht, ob wollte ich damit irgendwelche spezielle positive Eindrücke auf Sie machen…. Nein. Aber es ist auch keine Lyrik…
Wir haben uns viele Mal gesehen – in Dornach, aber auch in Moskau… Doch miteinander nie gesprochen… Vielleicht noch nicht. Seltsamerweise schaute ich vor einem Monat auf die Website des Goetheanums und sah bei den “Offenen Stellen” zwei Sekretär-Stellen – eine Stelle in der Med. Sektion und die zweite … bei Ihnen. Und ich habe währen einiger Tage ernsthaft überlegt – „und warum nicht? Mein Herz ist in Dornach … Meine Kinder sind erwachsen … Anthroposophie in Russland läuft … Mit der Weleda ist Schluss … Ich kenne das Französische, das Deutsche, etwas das Englische, als Referent-Sekretär arbeitete ich früher viel (sogar als persönlicher Referent des Patriarchs der Russischen Orth. Kirche), als Simultan-Dolmetscher arbeitete ich überall, auch bei manchen UNO und UNESCO Konferenzen….”. – Ich schrieb kurz an Michaela und sie antwortete mir – “Danke, aber Deutsch braucht man als Muttersprache …” – Dann habe ich gedacht – “Vielleicht hat es auch kein Zweck zu versuchen mich bei Herr Mackay zu bewerben …” Und ich schrieb Ihnen nicht …
… Doch – jetzt. Und aus ganz andere Gründen…
Grüßen Sie, bitte, herzlich Ulrike – so darf ich sagen, weil wir uns auch seit Ewigkeit kennen …
Ihr Andrei Loktev, der auf schnelle Reaktionen wartet, sonst… sonst was?!

Die Antwort von Herrn Mackay war kurz und erfolgte umgehend am 12. April per Mail wie folgt:
Sehr geehrter Herr Loktev
Haben Sie Dank für Ihre Mail vom 9. April 2013, in der Sie Ihre Sicht der Rechtsprozesse, in die Sie mit Weleda verwickelt sind, darstellen.
Die Weleda wird in dieser Angelegenheit von ihrer Geschäftsleitung vertreten.
Mit freundlichen Grüssen
Paul Mackay
Vorstand am Goetheanum
Tel. +41-61-706.43.09
Fax. +41-61-706.43.14
http://www.goetheanum.org

Mittwoch, 11. September 2013

Moritz Aebersold Vizepräsident des VR bei SPAGYROS AG und auf dem Naturkosmetik-Branchenkongress in Berlin

Vor einigen Monaten habe ich ja gefragt, was die ehemaligen Manager der WELEDA jetzt machen, die vom Verwaltungsrat jahrzehntelang unbehelligt das Unternehmen so glorreich "an die Wand fahren" durften, dass es kurz vor der Insolvenz stand.
Die meisten von ihnen haben sich in anderen Branchen eine neue Tätigkeit gesucht, nur Moritz Aebersold, der "langjährigste" von ihnen, der 17 Jahre als Mitglied der Geschäftsleitung mit für den Niedergang der WELEDA verantwortlich war, tummelt sich weiter im Kosmetik-Geschäft mit seiner "Contura Consulting AG" mit Sitz in Basel.
Wie diese Pressemitteilung zeigt, ist er außerdem als Vizepräsident des Verwaltungsrates der Spagyros AG tätig, und zwar, wie Moneyhouse zeigt, mit Zeichnungsberechtigung auch für die Zweigniederlassungen in Kollektivunterschrift zu zweien - bei einer Firma, die in direkter Konkurrenz steht zur WELEDA. Dazu bedarf es kein Kommentar. Ich frage mich nur, warum Spagyros ausgerechnet einen Manager, der so offensichtlich eine Firma bis kurz vor die Insolvenz gebracht hat, einen "erfahrenen Managementprofi mit internationalem Erfolgsausweis in der Komplementärmedizin und Naturkosmetik" nennt und mit ihm die "Zukunftsausrichtung im Inland- und Exportgeschäft nachhaltig sichern" will. Jedenfalls scheinen die Verantwortlichen dort nicht die schweizer Wirtschaftszeitung BILANZ zu lesen, die ja in Ausgabe 15/2012 titelte "Stümperhaftes Management trieb Weleda ins Minus" - und für das Management in der Schweiz war vor allem Moritz Aebersold verantwortlich. Verantwortlich war Moritz Aebersold als Verwaltungsratspräsident auch für die Insolvenz der inzwischen liquidierten HeartBalance AG, die er 2004 mit seinem Spezi, dem Tierarzt Rainier Dierdorf, und 360.000 CHF Aktienkapital (nicht privat, sondern aus dem Vermögen der WELEDA, denn die HeartBalance AG stand damals auch als Beteiligung in den Büchern der WELEDA AG) gründete und 2009 wieder auflöste. Ob die Aktionäre - also hauptsächlich die WELEDA - jemals wieder etwas von dem eingezahlten Geld gesehen haben, ist mir nicht bekannt. Warum nur vertraut die Spagyros AG nun jemandem, der seine Fähigkeit, Firmen in die Insolvenz zu führen, so eindrucksvoll bewiesen hat? Oder ist es anderes Wissen, das Herr Aebersold mitbringt, an dem die Spagyros AG interessiert ist? 
Wer Moritz Aebersold dazu befragen will, der kann dies am 24. und 25. September in Berlin auf dem "Naturkosmetik-Branchenkongress" tun, wo er als "Speaker" auftritt und ausgerechnet an einer Experten-Diskussion mit dem Titel "Identität Naturkosmetik - Zukunftsfähige Konzepte für die Märkte" teilnehmen wird. Es würde interessant sein zu hören was er da zu sagen hat, nachdem er ja 17 Jahre Zeit hatte, in die WELEDA ein zukunftsfähiges Konzept umzusetzen - sichtbar ohne Erfolg.
Leider habe ich 1. keine Zeit dazu und 2. kostet die Teilnahme 1,640 € - aber falls jemand Herrn Aebersold da hört, freue ich mich über einen Bericht. Und vielleicht kann man ihn da ja auch mal fragen, warum er denn bei WELEDA keine zukunftsfähigen Konzepte umgesetzt hat, als er die Möglichkeit dazu hatte.

Donnerstag, 29. August 2013

WELEDA macht Werbung in Fernsehen - ist das die Zielgruppe?


Wie die Zeitung "Markenartikel-Magazin" berichtet, wird WELEDA viel Geld in herkömmliche Werbung stecken. Geld, das die Konsumenten zum Kauf anreizen soll - nur wo kaufen die Konsumenten dann WELEDA? Hauptsächlich sicher in den Drogeriemärkten - denn Reformhaus- und Bioladen-Kunden kaufen WELEDA mit oder ohne Werbung, bei diesen wird die Werbung wenig zusätzliche Käufe ermöglichen.
Mich macht diese Ankündigung traurig und besorgt. Geht WELEDA jetzt den Weg, ein ganz normaler Markenartikelhersteller zu werden, der kurz oder lang zu einem der großem Konzerne gehören wird? Will sich WELEDA mit diesen Aktionen, die ja vor allem den Wert der Marke WELEDA stärken, fit machen für einen möglichst teuren Verkauf?
Zur Erinnerung: Der französische Kosmetikhersteller L'Oreal hat vor etwa 10 Jahren für die Kosmetikkette BodyShop mit ihrem Franchisesystem und den Body-Shop-Läden einen Kaufpreis von über 1. Mrd. (1.000 Millionen!) € bezahlt. Wenn WELEDA für nur 1/10 dieses Kaufpreises "wegginge", wäre die Anthroposophische Gesellschaft für einige Jahre saniert. Nur - ist das noch im Sinne des Gründers, im Sinne Rudolf Steiners?
Sicher war Rudolf Steiner ein moderner Mensch, und es ist auch grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden, Menschen über das Medium Fernsehen zu erreichen. Nur: Welche Message bietet WELEDA? Bringt WELEDA noch einen "tieferen Sinn" zum Kunden, oder bedient WELEDA ganz allgemein den Trend zu hochwertigen Produkten, die das Ego des Kunden stärken? Ganz abgesehen davon, dass sich Familien mit einem durchschnittlichen Einkommen WELEDA nicht mehr leisten können und die Marke eine Marke für die Schicht der "Besserverdienenden" wird.
Nochmals als Erinnerung: Die WELEDA Kosmetiksparte wurde von Rudolf Steiner gegründet mit zwei Aufgaben:
  • Als Botschafter für die Anthroposophie zu dienen. Denn mit den Kosmetik-Artikeln kommen die Produkte zu Menschen, über diesen Kontakt können Informationen, Werte und Denkanstöße vermittelt werden - nicht plump missionarisch, aber doch so, dass Menschen zum Selbst-Nachdenken angeregt werden. Oder es können Unterstützer für die vielen Engagements anthroposophischer Initiativen weltweit gesucht und gefunden werden.
  • Geld für die Finanzierung der Anthroposophie zu verdienen. Denn mit Kosmetik konnte auch damals schon gutes Geld verdient werden, und im Gegensatz zu Medikamenten und Lebensmitteln, wo das "Geld verdienen" mit Krankheit und Hunger eher fragwürdig ist, ist es auch nicht moralisch verwerflich, denn Kosmetika sind ein Luxusartikel - mehr als eine gute Seife brauch eigentlich kein Mensch wirklich. Auch deshalb sollen WELEDA Medikamente kostendeckend, aber nicht gewinnbringend kalkuliert werden.
  • Werden diese beiden Ziele mit diesen Aktionen erreicht? Ich glaube eher Nein.
    Menschen, die in einem mehr oder weniger anonymen Drogerie- oder Supermarkt WELEDA Produkte erwerben, bekommen von der "Botschaft" wenig mit - vor allem da WELEDA alles dafür tut, möglichst "normal" zu werden (wobei "normal" nicht unbedingt "gesund" bedeutet). WELEDA wird zu einem Image-Produkt sowohl für die der wachsenden, kommerziell immer mehr ausgeschlachtete Gruppe der LOHAS als auch von Menschen, die meinen "etwas besseres zu sein". Ein Transfer von Werten, Botschaften oder Informationen, die mehr sind als nur die Produktinformationen, findet nicht statt.
    Wie ist es mit dem Geld verdienen? Wer die "Hackordnung" im Konsumgeschäft kennt der weiß, dass inzwischen die Produzenten ganz unten stehen. Die großen Handelsketten diktieren die Preise und haben die Macht, einem Hersteller über Nacht viel Umsatz weg zu nehmen, indem sie ihn einfach nicht mehr ins Regal stellen - oft reicht auch ein einfaches Umplatzieren, wenn ein Produkt an einer anderen, ungünstigeren Stelle steht, wird es weniger gekauft - Werbung hin oder her. Und natürlich stellen die großen Handelsketten diejenigen Produkte an die bevorzugten Stellen, an denen sie am meisten verdienen. Ein guter Platz im Regal wird also von zwei Seiten bezahlt: Einmal vom Kunden durch einen höheren Preis, zum anderen vom Hersteller durch einen höheren Rabatt.
    Fazit ist, dass diese Werbeaktionen vor allem den großen Handelsketten einen höheren Gewinn bringen und ins Leere laufen, wenn WELEDA als Hersteller den Ketten nicht saftige Rabattmargen einräumt. Dass dies dauerhaft zur Gesundung des Unternehmens beiträgt, ist eher fraglich.
    Gerne würde ich wissen, wie viele WELEDA Fillialgeschäfte in einigen Großstädten hätten eingerichtet werden können von dem Geld, das jetzt für Werbespots und Großflächenplakate ausgegeben wird. Fillialgeschäfte, in denen reale Menschen einen interessanten Arbeitsplatz haben und in denen Kundinnen und Kunden die wirklichen Werte der WELEDA kennenlernen, in denen auch Veranstaltungen stattfinden können und in denen der Kaufpreis auch ganz an die WELEDA geht. Sicher wird das eventuell das Produktionsvolumen anfänglich etwas verringern, doch: Hat WELEDA wirklich die Aufgabe, die hochwertige Kosmetik herzustellen für die besserverdienenden Massen, die WELEDA nur zum aufpolieren ihres Images brauchen?
    Oder soll vielleicht diese ganze Aktion nur bewirken, dass die großen Ladenketten WELEDA wieder auf ein bessere Platzierung im Regal setzen? Oder vielleicht sogar das Auslisten von WELEDA zugunsten der Eigenmarken verhindern? Der dm Markt beispielsweise - der sicher einen hohen zweistelligen Prozentanteil am gesamten Umsatz der WELEDA hat - hat mit seiner Hausmarke alverde eine Marke geschaffen, die nicht nur in allen Test hervorragend abschneidet, sondern auch zu einem Preis verkauft wird, der auch für ein normales Familienbudget machbar ist. Welchen Grund soll nun ein Konsument haben, statt der guten und günstigen alverde die ebenfalls gute, aber wesentlich teurere WELEDA zu kaufen, wenn die eigentlichen Werte, die hinter WELEDA stecken und die den höheren Preis rechtfertigen, nicht wirklich vermittelt werden können? Denn für das Vermitteln dieser Werte bedarf es mehr als eines 20-sekündigen Fernsehspots oder eines Großflächenplakats - vor allem wenn es eine "emotionale Ansprache" der Kunden werden soll, wie Herr Stroink betont.

