Freitag, 29. April 2011

2010 für WELEDA wieder ein Verlustjahr

Ein "Ergebnis" von - (Minus) 3.735.000 CHF (Quelle: Einladung zur Aktionärsversammlung) weist das Geschäftsergebnis der WELEDA 2010 aus, über das die Aktionäre der WELEDA bei der 88. Generalversammlung der Aktionäre Ende Mai zu entscheiden haben.
Zum Vergleich: BodyShop trug mit einem Geschäftsergebnis 2010 von + 65,3 Millionen € Gewinn vor Steuern (Vorjahr: 53,8 Millionen) zum Gesamtergebnis von L'Oreal bei. BodyShop war vor 35 Jahren noch viel kleiner als WELEDA, damals war es eine "Garagenfirma" einer engagierten Umweltschützerin, die aber professionelle Geschäftskonzepte aufbaute und professionell managte. Vor einigen Jahren wurde BodyShop für ca. 1 Mrd. € an L'Oreal verkauft - wie hoch wäre der Wert der WELEDA, die knapp 50 Jahre älter ist als BodyShop, bei einem professionellen Management heute???
Auch ein Vergleich mit der WALA, die ja der WALA Stiftung gehört, zeigt, wie schlecht die Geschäftsführung der WELEDA wirtschaftet. Bei einer Eigenkapitalquote von 55% erzielte WALA 2009 ein Ergebnis von + 11,3 Mio € (2008: + 9,6 Mio €).
Die 88 ist eigentlich eine Glückszahl, und es wäre WELEDA zu wünschen, dass sie ihre Aktionäre auch finanziell endlich einmal wieder glücklich machen würde - die Anthroposophische Gesellschaft könnte dieses finanzielle Glück jedenfalls gut gebrauchen, auch um einigen Menschen, die ihr Leben bis jetzt für die Anthroposophie gelebt haben, weiter zu beschäftigen. Damit bei WELEDA wieder - finanziell und menschlich - glücklichere Zeiten anbrechen, wäre es an der Zeit - wie es bei jeder anderen Aktiengesellschaft der Fall ist, wenn dauernd negative Geschäftsergebnisse in einem sonst boomenden Markt erwirtschaftet werden - dass das Management, also die Geschäftsführung, ausgetauscht wird. Dies kann nur die Aktionärsversammlung fordern und entscheiden, indem sie der Geschäftsführung ihr Vertrauen entzieht. Jedenfalls bedeutet dieses Ergebnis, dass sowohl die Aktionäre als auch die Besitzer der Partizipationsscheine wieder in die finanzielle "Röhre" schauen, die nämlich leer ist.
Bitte, falls jemand eine WELEDA Aktie zu verkaufen hat, oder jemanden kennt, der eine WELEDA Aktie verkaufen will, ich würde sie trotz dieses miserablen Ergebnisses kaufen! Auch wenn sich ein WELEDA Aktionär durch mich auf der WELEDA Generalversammlung vertreten lassen will, würde ich mich sehr freuen, der Geschäftsleitung einige direkte und unbequeme Fragen zu stellen.
Interessant wird z.B. sein, was der Umzug des "Kaders" von Arlesheim ins Basler Zentrum (Peter-Merian-Strasse 34, eines der teuersten Pflaster in Basel) gekostet hat, was er für weitere Folgekosten hat und wie seine Notwendigkeit begründet wird. War Arlesheim zu klein für eine Firma von "Weltrang"? War den Herren der Geschäftsleitung die Adresse "Dyckweg 14" in Arlesheim nicht fein genug? Oder war es einfach zu lästig, jeden Tag die unzufriedenen Gesichter der MitarbeiterInnen zu sehen? Vielleicht wollte man auch gar nicht mehr Gefahr laufen, die täglichen Katastrophe der Herstellung mit zu erleben, sondern ungestört auf Basis von Zahlen und "Fakten" aus zweiter Hand entscheiden? Zu viel Nähe zu Menschen, über die entscheiden werden muss, kann auch manchmal hinderlich sein, um "notwendige Restrukturierungsprozesse" durchzuführen ...
Eine andere Frage könnte sein, wie es mit der Heartbalance AG steht, für die Herr Moritz Aebersold als alleiniger Zeichnungsberechtigter auch die alleinige Verantwortung trägt und die ja in Liquidation begriffen ist, und wie viel Geld die WELEDA in dieses Abentheuer der Herren Aebersold und Dierdorf hineinversenkt hat.
