Sonntag, 16. März 2008

Mitgliederversammlung der AAG 2 - Paradigmenwechsel bei WELEDA

Herr Dr. Benediktur Hardorp, der langjährige Rechtsbegleiter vieler anthroposophischer Institutionen, hielt nach der Darstellung des Finanzberichts zum Thema der Partizipationsschein-Ausgabe eine lange Rede, deren Inhalt ich kurz darstellen will und die auch für mich einige interessante Erkenntnisse enthielt.
Er wies vor allem darauf hin, dass das Vorgehen der AAG und ihres Schatzmeisters Cornelius Pietzner in der letzten Partizipationsschein-Ausgabe an einen institutionellen Investor einen signifikanten Paradigmenwechsel bedeutet, der die bis jetzt geübte Kultur der Umsetzung anthropsophischer Kernüberzeugungen - dass der Handel von Firmenanteilen eine "Sünde" (so R. Steiner) sei - verlässt. Er schilderte auch die eigentliche Intention der praktizierten "kontrollierten Aktienausgabe" (WELEDA Aktien - nicht Partizipationsscheine - sind nicht frei handelbar und dürfen nur an Mitglieder der AAG verkauft werden - WELEDA hat aber ein Vetorecht, so dass z.B. ich jetzt sicher keine WELEDA-Aktie erwerben könnte), dass nämlich die WELEDA Geschäftsleitung frei von Renditedruck arbeiten können solle und dass die Aktien sozusagen als "Pfand" für das Kapital gesehen werden, dass die Aktienkäufer - also Mitglieder der AAG - der Firma zur Verfügung gestellt haben. WELEDA Aktien sind also ein Ausdruck einer "Assoziation des Wirtschaftslebens" und damit weder ein Spekulationsobjekt noch ein Kaufgegenstand an sich - wer Interesse an einer von mir vor vielen Jahren erstellten Darstellung über die Grundprinzipien des anthropsophischen Wirtschaftsgedankens hat, kann sich diese gerne hier herunterladen. Die bis jetzt geübte Praxis, zur Finanzierung der Expansion Partizipationsscheine nur über einen Fond des anthropsophischen Finanzinstituts GLS-Bank auszugeben, war schon eine Verwässerung dieses Gedankens, aber die "Gefahr" eines gewerblichen Handels mit Partizipationsscheinen der WELEDA war so nicht groß.
Durch den Verkauf zum ungefähr doppelten Preis an die Albin-Kistler-AG (der genaue Verkaufspreis ist nicht bekannt) bekommen nun natürlich auch alle früher gekauften Partizipationsscheine einen höheren und spekulativen Wert und die Spirale der Spekulationen beginnt.
Was mir bei Herrn Dr. Hardops Darstellung klar wurde sind vor allem zwei Punkte:
  1. Die Geschäftsleitung der WELEDA hat durch diesen - im Grunde positiven - fehlenden Renditedruck weder einen Anreiz noch eine Verpflichtung darin gesehen, mit der Kosmetikherstellung Geld zu verdienen - ein Fehlschluss, denn - wie in meiner Darstellung beschrieben - jedes Wirtschaftsunternehmen sollte eine - möglichst satte - Rendite für das Geistesleben - zu der z.B. auch die Weiterentwicklung der anthroposophischen Medikamente gehört - abwerfen.
  2. Die Kontrolle durch die Gemeinschaft der Aktionäre, die jedes Unternehmen als "Auftraggeber" kontrollieren sollte, hat schon seit Jahrzehnten versagt.

