Samstag, 16. November 2013

Anspruch und Wirklichkeit der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft - ein Interview


Dieses Interview ist entstanden aus einem langen Telefonat mit Michael Mentzel, dem Herausgeber von Themen der Zeit. Es wurde dann in einem Schriftwechsel komprimiert und in diese Form gebracht.
Doch lesen Sie selbst hier oder auch auf der Seite der Themen der Zeit:
(Sie können das ganze Interview auch hier als PDF Datei herunterladen.)

Wie sehen Mitglieder der AAG (Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft) auf diese ihre Gesellschaft? Welche Chance haben Veränderungen und wie könnten diese beschaffen sein? Das folgende Interview gibt vielleicht einen kleinen - wenn auch durchaus subjektiv gefärbten - Einblick in das, was derzeit in der anthroposophischen Bewegung lebt. Oder auch nicht.
mm/tdz. - Mit den folgenden Sätzen lud vor einiger Zeit die Zeitschrift Info3 bei Facebook zu einem Treffen von Redaktion, Autoren und Lesern ein: "Ohne Zweifel ist Anthroposophie ein nachhaltiger "Lifestyle". Das weckt aber auch Fragen: Wo ist Steiner ein Trendsetter und welchen Beitrag leisten Anthroposophen heute für eine bessere Zukunft – wo aber bleiben sie auch hinter dem heutigen Zeitgeist zurück? Wo ist Anthroposophie Mittel zum Aufbruch geworden – und wo eine dogmatische Insel der Kulturpessimisten geblieben?"
Ob diese Fragen beantwortet wurden, entzieht sich meiner Kenntnis, gleichwohl sind aus dem vielfältigen Meinungsspektrum der Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft immer wieder kritische Stimmen zu hören, dass sich die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft (AAG) nach hundert Jahren überlebt hätte. Ramon Brüll, Herausgeber der Info3 und andere, wie z. B. Michael Eggert von den Egoisten warnen vor verkrusteten Strukturen, Institutionalisierung und Funktionärstum. Der Hauptvorwurf dabei: Die AAG sei zu träge und nicht mehr zeitgemäß.
Auch Dietmar Ferger, der unter anderem einige Jahre als Exportleiter bei Weleda Arlesheim gearbeitet hat und seine Erfahrungen und Erkenntnisse daraus in seinem "WELEDABlog" - teilweise durchaus provokativ - veröffentlicht, macht sich Gedanken um den Fortbestand der Anthroposophie, über Anspruch und Wirklichkeit sowie die Aufgabe von anthroposophischen Unternehmen im Wirtschaftsleben. Er vermisst das Engagement der AAG zu politischen und gesellschaftlichen Fragen und weist dabei insbesondere der Weleda AG eine spezielle Aufgabe zu. Wir fragten ihn nach seinem konkreten Zukunftsbild der Anthroposophie und der AAG.
Dietmar Ferger: Schauen Sie sich die Themen in "Anthroposophie weltweit", dem Mitteilungsblatt für die Mitglieder der "Weltgesellschaft" AAG, an: Das Buch eines ehemaligen Vorstandes und eine Dame (Judith v. Halle) in Berlin mit geistigen Schauungen. Die spirituellen Hintergründe der verschiedenen möglichen Standorte des "Menschheitsrepräsentanten" verbunden mit der Neugestaltung des Goetheanumsaals. Goethes Faust und die Mysteriendramen. Die Frage warum das reale Goetheanum niedriger ist als das Modell … Dagegen sehen wir die aktuellen Themen in der realen Welt: Die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer, wenige Oligarchen beherrschen die Menschheit bald vollkommen. Die Staaten sind bankrott und in der Schuld der Oligarchen. Die digitale Verblödung bzw. digitale Demenz beherrscht immer mehr Menschen, insbesondere Kinder und Jugendliche. Die Privatsphäre ist abgeschafft. Die Umwelt verkommt zu einer Müllhalde, Tiere sterben weltweit an unserem Plastik. Der Pazifik ist radioaktiv verseucht, in zwei Jahren strahlt auch die Ostsee. Die Bienen sterben. Die Wiegen unserer Kultur, das Zweistromland und das Nildelta, werden zerstört …
Michael Mentzel: Verstehe ich das richtig, Sie vermissen bei den Anthroposophen - erst einmal ganz allgemein - den konkreten Bezug zur Realität, wie sie sich derzeit, für viele erleb- und am eigenen Leib erfahrbar, darstellt? Wo liegt denn nach Ihrer Auffassung das Hauptproblem?