Ebenfalls könnte interessieren, was es mit dem Wohlfahrtsfonds der WELEDA AG auf sich hat, der, 1984 gegründet, sich inzwischen ja ebenfalls in Liquidation befindet - wieder mit der Handschrift von Moritz Aebersold, unterstützt von seinem "Weggefährten" und früheren Vorstand der AAG Rolf Kerler.
Weiterhin interessant und dringend Not-wendig wäre auch eine Diskussion über die gesamte Sortimentspolitik der Naturkosmetik: Heute (1.5.) gab es bei uns in der "Ramschpost" beim Angebotsblättchen vom Müller-Drogeriemarkt eine Aktion "20% auf WELEDA - 20% des Verkaufspreises werden direkt an der Kasse abgezogen." Das verärgert natürlich den Fach-Einzelhandel, der die Beratung macht und Stammkunden gewinnt, und jeder treue Kunde, der WELEDA Kosmetik regelmäßig nutzt und zum "Normalpreis" kauft, fühlt sich vera....t. Ist WELEDA eigentlich eine Ramsch-Marke? Sind die WELEDA-Produkte wo wenig wert, dass sie über Sonderangebote verkauft werden müssen? Oder sind die Einkaufskonditionen von MüllerMarkt zu gut? Diese Politik zerstört, was WELEDA mit viel Mühe und Geld aufgebaut hat: Das Image der Qualitätsmarke.

Montag, 18. April 2011

Mitgliederversammlung der AAG - ein Rückblick

So gut besucht war bisher wohl kaum eine Mitgliederversammlung der AAG - der große Saal voll und der Grundsteinsaal mit Video-Übertragung fast.
Der Vorstand konnte wieder alle seine Vorschläge durchbringen bzw. alle anderen Anträge abbiegen - nur dem Antrag, eine Mitgliederversammlung zum Thema WELEDA einzuberufen, wurde mit überwältigender Mehrheit gegen das Votum des Vorstandes - durch Frau Zimmermann, doch dazu später - zugestimmt. Danke an alle Mitglieder, die dies ermöglicht haben.
Dass der Vorstand versuchte, den Mitgliedern die Kompetenz abzusprechen eine Mitgliederversammlung zu beantragen und den Antrag als einen "Konsultativ-Antrag" bezeichnete, ist eine unerfreuliche Nebensache, wirft aber kein gutes Licht auf den Vorstand.
Doch der Reihe nach: Der erste Themenkomplex mit dem Antrag, dem Vorstand das Vertrauen zu entziehen, war m.E. schlecht gestellt, denn die Alternative zu dem bestehenden Vorstand wäre praktisch ein Vakuum gewesen mit ungewissem Ausgang. So war auch meine Stimme eine von den ungültige, denn ich konnte weder dem Vorstand mein Vertrauen aussprechen noch dem Antrag unterstützen, der ein ungewisses Vakuum zur Folge gehabt hätte. Mein Vorschlag: Bei der nächsten Mitgliederversammlung einen Antrag stellen, dem Vorstand das Vertrauen zu entziehen und ihn beauftragen, so lange geschäftsführend im Amt zu bleiben mit der alleinigen Aufgabe, eine weltweite Mitgliederbefragung und Wahl eines neuen Vorstandes zu organisieren. Der neue Vorstand sollte vor allem die Aufgabe haben (in einem separater Antrag zu stellen) zu prüfen, ob die zentralistische Organisation der AAG (mit dem Anspruch eine "Weltgesellschaft" zu sein) mit Dornach als Mittelpunkt im Zeitalter von globalen Netzwerken noch handlungs- und zukunftsfähig ist und ob - ähnlich wie bei WELEDA - der Lauf der Zeit einfach verschlafen wird oder ob nicht eine Netzwerkstruktur für eine moderne Gesellschaft wesentlich sinnvoller ist. Die Idee eines globalen anthroposophischen Netzwerkes wurde schon vor ca. 10 Jahren von Nicanor Perlas ins Gespräch gebracht, aber nie wirklich diskutiert.
Diese Diskussion - auch wieder eine Art Nabelschau, auch wenn nicht so schlimm wie bei der Konstitutionsdebatte - dauerte bis über die Mittagspause, so dass für das Thema WELEDA nur noch relativ wenig Zeit blieb.
Nach der Vorstellung des Antrages kamen die Redner:
Danielle Lemann (Ärztin aus der Schweiz, Vorstand der anthroposophischen Ärzte) sprach als erste und sich für die Versammlung aus.