Mitgliederversammlung der AAG 1 - mein Beitrag

Da die Darstellung der kürzlichen Partizipationsschein-Ausgabe durch die WELEDA auf der Tagesordnung stand, besuchte ich die Mitgliederversammlung der AAG in Dornach - obwohl es an einem schönen Sonnen-Frühlings-Samstag sicher angenehmere Dinge zu tun gibt.
Das Durchschnittsalter im Goetheanum-Saal betrug geschätzt 60+ und die Reaktionen des Publikums auf die Ausführungen des Vorstandes waren entsprechend gedämpft.
Da die Teilnehmer ja nichts von den Informationen über WELEDA wissen konnten - wenn Sie nicht Info3-Leser sind - verteilte ich vor Beginn des Nachmittagsprogramms Handzettel mit der "nicht-euphemistischen" Darstellung des Partizipationsschein-Verkaufs und einiger weiterer Details.
Interessant war, dass - zufällig?? - nach der Mittagspause, als der Finanzbericht behandelt und das Budget vorgestellt werden sollte, die Mikrofone für die Übersetzer ausfielen, was eine Verzögerung von ca. 15 Minuten bewirkte - 15 Minuten weniger unangenehme Fragen für den Schatzmeister???
Jedenfalls wurde ich an der Darstellung meines Redebeitrages von Herrn Paul Mackay gehindert, er wollte mich sogar vom Podium drängen - obwohl ich erst einige Sekunden gesprochen hatte!
Hier also mein Redebeitrag - wie er hätte sein sollen - in ungekürzter und ungestörter Fassung:

Herr Pietzner, Sie beklagen sich über die Abhängigkeit der Goetheanum-Finanzierung von den Spenden und Legaten und darüber, dass die Finanzierung des Goetheanums und seiner Tätgkeit zunehmend schwieriger wird.
Das Goetheanum ist eine Institution des Geisteslebens, und es ist Grundwissen der Dreigliederung, dass eine Institution des Geisteslebens keine Gewinne erzielen kann und soll, sondern aus der Wirtschaft finanziert werden muss. Zuverlässige Einnahmen können also weder aus dem versteuerten Einkommen der Mitglieder in Form von Spenden noch aus Nachlässen generiert werden (auch alte Menschen haben immer weniger Geld und damit auch weniger zu vererben, und vielleicht wird ein Nachlass für wichtigere Dinge benötigt als zum Stopfen des Goetheanumhaushalts), sondern nur aus der Wirtschaft.
Deshalb ist die Beteiligung der AAG an der WELEDA auch richtig und sinnvoll unter der Voraussetzung, dass die WELEDA signifikant zur Deckung des Goetheanumhaushalts beiträgt - nur von signifikanten Beiträgen der WELEDA zum Goetheanumhaushalt sind leider weder in dem Finanzbericht noch im Budget auch nur Spuren zu finden. Wenn keine Einnahmen generiert werden, ist die Beteiligung der AAG und das Aufwenden von Finanzmitteln zum Erwerb von Partizipationsscheinen weder notwendig noch sinnvoll, denn der (teilweise) Besitz einer Firma ist für eine Institution des Geisteslebens kein Selbstzweck an sich.
