Sonntag, 6. Dezember 2009

WELEDA Jahresbericht 2008

Jahresergebnis der WELEDA AG in 2008: ein Verlust von 7,315 Mio EURO bzw. 10,826 Mio CHF.

Konsequenz aus diesem katastrophalen Ergebnis: Keine!

Glücklicherweise gibt es ja die Finanzkrise, mit der man das schlechte Abschneiden erklären kann, denn Managementfehler sind natürlich ausgeschlossen, es gibt keinen Grund zu selbstkritischen Betrachtungen.

In Deutschland gab es einige Abschreibungen, die anscheinend auf im eigenen Lager verfallene Ware zurückzuführen sind (aber sicher nicht in Höhe von 7 Mio EURO!) - und wohl auch der Grund für die Freistellung von Herrn Frisch waren. Aber diese Abschreibungen waren nur ein Resultat der ungeordneten Führung und der nicht vorhandenen standortübergreifenden Kontrollsysteme und einem nicht vorhandenen Intranet mit entsprechender Transparenz - das ich schon vor knapp 10 Jahren gefordert habe! Nun, der Fisch stinkt vom Kopfe her - und der wird leider nicht ausgewechselt, die Führung ist immer noch die Gleiche - Aebersold, Sirdey, Follmer ... und neue Mitglieder werden ja ko-optiert, d.h. von den jetzigen Mitglieder "hinzugewählt" - und da kommt natürlich nur jemand hinzu der den richtigen Stallgeruch hat. Selbstkritische Betrachtungen sind natürlich nicht gewünscht.

Was ist z.B. mit der Heartbalance AG? Jetzt in Liquidation? Ein "Spielzeug" von Herrn Dierdorf und Herrn Aebersold - wie viel Geld wurde damit in den Sand gesetzt? Wer verantwortet das?

Nun, jedenfalls wird die Anthroposophsiche Gesellschaft keine größeren Beiträge aus der Firmenkasse der WELEDA erhalten. Und auch die anthroposophischen Arzneimittel werden auf einige Standardmittel reduziert, die dafür im industriellen Maßstab hergestellt werden (ob das noch für Qualität bürgt???). Die zwei Hauptaufgaben der WELEDA - Finanzierung der Anthroposophischen Gesellschaft und Weiterentwicklung und Produktion von anthroposophischen Arzneimitteln - sind jedenfalls klar verfehlt.

Wer Jahresberichte lesen kann und sich nicht von den schönen Worten blenden lässt, der erkennt in dem Jahresbericht 2008 einen Bericht des Versagens auf ganzer Linie. Die Weichenstellungen, die ich vor knapp 10 Jaren schon gefordert habe (Intranet, Auslagerung der Medizinproduktino in spezialisierte Apotheken), werden jetzt vorgenommen - wo der Zug schon halb über die Weiche gefahren ist. Andere Engagements wie der Aufbau eines funktionierenden Vertriebs in Ost-, Südost- und Südasien und einer fortschrittlichen Unternehmensstruktur mit Mitarbeiterbeteiligung, warten immer noch auf die Umsetzung.

Es tut mir natürlich auf der einen Seite für die Sache sehr leid, auf der anderen Seite erfüllt es mich doch mit Genugtung, dass die Vorhersagen und Befürchtungen, die ich vor meinem Rausschmiss gemacht habe (und für die ich ja auch gehen musste), eingetroffen sind, und dass jetzt, mit knapp 10 Jahren Verspätung, einige Maßnahmen umgesetzt werden, die ich damals vorgeschlagen habe. Ich bin gespannt, ob die anderen Maßnahmen noch kommen, oder ob WELEDA bis dahin auch in Liquidation ist - wie es die HeartBalance AG ja jetzt schon ist.

- Kleine, aber interessante Nebenbemerkung: In dem Jahresbericht wird Hervorgehoben der Lieferant für Ätherische Öle aus Ägypten. In Ägypen gibt es SEKEM - und in SEKEM wird Anthroposophie gelebt. Aber SEKEM war wohl zu unbequem - ich hatte während meiner Zeit als Expoertverantwortlicher bei WELEDA versucht, die Kontakte zu SEKEM zu knüpfen und zu intensivieren - z.B. um mit SEKEM gemeinsam eine für aisatische und arabische Hauttypen passende und tropentaugliche WELEDA Kosmetikserie zu entwickeln -, stieß aber schon damals auf Widerstand im Management. Warum bezieht WELEDA ätherische Öle nicht von SEKEM???

