Mittwoch, 6. Juli 2011

Bericht von dem "Weleda-Treffen" im Goetheanum

Ja, Info3 hat meinen Leserbrief abgedruckt. Danke. So konnte der tendenziöse Berichterstattung des ausführlichen WELEDA Artikels im letzten Heft wenigstens etwas richtiges Fundament gegeben werden.

Doch zum Thema: In dem Nachrichtenblatt für die Mitglieder der AAG 7/11 steht ein ausführlicher Bericht von der Zusammenkunft von Vorstand und interessierten Mitgliedern am Goetheanum zum Thema WELEDA. Da meine Tochter zur gleichen Zeit ihre Jahresarbeit vorstellte, konnte ich leider nicht dabei sein.
Einige Sätze aus dem Bericht kommen mir aber bekannt vor - sie waren schon vor über 10 Jahren aktuell, als ich noch bei WELEDA arbeitete. Wenn ich beispielsweise lese "Ärzte berichteten ..., dass sie lange Wartezeiten für die Lieferung von Arzneimitteln in Kauf nehmen mussten oder dass bestimmte Arzneimittel nicht lieferbar waren (out of stock) ...", dann sind das noch die gleichen Probleme wie vor 10 Jahren.
Da frage ich mich, wann den endlich das größte Problem der WELEDA thematisiert wird: Das unfähige Management. Wenn es einer operativen Firmenleitung nicht gelingt, innerhalb von mehr als 10 Jahren (denn das Problem der "out-of-stock"-Situationen gab es ja auch schon lange vor meiner WELEDA-Zeit) eine zuverlässige Lieferfähigkeit sicherzustellen, dann würde in jedem Unternehmen der freien Wirtschaft das Management umgehend ausgewechselt. Bei WELEDA? Kontrolle durch den Aufsichtsrat / Verwaltungsrat? Fehlanzeige. Es wursteln noch immer die gleichen machtbesessenen Personen im Management herum und ergänzen sich durch die WELEDA- und Anthroposophie-spezifische Co-Option auch noch selbst mit Gleichgesinnten, die fleissig mitwursteln. Und in anthroposophsichen Kreisen wird der dringend notwendige Schritt gescheut, denn es sind ja die "lieben Freunde", die da im Management sitzen ... da lässt man lieber die WELEDA vor die Wand fahren und die ganze Anthroposophische Gesellschaft noch mit dazu. Es gibt doch auch "Könner" unter den Anthroposophen, die eine Firma markt- und zukunftsfähig leiten können - Götz Werner, Götz Rehm, Wolfgang Gutberlet ... - doch sie hat noch keiner gefragt.
Denn: vielleicht hat die mangelnde Nachfrage nach Arzneimitteln auch noch andere Gründe? Vielleicht eben diese Unzuverlässigkeit? Wenn ein Arzt nicht sicher sein kann, dass sein Patient die von ihm verschriebene Arznei auch bekommt, dann verschreibt er doch gleich einen andere - da gibt es ja immer noch die WALA Arzneimittel ...
Wenn ein Management 10 Jahre braucht, um dringend notwendige Entscheidungen durchzuführen wie z.B. die Konzentration der Arzneimittelherstellung an einem Standort, die laut Bericht ja jetzt endlich durchgeführt wird und die ich schon vor 10 Jahren angemahnt hatte, dann ist auch das keine Glanzleistung - wie viele unnötige Ausgaben hätten in 10 Jahren eingespart werden können, ohne dass an die Qualität gelitten hätte?
Ja, vor ziemlich genau 10 Jahren wurde ich (das erste und einzige Mal) dazu aufgefordert, einen Beitrag zur strategischen Entwicklung der WELEDA zu geben. Wenn es einem Nicht-Fachmann - ich habe ja weder Betriebswirtschaft noch Unternehmensführung studiert - schon auffällt, was vor 10 Jahren dringend notwendig war, und das dann heute großteils immer noch nicht, in einigen Teilen erst ansatzweise umgesetzt ist, und der Aufsichtsrat / Verwaltungsrat (dem diese Versäumnisse und ihre Tragweite sehr gut bekannt waren) nichts unternommen hat, dann ist es kein Wunder, wenn statt Gewinnen Schulden aufgehäuft werden.
Schwierig ist nur, dass jetzt das Management eine Ausrede und fadenscheinige Begründung für die schlechte wirtschaftliche Situation der WELEDA hat - die übrigens in dem Bericht erfreulich offen und deutlich dargelegt wurde -: Es sind die bösen Arzneimittel schuld, die das ganze Geld fressen. Nein, es sind nicht die verlorenen Umsätze durch "out-of-stock" Situationen, es ist nicht das verlorene Vertrauen der Ärzte, es ist nicht die Dumping-Politik des Verkaufens der hochwertigen Körperpflegemittel über Drogerie-Discounter wie Müller (siehe Artikel unten) und Schlecker ..., es ist nicht die fehlende oder nur marginale Präsenz in den Boom-Märkten in Asien, es ist nicht die mangelnde Schulung und Unterstützung anthroposophischer Ärzte ...
Dabei habe ich schon vor 10 Jahren gefordert, konsequent diesen Weg zu gehen, dass weniger verwendete Arzneimittel nur noch über spezielle Apotheken direkt hergestellt werden, dass jeder anthroposophische Arzt einen anthroposophischen Apotheker "seines Vertrauens" in seiner Umgebung hat, der für ihn zuständig ist und der ihm und seinen Patienten "seine" Arzneimittel in WELEDA-Qualität und aus WELEDA-Rohstoffen herstellt. Vor 10 Jahren habe ich ein weltweites Internet-Diskussions-, Dialog- und Schulungsforum für anthroposophische Ärzte gefordert, heute im Zeitalter der Online-Schulungen könnten darüber beispielsweise weltweite Online-Schulungseinheiten abgewickelt werden ...
Nein, Kritik am Management der "lieben Freunde" in der Geschäftsführung der WELEDA ist unanständig, das tut man nicht. Auch die Ärzte tun es nicht, sie wachen nur kurz auf, wenn ihre Arzneimittel nicht mehr verfügbar werden, stellen aber keine ganzheitliche Diagnose zum kranken Patienten WELEDA, sie sehen nicht, dass es das ganze Gebilde WELEDA ist, das krank ist, und dass die Streichung der Arzneimittel, die unzuverlässigen Lieferungen und die schlechte Schulung nur ein Symptom der Krankheit ist und die Ursache dieser Krankheit im Kopf - also im Management - sitzt. "Der Fisch stinkt immer vom Kopf her" ist eine alte und immer zutreffende Weisheit jeder Organisationsentwicklung.