Wenn Sie, liebe Mitglieder, im Internet unter www.zefix.ch nachsehen, können Sie finden, dass die zeichnungsberechtigten Mitglieder des Verwaltungsrats der WELEDA fast ausschließlich Mitglieder der Geschäftsleitung sind. Von unseren - also der AAG - Vertretern keine Spur. Warum hält die AAG denn 38% der Stimmrechtsaktien, wenn sie ihr Aufsichtsrecht und ihre Aufsichtspflicht nicht ausübt? Wer vertritt unsere - also AAG- - Interessen im Verwaltungsrat der WELEDA?
Dass sich der Vorstand der AAG zur Komplettierung ko-optiert, d.h. neue Mitglieder in den Vorstand einläd, ist die Freiheit des Geisteslebens und für eine Institution des Geisteslebens gut und sinnvoll. Dass aber auch die Geschäftsführung der WELEDA ko-optiert wird, ist "Freiheit im Wirtschaftsleben", auf gut Deutsch "Korruption" genannt. Dies sollte Aufgabe eines Verwaltungsrates sein, der von den Eigentümern bzw. Aktionären gebildet wird.
Die WELEDA AG hat in den letzten Jahrzehnten nur minimale Gewinne bzw. sogar Verluste erwirtschaftet und konnte so ausser durch die relativ geringen Dividendenzahlungen keine signifikanten Beiträge zum Haushalt der AAG leisten. Wer übernimmt denn die Verantwortung dafür, wenn die AAG keinen Einfluss im Verwaltungsrat hat? Wer übernimmt die Verantwortung dafür, dass WELEDA im boomenden Markt der Naturkosmetik schon lange nicht mehr Marktführer ist? Wer übernimmt die Verantwortung dafür, dass in der WELEDA Bilanz 2006 sich das Eigenkapital um 1 % verringert hat, dafür aber die Verwaltungskosten um 10% gestiegen sind? Jeder Aktionär würde bei einer solchen Bilanz die Neubesetzung der Geschäftsführung fordern - was tun Sie als Schatzmeister des Mehrheitsaktionärs AAG, dass dies nicht wieder vorkommt?
Ich habe Ihrem Vorgänger im Amt, Herrn Rolf Kerler, (der hier im Saal und als Präsident im Verwaltungsrat der WELEDA sitzt - als Dankeschön für sein Nichtstun?), und auch Ihnen zu Beginn Ihrer Täigkeit als Schatzmeister detailliert dargelegt, welche personellen, organisatorischen und strukturellen Defizite bei der WELEDA herrschen und ursächlich für die schlechten Betriebsergebnisse sind. Geschehen ist seitdem - NICHTS! Personen, Strukturen und Organisationsformen der WELEDA sind immer noch so wie vor 7 Jahren. Was denken Sie denn zu tun, da jetzt mit der letzten ultimativen Partizipationsschein-Ausgabe alle Möglichkeiten der externen Geldbeschaffung ausgereizt sind, damit WELEDA nicht insolvent wird wenn das neue Geld aufgebraucht ist? Was gedenken Sie zu tun um die Renditeerwartungen der Albin-Kistler-AG zu befriedigen?
Ich sehe mich jedenfalls aussersstande - trotz Würdigung der inhaltlichen Arbeit - einen Vorstand zu entlasten, der seiner Aufsichtspflicht als Mehrheitsaktionär der einzig möglichen permanenten Finanzquelle unserer Gesellschaft so sträflich vernachlässigt, und ich bitte alle Mitglieder, meinem Beispiel zu folgen.