DF: „Die“ Anthroposophen, und dann noch „ganz allgemein“, gibt es nicht. Es gibt aber einen Verein in Dornach, der den Anspruch erhebt, „Die Anthroposophen“ und die Anthroposophie an sich zu repräsentieren. Durch diesen Anspruch werden alle Menschen, die sich in ihrer Arbeit auf die Erkenntnisse Rudolf Steiners beziehen, immer mit diesem Verein identifiziert. Dabei lebt dieser Verein AAG offensichtlich in seiner eigenen Welt und versteht sich immer als "unpolitisch", obwohl das Kapitel „Vereinszweck“ in seiner Vereinssatzung, den „Statuten“, auf die "Prinzipien" der Anthroposophischen Gesellschaft hinweisen. Und dort steht im dritten Absatz eine klare gesellschaftliche Aufgabe, auch wenn sie nur als "Anschauung" formuliert wird: Das nämlich die Anthroposophie zu Ergebnissen führt, "die jedem Menschen (…) als Anregung für das geistige Leben dienen können. Sie können zu einem wirklich auf brüderliche Liebe aufgebauten sozialen Leben führen. Ihre Aneignung als Lebensgrundlage ist nicht an einen wissenschaftlichen Bildungsgrad gebunden, (...) Ihre Forschung und die sachgemäße Beurteilung ihrer Forschungsergebnisse unterliegt aber der geisteswissenschaftlichen Schulung, (...) Diese Ergebnisse sind (…) so exakt wie die Ergebnisse der wahren Naturwissenschaft. Wenn sie in derselben Art wie diese zur allgemeinen Anerkennung gelangen, werden sie auf allen Lebensgebieten einen gleichen Fortschritt wie diese bringen, nicht nur auf geistigem, sondern auch auf praktischem Gebiete." Dieser letzte Satz ist m.E. der wichtigste, denn ich verstehe ihn so, dass Anthroposophie nur dann wirksam werden und ihre Aufgabe in der Welt erfüllen kann, wenn sie "allgemeine Anerkennung" erlangt, wenn sie so selbstverständlich wird wie die Naturwissenschaften. Die Nabelschau, die im "Verein Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft" – der ja in der Öffentlichkeit mit „der Anthroposophie“ gleichgesetzt wird – betrieben wird, das Kreisen um interne Themen, Personalien und Baufragen, verhindert diese allgemeine Anerkennung der Anthroposophie an sich und damit die Fortschritte im praktischen sozialen und gesellschaftlichen Leben.
MM: Aber sind nicht die praktischen Auswirkungen der Anthroposophie und die Ideen Steiners weithin sichtbar? In der Ökologie, in der Medizin und der Pädagogik? Wolle, Weleda, Waldorfschulen?
DF: Es ist richtig, einige der "Tochterbetriebe", insbesondere Waldorfschulen, "anthroposophisches" Banking und biologisch-dynamische Landwirtschaft, haben eine gewisse Anerkennung erlangt – aber erstens muss diskutiert werden, wie "weithin sichtbar" diese Institutionen für die Allgemeinheit außerhalb der Anthroposophie und des gehobenen mitteleuropäischen Bildungsbürgertums wirklich sind, und zweitens leiden diese Bewegungen eher darunter, dass sie immer mit dem etwas "verschrobenen" und anachronistischen "Zentrum" in Verbindung gebracht werden.