    Dienstag, 6. August 2013

    Kartellverfahren: WALA muss Bußgeld und evtl. Schadenersatz zahlen - was mach WELEDA?


    Im Sommer 2009 hatte das Bundeskartellamt die Geschäftsräume von WALA durchsucht. WALA wurde vorgeworfen, durch Depotverträge eine sog. "vertikale Preisbindung" bei den Kosmetikprodukten durchgesetzt zu haben. WALA hat die "Verfehlungen" zugegeben, sich mit dem Kartellamt geeinigt und ein Bußgeld in Höhe von 6,5 Mio € akzeptiert.
    "Vertikale Preisbindung" bedeutet, dass - anders als bei den "horizontalen Kartellen", wo Konkurrenten ihre Preise absprechen - ein Hersteller die Preise der Handelsstufen vorschreibt. Dies kann sogar zulässig sein, wenn davon die Verbraucher profitieren. Der Vorteil – etwa eine fachliche Beratung – muss vom Hersteller allerdings quantifiziert werden. Im Falle WALA konnte dies anscheinend nicht belegt werden.
    Nach Abschluss des Verfahrens planen nun verschiedene Verkäufer, vor allem Versand-Apotheken, die von WALA wegen Nicht-Einhaltung der Endkundenpreise nicht mehr beliefert wurden, eine Schadenersatzklage wegen entgangenem Umsatz und Gewinn. Diese Klagen haben durchaus Aussicht auf Erfolg, da die europäischen Wettbewerbs-Richtlinien Preisbindungen verbieten und mit dem festgestellten Kartellverstoß die Kläger eine Rechtsgrundlage haben. Da die Verkäufer WALA als "Schlüsselmarke" definieren, können sie mehr Schaden geltend machen als den reinen Verdienstausfall, denn sie können sagen dass Kunden überhaupt nicht bei ihnen gekauft hatten, weil die Marke WALA fehlte.
    Welche Schlüsse können daraus gezogen werden?
    Einmal wird deutlich, dass ein Hersteller nur sehr begrenzt die Endkundenpreise beeinflussen kann, denn es gibt "übliche" Margen für die verschiedenen Handelsstufen und für die Händler ein Recht auf Gleichbehandlung. Ein Hersteller kann also nicht verhindern, dass beispielsweise eine Supermarktkette seine Produkte mit nur einem minimalen Aufschlag auf den Einkaufspreis weiterverkauft - so lange es "normale" Produkte sind, die keine spezielle Beratung bedürfen.
    Welche Auswege gibt es daraus?
    Der einzige Ausweg, den es daraus gibt, ist die Beschränkung des Verkaufs auf eigene Läden, in denen eine umfassende Beratung sichergestellt werden kann. Nur wenn ein Hersteller seine Produkte ausschließlich selbst verkauft, kann er den Endkundenpreis bestimmen. "BodyShop" ist ein solches Beispiel, die BodyShop Produkte gibt es ausschließlich in den eigenen Läden - dadurch ist einerseits eine auskömmliche Marge gesichert, andererseits wird verhindert dass die Produkte "verramscht" werden.
    WELEDA könnte nun - vielleicht sogar gemeinsam mit WALA - ein System von eigenen Ladengeschäften aufbauen, in denen die WELEDA (und vielleicht auch WALA) Produkte verkauft werden. Dann fallen natürlich die Verkäufe über Bioläden, Drogerien, Apotheken etc. weg, und es wird anfänglich sicher einen Umsatzeinbruch geben. Denkbar und gegenüber Kartellamtsklagen sicher wären sicher auch ein Franchise-System, bei dem Inhaber von Bioläden, Drogerien oder Apotheken Franchisenehmer werden, eine Franchisegebühr entrichten, an Franchise-Lehrgängen teilnehmen und damit das Recht erhalten, die Produkte zu verkaufen.
    Wie ist die Situation heute im "normalen" Handel? Durch die zunehmende Konzentration wird die Macht der Handelsketten immer größer, Hersteller sind - wenn sie kein eigenes Vertriebsnetz haben - dieser Macht schutzlos ausgeliefert und müssen Preise akzeptieren, die mit viel Glück das Überleben sichern, aber keine Gewinne zulassen die für soziale, kulturelle oder Expansionszwecke genutzt werden können - vor allem wenn die Herstellung - wie bei WELEDA und WALA - so aufgebaut ist dass viel Handarbeit notwendig ist, dass die Beschaffung der Rohstoffe schwierig ist und dass somit eine Produktionserhöhung nur eine minimale Kostensenkung bewirkt.
    Diese Schwierigkeiten waren vorhersehbar spätestens mit dem Aufkommen des Internethandels, der Preise für den Endkunden vergleichbar macht. Schon 2001 habe ich bei WELEDA deshalb den Aufbau eines Franchise-Systems vorgeschlagen mit dem Ziel, mit eigenen oder Shop-in-Shop-Läden die Kunden direkt und ohne Zwischenhandel zu erreichen. In diesen WELEDA Läden hätten auch weitere Aktivitäten (Lesungen, Buchvorstellungen, Vorträge ...) stattfinden können, die Konsumenten würden direkt erreicht und WELEDA hätte den eigentlichen Zweck seines Bestehend, nämlich der Anthroposophie als Multiplikator zu dienen, erfüllt. Dies wäre ein Konzept ähnlich wie McDonalds, in dem ein Franchisenehmer zum Repräsentant der WELEDA (und evtl. WALA) in einem Gebiet wird und vor Ort verschiedene Vermarktungskanäle betreibt. Ich schrieb (mit vielen anderen Punkten) im Juni 2001 in einer Stellungnahme zum WELEDA Geschäftsentwicklungskonzept "Quo vadis", das von Herrn van Hoogenbandt initiiert wurde:

    Franchise
    Das Franchisekonzept sollte modular aufgebaut sein. Eine regelmässige Schulung der Franchisenehmer und seines Personals ist obligatorisch und in den Franchisekosten inbegriffen.
    • Grundmodul: Das komplette WELEDA Kosmetik- und Diätetik-Programm, etwas Fachliteratur sowie ein Probierausschank für WELEDA Elixiere. Platzbedarf: ca. 20 qm & Lager, somit auch als Shop-im-Shop (evtl. in grossen dm-Filialen) oder in 1a Lagen mit teurer Miete möglich. Gebietsschutz für ein Einzugsgebiet von 100'000 Einwohnern.
    • Ergänzungsmodul 1: Behandlungsräume für Massage. Gebietsschutz für ein Einzugsgebiet von 200'000 Einwohnern.
    • Ergänzungsmodul 2: Wannenbäder und Massage. Gebietsschutz für ein Einzugsgebiet von 200'000 Einwohnern.
    • Ergänzungsmodul 3: Apotheke (beim Vorliegen entsprechender Fähigkeitsausweise des Franchisenehmers) mit vollem WELEDA Sortiment. Gebietsschutz für ein Einzugsgebiet von 100'000 Einwohner
    • Ergänzungsmodul 4: Apotheke (beim Vorliegen entsprechender Fähigkeitsausweise des Franchisenehmers) mit Labor zur Herstellung von WELEDA Magistralpräparaten aus WELEDA Halbfertigfabrikaten. Gebietsschutz für ein Gebiet von 50 anthroposophisch arbeitenden Ärzten.
    • Ergänzungsmodul 5: Nur in Ländern ohne WELEDA Tochtergesellschaft oder WELEDA Vertretung: Versand von Internetbestellungen an Consumer. Gebietsschutz: Ein Land.
    Ich habe dies auch in einem Memorandum an die Geschäftsleitung im Sommer 2001 ausgearbeitet. Leider sahen aber das damalige Management der Herren Aebersold, Sirdey, van Hoogenband etc. keine Notwendigkeit, über solche Konzepte nachzudenken - ich habe noch nicht einmal ein Feedback dazu erhalten. Und so muss auch WELEDA weiterhin seine wertvollen Produkte über Handelsketten verkaufen, die den Wert überhaupt nicht erkennen, und zu Preisen, die eine Einhaltung der selbst gesetzten hohen Qualitätsstandards zunehmend schwierig machen.

