Sonntag, 6. Dezember 2009

WELEDA Jahresbericht 2008

Jahresergebnis der WELEDA AG in 2008: ein Verlust von 7,315 Mio EURO bzw. 10,826 Mio CHF.

Konsequenz aus diesem katastrophalen Ergebnis: Keine!

Glücklicherweise gibt es ja die Finanzkrise, mit der man das schlechte Abschneiden erklären kann, denn Managementfehler sind natürlich ausgeschlossen, es gibt keinen Grund zu selbstkritischen Betrachtungen.

In Deutschland gab es einige Abschreibungen, die anscheinend auf im eigenen Lager verfallene Ware zurückzuführen sind (aber sicher nicht in Höhe von 7 Mio EURO!) - und wohl auch der Grund für die Freistellung von Herrn Frisch waren. Aber diese Abschreibungen waren nur ein Resultat der ungeordneten Führung und der nicht vorhandenen standortübergreifenden Kontrollsysteme und einem nicht vorhandenen Intranet mit entsprechender Transparenz - das ich schon vor knapp 10 Jahren gefordert habe! Nun, der Fisch stinkt vom Kopfe her - und der wird leider nicht ausgewechselt, die Führung ist immer noch die Gleiche - Aebersold, Sirdey, Follmer ... und neue Mitglieder werden ja ko-optiert, d.h. von den jetzigen Mitglieder "hinzugewählt" - und da kommt natürlich nur jemand hinzu der den richtigen Stallgeruch hat. Selbstkritische Betrachtungen sind natürlich nicht gewünscht.

Was ist z.B. mit der Heartbalance AG? Jetzt in Liquidation? Ein "Spielzeug" von Herrn Dierdorf und Herrn Aebersold - wie viel Geld wurde damit in den Sand gesetzt? Wer verantwortet das?

Nun, jedenfalls wird die Anthroposophsiche Gesellschaft keine größeren Beiträge aus der Firmenkasse der WELEDA erhalten. Und auch die anthroposophischen Arzneimittel werden auf einige Standardmittel reduziert, die dafür im industriellen Maßstab hergestellt werden (ob das noch für Qualität bürgt???). Die zwei Hauptaufgaben der WELEDA - Finanzierung der Anthroposophischen Gesellschaft und Weiterentwicklung und Produktion von anthroposophischen Arzneimitteln - sind jedenfalls klar verfehlt.

Wer Jahresberichte lesen kann und sich nicht von den schönen Worten blenden lässt, der erkennt in dem Jahresbericht 2008 einen Bericht des Versagens auf ganzer Linie. Die Weichenstellungen, die ich vor knapp 10 Jaren schon gefordert habe (Intranet, Auslagerung der Medizinproduktino in spezialisierte Apotheken), werden jetzt vorgenommen - wo der Zug schon halb über die Weiche gefahren ist. Andere Engagements wie der Aufbau eines funktionierenden Vertriebs in Ost-, Südost- und Südasien und einer fortschrittlichen Unternehmensstruktur mit Mitarbeiterbeteiligung, warten immer noch auf die Umsetzung.

Es tut mir natürlich auf der einen Seite für die Sache sehr leid, auf der anderen Seite erfüllt es mich doch mit Genugtung, dass die Vorhersagen und Befürchtungen, die ich vor meinem Rausschmiss gemacht habe (und für die ich ja auch gehen musste), eingetroffen sind, und dass jetzt, mit knapp 10 Jahren Verspätung, einige Maßnahmen umgesetzt werden, die ich damals vorgeschlagen habe. Ich bin gespannt, ob die anderen Maßnahmen noch kommen, oder ob WELEDA bis dahin auch in Liquidation ist - wie es die HeartBalance AG ja jetzt schon ist.

- Kleine, aber interessante Nebenbemerkung: In dem Jahresbericht wird Hervorgehoben der Lieferant für Ätherische Öle aus Ägypten. In Ägypen gibt es SEKEM - und in SEKEM wird Anthroposophie gelebt. Aber SEKEM war wohl zu unbequem - ich hatte während meiner Zeit als Expoertverantwortlicher bei WELEDA versucht, die Kontakte zu SEKEM zu knüpfen und zu intensivieren - z.B. um mit SEKEM gemeinsam eine für aisatische und arabische Hauttypen passende und tropentaugliche WELEDA Kosmetikserie zu entwickeln -, stieß aber schon damals auf Widerstand im Management. Warum bezieht WELEDA ätherische Öle nicht von SEKEM???