Donnerstag, 19. November 2009

Selbsterkenntnis - Welterkenntnis

Eigentlich hatte ich diesen Blog mehr oder weniger abgeschlossen. Heute erhielt ich eine Zuschrift, in der folgendes stand und auf die ich dann doch antworten musste:

Die Zuschrift:
Lieber Herr Ferger
Ihre Ausführungen habe ich wiederholt gelesen. Sie haben eine enorme Arbeit geleistet, aber wofür? Sie sehen sich offenbar noch als Mitglied der AAG e.V. an und glauben an eine geistige Verbindung dieser mit Rudolf Steiner? Wissen Sie nicht, dass dieser scheinheilige Verein auf einer furchtbaren, bis heute "gepflegten" Lüge sich gründet, so dass Sie notgedrungen dort als Nestbeschmutzer eingestuft werden, mit dem man nicht spricht? Denn die lieben Mitglieder könnten ja an den Rand des Aufwachens getrieben werden? Man muss den hochheiligen Funktionären doch blindes Vertrauen schenken...

R.St. meinte sinngemäß: Immer wenn bei uns von Vertrauen die Rede war, lief etwas schief.

M.St.: Wir haben uns der Lüge ergeben (so ähnlich). Warum sagte sie auf die Frage, was denn am 8.2.1925 gewesen sei, nur immer: Ich weiss von NICHTS? Ganz einfach weil nichts rechtswirksames geschen ist, weil die gefälschte Anmeldung zum HR NICHT "unterschrieben" wurde, weil niemand dazu am Krankenbett war und R.St. gelinkt worden ist!

Ein längst verstorbener Freund, Schüler von R.St. und M.St., Nicla Don, sagte stets: "Sie haben R.St. aus dem Goetheanum geschmissen". Dementsprechend ist die von ihm geschaffene Büste, von der M.St. schrieb: "Er ist es, ich habe mit ihm gesprochen" im Goetheanum nicht erwünscht und das Original steht im R.St.-Archiv im Keller.

Was Wunder, dass die Asche das Freie Geistesleben "gestört" hat?


Meine Antwort:
Die Anthroposophie ist ein trauriges Kapitel. Ich bin in sie hineingeboren, bin in 3. Generation Waldorfschüler und habe auch eine Waldorflehrausbildung. Sie ist für mich Lebensgrundlage, aber ich nehme mir die Freiheit heraus, im morphogenetischen Feld (von R.S. Akasha-Chronik genannt) die Fäden aufzunehmen von denen ich meine, dass sie diejenigen sind, die zur Weisheit vom Menschen führen – und an dieser Weisheit sind Vereinigungen ausserhalb der Anthroposophie viel näher dran als die Anthroposophen.

Ich bin (bis jetzt) zu der Erkenntnis gekommen, dass R.S. ein Freimaurer des höchsten Grades und ein außerordentlicher Eingeweihter war, der versuchte das Wissen der Freimaurerei öffentlich zu machen.
Deshalb wurde er vergiftet. Die Menschen um ihn herum konnten (oder wollten) das nicht verhindern.

Die Mächte, die die Öffentlichkeit der Weisheit verhindern wollten, haben gleichzeitig Menschen „eingesetzt“, die in der AAG viele „einfache“ Menschen „einfangen“ und ihnen mit der rückwärtsgewandten Betrachtung des Lebenswerkes R.S.s eine Beschäftigung geben und sie damit davon abhalten, in der Jetztzeit zu leben und den Machenschaften der „bösen“ Mächte gefährlich zu werden. Der jetzige Vorstand und auch die Geschäftsführung der WELEDA – die ich ja selbst erleben konnte – sind ebenfalls solche „eingesetzte“ Menschen, die unter der dem Schein, FÜR die Anthroposophie zu sein, GEGEN sie arbeiten.