Dr. Holger Ehrhard, pensionierter Mitarbeiter der WELEDA Schwäbisch Gmünd und damals Mitglied des Betriebsrats, ging auf die Situation der Mitarbeiter ein und sprach genau das aus, was ich schon vor im Jahr 2000 schriftlich festgehalten habe: Dass in der in der Firma herrschenden Stimmung aus Angst um den Arbeitsplatz und Unsicherheit keine anthroposophischen Heilmittel mehr hergestellt werden können (was auch quantenbiologisch und -physikalisch begründbar ist, da bei den sensiblen Prozessen der Herstellung die Konstitution und Stimmungslage der bearbeitenden Menschen einen entscheidenden Einfluss haben - mein Kommentar, verifiziert z.B. in diesem auch sonst interessanten Film von Prof. Kröpke, Uni Stuttgart). Weiterhin stellte er klar, dass die angebliche "Unrentabilität" der Heilmittelproduktion vor allem daher kommt, dass die Urtinkturen für viel zu hohe Preise ("500 € für 250 ml Tinktur") von WELEDA Naturals GmbH eingekauft werden müssen - einer Firma, die nicht mehr wirklich zu WELEDA gehört.
Ich durfte dann auch noch einen Beitrag halten und ging darauf ein, dass es bei dieser geplanten Mitgliederversammlung nicht nur um den Erhalt der Arzneimittel gehen dürfe, sondern dass es dringend erforderlich ist, den Gesamtorganismus WELEDA inclusive der Kosmetiksparte zu betrachten. Weiterhin ging ich rückblickend darauf ein, dass die WELEDA AG ihre Chancen als das erste Naturkosmetik-Unternehmen in keinster Weise genutzt hat und immer noch als zwar im lokalen Markt (Deutschland, Schweiz) bekannte Marke, aber im Umsatz und Gewinn sehr unterdurchschnittlich und im Management sehr ungenügend ist - also das, was ich schon vor einigen Jahren sagte (siehe Beiträge in diesem Blog aus den Jahren 2008 ff), aktualisiert und mit dem deutlichen Hinweis, dass die WELEDA das einzige werthaltige Objekt ist, das die AAG besitzt.
Walter Frischknecht als nächster Redner betonte, dass eine Mitgliederversammlung dringend Not-wendig sei, dass die Entwicklung mit all ihren Fehlern nun leider so ist wie sie ist und nicht mehr rückgängig gemacht werden kann.
Die Fortführung dieser negativen Entwicklung kann nur und muss durch den Verwaltungsrat geändert werden.
Die Stationen auf diesem zweifelsohne langen Weg müssen sein:
1. Die AAG- und Klinik-Verwaltungsräte müssen gemeinsam ihr Leitbild überarbeiten und zu anderen strategischen Zielen kommen und diese ihrem Stimmrecht gemäß im Verwaltungsrat implementieren
2. Der Verwaltungsrat-Ausschuss muss sich strategisch anders orientieren und dies der Geschäftsleitung klar vermitteln und kontrollieren.
Weitere Maßnahmen müssen sein:
- Die Geschäftsleitung der WELEDA muss neue operative Ziele gemäß Leitbild erzeugen
- Die mindestens jährlichen Rechenschaftsberichte müssen jeweils von der nächsthöheren Stufe akzeptiert werden, bzw. die entsprechende Stufe muss in ihrer Verantwortung entlastetet werden
- In die jährlichen AAG-Mitgliederversammlungen gehört ein knapper „Welededabericht“ des Vorstandes.
Andreas Arendt von der internationalen anthroposophischen Ärztegesellschaft IVAA betonte, dass es von der IVAA keine Stellungsnahme, sondern nur einen Bericht gab, und dass "erreicht" wurde, dass die Reduktion der Ampullen nicht so stark durchgeführt würde wie geplant.