Leider wurde - was angesichts des Durschnittsalters und der "blinden Treue" der Mitglieder zu "Ihrem" Vorstand auch zu erwarten war - der Vorstand natürlich mit überwältigender Mehrheit entlastet.

Donnerstag, 13. März 2008

Die Aufgabe der WELEDA im morphogenetischen Feld

Inzwischen ist ja die Existenz des morphogenetischen Feldes - von Rudolf Steiner Akasha-Chronik genannt - in aufgeklärten Wissenschaftskreisen nicht mehr strittig.
So wie sich Menschen fragen "Warum bin ich hier? warum tue ich was ich tue?" so sollten sich auch Firmen diese Frage stellen, vor allem wenn Sie - wie WELEDA - mit einem Auftrag und / oder einer einzigartigen Individualität "geboren" werden.
Tragisch sind Menschen - und eben auch Firmen - die ihre Aufgabe nicht erkennen oder die nötigen Schritte in der Selbstentwicklung nicht gehen, die für die Erfüllung der für sie vorgesehenen Aufgabe notwendig sind.
Auch Sebastian Gronbach hat dies seinem Blog (und wohl auch in seinem Buch "Missionen", das ich aber noch nicht gelesen habe) beschrieben.
Als ich damals bei WELEDA arbeitete, waren mir die geistigen Zusammenhänge noch nicht so klar wie heute (ja, der Mensch entwickelt sich eben), obwohl ich sie deutlich gefühlt habe und mich in meinem Tun von ihnen habe leiten lassen. Heute kann ich es klar sehen, dass WELEDA eine Aufgabe hatte, für deren Erfüllung im morphogenetischen Feld die Strukturen bzw. "Freiräume" vorhanden waren um sie auszufüllen. So wie der physische Leib dem Menschen die Möglichkeit gibt, etwas zu tun, so gibt finanzieller Erfolg einer Firma wie WELEDA die Möglichkeit, Menschen zu erreichen. Erfolgreich sind Menschen ebenso wie Firmen und Unternehmen, wenn sie Freiräume in morphogenetischen Feld erkennen und nutzen - im Marketing spricht man dann von "Trendsettern", dabei sind die "Trends" = Freiräume im morphogenetischen Feld ja schon da, sie werden nur erfolgreich ausgefüllt.
So waren im morphogenetischen Feld Freiräume vorhanden für die Entwicklung einer weltweiten Naturkosmetikkette - nur wurden sie eben nicht von WELEDA ausgefüllt, sondern vor allem von BodyShop. Dass Anita Roddick (die Gründerin von BodyShop) mit ihrem "Garagenunternehmen" (dies ist nicht abwertend gemeint, ich habe große Hochachtung vor ihrem Lebenswerk) diesen großartigen Erfolg hatte und ihr Unternehmen vor einigen Jahren für knapp 1 Mrd. €uro verkaufen konnte, ist nur damit zu erklären, dass nicht ausgefüllte Freiräume in morphogenetischen Feld vorhanden waren, die sie erfolgreich nutzen konnte.
Auch Anthroposophie hatte und hat eine Aufgabe und es gab und gibt Freiräume im morphogenetischen Feld, die von ihr hätten ausgefüllt werden sollen. Es wäre einmal eine Aufgabe einer selbstkritischen geisteswissenschaftlichen Betrachtung, zu erforschen, inwieweit diese Aufgaben ergriffen und Freiräume ausgefüllt worden sind bzw. welche Kräfte, Mächte und Organisationen diese Freiräume jetzt ausfüllen.
Wer die Weltgeschichte seit der Gründung der anthroposophischen Gesellschaft betrachtet und sie im Kontekt einer klaren Geschichtsbetrachtung seit der Entwicklung der menschlichen Bewusstseins sieht - für eine kurze, aber intensiven Überblick empfehle ich den Film "ZEITGEIST" oder die 911-Filme auf Deutsch - für Englisch-sprechende noch ausführlicher auf Englisch - der wird sich vielleicht so wie ich die Frage stellen, warum dies so gekommen ist und ob nicht die Anthroposophie die Aufgabe gehabt hätte, die Freiräume auszufüllen, die jetzt von diesen und anderen "negativen" Mächten besetzt sind. Warum ist beispielsweise eine Organisation wie Scientology so erfolgreich? Doch nur, weil ein geistiges Vakuum besteht, weil es einen Freiraum im morphogenetischen Feld gibt, der nicht ausgefüllt ist. Jedenfalls wird deutlich, dass zwischen dem Anspruch der Anthroposophie ("Weltgesellschaft", "Weisheit vom Menschen") und der realen Wirklichkeit eine sehr große Lücke klafft und dass es sehr schwer, wenn nicht unmöglich ist, einen einmal mit anderen Inhalten gefüllten Freiraum im morphogenetischen Feld zu besetzen - ein Scientologe wird nur sehr schwer von Anthroposophie zu überzeugen sein, obwohl er vielleicht ursprünglich eigentlich Anthropsophie gesucht, aber eben nur Scientology gefunden hat. Und da WELEDA die Aufgabe gehabt hat, das "Ausfüllen der morphogenetischen Freiräume" durch die Anthropsophie finanziell möglich zu machen, hat die Marginalisierung und Unwirksamkeit der Anthroposophie in der heutigen Welt einen direkten und ursächlichen Zusammenhang mit dem Versagen der WELEDA als Finanzier und Botschafter der Anthroposophie.

Dienstag, 11. März 2008

Warum WELEDA nichts verdient

Als Exportverantwortlicher hatte ich einige Jahre Einblick in das WELEDA Management.
ich möchte hier einige Dinge darstellen, die in den Jahren 1998 - 2001 geschahen, die aber mit verantwortlich dafür sind, dass WELEDA heute in einer so schlechten finanziellen Verfassung ist.

Da sich weder die Struktur noch die personelle Besetzung der Verantwortlichen seitdem geändert hat, gibt es keinen Grund anzunehmen, dass diese Managementfehler heute nicht mehr auftreten.

Beispiel 1: Die Geschäftsleitung hatte die Preise für die japanischen Importeure ausgehandelt, die schon vor meiner Beschäftigung bei WELEDA galten. Als ich dann einen Rentabilitätscheck machte, stellte sich heraus, dass WELEDA Schweiz bei einigen Produkten einen Verlust von bis zu CHF 2.- pro Stück machte. Auf Grund meines Rentabilitätschecks stellte sich auch heraus, dass WELEDA Schweiz bei einigen Produkten, die sie an COOP verkaufte, keinen Gewinn machte, sondern die Waren etwa zu den Herstellungskosten an COOP weitergab.