So werden in der AAG viele Menschen, die von tiefster Seele „guten Willens“ sind, von den wirklichen Schauplätzen des Lebens ferngehalten, so dass sich die Wirklichkeit immer weiter von dem wegentwickelt, was eigentlich gut ist. Z.B. Menschen wie Dr. Abouleish in SEKEM, die wirklich politisch und sozial wirksam werden und sich die Freiheit herausnehmen, R.S. selbst zu verstehen und seine Gedanken in eine andere Kultur zu adaptieren und unabhängig umzusetzen, werden „freundlich ignoriert“. Ich konnte dies bei WELEDA erleben, wo eine Zusammenarbeit mit SEKEM nicht gewünscht war.

Anthroposophie hatte eine Aufgabe in der Menschheitsentwicklung. Sie hat sie nicht ergriffen. Jetzt muss von anderen Menschen und Vereinigungen das weitergeführt werden, für das die Anthroposophie eigentlich eine Aufgabe hatte. Und es kommt ungefähr ein Jahrhundert zu spät, ein Jahrhundert voller Leiden, Kriege und „schlechtem“ Karma.

Dies zeigt auch die anthroposophische „Abstinenz“, was soziale und politische Fragen anbetrifft.

Ich möchte allen Anthroposophen zurufen: Verlasst Eure Studierstuben, engagiert Euch wirklich – kompromisslos, unter Einsatz von Leben, Hab und Gut – für eine wirkliche soziale, politische, geistige und kulturelle Weiterentwicklung der Menschheit. So wie R.S. es getan hat. Die geht nicht durch die x-te Aufführung der Mysteriendramen oder des Fausts. Dies sind nur „Schlaftabletten“ für die Zuschauer, die der Meinung sind, eine wichtige Tat getan zu haben, indem sie sich ein Theaterstück angeschaut haben. Was Faust betrifft – wer ihn verstanden hat, der sollte sich selbst als Besoffener in Auerbachs Keller empfinden, wenn er die Aufführung verlässt.

Es ist für mich ein Erkenntnisweg, dies ist mein augenblicklicher Stand.

Was die AAG anbetrifft: In ihr sind viele Menschen gefangen, die eines wirklich guten Willens sind. Ich habe in dem WELEDA Blog das aufgeschrieben, was ich erlebt habe, um dem einen oder anderen die Möglichkeit zu geben, darüber nachzudenken. Die Beiträge spiegeln auch etwas meinen eigenen Erkenntnisweg. Ich MUSSTE das tun, sonst hätte ich mich nicht im Spiegel anschauen können. Vielleicht gehe ich ja nochmal auf die Generalversammlung am heiligen Hügel und sage nochmal was zu den „lieben Freunden“.

Und was die „Gesellschaft gelebte Weihnachtstagung“ macht und alle anderen die sich mit der „Konstitutionsfrage“ beschäftigen, empfinde ich ebenso rückwärtsgewandt und von den eigentlichen Aufgaben abhaltend. Jetzt haben „kritische“ Anthroposophen sogar noch die Möglichkeit, „innerhalb“ der AAG zu „kämpfen“ – was gibt es für die Mächte, die die Öffentlichkeit der Weisheit vom Menschen verhindern wollen, besseres, als dass sich die Suchenden nach ihr selbst zerfleischen und vor allem mit der eigenen Historie beschäftigen statt in die Welt und in die Zukunft zu schauen, wo sie eigentlich gebraucht würden?

So können diese Mächte ihr Werk ungestört weiterführen. Ein geschicktes Ablenkungsmanöver, auf dass leider sehr viele, sonst recht vernünftige Menschen hereinfallen.