MM: Mit "verschrobenen Zentrum" meinen Sie das Goetheanum? Was ja auch naheliegt, denn von dort ist ja nun - so die landläufige Meinung - alles ausgegangen ...
DF: Nicht wirklich, denn Rudolf Steiner ist ja viel gereist, die Waldorfschule wurde in Stuttgart, die biologisch-dynamische Landwirtschaft im heutigen Polen gegründet, die erste Anthroposophische Gesellschaft in Köln mit Sitz in Berlin, und in der Zeit nach dem 1. Weltkrieg gab es Flugblätter, die die Abdankung der Württembergischen Regierung forderten und Rudolf Steiner als Regierungspräsident haben wollten – sie wurden von vielen tausend Menschen unterzeichnet. Heute wird dies leider oft so dargestellt, als ob Steiner eine "zentralistische" Gesellschaft wollte – m.E. wollte er eine "Hochschule für Geisteswissenschaft", aber kein "Zentrum aller Anthroposophie". Steiner war – auch bedingt durch seine vielen Reisen – das, was man heute als "Netzwerker" bezeichnet, jemand, der mit vielen Menschen an vielen Orten arbeitet und sie zu einem Netzwerk zusammenbringt. Steiner hätte heute sicher eine vielsprachige Homepage und seine Vorträge würden weltweit live übertragen.
Nun ist es ja so, dass trotz der ganzen Vortragstätigkeit Steiners in der Satzung der AAG nirgends das Ziel formuliert ist, die oben als zentraler Punkt in den Zielen der AAG erkannte "allgemeine Anerkennung" auch erreichen zu müssen – es gibt sozusagen kein "Missionsgebot". Steiner konnte ja schlecht gegen seine eigenen Erkenntnisse über die karmischen Aufgaben der zukünftigen Menschen handeln, er wollte ja keine missionierende Religion begründen und konnte so nur hoffen, dass eine seriöse geisteswissenschaftliche Forschung genügen würde um das Interesse der Welt zu wecken und dass die Menschen an den "Schaltstellen" ihre Aufgabe erkennen würden. Dass diese Forschung nicht stattfindet, dass Anthroposophie in der Allgemeinheit eher als kleine, verschrobene, aber harmlose Sekte denn als geisteswissenschaftlicher Impuls wahrgenommen wird, liegt nicht nur an den handelnden Personen, sondern auch an deren Abneigung, erfolgreich zu sein.
MM: Was versteht man denn unter geisteswissenschaftlicher Forschung? Wo müsste diese denn stattfinden?
DF: Geisteswissenschaftliche Forschung und Schulung findet heute weltweit und weit verbreitet statt, es gibt ein großes Bedürfnis danach. In jeder größeren Stadt gibt es Vereine, die sich damit beschäftigen – interessanterweise finden wir den mitgliederstärksten Verein Europas in Basel, den Basler PSI-Verein, in direkter Nachbarschaft des Goetheanums und in der Stadt, in der einige der "materialistischsten" Konzerne ihren Hauptsitz haben wie Novartis, Roche, Syngenta etc., aber auch die "Bank für internationalen Zahlungsausgleich", die "Bank der Banken" und oberster Repräsentant des kapitalistischen Systems.
MM: Einen "PSI-Verein" als Beispiel für geisteswissenschaftliche Forschung anzuführen, erscheint mir jetzt etwas gewagt.
DF: Warum? Sicher, beim PSI-Verein steht sicher mehr die Schulung als die Forschung im Vordergrund, aber er führt Menschen zusammen, die intensiv an ihrer geistigen und spirituellen Weiterbildung arbeiten – auch wenn da mancher Anthroposoph jetzt die Nase rümpfen wird. Und diese Vereine sind meist wesentlich erfolgreicher als die Anthroposophen. Auf "wissenschaftlichem" Gebiet, der auch mehr den Bereich Forschung abdeckt, gibt es z.B. die DGEIM "Deutsche Gesellschaft für Energetische und InformationsMedizin", in der auch anerkannte Wissenschaftler mitarbeiten. Statt sich dort zu engagieren wo die Menschen sind und die sicherlich wertvollen "anthroposophischen" Ansätze dort einzubringen, kochen die Anthroposophen in Dornach lieber ihre eigene Suppe mit dem nach außen demonstrierten Anspruch "wir wissen es ja besser".