    Sonntag, 12. Mai 2013

    Wann ist ein starkes ICH zu viel ICH?


    In den "Nachrichten für Mitglieder" erschien der folgende Beitrag:


    Zur Wahl von Joan Sleigh in den Vorstand der AAG


    Bei der Generalversammlung wurde Joan Sleigh mit großer Mehrheit bei 2 Neinstimmen und 6 Enthaltungen in den Vorstand gewählt.
    Eine der Neinstimmen gehörte mir. Warum?
    Ich kann versichern, dass ich keinerlei persönliche Vorbehalte gegen Joan Sleigh habe. Ich bin auch überzeugt, dass sie eine sehr tüchtige und willensstarke Person ist und im Rahmen des jetzigen Vorstandes ihre Aufgaben erfüllen wird. So wie sie sich selbst auch am Tag nach der Wahl vorstellte: „Joan Sleigh, Vorstand.“
    Warum trotzdem mein „Nein“?
    Es lag an der Präsentation all der Gründe, die den Vorstand bewegten, Joan Sleigh zu kooptieren. Und an der Art, wie sie selbst sich präsentierte als das, „was mich ausmacht.“ Dass sie Südafrika und Europa verbinden kann. Dass sie durch ihre Herkunft als Enkelin von Karl König mit der Camphill-Bewegung und als Tochter eines Priesters mit der Strömung der Christengemeinschaft verbunden ist. Dass sie Qualitäten von Tieren Südafrikas repräsentiert. Und Mutter ist – ein Novum im Vorstand.
    Genügt das? Genügt es, Kontinenten zuzugehören, Strömungen anzugehören, Tochter zu sein, Mutter zu sein?
    Mir war zu wenig „ICH“ anwesend. Zu wenig Anthroposophie, die im ICH ergriffen war, durch das ICH sprach. Keine Initiative für die zukünftige Gestaltung der Anthroposophischen Gesellschaft. Und das hat mich zutiefst nachdenklich gemacht.
    Nun hat bekanntlich auch Rudolf Steiner im Urvorstand Persönlichkeiten gewählt, die bestimmte Strömungen repräsentieren konnten. Doch ging es hier um karmische Strömungen, die im jeweiligen ICH anwesend waren. Ist das nicht gerade das Gegenteil davon, einem bestimmten Land oder Kontinent anzugehören?
    Der ergreifendste Moment der Mitgliederversammlung war, als Bodo von Plato von seinem Verhältnis zu Sergej Prokofieff sprach. Man konnte ahnen, dass hier schicksalsmäßig eine Polarität bestand, die zu einer Steigerung hätte führen sollen und kann nur bestürzt darüber sein, dass dies (noch?) nicht gelang. Wird nun, nach dem Ausscheiden Prokofieffs, statt Steigerung „Harmonie“ walten? Harmonie, die nicht aus der gesteigerten Polarität errungen werden muss, sondern dadurch besteht, dass es gar keine Vertreter ICH-hafter Strömungen im Vorstand gibt? Dafür aber harmonische Repräsentanten von Erdteilen?

    Ich nehme dies als Anlass, auf das "Ich" und seine Bedeutung einzugehen, vor allem im Bezug auf die Arbeit in verantwortlicher Position:

    Sehr geehrter Herr ...
    Wir sind uns noch nicht bewusst begegnet, doch fordert mich Ihr Beitrag auf darzustellen, warum ich gerade die Vorstellung von Joan Sleigh als Wohltat empfand. Es ist doch ein großer Unterschied zwischen einem Künstler (wie Sie dies ja sind) und einem Vorstand eines Vereins, vor allem wenn dieser Verein die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft ist und die Aufgaben erfüllen muss, die der AAG in dieser Zeit gegeben sind.
    Während ein Künstler aus SEINEM ICH heraus SEIN Werk schafft, muss ein Vorstand sich selbst zurücknehmen und Wahrnehmungsorgan werden, welche Aufgaben die NOTWENIGKEIT ihm stellt und welche Handlungen zum bestmöglichen Erfüllen dieser Aufgaben notwendig sind.
    Die Hauptursache der ganzen Misere in der AAG und der WELEDA ist doch genau, dass zu viele ICHe die Notwendigkeiten nicht erkannt oder diese zugunsten der Präsentation des eigenen ICHs geflissentlich übersehen haben.
    An den Gegensätzen der ICHe von Bodo von Plato und Sergej Prokofieff wird dies deutlich, beide sind in erster Linie ICH und erst in zweiter Linie Vorstand. Dies zeigt sich z.B. an der Antwort von Bodo von Plato auf die Frage von Tatiana Garcia-Cuerca nach dem Gegensatz zwischen ihm und Sergej Prokofieff, bei der er die Ursachen in der „unterschiedlichen Sozialisation“ und der „Konfliktscheu“ der Elternhäuser sucht – dabei ist es doch die erste Aufgabe der Ich-Entwicklung, frei von den Einschränkungen seines Elternhauses zu werden. Es sind also große ICHe, die aber noch in den Beschränkungen des Elternhauses verhaftet sind – mit allen Konsequenzen.
    Oder nehmen Sie das Beispiel der WELEDA. Die dort lange Zeit führenden Managementpersonen waren so groß ICH, dass sie die Mitarbeiter kaum gesehen haben. Sie waren so von ihrem ICH überzeugt, dass sie jede Kritik, jeden konstruktiven Vorschlag der nicht von ihnen selbst kam, als Angriff darauf empfanden und mit der Ausübung ihrer Macht (z.B. durch Degradierung, Ausschluss von Informationen, Kündigung der kritisierenden Personen) begegneten – mit dem bekannten Ergebnis, dass die WELEDA sehenden Auges jahrzehntelang ins Verderben driftete. Der Kontrast des jetzigen Managements, das sein „Ich“ zurücknimmt zugunsten der großen Aufgabe, die vor ihm steht, wird deshalb von allen Mitarbeitenden als Wohltat empfunden.
    Ebenso ist es doch mit den Verantwortlichen im Goetheanum. Ein Vorstandsmitglied, das öffentlich verkündet dass „auf einmal“ klar wurde, dass die WELEDA in Nöten ist und Handlungsbedarf besteht, obwohl dies ihm nachweislich schon fast ein Jahrzehnt bekannt war – handelt dieses Vorstandsmitglied im Interesse der Sache oder im Interesse seines ICHs, dem es unmöglich ist einen Fehler zuzugeben? Was bewegt einen Verantwortlichen für so wichtige „juristische Personen“ wie es die WELEDA und die AAG sind, die Nöte und objektiven Bedürfnisse dieser notleidenden „Institutionen“ so zu ignorieren?
    Kurz, ich bin sehr froh, dass im Vorstand nicht ein weiteres „großes Ich“ sitzt sondern eine Frau, der ich zutraue, mit ihrer starken und überzeugenden Persönlichkeit selbstlos, aber in vollem Ich-Bewusstsein, nach bestem Wissen und Gewissen die notwendigen Aufgaben zu ergreifen.
    Ein Vorstand muss in erster Linie dazu fähig sein, sein ICH in den Dienst der Aufgaben zu stellen, statt es überall öffentlich auszubreiten.

    Samstag, 6. April 2013

    Erscheinung vom anderen Stern: WELEDA Bannerwerbung bei Fußballtabellen?

    Mit meinem Sohn habe ich heute Fußballtabellen angeschaut, also für die Nicht-fußballer: Das sind die Tabellen im Internet, wo die Ergebnisse der verschiedenen Fußballwettbewerbe (1. Bundesliga, 2. Bundesliga ...) zusammengefasst und aktuell dargestellt werden. Ich traue meinen Augen nicht: Da kommt eine Bannerwerbung dazwischen - so ein ganz fieser Banner, der sich quer übers Bild schiebt und den man wegklicken muss und über den man sich eigentlich immer mehr ärgert als dass man ihn anschaut - also da schiebt sich so ein Banner mit WELEDA MANDEL GESICHCHTSPFLEGE über die Fußballtabellen. Ich stelle mir hier die Frage, ob das wirklich die richtige Zielgruppe ist - oder hat sich der Banner einfach verlaufen ...??? Oder waren auf meinem PC WELEDA als Stichwort gespeichert? Gekauft habe ich WELEDA jedenfalls nicht im Internet, auch nicht Produkte gesucht. Seltsam seltsam. Was wohl das Erscheinen eines solchen Banners kostet?

    Dienstag, 26. März 2013

    Ist WELEDA noch ein "anthroposophisches" Unternehmen?