Dienstag, 5. Mai 2009

Zuhören statt Fragen stellen - Euphemismuspreis an Herrn Pietzner

Es war eine gute Entscheidung, nicht auf die Generalversammlung zu gehen. Heute konnte ich eine Zusammenfassung in der "Anthroposophie weltweit" Zeitschrift lesen. Neues wurde also nicht gesagt. Nur immer wieder die gleiche Frage: "Wie können wir unsere Gesellschaft so gestalten, dass sich mehr und mehr Menschen, die zu uns gehören, mit uns in der Gesellschaft zusammenfinden können?" (Sergej Prokofieff).
Ich überetze diese Frage mal in "Normaldeutsch": "Warum findet spirituelle und soziale Gesellschaft woanders statt und nicht in unseren Lesezirkeln und "Klassenstunden"? Warum steigt das Durchschnittsalter der europäischen Mitglieder jedes Jahr um 363 Tage? Warum spendet uns niemand mehr Geld?"
Lieber Herr Prokofieff, die Antwort pfeifen die Spatzen von den Dächern: Dornach ist morsch, marode, nicht nur der Beton, sondern auch die Strukturen, die hinter dicken Holztüren "öffentliche" Geisteswissenschaft pflegen.
Die Welt heute ist ein Netzwerk, kennt keine Hierarchien mehr, ist flexibel und gibt jedem die Möglichkeit, sich sofort und überall einzulinken. Die Menschen von heute sind dem "Geist" viel näher als viele in dem Betonsarg Goetheanum, der seit dem Verscharren von Rudolf Steiners Asche im Feld auch keinen Geist mehr beinhaltet sondern leere Hülle ist. Und alles, was morsch, marode, unzeitgemäß und veraltet ist, das wird in der Natur vom gnädigen Zahn der Zeit hinweggerafft, der sich im Sozialen durch eine Insolvenz, auch Pleite genannt, ausdrückt.
Lieber Herr Prokofieff, SIE sind das Problem, SIE und das Kollegium mit den veralteten Strukturen. Sie können die Idee Anthoposophie am besten unterstützen, indem Sie sich selbst abschaffen.
Das ist ehrlich, das können Sie tun. Tun Sie aber nicht, weil Sie an der Macht kleben.

Und, diesmal an Herrn Pietzner gerichtet: Seien doch auch Sie ehrlich mit dem was Sie tun. Einen Notverkauf von Immobilien zur Finanzierung von "Initiativen" als "Befreiung versteckter Initiativkraft" zu titulieren, - dafür müssten Sie den Sonderpreis für Euphemismus bekommen, wenn es diesen denn gäbe. Der Satz ist einfach gut: "Versteckte Initiativkraft, die in Form von geronnenem Kapital in Immobilien steckt, wurde durch den Verkauf einer Liegenschaft befreit und Initiativen zugeführt."

Ein schöner Gedanke: Wenn ich sterbe, hinterlasse ich also einen Haufen "versteckte Initiativkraft" in Form von Besitz, der dann verkauft und neuen Initiativen zugeführt werden kann??? Das versteht doch kein Normalsterblicher mehr.

Und da fragen Sie sich noch, warum niemand mehr in diesem Verein Mitglied werden will???

Montag, 6. April 2009

Wer nichts mehr zu verlieren hat, gründet eine Stiftung ...