Beispiel 2: Die Geschäftsleitung hatte bei einem Besuch in Italien der italienischen WELEDA versprochen, die Zahnputz-Muster-Sets in italienischer Aufmachung innerhalb weniger Wochen zu einem bestimmten Preis zu liefern. Weder war es möglich, innerhalb dieser Frist die notwendigen Packmittel zu beschaffen, noch war der versprochene Preis in irgendeiner Weise kostendeckend. Auch war im Abfüllturnus eine Abfüllung der 10 ml Tuben in diesem Zeitraum nicht vorgesehen.

Beispiel 3: Der jetzt endlich errichtete Neubau der WELEDA Arlesheim wurde schon zweimal vorher geplant, dann aber nicht realisiert. Jedes Mal wurden Planungskosten in der Höhe von vielen hunderttausend Schweizerfranken abgeschrieben.

Beispiel 4: Als ich 2 Jahre in WELEDA Arlesheim arbeitete, gehörte ich schon zu den "Alten Hasen". Von 20 MitarbeiterInnen im Bereich Marketing waren 13 kürzer als 2 Jahre im Betrieb (ihre VorgängerInnen haben entweder gekündigt oder wurden gekündigt). Mit dieser Mitarbeiterfluktuation kann kein Betrieb sinnvoll arbeiten - so wechselte z.B. die Stelle "Packmittelbeschaffung und -organisation" innerhalb der drei Jahre drei mal mit dem Effekt, dass Packmittel oft falsch, nicht ausreichend oder garnicht zur Verfügung standen ...

Ganz generell: WELEDA ist ein Unternehmen mit drei Produktionsstätten in Mitteleuropa: In Schwäbisch Gmünd / Deutschland, Arlesheim / Schweiz und Huningue / Frankreich. Jeder normal denkende Mensch würde nun versuchen, die Produktion so aufzuteilen dass sie am wenigsten Kosten verursacht, sprich an einem Standort z.B. alle Tuben, am zweiten Standort alle Flaschen und am dritten Standort alle Medikamente abzufüllen. Stattdessen werden an allen Standorten alle Produkte und Darreichungsformen hergestellt.
(Bemerkung: Das Umrüsten einer Abfüllanlage z.B. von der Abfüllung von 30 ml-Tuben auf 100-ml-Tuben dauert - ja nach Modernität der Anlage - einen bis mehrere Tage. Deshalb sollten Umrüstungen möglichst minimiert werden - ideal wäre es natürlich, wenn in einem Betrieb für jede Tuben- bzw. Flaschengröße eine Abfüllanlage vorhanden wäre, dann würden viele Tage nutzlose Umrüstzeit und viele -zigtausende Franken eingespart weden.)
Es war immer interessant zu sehen, wie bei einem neuen Produkt (ich habe z.B. die Einführung der Rosen-Serie miterlebt) um die Produkionsstandorte geschachert wurde. Schauen Sie mal auf die verschiedenen Tuben z.B. der Iris-Cremes: Tagesceme aus Deutschland, Feuchtigkeitscreme aus Frankreich, Nachtcreme wieder aus Deutschland ...
Viele Produkte werden sogar an zwei Standorten abgefüllt ...
Und dazu kommt noch, dass der Produktions- und Bestellrythmus der drei WELEDA Gesellschaften nicht identisch war - in Frankreich wurde 6 mal im Jahr das gleiche Produkt hergestellt, in der Schweiz nur vier mal ...
Allein durch die Verringerung der Reibungsverluste, die Optimierung der Produktion und der Logistik hätten damals sicher einige hunderttausende Franken eingespart werden können - ob sich dies inzwischen gebessert hat, kann ich leider nicht sagen, da mir der Einblick fehlt.

Insgesamt habe ich erlebt, dass das WELEDA Management eine bemerkenswerte Beratungsresistenz besass. Auch wurden spezialisierte Mitarbeiter (wie ich es z.B. für den Export war) nicht gefragt. Das einzige Mal, wo eine Stellungsnahme von mir eingefordert wurde, wurde diese ignoriert und die angeschnittenen Probleme und Fragen sind in vielen wichtigen Punkten (z.B. in der Tropentauglichkeit der Kosmetika, in der Optimierung des Transports zwischen den Auslieferungslagern der verschiedenen Gesellschaften) immer noch nicht angegangen, andere - wie z.B. die Auslagerung der selten gebrauchten anthropsophischen Medikamente in eine WELEDA eigene Apotheke - werden jetzt nach 7 Jahren umgesetzt. Das Kommentar meines Vorgesetzten, der immer noch die WELEDA Schweiz leitet, zu meiner Stellungsnahme war übrigens: Kompetenzüberschreitung.