    Diese Frage wurde auch auf der Jahresversammlung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft in einem Beitrag thematisiert. Diesem Beitrag zufolge ist der Anteil der Mitarbeiter bei WELEDA, die eine "anthroposophische" Einstellung haben und Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft sind, sehr gering, er schrumpfte in den letzten Jahren und Jahrzehnten (absichtlich oder fahrlässig?) auf einen heute geschätzten Anteil im niedrigen einstelligen Prozentbereich.
    Es stellt sich natürlich die Frage, ob ein Mitarbeiter der WELEDA "Anthroposoph" sein muss. Diese Frage ist schwer zu beantworten, da sie die Definition von "Anthroposoph" voraussetzt. Ist ein "Anthroposoph" ein Mensch der Mitglied in der Anthroposophischen Gesellschaft ist? Oder ist derjenige ein Anthroposoph, der sich mit der "Weisheit vom Menschen" beschäftigt"? Oder ist derjenige "Anthroposoph" der mindestens die wichtigsten Schriften Rudolf Steiners gelesen und studiert hat?
    "Anthroposophie" ist ein großes Wort, es bedeutet ja "Die Weisheit vom Menschen", und deshalb ist es auch ein sehr großer Anspruch, den die "Allgemeine Anthroposophischen Gesellschaft" in ihrem Namen führt und damit ausdrückt, dass sie nämlich "allgemein(gültig)" für die "Weisheit vom Menschen" zuständig ist.
    Wer die Debatten auf den Jahresversammlungen verfolgt wird vielleicht zu dem Schluss kommen, dass dieser Anspruch von dieser faktischen "Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft" kaum oder garnicht erfüllt wird, denn die Debatten sind eher das, was beispielsweise in einem "Verein zur Erhaltung und Bewirtschaftung des Goetheanums" zu erwarten wäre - doch kann man dies so kurz sehen? Dr. Seja Zimmermann hat dies in ihrer "Bewerbung" um eine Verlängerung ihrer Vorstandstätigkeit auch ausgedrückt, wenn Sie dort (sinngemäß) schreibt: "Ist die Anthroposophische Gesellschaft das was sie sein kann? Nein!"
    Diese Defizit wird also wenigstens von einigen Menschen im Vorstand gesehen - wird es thematisiert? Was wird dafür getan dass die Anthroposophische Gesellschaft das wird, was sie sein kann und was ihre Aufgabe ist?
    In meinen Augen ist die Frage, ob die WELEDA ein "anthroposophisches" Unternehmen ist, eng damit Verknüpft ob die "Allgemeine Anthroposophischen Gesellschaft" als ein Hauptaktionär ihrem Namen gerecht wird. Wenn die "Allgemeine Anthroposophischen Gesellschaft" ihren Namen als Verpflichtung, als Arbeitsauftrag sieht, unseren Globus, unsere Lebensräume mit "Weisheit vom Menschen", also "menschenweise" gestalten zu helfen, dann ist die WELEDA in meinen Augen ein wichtiges "Tool" um diesen Auftrag zu erfüllen, um die Menschen zu erreichen. Mit "menschenweisen" Körperpflegeprodukten und Medikamenten kann die "Allgemeine Anthroposophischen Gesellschaft" durch die WELEDA den Menschen im wahrsten Sinne des Wortes "hautnah" nahe kommen, sie kann durch die WELEDA "menschenweise" Informationen vermitteln, die heute von so vielen Menschen verzweifelt gesucht werden - so verzweifelt, dass sie in ihrer Suche oft in Sekten, in Freikirchen, in psychologischen Gemeinschaften (Scientology) und anderen esoterischen Strömungen "landen" die oft nur darauf aus sind an diesen Menschen Geld zu verdienen und sie abhängig zu machen. Die "Allgemeine Anthroposophischen Gesellschaft" hätte eigentlich die Aufgabe, weltweit so präsent zu sein dass sie als ganzheitliche, Religionen und Philosophien übergreifende Alternative empfunden wird, dass Sie die suchenden Menschen erreicht. Sie hätte die Aufgabe, gemeinsam mit den anderen positiven Kräften, die auf andere Weise "menschenweise" arbeiten, vielleicht sogar als integrierendes Element, aktiv die Erde zu gestalten, also gemeinsam mit den spirituellen Führern dieser Welt - ohne selbst als "Sekte" oder "Religion" in Erscheinung zu treten, sondern nur als "Wissenschaft"
    Hier spannt sich wieder der Bogen zur WELEDA. Die Tatsache, dass die "Allgemeine Anthroposophischen Gesellschaft" sich viele Jahrzehnte kaum bis garnicht um die WELEDA gekümmert hat, zeigt, dass sie diesen Arbeitsauftrag, der schon in ihrem Namen begründet liegt, nicht erfüllt und vielleicht sogar noch nicht einmal erkannt hat - deshalb hat sie sich auch nicht darum gekümmert, ob die WELEDA ein "anthroposophisches" Unternehmen ist und bleibt, hat unfähigen Managern jahrzehntelang die Leitung überlasse und war froh, von der WELEDA einige Fränki Dividende zu erhalten um den Goetheanumbau zu erhalten. Ich bin überzeugt dass die Existenz der WELEDA als "wesentliches" Unternehmen (nicht als ein austauschbarer Hersteller von Naturkosmetik unter vielen anderen Herstellern, dessen Unternehmenszweck es ist einige Fränkli zur Erhaltung der Bausubstanz des Goetheanums zu erwirtschaften) erst dann gerechtfertigt ist, wenn sie der "Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft" als Botschafter dient, was aber voraussetzt dass die "Allgemeine Anthroposophischen Gesellschaft" ihren Arbeitsauftrag erkannt hat, ihre Botschaften und Intentionen so formuliert hat dass sie von den Menschen der Gegenwart erkannt und verstanden werden, und dass Menschen in ihren Reihen vorhanden sind, die diesen Arbeitsauftrag weltweit angemessen vertreten können.
    Insofern wird es wenig nützen, wenn die WELEDA wieder verstärkt "anthroposophisch" orientierte Mitarbeiter einstellt, so lange die "Allgemeine Anthroposophischen Gesellschaft" ihren Arbeitsauftrag nicht erkannt und klar formuliert hat und die WELEDA als entscheidendes Kommunikationselement in diesem Arbeitsauftrag eine wichtige Rolle spielt, die sich dann auch im Arbeitsauftrag des WELEDA Managements wiederfinden muss - der Auftrag, der Verbreitung der "Weisheit vom Menschen" zu dienen.

    Sonntag, 24. März 2013

    Was machen die Ex-Manager?


    Da der administrative Wasserkopf bei WELEDA glücklicherweise abgebaut wurde, ist es nun interessant zu sehen, wohin es die Manager verschlagen hat. Welche neuen Aufgaben werden sie finden? Werden Sie zu Firmen wechseln, die WELEDA Konkurrenz machen?
    Fangen wir an mit Moritz Aebersold, der als langjähriges Mitglied der WELDEDA Gruppenleitung und der WELEDA Arlesheim in meinen Augen der Hauptverantwortliche für das finanzielle Desaster der WELEDA ist. Zu ihm meldet die Schweizer Plattform moneyhouse, dass am 17.01.2013 die Firma Contura Consulting AG mit einem Stammkapital von 100.000 CHF ins Handelsregister eingetragen wurde, einziges Verwaltungsratsmitglied mit Einzelunterschrift: Moritz Aebersold.
    Firmenzweck ist laut Handelsregisterauszug: Die Gesellschaft bezweckt die Unternehmensberatung und die Erbringung von Dienstleistungen in den Bereichen Management, Strategie, internationale Marktentwicklung, Branding und Design, ferner den Import und Export sowie den Vertrieb von Waren aller Art. Die Gesellschaft kann alle Geschäfte tätigen, die direkt oder Indirekt mit dem vorerwähnten Gesellschaftszweck zusammenhängen sowie alle Transaktionen des Mobilien- und Immobilienverkehrs vornehmen. Die Gesellschaft kann sich an anderen Unternehmen beteiligen und Zweigniederlassungen errichten.
    Es wird zu beobachten sein, ob und wie Herr Aebersold die bei WELEDA aufgebauten Netzwerke nutzen wird, ob er Konkurrenzunternehmen beraten wird ... .
    Ich frage mich, was einen Manager, der viele Jahre ein Unternehmen wie WELEDA geführt hat, der in vielen Verbänden der Kosmetik- und Pharmaindustrie Mitglied ist, bewegt, sich selbständig zu machen statt sich auf passende Führungspositionen in ähnlichen Unternehmen zu bewerben ...
    Selbständig gemacht hat sich auch Rudolf Frisch, der nach seinem Ausscheiden bei der WELEDA die Unternehmensberatung Commutatio Consult gegründet hat - ich habe Herrn Frisch aber als das einzige Mitglied des Managements in Erinnerung, dass sich nach meiner Entlassung um mich gekümmert hat. Und wenn wir dem Firmenprofil Glauben schenken, beschäftigt er sich mit dem Thema Personalfindung und -vermittlung sowie mit Organsiationsberatung - es ist also keine Konkurrenz zur WELEDA zu erkennen.
    Auch bei Erk Schuchhart ist dies nicht zu erwarten, denn die Lebensmittelzeitung meldet dass er im April als CEO die DAVERT GmbH führen wird. Wir wünschen ihm viel Erfolg.
    Leider gibt es aus der "zweiten Reihe" des Managements aber unschönes zu vermelden: Olaf Maurice, ehemals Vertriebsleiter WELEDA Frankreich, und Martine Schmitt, ehemals Personalleiterin bei WELEDA Frankreich, haben im Elsass eine eigene Naturkosmetik-Produktion begonnen mit dem Ziel in Frankreich der WELEDA Konkurrenz zu machen.
    Dass es auch anders geht, zeigt Nicolai Keller, 2008 bis 2012 Mitglied der Geschäftsleitung der WELEDA, der immer parallel zu seiner Tätigkeit bei WELEDA seine Rechtsanwaltspraxis geführt hat und seit Januar Geschäftsführer des Nicolaus-Cusanus-Hauses in Stuttgart ist. Und dies macht er gut - wie dieser Bericht in der Stuttgarter Zeitung eindrücklich zeigt.