Nein, an diesem ersten Aprilwochenende war das Wetter zu schön, die Kinder haben Ferien, und statt die heiligen Hallen zur Mitgliederversammlung der AAG zu besuchen, habe ich mit meinem Sohn eine Fahrradtour gemacht. Es ist auch das Meiste gesagt, was zur Anthoposophischen Gesellschaft und zur WELEDA zu sagen ist, und es wird noch einige Jahre dauern, bis alles das, was ich vor vielen Jahren schon vorgeschlagen habe, umgesetzt wird.
Nur ein zentraler Punkt ändert sich nicht, und ohne diesen sind alle anderen Maßnahmen nur kosmetische Operationen - und auch mit bester WELEDA Kosmetik können keine ernsthaften Erkrankungen geheilt werden. Dieser zentrale Punkt sind die Menschen, die als Manager mit alttestamentarlicher Macht ausgestattete auf den Chefsesseln der WELEDA Gesellschaften sitzen.
Jetzt soll also der Stiftungsgedanke umgesetzt werden. Damit bei einer Zahlungsunfähigkeit der AAG deren Anteile an der WELEDA nicht verkauft werden müssen. Ich bin überzeugt davon, dass diese Initiative vom Management der WELEDA ausgeht, die die von ihnen mit verschuldeten Pleite der AAG voraussehen. Und das Paul Mackay für diese Gefahr keinen Anhaltspunkt sieht, wie er in der aktuellen Ausgabe der "Anthroposophie weltweit" betont, nehme ich ihm nicht ab. Er hat auch vor 10 Jahren die Situationen nicht sehen wollen, die sich jetzt bewahrheitet haben.
Hier wird der Sachverhalt in gewohnt euphemistischer Weise aufbereitet und dargestellt. Die Irritationen der letzten Jahre werden als ein "Konflikt unter Schwestern" bezeichnet, Herr Kerler wird zitiert, er habe erst sehr spät erkannt, dass die AAG und die Ita-Wegman-Klinik (IWK) ihre Anteile an der WELEDA als Geldwert sehen. Aus der Not geboren, müssen wohl dieses beiden Institutionen dies tun - die AAG wohl mehr als die IWK.
Spannend wird es nun, wie diese Stiftungsgründung und ihre Finanzierung gelingen soll. Sowohl die AAG als auch die IWK sind gemeinnützige Institutionen, die ihre Finanzmittel für den Satzungszweck einsetzen müssen. Eine Stiftungsgründung gehört definitiv nicht zum Satzungszweck, weder der AAG noch der IWK. Um ihre Unternehmensanteile in eine Stiftung zu überführen, müssen diese also erst aus dem Vermögen herausgekauft werden - Herr Pietzner spricht vom "befreien" des in der WELEDA gebundenen Kapitals - von wem und zu welchem Preis, auf diese Fragen bleiben uns die Verantwortlichen noch die Antwort schuldig. Es kann spannend werden.

Erschreckend ist, wie die Situation der WELEDA beschrieben wird. Pietzner: "Ohne die jährlichen Zuwendungen der WELEDA wäre manche Forschung am Goetheanum ... schwer möglich." Warum beziffern Sie diese "Zuwendungen" nicht, Herr Pietzner? "manche Forschungen" können auch mit einigen 1000 Franken möglich gemacht werden! Der Beitrag der WELEDA ist wahrscheinlich so lächerlich klein, dass es peinlich wäre seine "Höhe" zu nennen.

Weiterhin betont Georg Fankhauser (den ich als einzigen der Herren nicht persönlich kenne) sehr offen, dass das WELEDA Management gerne über viel Geld verfügt "um seine "unternehmerischen Projekte" zu realisieren" (ehrlicher wäre: " ... um seiner Selbstdarstellung zu frönen"), und Rolf Kerler erhofft sich von einer Stiftung die Möglichkeit, weiter hemmungslos Geld von gutwilligen Aktionären oder Partizipationsschein-Zeichnern einzutreiben, statt es selbst zu verdienen. Denn die maximale Anzahl an Partizipationsscheinen war ja vor einiger Zeit ausgegeben worden, neues Geld einzutreiben ist ohne neue Aktienausgaben nicht möglich.

Ja, Herr Kerler, Sie sagen es richtig, "die finanziellen Möglichkeiten der WELEDA sind beschränkt." Aber warum hinterfragen Sie nicht, warum dies so ist? In den früheren Einträgen dieses Blogs können Sie einige der Gründe nachlesen, wenn Sie es schon vergessen haben sollten, was ich Ihnen damals, als Sie noch als Generalsekretär der AAG die Weichen hätten in eine bessere Zukunft stellen könne, in zahlreichen Briefen, Emails und Gesprächen mitgeteilt habe.

Damals - also vor ca. 10 Jahren - gab es die Diskussion, dass WELEDA die Palette der anthroposophsichen Arzneimittel aus Kostengründen reduzieren müsse - den Protesten vieler anthroposophischer Ärzte zum Trotz wurde diese Reduzierung gnadenlos durchgeführt - statt anthroposophische Ärzte in der Anwendung dieser Präparate zu schulen - viele ur-anthroposophische Arzneimittel sind seitdem nicht mehr als Fertigpräparat erhältlich, die anthroposphische Medizin hat einen nicht wieder gut zu machenden Schaden erlitten. Und nun beklagen Sie sich immer noch über den marginalen Rest an Arzneimitteln, den WELEDA noch produzieren "muss". Dies soll nun "kostenneutral" geschehen, also von einer Stiftung finanziert, die Gewinne der WELEDA sollen für Zwecke "außerhalb des Unternehmens" zur Verfügung stehen. Warum kann die WELEDA nicht, was die WALA schon seit Jahrzehnten erfolgreich macht? Mit anthroposophischer Kosmetik anthroposophische Heilmittel querfinanzieren und trotzdem gut Geld verdienen?