Insbesondere in meinem Arbeitsfeld, dem Export, war ein signifikantes Desinteresse zu beobachten. In Anbetracht der Tatsache, dass allein die indische Mittelklasse schon damals eine Kaufkraft besass die die Kaufkraft Mitteleuropas überstieg - von China ganz zu schweigen - und dass damals schon abzusehen war dass sich diese Kaufkraft - wie heute bestätigt - signifikant erhöhen würde, ist es unverständlich, dass nicht wenigstens einige Massnahmen ergriffen und Investitionen getätigt wurden, um auf diesem lukrativen Feld präsent zu sein. jedenfalls wurde weder mein Marketingplan umgesetzt noch wurde sich für eine Strategie entschieden - es wurde einfach weitergewurstelt mit dem Effekt, dass ausser in Japan in Asien keine nennenswerten Umsätze stattfinden.

Montag, 3. März 2008

Zur Verantwortung der Anthroposophischen Gesellschaft

In der Ausgabe 8 der Zeitschrift "Das Goetheanum" nimmt Herr Pietzner (Schatzmeister der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft (AAG) in Dornach) Stellung zu Fragen nach dem WELEDA - Deal. Ich muss gestehen, ich bewundere ihn für seine Fähigkeit, eine riskante Notoperation als ein geplantes, durchdachtes und optimales Vorgehen darzustellen! Denn: hätte es mit dem Deal nicht geklappt, hätte die Albin-Kistler-AG nicht zum doppelten Preis gekauft, wäre irgendein Investor bei WELEDA eingestiegen.

Dieser Blogeintrag ist also quasi ein offner Brief an Herrn Pietzner. Ich würd mich über eine Antwort sehr freuen - bitte, Herr Pietzner, schreiben Sie mir.
(Siehe auch Blogeintrag vom 18. Januar: Geschwächt und zurück in den Kapitalismus.)

Auf die Frage nach der moralischen Bewertung diese Deals sagten Sie:

"Die AAG hat eine der Sache entsprechende Verantwortung, die natürlich auch in ihrem Geschäftsgebaren sichtbar werden soll. Langfristige Ausrichtung und ein achtsamer Umgang mit Ressourcen sind ein Teil dessen was wir unter moralischem Handeln verstehen."

Lieber Herr Pietzner, seine Sie doch mal ehrlich: Es stinkt Ihnen doch auch, dass WELEDA kein Geld verdient, im Gegenteil, dass WELEDA Geld verliert. Warum sagen Sie es denn nicht? Warum decken Sie das unfähige Management dieser Firma?
Wenn Sie sagen, dass die AAG eine Verantwortung hat, dann nehmen Sie diese Verantwortung doch bitte auch wahr! Retten Sie die WELEDA vor der endgültigen Pleite!

Ich verstehe nur nicht, wie sich diese Verantwortung in dem Geschäftsgebaren zeigt. Zum Geschäftsgebaren kann man nur sagen: Ganz schön clever gemacht - aber so ganz richtig seriös ist das auch nicht, dieses Jonglieren mit niedrigem Ausgabekurs der Partizipationsscheine, dem Weiterverkauf der Hälfte für den doppelten Preis, und das Ganze auch noch in einem zeitlichen Rahmen, der keine großen Überbrückungskredite notwendig macht. Vieleicht sollte die AAG die Spenden nächstens in Aktien investieren - da geht es auch darum billig einzukaufen und teuer zu verkaufen, und das beherrschen Sie ja anscheinend gut. Nur ist das leider etwas weit von dem entfernt, was Rudolf Steiner als "moralisches bzw. brüderliches Verhalten" in der Wirtschaft verstand.