    Wir werden sehen, was es hier noch zu vermelden gibt ... Hinweise sind immer willkommen.

    Samstag, 3. November 2012

    Aus dem "Nähkästchen" geplaudert ...


    Inzwischen erreichen mich einige Zuschriften von Menschen, die von der Misere bei der WELEDA betroffen sind bzw. die einen Einblick in die Geschehnisse haben und deren Identität ich hier natürlich nicht preisgeben kann. Ihre Berichte und Einschätzungen von aktuellen und vergangenen Zuständen und Entscheidungen des Managements stellen aber natürlich auch immer nur eine persönliche Meinung und (authentische) Beurteilung dar.

    Zum Blog selber heisst es da u.a.:
    "... Ihren Blog habe ich immer sehr geschätzt und eigentlich ist es ein Jammer, dass er überhaupt nötig ist, weil niemand gekommen ist und gesagt hat, ja, das sind gute Ideen, das setzen wir um.
    Aber vielleicht wird das jetzt besser, wenn irgendwelche Egoismen immer weniger nützen."

    Zur aktuellen Situation:
    "... In Schwäbisch-Gmünd wurde kürzlich wieder mit den "alten" Methoden gekündigt, 13 von 18 Mitarbeitenden im Medizinischen Außendienst, sehr rüde und unvorbereitet, behalten wurden ausgesprochen nur die "Gehorsamen", "Leicht zu Führenden", die die selbst denken und schon 20 Jahre und mehr dabei sind, sind unerwünscht.
    ... Ralph Heinisch wird als sehr wohltuend wahrgenommen, weil auch erreichbar für die "einfachen" Mitarbeiter, aber das Übel scheint sein "Einflüsterer", Andreas Sommer zu sein, der letzte, der von der Basler Führungsriege übriggeblieben ist. ...
    ... Herrn Heinisch ist es ja egal, wen er kündigt, er kennt sich noch nicht so aus. ...
    ... Es wird also immer noch unnötig viel Porzellan zerschlagen ...
    ... Auch wenn die Zahlen bald wieder stimmen, es geht doch auch um den Erhalt der Zukunftsfähigkeit! Selbst wenn man sich derzeit von langjährigen Mitarbeitern trennen muss - und damit von sehr viel Know-How -, sollte das doch unter Bedingungen geschehen, die die Menschen nicht langfristig verstören. Das scheint auch von den Neuen am Ruder offensichtlich noch viel zu wenig verstanden zu werden. ..."

    und
    " ... Über die Notwendigkeit von Sanierungen braucht man nicht diskutieren. Es ist auch richtig, den Wasserkopf im Management abzubauen. Jetzt aber sind Führungskräfte am Werk, die über keine Qualifizierung im Arzneimittelbereich verfügen.
    ... Der gesamte Außendienst Medizin wurde aufgelöst, langjährige und engagierte Mitarbeiter mit umfassendem Wissen entlassen.
    ... Nirgendwo in der Presse findet man, dass WELEDA zur Zeit umfangreiche Entlassungen durchführt. "Natürlich" geschieht das im gegenseitigen Einvernehmen und die Mitarbeiter unterschreiben, dass nichts an die Öffentlichkeit gelangt."

    und mehr auf die Vergangenheit bezogen:
    "...die vielen Leute im Headquarter Basel und die, die nachher in Arlesheim alle eingestellt wurden, sind vollkommen oversized (= es sind viel zu viele), man hatte dort eine eigene Business Unit (= Abteilung) für Naturkosmetik angesiedelt (Head Marketing NOC (=  Marketingleiter für Naturkosmetik), Head of F & E  NOC (= Leiter der Forschung und Entwicklung Naturkosmetik), Head of Production NOC (= Produktionsleiter Naturkosmetik), Head Projektleitung NOC.). Die F & E Naturkosmetik (Galenik) wurde von Schwäbisch Gmünd nach Arlesheim verlegt wo die F & E  Actives / Fragrances (= Wirkstoffe / Düfte) schon waren, incl. den beiden Verpackungsentwicklern. In Schwäbisch Gmünd hat man die Abteilung F & E Galenik NOC dann geschlossen, die Leute (Laboranten, Chemieingenieure usw.) dort sind dann gegangen, nur die zwei Verpackungsingenieure sind in Schweiz mit umgezogen, für die hat man dann noch zusätzlich einen Teamleiter gesucht. Für jeweils Galenik und Actives in CH wurden neue Leiter über Consulting Firmen eingestellt, für die einzelnen NOC Segmente (Baby, Face, Body, Hair, Cleansing) wurden Entwicklungsingenieure und Laboranten neu eingestellt, die meisten auch über Consulting Firmen. In Basel wurden in 2011 bis Anfang 2012 noch neue Nachhaltigkeitsbeauftragte, Marketingconsultants, Projektleiter bzw. ein Leiter Projektmanagement eingestellt (von renommierten Unternehmen).
    Bemerkung: Eine Anwerbung von Fachkräften über Consultingfirmen kostet immer richtig Geld, denn diese Firmen lassen sich ihre Dienste etwas kosten. Das Einschalten von Consultingfirmen zur Personalsuche ist immer dann notwendig, wenn niemand in der Firma die wirkliche Verantwortung für die Entscheidung für oder gegen einen Mitarbeiter / eine Mitarbeiterin übernehmen will oder wenn niemand die Zeit hat, sich darum zu kümmern. 
    ... Naturkosmetik sind immer Kleinmengen gegenüber konventioneller Kosmetik, der Headcount ist vollkommen oversized.
    ... Weleda kann nicht so viele Flaschen/Tuben bzw. neue Artikel listen damit sich der ganze personelle Headcount rechnet. Die Verpackungsentwicklung kann man über beide Sparten (Pharma und NOC) abdecken, das Supply Chain Management bzw. Quality ist auch für beide Sparten zuständig. Der dezentrale Einkauf ist ein Luxus den sich das Unternehmen leistete, drei Länder kaufen Kleinstmengen an Gläsern, Tuben, Kartonagen usw. ein, die Lieferanten schüttelten den Kopf. Die Glashütten lieferten z.T. nicht mehr direkt wegen den Mengen und verweisen auf Händler. Andere Lieferanten hatten die Mindestbestellmengen signifikant erhöht."

    Bemerkungen eines Kunden (Therapeuten):
    "... beim sporadischen Lesen Ihres Blogs sehe ich immer wieder das Bild von Rudolf Steiner auf der rechten Bildseite. Es ist ein sehr bezeichnendes, gut gewähltes Bild. Rudolf Steiner wollte ursprünglich sehr viele WELEDA-Niederlassungen mit einem ureigenen Impuls: zeitgemäße Heilmittel herstellen.
    ... Der anthroposophische Geist weht, wo er will. Der "Niedergang" im finanziellen Geldwesen der WELEDA hat mit dem spiritus rector zu tun, der dort abhanden gekommen ist.
    ... Ich beobachte diese Entwicklungen auch schon seit Jahren, zumal die WELEDA auch Therapeuten vor den Kopf gestoßen hat mit einseitigen bzw. ignoranten Maßnahmen.
    Es sind ja Abgründe in unserem Zeitalter schon aufgerissen zwischen Mensch und Mensch!
    In einer Weise, wie es die Menschen gar nicht ahnen, gehen sie heute aneinander vorbei, ohne sich im geringsten zu verstehen. [...]
    Wie blind heute die Menschen aneinander vorbeigehen, das sieht man dann, wenn diese Menschen in den mannigfaltigsten Gesellschaften und Sozietäten sich vereinigen. Die sind heute oftmals für die Menschen durchaus nicht eine Gelegenheit, Menschenkenntnis sich zu erwerben. Die Menschen können heute jahrelang mit anderen Menschen zusammensein und sie nicht genauer kennen als sie sie kannten, als sie mit ihnen bekannt geworden sind. [...]
    Und das ist das ungeheuer Wichtige, daß in uns der Trieb erwacht, nicht bloß den Menschen, wenn wir ihm gegenüberstehen, nach Sympathien und Antipathien zu empfinden, nicht bloß in uns den Trieb erwachen zu lassen, irgend etwas am Menschen zu lieben oder zu hassen, sondern ein liebe- und haßfreies Bild, wie der Mensch ist, in uns zu erwecken.
    12.12.1918, GA 186, S. 170ff."

    Donnerstag, 18. Oktober 2012

    WELEDA im Schweizer Fernsehen

    Der folgende Beitrag wurde am 8. Oktober im Schweizer Fernsehen SF gezeigt:


    Ich empfinde diesen Beitrag als sehr wohlwollend. Er beschreibt sowohl die Aufgabe als auch die Fähigkeiten, die Ralf Heinisch in das Unternehmen einbringt - Fähigkeiten, die im krassen Unterschied zu dem stehen, was das vorherige Management einbrachte: "... die Menschen anzuleiten ..." war beispielsweise eine der Fähigkeiten, die den Herren Moritz Aebersold, Patrick Sirdey & Co vollkommen fehlte - diese Anleitung wurde ersetzt durch Druck, Drohung und Erniedrigung. Völlig undenkbar war, dass sie sich bemüht hätten, "Stimmungen im Betrieb wahrzunehmen" - nein, sie fuhren sogar zu den regelmäßigen Besprechungen zwischen WELEDA Arlesheim, Hüningen und Schwäbisch Gmünd in Karlsruhe im gleichen Zug separat in der 1. Klasse, um ja nicht in Kontakt mit uns "normalen" Angestellten zu kommen, die wir in der 2. Klasse fuhren, und wenn wir uns im Bordrestaurant begegneten, wurden wir von den Mitgliedern der Geschäftsleitung vollkommen ignoriert - kein einziges Wort wurde zwischen der Geschäftsleitung und uns Mitarbeitern gewechselt, selbst wenn die Tische, an denen wir im Bordrestaurant saßen, direkt nebeneinander standen. 
    "Wirtschaftlichkeit interessierte lange Zeit nicht" - hier wird es ausgesprochen. Als ich das schon vor über 10 Jahren darauf hingewiesen habe und durch erschließen von Exportmärkten die Wirtschaftlichkeit fördern wollte, wurde ich nicht gehört und in meiner Arbeit behindert. Auch Herr Paul Mackay wusste schon viele Jahre über die Probleme " ... es muss schnell gehandelt werden ..." kann sich deshalb nur darauf beziehen, dass er endlich den Hinweisen glauben schenkte, und nach dieser Erkenntnis die Initiative ergriff. Objektiv waren die Probleme und auch seine Kenntnis (und die Kenntnis seiner Vorgänger) schon lange vorhanden. Siehe auch hier meine Briefe an den Verwaltungsrat aus den Jahren 2000 und 2001 sowie an Herrn Rolf Kerler - dem Vorgänger von Paul Mackay aus den Jahren 2001 und 2004 / 1, 2004 / 2 und 2004 / 3
    " ... die Sorge dass nicht schnell genug gehandelt würde ..." ist eine harmlose Umschreibung für die Erkenntnis, dass das bisherige Management absolut unfähig war, die Probleme in den Griff zu bekommen - die im Beitrag angesprochene Entscheidung für den Wasserkopf-Standort Basel ist ein Beispiel für diese Unfähigkeit des alten Managements von Herrn Aebersold, Herrn Sirdey & Co, die Realität zu sehen.
    Und immer mehr stellt sich die Frage, warum die Probleme nicht vorher erkannt und Lösungen gesucht wurden, zu Zeiten, wo die regulatorischen Anforderungen für die Medikamente noch wesentlich geringer waren.
    Es natürlich stellt sich auch die Frage - die den Rahmen des Beitrages sprengen würde - warum der Absatz der Medikamente so niedrig ist.
    Warum verordnen so wenige Ärzte diese Medikamente?
    Warum sind sie so unbekannt?
    Was kann getan werden, damit dieser Schatz an Wissen und Präparaten erhalten bleibt und wie können Therapeuten geschult werden, mit ihnen umzugehen und sie einzusetzen?

    Donnerstag, 13. September 2012

    Rückblicke auf eigene Versäunisse sind schwer ...


    Die WELEDA unter neuer Führung von Ralph Heinisch interessiert nun auch die nicht-anthroposophische und Wirtschaftspresse. Und da wird schreiben durchaus fähige Redakteurinnen und Redakteure, die Erfahrung mit der korrekten und objektiven Beschreibung von Firmen und ihren Eigenarten haben, wie sie die WELEDA sehen, ihre Vergangenheit zu verstehen suchen und die Chancen und Stolpersteine in der Zukunft bewerten.
    Auch die Wirtschaftswoche übernahm diesen Artikel in leicht abgeänderter Form mit der Überschrift "Weleda im Einklang mit Natur und Profit"
    Doch was macht die "anthroposophische" Presse? Statt sich über die ausführliche und objektive Berichterstattung zu freuen und dies als Anlass zu nehmen, von alten Versäumnissen Abstand zu nehmen, schreibt der anthroposophische Nachrichtendienst INMEDIA als Kommentar zu dem Link zu dem Artikel der Wirtschaftswoche: "Ausführlicher, aber journalistisch wenig überzeugender Artikel über den neuen Weleda-Chef Ralph Heinisch: mit nebulösen Andeutungen aus unklaren Quellen und haarsträubenden Aussagen über die angeblich fatale Angewohnheit der Anthroposophen, immer nur „das Gute im Menschen zu sehen“ (LK)"
    Warum so negativ? Ist die Wahrheit wirklich so schwer zu ertragen, dass der Artikel so negativ beurteilt werden muss? Oder ist es die Konkurrenz, weil man es selbst nicht geschafft hat - trotz wesentlich besserer Kenntnis der handelnden Personen, der Umstände und der Hintergründe - einen solch objektiven und dabei noch spannend und abwechslungsreich zu lesenden Artikel zu schreiben? Hätte Frau Laura Krautkrämer (die sich ja wohl hinter dem Kürzel LK verbirgt) wohl gerne auch einen so "schmissigen" und lesenswerten Artikel über WELEDA geschrieben? Hat sie aber nicht, sondern nur - vor etwa einem Jahr - einen absolut unkritischen Artikel, der mehr die Werbebotschaften der WELEDA widerspiegelt als eine unabhängige und objektive Berichterstattung - siehe dazu auch meinen Blogeintrag "Unkritischer Journalismus - Info3-Artikel "Globuli & Geld" vom Juni 2011.
    Ja, diese Artikel von Kristina Gnirke haben eine andere journalistische, investigative und kritische Qualität als das, was Frau Krautkrämer in Info3 über WELEDA geschrieben hat - wer diese beiden Artikel nebeneinander liest kann selbst beurteilen, wo "nebulöse Andeutungen" zu finden sind. In meinen Augen jedenfalls eher in dem Artikel von Frau Krautkrämer (ich will hier meinen o.g. Blogbeitrag nicht wiederholen) als in dem präzisen Artikel von Frau Gnirke. Und das Frau Gnirke ihre Quellen nicht alle angibt, kann auch seinen Grund darin haben, dass sich in der "anthroposophischen Szene" die Menschen eben kennen und eine Namensnennung einer Quelle die "Ächtung" des / der BetroffeneN zur Folge hätte.
    Aus meinen Erfahrungen bei der WELEDA kann ich jedenfalls die Beschreibungen, die sich auf die Vergangenheit und die Ursachenforschung, warum die wirtschaftliche Lage dieses Unternehmens in einer der Boombranchen der letzten Jahrzehnte so katastrophal ist, sowohl vom sachlich-inhaltlichen als auch vom gefühlsmäßig-atmosphärisch-menschlichen Gesichtspunkt vollumfänglich bestätigen.
    Auch das Frau Krautkrämer es als "haarstäubende Aussage" empfindet, dass Frau Gnirke mit ihren Worten "das Gute im Menschen sehen" kritisiert, dass dem alten Management nicht rechtzeitig - also vor über 10 Jahren - die Tür gewiesen wurde, obwohl klar war, dass dieses einfach Fehl am Platze und für die Sache (also für die WELEDA) schädlich war, ist ihr gutes Recht - nur wenn das zweifellos in jedem Menschen vorhandene "Gute" eben überdeckt wird von Geltungssucht, Unvermögen und anderen Eigenschaften, die dann aufkommen wenn Menschen die Realität nicht mehr sehen wollen und sich selbst immer dadurch beweisen müssen, dass sie andere Menschen, die ihnen weisungsmäßig unterstellt sind, schlecht machen (wie ich dies beim Management der WELEDA erfahren habe), dann muss auch neben dem "Guten" dessen Gegenstück gesehen und die Konsequenzen gezogen werden. Dass dies bei WELEDA nicht rechtzeitig geschehen ist, zeigt die wirtschaftliche Lage ja eindeutig. Dies beschreibt Frau Gnirke und damit hat sie vollkommen recht. 
    Es ist schade, dass sich auch Medien, die sich selbst als "Erneuerer" und "kritische Begleiter" der Anthroposophie verstehen, wie Info3, den nötigen Abstand nicht haben um die Ursachen der Misere objektiv zu sehen.
    Ja, wenn die Anthroposophie so wenig Abstand gewinnen kann von alten Versäumnissen, so wenig Zugeben kann, dass es vielleicht doch falsch war, das alte Management jahrzehntelang "rumwursteln" zu lassen, dann hat es Ralph Heinisch wirklich schwer, den Laden wieder auf Vordermann zu bringen. Dies ist insofern absolut unverständlich, als dass die Hauptverursacher der Misere - also die Herrn Aebersold, Sirdey & Co - ja überhaupt nicht mehr im Unternehmen sind und die jetzigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - jedenfalls diejenigen, die die wirkliche Arbeit machen und sich nicht im jetzt aufgelösten "Wasserkopf" des Basler Büros häuslich niedergelassen haben - wohl mehr unter dem Management gelitten haben als das es ihnen geholfen hat. Warum sich jetzt gegen einen klaren Blick auf die Vergangenheit so gewehrt wird, kann ich nicht verstehen.

    Montag, 4. Juni 2012

    Zum Geschäftsergebnis 2011


    Ja, 2011 war geschäftlich kein gutes Jahr für die WELEDA, und die Zahlen im Geschäftsbericht 2011 sind nicht gerade erfreulich für die Aktionäre und Inhaber von Partizipationsscheinen, die in diesem Jahr auch keine Dividende erhalten.
    Wer die Zahlen der letzten Jahre nebeneinander stellt, kann eine geschäftliche Entwicklung sehen, die leider nur eine Tendenz zeigt: nach unten. Dies ist also das Ergebnis der langjährigen und unheilvollen Tätigkeit des Duos Moritz Aebersold (Geschäftsführer 1994 - 2012) und Patrick Sirdey (Geschäftsführer 2004 - 2012). Die Abwärtsbewegung begann schon mit der Assistenz von Mathieu van den Hoogenbandt (Geschäftsführer 2004 - 2008), mit verantwortlich sind auch Rudolf Wilhelm Frisch (Geschäftsführer 1998 - 2009), Hans Steisslinger (Geschäftsführer 2008 - 2010), Rainier Dierdorf (Geschäftsführer 1998 - 2008),  Marc Follmer (Geschäftsführer 1990 - 2011) sowie Andreas Sommer (Geschäftsführer 2011 - 2012), Peter Braun (Geschäftsführer 2009 - 2012) und Patrick Kersting (Geschäftsführer 2009 - 2012). Hauptverantwortlich sind aber m.E. - neben dem Verwaltungsrat unter dem Vorsitz von Georg Fankhauser (VR-Mitglied 2001 - 2012, VR-Präsident 2009 - 2012), der diese Personen jahrelang ungestört so wirtschaften lies - die beiden Erstgenannten, die seit vielen Jahren die Geschäfte der WELEDA lenkten und im Hintergrund die Fäden zogen.














































    Mit verantwortlich für die Untätigkeit des Verwaltungsrates sind sicher auch die langjährigen Mitglieder Henner Ehringhaus (VR-Mitglied 2000 - 2009), Michaela Glöckler (VR-Mitglied 1999 - 2009), Johanna Lobeck (1997 - 2008), Marc Theurillat (VR-Mitglied 1995 - 2009) sowie natürlich das langjährige Verwaltungsratsmitglied und ehemalige Verwaltungsratspräsident Rolf Kerler (VR-Mitglied 2004 - 2011, VR-Präsident 2003 - 2009), den ich noch selbst wiederholt und intensiv auf die Probleme bei der WELEDA aufmerksam gemacht habe.
