Es ist ungeheuerlich. Da vergeudet ein unfähiges Management das medizinische und finanzielle Vermächtnis Rudolf Steiners (die WELEDA), das der AAG und der IWK treuhänderisch zur Kontrolle übertragen worden war, unter den Augen der Mitglieder und mit Billigung und sogar aktiver Mittäterschaft der Generalsekretäre, und nun, da die AAG vor der Pleite steht, verabschiedet sich das WELEDA Management von ihr, um durch eine Stiftung von "anthroposophischen Gutmenschen" weiter finanziert zu werden - statt sich ihr Geld selbst zu verdienen. Ich hoffe nur, dass die GLS Bank - an der ich auch einen Genossenschaftsanteil halte - kein Kapital für diese Stiftung gibt, ohne dass bei der WELEDA grundlegende personelle und organisatorische Strukturen entfilzt und geordnet wurden.

Es scheint, dass in den letzten 10 Jahren das Chaos noch größer geworden ist. Auch damals wirden öfters ganze Chargen weggeworfen und das Fakturierungssystem war abentheuerlich, aber die folgende Meldung zeigt, dass es bei WELEDA Deutschland und heute mitnichten besser ist:

Über eine Finanzkrise der besonderen Art berichtete die Stuttgarter Zeitung im Wirtschaftsteil ihrer Samstagsausgabe. Trotz eines um 10% gestiegenen Umsatzes vermeldet die Weleda AG in Schwäbisch Gemünd, ... , für das Jahr 2008 rote Zahlen. Für einen kleinen Teil der Verluste, so war es von einem Sprecher der Weleda AG zu erfahren, seien Probleme bei der Distribution und der Rechnungslegung verantwortlich. ... Auch seien in größerem Umfang Teile der begrenzt haltbaren Warenbestände vernichtet worden, weil die "gesamte Lagerwirtschaft nicht funktionstüchtig" gewesen sei, ... .
... Zitat Sirdey: "Das genaue Ausmaß kennen wir noch nicht". Der Bericht geht davon aus, dass es sich um einige Millionen Euro handeln kann. "Im vergangenen Jahr ist laut Sirdey trotz gestiegener Umsätze "erstmals seit Jahrzehnten" ein Verlust entstanden". ... . Kriminelle Machenschaften seitens der Mitarbeiter, so die Zeitung, würden von Sirdey "übrigens kategorisch" ausgeschlossen und die Frage, ob zur Problemlösung "Köpfe gerollt" seien, sei von Sirdey entschieden verneint worden. Der vorzeitige Weggang des Konzernleitungsmitglieds Rudolf Frisch im vergangenen Jahr habe nichts damit zu tun gehabt. ....
Der Bericht, ... , schließt mit dem Hinweis, dass Unternehmenskonzepte wie Weleda, die auf Vertrauen und Eigenverantwortung setzen -"ganz so wie die Anthroposophie es als Ideal beschreibt" - allerdings auch Nachteile haben könne: "Wie gehen die freundlichen Chefs mit groben Fehlern um?" Die durchaus selbstkritische Antwort von Patrick Sirdey: "Wir haben zuerst gesagt, die Verantwortlichen werden das schon hinbekommen, - vielleicht warten wir aber generell zu lange, bis wir eingreifen."

Mein Kommentar: Vielleicht haben "die freundlichen Chefs" auch deshalb so lange gewartet, weil sie weder den Überblick haben noch den Willen, eine funktionierende Organisation zu ermöglichen. Mit den strukturellen "Bordmitteln", die den Mitarbeitern der WELEDA zur Verfügung stehen, ist es ein Wunder und ein Zeichen höchster Kompetenz und Improvisationsvermögens, dass die Verluste nicht noch wesentlich größer sind. Innovationen sind jedenfalls zu meiner Zeit immer am mangelnden Verständnis der ach so "freundlichen Chefs" gescheitert. Viele Verantwortliche der WELEDA arbeiten so wie ein Pilot, der ein Passagierflugzeug ohne Radar und Funk, sondern nur mit einer Landkarte sicher navigieren soll.