Patrick Sirdey als Vorstand der Geschäftsleitung WELEDA ging auf keine der Vorwürfe ein, sondern betonte stolz, dass er schon vor 3 Jahren Bedenken an der Zukunftsfähigkeit der anthroposophischen Heilmittelproduktion bei der WELEDA hatte, wenn das Unternehmen "nicht der heutigen Realität angepasst" würde - also die typische Haltung der Geschäftsleitung, statt progressiv nach Lösungen zu suchen den Rückgang statt auf die eigene Unfähigkeit auf die "Veränderung der Zeiten" zu schieben. Götz Werner - als Unternehmer ja nicht gerade erfolglos - rügte ihn darauf hin. Patric Sirdey weiter: "Wir müssen einen gewissen wirtschaftlichen Realismus entwickeln" - was bedeutet, dass statt sich um mehr Absatz zu bemühen - z.B. durch internationale, attraktive und fundierte Schulung von Ärzten in der Anwendung der anthroposophischen Arzneimittel - eben die Mittel, die nicht genügen nachgefragt werden, gestrichen werden. Erfolgreiche Unternehmer sind nur die, die Ziele und Visionen haben und nicht versuchen, mit einem sog. "wirtschaftlichen Realismus" ihre eigene Unfähigkeit zu entschuldigen. Nur mit "wirtschaftlichenm Realismus" hätte Götz Werner aus der elterlichen Drogerie keinen weltweit operierenden, milliardenschweren Drogeriekonzern gemacht!
Andreas Worel ging nochmals darauf ein, wie wichtig die WELEDA für die AAG ist und warum die eine außerordentliche Mitgliederversammlung nötig ist. Er schilderte die geschichtlichen Hintergründe der Verknüpfung zwischen WELEDA und der AAG:
- alle Aktien der WELEDA gehören Mitgliedern der anthropsophischen Gesellschaft, das ist eine Bedingung in den Statuten für den Aktienerwerb
- die AAG besitzt 22% des Aktienkapitals (aber 40% der Stimmrechte), das aus dem Nachlass der 1923 pleite gegangenen Industrieholding "Futurum" bzw. "der kommende Tag" stammt.
- die "internationalen Laboratorien" waren Teil der Futurum AG und deshalb gefährdet, deshalb bat Rudolf Steiner die Mitglieder, dem Goetheanum die Aktien zu schenken - nur unter dieser Bedingung war er bereit, den Vorsitz des Verwaltungsrates der "internationalen Laboratorien" - später WELEDA - zu übernehmen. Diese Aktien sind der Grundstock des AAG-Anteils an den Aktien der WELEDA
- Der Ita-Wegmann-Anteil (12,5 %) stammt aus den Investitionen von Ita Wegmann in die "internationalen Laboratorien" und spätere Schenkungen von Patienten etc., es sind ebenfalls 40% der Stimmrechte
- AAG und Ita-Wegmann-Klinik besitzen zusammen 80% der Stimmrechte und bestimmen damit, was in der WELEDA (Rudolf Steiner: "ein geistig-wirtschaftliches Unternehmen") geschieht
- Die angedachte Überführung der WELEDA (vor einigen Jahren diskutiert als notwendige Maßnahme, um die WELEDA bei einer Insolvenz der AAG aus der Insolvenzmasse herauszuhalten) in eine Stiftung ist nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft zulässig
- Rosenkreutzertum: "den Labortisch zum Altar werden lassen"
- Rudolf Steiner: "Aus den Gewinnen der Heilmittel die anthroposophische Arbeit finanzieren".
Seija Zimmermann sprach dann für den Vorstand - und verneinte die Notwendigkeit einer außerordentlichen Mitgliederversammlung, da die IKAM (internationale Kommission Arzneimittel) das volle Vertrauen besäße - die Mitglieder sollten diese Arbeit "bitte nicht gefährden". Als sie vor 11 Jahren als anthroposophische Ärztin in Finnland meine "Kundin" war, beteiligte sie sich selbst an den intensiven Diskussionen, die es schon damals um die von dem Geschäftsleitung geplante Reduzierung des Arzneimittelbestandes gab - und damals war sie mit der Vertretung der Ärzte in der WELEDA eindeutig nicht zufrieden und sprach sich gegen eine Reduzierung des Arzneimittelbestandes aus, der damals einen wesentlich größeren Umfang hatte als er es heute hat. Ich hatte deshalb Hoffnungen für WELEDA, als sie Mitglied des AAG-Vorstandes wurde - leider wurden diese Hoffnungen enttäuscht. Ihr Statement war rein aus ihrer Funktion als Vorstand definiert, und insbesondere durch ihren Hinweis, dass sie noch als Ärztin in Finnland praktiziert, unglaubwürdig - denn vor 10 Jahren, als sie noch nicht im Vorstand der AAG und nur einfache, etwas vernachlässigte Kleinkundin der WELEDA war, hatte sie sich noch heftig für einen Erhalt aller Arzneimittel eingesetzt.