    Indirekt verantwortlich sind aber auch alle Mitglieder der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft, die sich trotz der warnenden Anzeichen, trotz vieler Hinweise und Nachrichten, nicht um die geschäftliche Entwicklung "ihrer" WELEDA und um die teilweise schlimmen Zustände in Personal- und Geschäftsführung gekümmert haben, die sich von dem bunten Schein der Werbeanzeigen und schönen Produkte haben blenden lassen und dem untätigen Verwaltungsrat vertraut haben.
    Die folgenden Grafiken zeigen deutlich, welch schwierige Aufgabe sich Ralf Heinisch und seine neue Führungsmannschaft vorgenommen und welch katastrophales Erbe sie angetreten haben! Auf der Haben-Seite der WELEDA stehen nun vor allem die immateriellen Güter, insbesondere die Kompetenz, die Qualifikation und der Einsatzwille der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Qualität der von ihnen entwickelten und produzierten Produkte sowie der in Jahrzehnten gewachsene gute Name des Unternehmens. Die Aufgabe ist, mit diesen immateriellen Werten auch genügend materielle Werte zu schaffen um ein wenigstens ausgeglichenes Ergebnis zu erwirtschaften und mittelfristig sogar den Schuldenstand abzubauen.
    Ich schreibe dies hier so deutlich, da mit dem 1. Juni 2012 auch personell ein klarer Schnitt in der Verantwortlichkeit gemacht wurde, der durch die Ereignisse der letzten 6 Monate vorbereitet wurde. So kann dann in einigen Jahren die hier dargestellte Geschäfts- und Ergebnisentwicklung der Ägide Aebersold / Sirdey mit der dann hoffentlich wesentlich positiveren Entwicklung der Ägide Heinisch verglichen werden. 
    Die Geschäftsergebnisse der WELEDA zeigt die folgende Grafik:




















    Aufschlussreich ist aber auch die Entwicklung von Eigenkapital (blaue Linie) und Fremdkapital (rote Linie). Das erschreckende Ergebnis zeigt die grüne Linie. Der Übersichtlichkeit halber habe ich es getrennt dargestellt für die WELEDA AG, Arlesheim, und die WELEDA Gruppe. Bitte beachten Sie, dass die Zahlen der folgenden Grafiken eine Null mehr haben also bei der Ergebnisrechnung - die Differenz zwischen Eigen- und Fremdkapital liegt also bei ca. 100 bzw. ca. 140 Mio CHF. Die genauen Zahlen und Details finden Sie in den jeweiligen Geschäftsberichten, die Sie in der Rubrik "Dokumente" rechts aufrufen können.


    Sonntag, 3. Juni 2012

    Resturkturierung der Unternehmensführung abgeschlossen

    Zwei entscheidende positive Weichenstellungen wurden anlässlich der Generalversammlung der WELEDA Aktionäre bekanntgegeben:
    1. Der Standort Basel wird aufgelöst. Dieser reine Verwaltungsstandort in bester und teuerster Basler Bürolage war mit ein Grund zur Entfremdung von Verwaltung und Produktion. Den dortigen Verwaltungs- und Marketingmitarbeiterinnen und -mitarbeitern wird entweder ein Arbeitsplatz an einem der drei Unternehmensstandorte angeboten oder sie werden das Unternehmen verlassen, dem sie großteils auch erst wenige Jahre angehören.
    2. Neben Patrick Sirdey, dessen Ausscheiden schon lange feststeht, werden auch Peter Braun und Moritz Aebersold die Unternehmensführung verlassen. Dieses Dreigestirn war für die bisherige Ausrichtung des Unternehmens und die Fehlentscheidungen der letzten Jahre und Jahrzehnte verantwortlich. Auch wen ihnen natürlich ausführlich für ihre bisherige Arbeit gedankt wird, ist diese lange überfällige Entscheidung mit das Beste, was WELEDA geschehen konnte. 
    Inzwischen wird auch offen diskutiert, was ich schon zu Beginn meiner Tätigkeit kritisiert habe, dass nämlich die Kalkulation auch in der Herstellung der Körperpflege nicht sauber ist und dass teilweise Produkte unter den Herstellungskosten an Ländergesellschaften weitergegeben wurden. Wenn die Verhandlungen mit Großabnehmern wie Drogeriemärkten ähnlich verliefen wie ich das mit Ländergesellschaften und Importeuren erlebt habe, sind die schlechten Ergebnisse der letzten Jahre und Jahrzehnte nicht verwunderlich.
    Jetzt ist also der Weg frei für eine neue WELEDA ohne Altlasten und es bleibt zu hoffen, dass die Substanz, die  vor allem in den qualifizierten, einsatzbereiten und loyalen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und der von ihnen geschaffenen Qualität begründet ist, erhalten bleibt und die Grundlage für einen Neuanfang und ein qualitätsorientiertes Wachstum wird.
    Von dieser Seite her also ein herzliches Dankeschön und einen herzlichen Glückwunsch an Paul Mackay und Ralf Heinisch, die als Verantwortliche in Verwaltungsrat und Geschäftsführung diese notwendigen Schritte geplant und umgesetzt haben.
    Eigentlich ist mit diesen Entscheidungen auch die wichtigste Funktion und Mission dieses Blogs erfüllt, denn es ist zu erwarten, dass WELEDA ohne diese beiden "Klötze am Bein" - der aufgeblähten, von der Produktion entfernten Verwaltung und dem ego-zentrierten Management - eine positive Entwicklung nimmt, die von Vernunft und Augenmaß, eben von "best practice", geprägt ist. Trotzdem werde ich die Entwicklung weiterhin positiv-kritisch beobachten und weiter berichten, wenn es etwas wichtiges zu berichten gibt.

    Freitag, 25. Mai 2012

    Fragen zur Aktionärsversammlung

    In der Hoffnung, dass der eine oder andere Aktionär der WELEDA diese Zeilen liest, möchte ich hier einige Fragen auflisten, die ich dem Verwaltungsrat stellen würde wenn ich Aktionär wäre.
    Diese Fragen wären:
    1. Wie hoch ist das Gehalt der Geschäftsleitung und des oberen Managements?
    2. Ist das Gehalt des Managements ganz oder teilweise vom Umsatz oder vom Jahresergebnis abhängig, d.h. gibt es ein Fixum plus Bonus und von welchen Ergebnissen ist der Bonus abhängig?
    3. Gibt es Bonuszahlungen an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter? Wenn ja, in welcher Höhe und nach welchen Kriterien?
    4. Wie hoch ist die Fluktuation bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern?
    5. Aus welchen Gründen verlassen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die WELEDA? Gibt es arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen? Wenn ja, wie viele?
    6. Wie ist das Durchschnittsalter der ausscheidenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?
    7. Welche Qualifikationen haben ausscheidende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?
    8. Diese Zahlen sollten auf die einzelnen Betriebe sowie auf das "Headquarter" in Basel aufgeschlüsselt werden.
    Warum diese Fragen? Aus den Betrieben ist zu hören, dass immer mehr gut ausgebildete, junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die WELEDA freiwillig verlassen - ein "Brain Drain" sozusagen, der bei dem immer mehr um sich greifenden Fachkräftemangel am Ende existenzbedrohender werden kann als die finanziellen Probleme. Jedenfalls ist die Mischung von finanziellen Problemen und unzufriedenen und von der Unternehmenspolitik verunsicherten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr schwierig für ein Unternehmen, vor allem in einer Zeit wo eine qualifizierte Arbeitskraft keine Probleme hat, in einer anderen Firma eine Stelle zu bekommen. Die Zeiten, wo WELEDA als einer der beliebtesten Arbeitgeber galt, sind anscheinend vorbei.
    Dass dazu noch altgediente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlassen werden - aus welchen Gründen auch immer - macht die Situation sicher nicht leichter.
    Statt aber jetzt zu resignieren, wäre es wichtig, nach vorne zu sehen und dem neuen CEO eine Chance zu geben - sicher ist jedoch, dass es eine Verschlankung des Wasserkopf-Managements geben muss, eine Eliminierung des Standortes in Basel, und eine Veränderung der Wertschätzung, denn: Verwalter und Analysten, die Zahlen (schön)rechnen, Businesspläne schreiben und Marketingkampagnen entwerfen, finden sich überall, aber Menschen, die aus wirklichem Wissen und Können Produktionsprozesse vom der Pflege der Erde über den Anbau der Pflanzen bis zur Abfüllung so gestalten, dass am Ende ein Qualitätsprodukt entsteht, die gibt es immer weniger. Ebenso gibt es immer weniger Menschen, die wirklich von Mensch zu Mensch kommunizieren können, die WELEDA leben und verkörpern und die sich eben nicht alternativ eine Karriere bei Roche oder Novartis vorstellen können. Diese Menschen muss WELEDA finden, überzeugen und halten - vor allem auch durch das gute Beispiel der Geschäftsleitung und durch ein gesteigertes Maß an Wertschätzung, an der es in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer mehr mangelte.