Sie sprechen auch von "langfristiger Ausrichtung" und "schonendem Umgang mit Ressourcen" - warum schauen Sie nicht, dass dies bei WELEDA auch so ist? Dass auch WELEDA verantwortungsbewusst mit dem Geld der Aktionäre und Partizipationsschein-Inhaber umgeht? Was ist denn das langfristige Zeil der WELEDA? Weiterhin Gelder in Hobby-Projekten einzelner Geschäftsführer - wie z.B. die Heart-Balance AG - abzuschreiben? Was tun Sie, dass dies nicht mehr geschieht? (Siehe auch Blogeintrag vom 28. Januar: Lesehilfe für die TRANSPARENZ)

Die AAG und die Ita Wegmann Klinik (IWK) haben zusammen die Mehrheit des Stimmkapitals. Sie können - einen entsprechenden Willen vorausgesetzt - das Management austauschen und mit fähigen Leuten besetzen. Mit Menschen, die ihre Verantwortung ernst nehmen.

Während meiner Zeit bei WELEDA - also vor ca. 8 Jahren schon - hatte ich wiederholt längere Gespräche mit Ihrem Vorgänger, Herrn Kerler, (und auch mit anderen Persönlichkeiten, die in der AAG für die WELEDA zuständig waren) und habe ihn gebeten, seine Verantwortung wahr zu nehmen und das Management wenigstens teilweise auszutauschen, da ich erlebte, wie durch die Unfähigkeit dieses Managements das Geld, dass für die Entwicklung der Anthroposophie eingesetzt werden solte, verschwendet wurde.
(Einige Briefe an Herrn Kerler können Sie hier nachlesen: Brief 1 (anonym) , Brief 2, Brief 3, Brief 4, Brief 5, Briefe an andere Persönlichkeiten hier: An den Lörracher Zweigleiter, An das Arbeitszentrum Freiburg - und ein zweiter Brief dorthin, An Herrn Pommerenning und an die deutsche Landesgesellschaft )

Auch mit Ihnen hatte ich längere Gespräche, ich hatte Ihnen an verschiedenen Punkten dargelegt, warum in der jetzigen Struktur der WELEDA mit dem jetzigen Management immer wieder Geld verschwendet wird und trotzdem die Aufgaben nicht erfüllt werden, die WELEDA hat.

Herr Kerler hat nichts getan - und sitzt jetzt als Präsident im Verwaltungsrat der WELEDA. Ist das der Dank der WELEDA Manager für sein Nichtstun? Dass er sie hat weiter wurstel lassen und ihre Egoismen pflegen? Das er sie weiter hat ihre Hobbys pflegen lassen und z.B. die Heart-Balance AG mit WELEDA Geld gründen, die in 2006 mit 1 Mio CHF Verlust die Bilanz der WELEDA belastet? Das Schema kommt bekannt vor, deutsche Politiker tun das auch - während ihrer Amtszeit erlassen Sie Gesetze und Vorschriften, die den Unternehmen gefallen, um es sich nach ihrer Amtszeit im Vorstandssessel bequem zu machen.

Sie sind jetzt 6 Jahre Schatzmeister der AAG, und seit 6 Jahren wissen Sie Bescheid über die Zustände - ich habe sie Ihnen ausführlich dargelegt. Und Sie haben nichts getan - und jetzt die Quittung dafür.

In den 6 Jahren ist also weiter Kapital vernichtet worden, musste WELEDA weiter Darlehen aufnehmen (= Partizipationsscheine ausgeben), während andere Naturkosmetikfirmen sich eine satte Kapitaldecke zulegen und expandieren konnten.
Ich werde in einem der nächsten Einträge einige Begebenheiten aus der dreijährigen Missmanagementhistorie der WELEDA Schweiz, wie ich sie erlebt habe, schildern, damit dem geneigten Leser klar wir, wo das Geld bleibt. Warum WELEDA - trotz der hohen Preise ihrer Produkte - im Export nicht richtig gut Geld verdient, habe ich ja im vorherigen Kapitel "Verpasste Chancen und Aufgaben" beschrieben. Ich habe zwar nicht Betriebswirtschaft studiert, sondern nur Umweltschutz, Waldorfleherer und dann noch Asien-Management, aber um die Misswirtschaft bei WELEDA zu erkennen braucht es nichts ausser einem gesunden Menschenverstand.