Dienstag, 10. März 2009

Die bevorstehende Pleite der Anthroposophische Gesellschaft - Schicksalsschlag oder Sabotage?

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Die Anthoposophische Gesellschaft steht finanziell mit dem Rücken zur Wand (Den Finanzbericht von Herrn Pietzner finden Sie hier). Ist dies ein Schicksalsschlag? Oder liegt nicht eher eine bewusste oder unbewusste Sabotage durch Missachtung der Wirklichkeit und Egozentrismus vor?

Im ZDF würde es jetzt heissen: WISO ermittelt ...

Und was findet der Detektiv? Er findet einen Verein, dem bei einem Umsatz von über 22 Mio CHF noch ca. 2,5 Mio CHF für das Jahr 2009 fehlen - also über 10% - und der seine Einnahmen u.a. auf unsichere Posten wie Erbschaften und Legate (4,6 Mio CHF = ca. 20% des Umsatzes) und Spenden (2,3 Mio CHF = ca. 10%) stützt.

Der Detektiv gräbt etwas in der Historie und findet er dass die Situation schon einmal deutlich anders war. Dem Verein gehörte ein Drittel eines der ersten und heute in Mitteleuropa sicherlich zu den bekanntesten gehörenden Naturkosmetik-Herstellern, der sogar vom Vereinsgründer mit der Aufgabe gegründet wurde, die Finanzierung dieses Vereins zu sichern: Die Firma WELEDA* AG.

Nun wird unser Detektiv stutzig. Naturkosmetik gehört zu den Boombranchen, in denen gutes Geld verdient wird. Da liefert WELEDA doch sicher regelmäßig signifikante Beträge in die Vereinskasse ab. Doch - oh Schreck - da kommt kaum etwas an. Sie scheint nicht wirklich genug zu verdienen, diese WELEDA, trotz des großen Namens und der hohen Preise ihrer Produkte.
Er schaut sich Bilanzen an von Naturkosmetikherstellern. Da gibt es einen, auch anthroposophisch, der gehört niemandem, d.h. einer Stiftung, einer Idee - und er expanidert und macht gute Geschäfte, kann sich sogar leisten, anthroposophische Medikamente als Fertigprodukt zu liefern, die weniger als 500 x pro Jahr nachgefragt werden: Die WALA. (WELEDA hat unter Hinweis auf die mangelnde Rentabilität trotz Protest vieler anthroposophsicher Ärzte in den letzten Jahren viele selten gebrauchte, aber oft ur-anthroposophische Medikamente aus dem Programm genommen.) Statt diesem Luxus sollten von der wesentlich größeren WELEDA doch Gewinne erwirtschaftet werden? Was läuft denn nun falsch bei WELEDA?

Unser Detektiv überlegt. In einer solchen Notlage, bevor der Verein pleite geht, da sollte der Verein vielleicht seine Anteile verkaufen, wenn sie schon nicht regelmäßig etwas in die Vereinkasse einbringen. Was ist denn so ein Unternehmen wert?

Der Detektiv schaut sich Firmenwerte von Naturkosmetik-Herstellern an: Da wurde z.B. BodyShop an L'Oreal verkauft für über 1 Mrd. EURO - mehr als die Hälfte davon sollte WELEDA schon wert sein - also ca. 200 Mio EURO für den Verein - das sollte zur Sanierung und langfristigen Finanzierung durchaus genügen. Doch - der Schreck wird größer - was findet er bei WELEDA? Alles schon verkauft. Die ganze Firma beliehen und auf gepumptem Geld aufgebaut. Es bleibt leider nicht mehr viel übrig, was zu verkaufen wäre. Das ist auch der Grund dass nichts in die Vereinskasse fließt - alles verdiente Geld geht an die Gläubiger.