    Mittwoch, 23. Mai 2012

    Erste Schritte: Die Geschäftsleitung wird ausgedünnt

    Erk Schuchhart (links) muss gehen, Samir Kedwani (rechts) übernimmt seine Aufgaben 
    Aus WELEDA Kreisen in Schwäbisch Gmünd wird verlautbart, dass der neue CEO Ralf Heinisch das konkrete und angekündigte "Personal-Sparen" an der richtigen Stelle beginnt. Nicht nur in der Produktion, wo Geld verdient und wertvolle Arbeit gemacht wird, sind "Stellen einzusparen" - wie es so schön im Managerdeutsch heisst -, sondern auch in der bekanntlich sehr breit aufgestellten Geschäftsführung. Es trifft als erstes Erk Schuchhardt, der seit 2008 als Vorsitzender der Geschäftsleitung den Standort Schwäbisch Gmünd leitet. Seine Aufgaben soll der bisherige Produktionsleiter in Schwäbisch Gmünd, Dr. Samir Kedwani, mit übernehmen. Vielleicht gibt es ja dann bald - unter Einbeziehung moderner elektronischer Kommunikationsmethoden - eine gemeinsame Produktionsleitung aller drei produzierenden Standorte in Europa und eine in Ralf Heinisch personifizierte Geschäftsleitung? Wünschenswert wäre es, denn die ewigen Rivalitäten zwischen den Standorten, angestachelt durch den Ehrgeiz der jeweiligen Produktionsleiter und Geschäftsführer, hatten lange Zeit teure und unsinnige Entscheidungen zur Folge, wenn es z.B. um die Entscheidung ging, welches Produkt an welchem Standort produziert werden soll.
    Aus persönlicher Sicht muss ich sagen, dass ich die Entlassung von Erk Schuchhardt schade finde, denn ich habe ihn während meiner Zeit bei WELEDA kennen gelernt und mich mit ihm recht gut verstanden. Bleibt zu hoffen dass er dem Unternehmen in anderer Funktion erhalten bleibt und jemand mit weniger menschlichen Qualitäten das Unternehmen dauerhaft verlässt! Es stellt sich die Frage: War der Betriebsrat in die Entscheidung involviert? Wurden die Mitarbeiter gefragt, mit welchem "Chef" sie sich die Zukunft am besten vorstellen können?
    Leider ist (noch) nicht bekannt, wie viel Geld durch die Umstrukturierungen gespart wird, ob Erk Schuchhardt eine Abfindung erhält und wie hoch sein Gehalt als Vorsitzender der Geschäftsleitung des WELEDA Standortes Schwäbisch Gmünd ist. Aber vielleicht gibt es mit dem neuen CEO auch eine neue Transparenz, die den Namen wirklich verdient, und wir erfahren, wie viele Tuben Kosmetika verkauft werden müssen, um das Gehalt eines WELEDA Managers zu bezahlen?

    Donnerstag, 10. Mai 2012

    geBrüllte Reaktionen

    Auf meinen Kommentar zum Artikel in Info3 schrieb Ramon Brüll:
    Hallo Herr Ferger
    Ihr Leserbrief wurde mir von der Redaktion weitergeleitet. Auf einige wenige Punkten will ich gerne eingehen:
    Gerade weil in nächster Zeit kein nennenswerter Gewinn zu erwarten ist, ist es ein guter Zeitpunkt, sich über grundsätzliche Fragen der Gewinnverwendung Gedanken zu machen. Denn sobald es etwas Substantielles zu verteilen gibt, werden erfahrungsgemäß die Begehrlichkeiten wieder jede vernünftige Überlegung überschatten.
    Entmachtung des Verwaltungsrates: Ich verlange ja gar nicht, dass Sie mir zustimmen. Nur entpuppen Sie sich als Kapitalist wenn Sie davon ausgehen, dass a) der Verwaltungsrat (das heißt die Geldgeberseite) Auftraggeber ist und b) diese Seite prädestiniert wäre, ein letztendliches Weisungsrecht auszuüben.
    Ihre Unterstellung bezüglich eines Zusammenhangs von unserer Berichterstattung mit dem Auftragsvolumen der Weleda-Anzeigen in Info3 zeugt von fehlender Wahrnehmung Ihrerseits. Erstens ticken wir anders - vielleicht auch, weil uns, anders als Ihre Denkgewohnheiten es manifestieren, jegliche kapitalistische Hierarchiesierung fremd ist - und zweitens dürfte Ihnen aufgefallen sein, dass wenn überhaupt eines der anthroposophischen Publikationsorgane die Entwicklung der Weleda in den letzten Jahren kritisch begleitet hat, wir das waren. Nur: Ich komme als Kommentator teilweise zu ganz anderen Ergebnisse als Sie. Es tut mir leid für Sie, wenn Sie das nicht aushalten können.
    Mit freundlichen Grüßen
    Ramon Brüll

    Dazu meine Mail an Ramon Brüll:

    Hallo Herr Brüll
    Natürlich kann ich aushalten, dass Sie da anderer Meinung sind. Glücklicherweise leben wir in einer Gesellschaft, in der Meinungsvielfalt herrscht - auch wenn diese insbesondere in der anthroposophischen Szene manchmal eher gefürchtet als gefördert wird.
    Was Punkt 1 anbelangt: Sind Sie der Meinung, dass WELEDA jemals substanzielle Beträge an die Anteilseigner abgeliefert hat?
    Dazu mal eine Übersicht der Dividendenzahlungen der letzten 7 Jahre:
    2004: 625 TCHF
    2005: 625 TCHF
    2006: 625 TCHF
    2007: 998 TCHF
    2008: 000 TCHF
    2009: 712 TCHF
    2010: 000 TCHF
    Das sind also in 7 Jahren gerade mal 3,5 Mio CHF – weniger als das Goetheanum allein in diesem Jahr an Legaten „eingenommen“ hat, und im Vergleich zu den Fehlbeträgen, die bei WELEDA aufgelaufen sind, eine relativ unbedeutende Summe. Das bedeutet, dass die WELEDA nicht wesentlich besser dastünde, wenn alle Anteilseigner auf ihre Dividende verzichtet hätten. Die Anthroposophische Gesellschaft erhielt davon gemäß Ihrem Kapitalanteil 22%, also 788 TCHF – also jedes Jahr etwas mehr als 100 TCHF – was wahrscheinlich weniger ist als der Vorstand und die Sektionen beispielsweise jährlich an Reisekosten ausgeben. Dazu kommt, dass in diesem Jahr die Tilgung der von der GLS-Bank aufgelegten WELEDA Fonds beginnt - d.h. es müssen in den nächsten Jahren 15 Mio € zurückgezahlt werden. 
    Dazu noch eine vielleicht provokante Frage: Wäre es denn verwerflich, wenn WELEDA mit Naturkosmetik Gewinn macht? Naturkosmetik ist in keinster Weise lebensnotwendig, es ist ein Luxus (mehr als eine gute Seife braucht der Mensch nicht wirklich für die Körperpflege …), und mit Luxus Gewinne zu machen, die immerhin für einen guten Zweck sind – nämlich für die Erhaltung der finanziellen Grundlagen der Anthroposophie – ist m.E. eine recht löbliche Angelegenheit. Interessanter wäre es vielmehr zu wissen, wie hoch die Managergehälter in den letzten Jahrzehnten waren – ich kann mir gut vorstellen, dass sie mindestens so hoch waren wie die Dividendenzahlungen. Nur darüber spricht niemand, Sie und Info3 leider auch nicht.
    Ihren zweiten Punkt finde ich interessant. Ich bin also ein Kapitalist, wenn ich fordere, dass die Inhaber einer Firma für diese Firma Verantwortung übernehmen? Wer soll denn bitteschön die Mitglieder der Geschäftsleitung, die sich jahrzehntelang durch Co-Option selbst erneuert haben und für den ganzen Niedergang verantwortlich sind, Weisungen und Aufträge geben? Wer soll denn Verantwortung übernehmen? „Eigentum verpflichtet“ ist ein sehr guter Grundsatz, der schon in unserem Grundgesetzt verankert ist, und Eigentum verpflichtet auch zur Verantwortung. Dass WELEDA kein wirkliches Leitbild hat, das als Richtschnur und Ziel des Handelns sowohl der Manager als auch der Mitarbeiter gelten kann, ist ja bezeichnend. Nein, das Desinteresse und genau die von Ihnen propagierte „Zurückhaltung der Besitzer (Sie können sie auch „Kapitalisten“ nennen, wenn Sie meinen dass die AAG und die Ita-Wegmann-Klinik Kapitalisten sind)“ ist ja die Ursache des Übels. Dass das langfristige Ziel der Restrukturierung der Eigentumsverhältnisse der WELEDA in Richtung einer Stiftung gehen soll, da könnten wir ja sogar einer Meinung sein - nur schlussendlich ist die Stiftung dann Eigentümer und muss als dieser auch Verantwortung übernehmen. Jedenfalls kann ein Management nicht langfristig ohne eine Aufsicht durch einen Aufsichts- oder Verwaltungsrats arbeiten, ohne die Orientierung und die Zielorientiertheit zu verlieren. Das ist m.E. auch nicht "kapitalistisch", sondern einfach gesunder Menschenverstand und etwas Einsicht in das Wesen der Menschen.
    Last but not least meine Vermutung der Zahnlosigkeit einem guten Anzeigenkunden gegenüber: Wenn dem nicht so ist, dann kann ich z.B. den Beitrag über WELEDA in Info3 vom Juni letzten Jahres noch weniger verstehen - auch wenn er ja nicht von Ihnen war, sondern von Laura Krautkrämer. Von einer Zeitschrift, die sich eine kritische Begleitung und eine kritische und unvoreingenommene Sichtweise auf die Anthroposophie auf die Fahnen geschrieben hat, hätte ich da wirklich wenigstens einen kritischen Blick in den Geschäftsbericht und einige kritische Fragen – z.B. nach den Gehältern der WELEDA Manager - erwartet. Wenn Sie Beiträge wie diesen „kritische Begleitung“ nennen, dann haben wir von diesem Begriff sehr unterschiedliche Vorstellungen. Sicher ist Info3 kritisch im Vergleich zu den anderen „anthroposophischen Publikumsorganen“, die überhaupt nichts zu dem Thema veröffentlicht haben, diesen Verdienst habe ich Ihnen auch nicht abgesprochen, nur ist das immer noch nicht das, was ich unter „kritischem Journalismus“ verstehe.
    Mit vielen Grüßen aus Südbaden
    Dietmar Ferger