Wenn ein Anthroposoph dann erfolgreich ist und die allgemeine Anerkennung seines Landes erlangt hat und dieses mit gestaltet, weil er die "Weisheit vom Menschen" erfolgreich lebt und vermittelt, wird er von der AAG eher gemieden. Dies zeigt sich am deutlichsten bei Dr. Ibrahim Abouleish, dem Gründer und "Spiritus Rektor" von SEKEM in Ägypten.
Wäre die AAG eine wirkliche, spirituell einflussreiche Weltgesellschaft, hätte sie ihn sicherlich so unterstützen können dass ein ägyptischer Präsident Ibrahim Abouleish den Gang der Welt zum Positiven hätte verändern können. Ähnlich ist es mit dem Anthroposophen Nicanor Perlas auf den Philippinen, dessen Präsidentschaftskandidatur leider nicht erfolgreich war.
MM: Muten Sie damit der anthroposophischen Bewegung nicht ein bisschen viel zu?
DF: Wenn Sie "anthroposophische Bewegung" als die heutigen Mitglieder der AAG betrachten, sicherlich. Wenn wir das spirituelle Potential auf der Welt betrachten, sicherlich nicht. In der Geschichte öffnen sich Tore oft nur kurz, entweder werden sie durchschritten oder nicht. Dies zeigt sich z.B. im Scheitern der Dreigliederungsbewegung vor etwa 100 Jahren. Auch Rudolf Steiner hatte ja auch keine Berührungsängste mit den "Mächtigen" dieser Welt und hat sich selbst auch politisch engagiert.
MM: Wenn Sie von Dreigliederung sprechen, davon hat doch in der Öffentlichkeit kaum jemand etwas gehört. Und doch gibt es viele Menschen, die sich innerhalb der anthroposophischen Bewegung intensiv mit diesen Fragen auseinandersetzen.
DF: Es ist richtig dass von "Dreigliederung" kaum jemand gehört hat, doch Bewegungen, die auf den gleichen Erkenntnissen wie die Dreigliederung aufbauen, gewinnen sehr an Zulauf – wie z.B. die weltweite Bewegung für ein Bedingungsloses Grundeinkommen, die die in der Dreigliederung geforderte Unabhängigkeit von Arbeit und Einkommen umsetzen will. Hier wird deutlich, dass sich Gedanken, die in der Anthroposophie zentral sind, auch auf anderem Wege und mit einer anderen Terminologie verbreiten – meist erfolgreicher als es mit der antiquierten anthroposophischen Terminologie geschieht.
MM: Mir wäre da natürlich noch die Frage – um noch einmal auf den eben genannten "Erfolg" von Personen zurückzukommen – wie eine Unterstützung eines erfolgreichen Anthroposophen aussehen könnte? Und woran ließe sich der Erfolg messen?
DF: Ich fange mal mit der letzten Frage an: Erfolg misst sich heute in Geld, denn Geld ist nicht nur der "schnöde Mammon", sondern "Vermögen", es ermöglicht, etwas in der materiellen und auch in der geistigen Welt zu verwirklichen. So dient der AAG das fehlende Geld auch immer als Entschuldigung dafür, dass weder die geisteswissenschaftliche Forschung noch die "allgemeine Anerkennung" erfolgreich sind.