Unser Detektiv ist ein guter Detektiv. Er sucht weiter - und was findet er? In der Führung der WELEDA findet er - typische Manager. Er findet Menschen, die jahrzehntelang ihrem persönlichen Egoismus gefrönt haben, die notwendige Schritte in der Unternehmensführung aus Ehrgeiz und Konkurrenz untereinander nicht oder viel zu spät gegangen sind mit dem Resultat, dass die für ein Weiterbestehen und für Investitionen notwendigen Mittel nicht aus Rücklagen aufgebracht werden konnten, sondern geliehen werden mussten.

Nun wird unser Detektiv erst recht stutzig. WELEDA ist eine AG und in einer AG kontrolliert ein Verwaltungs- oder Aufsichtsrat die Geschäfte, der i.d.R. von den Eigentümern - also auch vom Verein - gestellt wird. Und er schaut in den Handelsregisterauszügen nach und findet - und jetzt kommt ihm das Grausen - dass WELEDA sich die ganzen langen Jahre hauptsächlich selbst kontrolliert hat - kein Vertreter des Vereins und auch kein Vertreter der anderen Eigentümer sass in leitender Funktion im Verwaltungsrat.

Und so macht unser Detektiv den Managern der WELEDA auch kein Vorwurf. Wer Füchse zum Aufpassen in den Hühnerstall schickt, darf sich später nicht beklagen wenn die Hühner tot sind. Wer Manager sich selbst kontrollieren lässt darf sich ebensowenig beklagen wenn die Firma pleite ist. Füchse sind eben Füchse und Manager sind eben Manager - sie können nicht aus iher Haut.

Und zum krönenden Abschluss findet der Detektiv noch einen Hinweis, der ihm die Haare zu Berge stehen lässt: Die Manager der WELEDA werden noch nicht einmal von den Eigentümern eingesetzt, nein, sie ergänzen sich selbst - Ko-Optieren nennt sich das dann auf anthroposophisch. Dass da keine Krähe der anderen die Augen aushackt ist ja wohl deutlich.


So beisst sich die Katze in den Schwanz. Wer ist nun für die kommende Pleite verantwortlich?
Sind es die Manager der WELEDA, die mangels Kontrolle ihre Macht zur Selbstdarstellung verwendet haben (und noch verwenden), statt sich um satte Renditen für den Verein Gedanken zu machen?
Ist es der Vorstand des Vereins, der seiner Kontrollfunktion und -aufgabe nicht nachgekommen ist?
Sind es die Mitglieder des Vereins, die jedes Jahr willig aus ihrem versteuerten Einkommen die wachsenden Löcher durch Spenden gestopft und ihre Kinder zugunsten des Vereins enterbt haben, statt sich zu fragen warum die Löcher immer größer werden?

Die Schuldfrage ist müßig, zu retten gibt es kaum noch etwas, und so kehrt unser Detektiv mit einem fast salomonischen Ergebnis zurück: Niemandem kann Vorsatz nachgewiesen werden im Sinne der Anklage, es lässt sich nur statuieren, dass der Weg in die Pleite seit Jahrzehnten zielstrebig gegangen wurde und alle darauf hinweisenden Zeichen mit bewundernswerter Konsequenz ignoriert wurden.



In den älteren Beiträgen dieses Blogs können Sie einige Stationen auf dem Weg in die Pleite nachvollziehen (falls nicht sichtbar, klicken Sie dazu unten auf "Startseite") und auch sehen dass die Ausrede "wir haben es ja nicht wissen können" nicht stimmt - wenigstens von mir wurden die Hinweise oft und intensiv kommuniziert.


Nachbemerkung: Ich habe letztes Weihnachten den "Weihnachtsbrief" (Spendenaufruf) von Herrn Pietzner nicht kommentiert. Es wird irgendwann zur Routine, auch wenn er ein bewundernswertes Talent hat, jedes Jahr wieder die einzigartige Dringlichkeit der Situation zu beschwören um Spenden zu generieren. Wenn die Weihnachtsspenden aber noch nicht mal bis Ostern reichen, dann wird es kritisch - muss der arme Herr Pietzner sich jetzt jeden Monat einen neuen Brief ausdenken?