Donnerstag, 2. Februar 2012

Wird 2012 auch für WELEDA ein Jahr der Transformation?

Es ist ja in anthroposophischen Kreisen nicht so populär, von dem "Endzeitjahr" 2012 zu sprechen, von dem ablaufenden Maja-Kalender und der - oft dringend notwendigen - Transformation der Erde, der Menschen und ihrer Art, mit anderen Menschen und der Natur zusammen zu leben.

Doch es scheint - passend zu dieser Zeit-Signatur -, dass endlich die WELEDA und vor allem ihre Aufsichts- bzw. Verwaltungsräte doch realisiert haben, dass die Firma mit Volldanpf auf die Insolvenz zufährt. So wurde eine sog. "Task-Force" gebildet, aus Mitgliedern des Verwaltungsrates, dem Verwaltungsrat der Ita-Wegmann-Klinik und dem Vorstand der Anthroposophischen Gesellschaft, da auch dort endlich der Ernst der Lage erkannt wurde - hätten die Damen und Herren diesen Blog etwas ernsthafter verfolgt und frühzeitige Mahnungen ernst genommen, wäre es vielleicht anders ausgegangen ...

In dem Papier zur Task-Force heisst es u.a.:
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Der Verwaltungsrat der Weleda AG und ihre Hauptaktionäre bilden Taskforce angesichts notwendiger Strukturanpassungen
Arlesheim/Dornach/Basel, 24. Januar 2012
Die Weleda AG schliesst das Jahr 2011 mit einem Verlust von ca. CHF 10 Mio. ab. Diese Tatsache wie auch verschiedene strukturelle Probleme des Unternehmens haben den Verwaltungsrat und die beiden Hauptaktionäre der Weleda zum Handeln bewogen. Sie haben daher eine Taskforce gebildet, um die für die Zukunft notwendigen Schritte einzuleiten. 
Der Verwaltungsrat der Weleda AG sowie die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft (AAG), Dornach, und die Ita Wegman Klinik AG (IWK), Arlesheim, mit zusammen knapp 80 Prozent Stimmenanteil Hauptaktionäre der Weleda, nehmen mit grosser Sorge Kenntnis von der Entwicklung des Unternehmens. Gemeinsam begegnen sie dem abermaligen Verlust der Weleda Gruppe im Jahr 2011 von rund CHF 10 Mio. mit der Einrichtung einer Taskforce. Diese hat zum Ziel, die strukturellen Ursachen der unbefriedigenden finanziellen Entwicklung im Detail zu analysieren und anzugehen. Sie wird die nötigen Rahmenbedingungen und Massnahmen für einen grundsätzlichen Turnaround im Jahr 2012 erarbeiten, in die Wege leiten und deren Umsetzung unterstützen.
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Die Taskforce stellt die für die Bewältigung der Situation geeignete Besetzung der strategischen und operativen Leitungsgremien der Weleda sicher. Übergeordnete Ziele sind der Erhalt der Weleda als Herstellerin anthroposophischer Heilmittel und als Produzentin von hochwertiger Naturkosmetik, ferner die Wahrung der Unabhängigkeit und die positive Weiterentwicklung des Unternehmens durch selbst erwirtschaftete Mittel sowie die Stärkung des Eigenkapitals durch die Generierung eines positiven Free Cashflow.
Erforderliche Sanierungsmassnahmen werden vorbereitet und in die Wege geleitet.
Die Taskforce stellt sicher, dass Weleda auch in Zukunft ihre Aufgaben bei der Produktion, Weiterentwicklung und Verbreitung der anthroposophischen Heilmittel wahrnehmen kann.
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Was nicht erwähnt wird ist, dass neben dem Verlust von 10 Mio CHF ab diesem Jahr die Rückzahlungen / Tilgungen für drei Fonds mit einem Volumen von insgesamt ca. 17 Mio. EURO beginnen ...

In einem anderen Papier, das die Situation der Arzneimittelsparte der WELEDA beschreibt, zeigen sich erste Ansätze einer Selbsterkenntnis, ohne aber die daraus notwendigen Schlüsse zu ziehen. Dort heisst es u.a.:
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Bis in die späten Achtzigerjahre waren die Arzneimittel der Hauptumsatzträger und die finanzielle Basis für das Gedeihen von Weleda. Seit den Neunzigerjahren haben sich diese positiven Beiträge zum Geschäftserfolg in ein stetig zunehmendes Defizit gewandelt; dies aufgrund der zunehmenden regulatorischen Anforderungen, der Auflagen bezüglich Registrierung, Herstellung und Lancierung von Arzneimittel, aber auch infolge von Führungsfehlern. Die Defizite konnten über längere Zeit zu einem Grossteil durch das ertragsstarke und stärker wachsende Naturkosmetikgeschäft kompensiert werden.
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Es folgt das typische Lamento und die Rechtfertigung der schlechten wirtschaftlichen Lage des Unternehmens durch die Verluste der Arzneimittelsparte, verbunden aber wieder mit der Versicherung:
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Weleda will auch in Zukunft ihren Beitrag zur Entwicklung und Verbreitung der anthroposophischen Medizin leisten. Die aktuelle Situation erfordert aber Anpassungen und Änderungen der bisherigen Entwicklungsrichtung. Die anstehenden Sanierungsmassnahmen werden den Gegensatz zwischen Wirtschaftlichkeit und Regulierung auf der einen Seite und Entwicklung und Pflege des anthroposophischen Heilmittelschatzes auf der anderen Seite in ein fruchtbares Verhältnis bringen müssen. Dabei werden die Bedürfnisse der Kunden, der Patienten und Ärzte sowie die Machbarkeit eine zentrale Rolle spielen.
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Dass Patrick Sirdey vorzeitig aus verantwortlicher Position aus dem Unternehmen ausgeschieden ist, ist verständlich - vielleicht genießt er als Franzose lieber die schönen Seiten des Lebens, als ein Unternehmen in die Insolvenz zu führen?
Es bleibt jedenfalls spannend zu sehen, ob bei den Menschen, die bei WELEDA über den Fortgang der Firma entscheiden, die Erkenntnis der Lage, die Erkenntnis über die Bedeutung des Unternehmens nicht nur für die anthroposophische Bewegung und die Fähigkeiten zu entschlossenem Handeln so vereint werden, dass das Unternehmen sicher durch eine wahrscheinliche Insolvenz geführt werden kann, damit das ideelle Vermögen, die Historie und die Rezepte erhalten werden können und vor allem die Mitarbeiter in der Forschung und Produktion mit ihrem Können und Wissen weiter arbeiten können, denn sie sind das wertvollste Vermögen der WELEDA, das außer in Sonntagsreden und –schriften viel zu wenig gewürdigt wird.
Denn der Worst Case wäre ja, dass WELEDA von einer Firma wie Novartis, Roche oder ähnlich aufgekauft werden würde.