Was wäre denn, wenn genügend Geld vorhanden wäre? Wenn das einzige kommerzielle Unternehmen, das aus den ursprünglichen "anthroposophischen" Unternehmensgründungen der FUTURUM AG bzw. "Der kommende Tag AG" noch übrig geblieben ist, nämlich die WELEDA – deren Hauptaktionär die AAG ja ist – jedes Jahr einen größeren zweistelligen Millionenbetrag an Dividende abliefern würde? Wenn wirkliche Handlungsfähigkeit gegeben wäre, um die geisteswissenschaftliche Forschung und die "allgemeine Anerkennung" der Anthroposophie in der Welt zu fördern? Denn dafür hat Rudolf Steiner die Kosmetiksparte der WELEDA gegründet: Als Botschafter der Anthroposophie zu dienen und Geld für die Anthroposophie und ihre unabhängige Forschung zu verdienen. Für beides gibt es kein besseres Mittel als Kosmetik, denn diese erreicht die Menschen "hautnah" und sie geben dafür gerne viel Geld aus. Doch WELEDA durfte nicht erfolgreich sein. Deshalb ignorierten der Vorstand und die Mitglieder als Hauptaktionäre jahrzehntelang tatenlos das Missmanagement der Manager und das Wachstum der Schulden – denn eine erfolgreiche WELEDA wäre ja auch eine Verpflichtung, in der wirklichen Welt erfolgreich zu sein und sich um anderes zu kümmern als um "Internas" wie die spirituellen Hintergründe der verschiedenen möglichen Standorte des "Menschheitsrepräsentanten" auf der Bühne.
MM: Dabei sollte man aber vielleicht bedenken, dass es eine häufig gepflegte Eigenschaft innerhalb anthroposophischer Organisationen ist, dass durch die Strukturen dem jeweils anderen oft viel Freiräume zugestanden wird, Stichwort Selbstverwaltung, und man gern auch mal die Fragen nach dem Geld als zweitrangig behandeln möchte.
DF: Nun, WELEDA ist keine selbstverwaltete Waldorfschule, und professionell gutes Geld für die Entwicklung der Anthroposophie zu verdienen bedeutet auch nicht, nicht darüber zu reden. Und ob Selbstverwaltung oder nicht, es braucht vor allem fachlich gute Mitarbeiter sowohl auf der Sach- als auf der Leitungsebene, die sich in den Dienst der Sache und nicht ihr Ego vornean stellen. Wenn WELEDA das Unternehmen geworden wäre, was es sein könnte – global erfolgreich, mit mindestens so vielen "outlets" wie z.B. heute BodyShop, die wir an jedem Flughafen, in jeder größeren Stadt weltweit finden, wenn eine solche Firma ihre Marketing- und Informationskompetenz, die die Menschen ja "hautnah" erreicht, für die Unterstützung von "anthroposophischen" Ideen einsetzt – was meinen Sie, welchen Erfolg dies haben kann? Ein ganz konkretes Beispiel: Wenn WELEDA auf seine Sanddorn-Pflegedusche einen Aufkleber anbringen würde, auf dem stünde: "20 Cent pro Packung gehen an das Centrul de Pedagogie Curativa Hunedoara" (anthroposophisches Kinderheim in Rumänien), und in der Packung findet sich ein Informationsblatt über die Arbeit der Menschen dort und mit Hinweisen, wie dort weiter geholfen werden kann – wäre das nicht ein Unterschied? Auf diesem Wege können natürlich auch die Ideen von Menschen, die ein Land positiv verändern wollen, verbreitet werden.
MM: Das klingt ja erst einmal gut, was Sie da sagen, nur: Reicht ein Unternehmen wie Weleda aus, um die "Dampflok Anthroposophie" (Michael Eggert) wieder flott zu machen? Gehört da nicht ein bisschen mehr dazu? Sind inzwischen denn noch genügend Menschen da, die sich so etwas auf ihre Fahnen schreiben und loslegen?
DF: Wie ich schon eingangs gesagt habe, wir müssen unterscheiden zwischen "Anthroposophie" und der "Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft" mit Sitz in Dornach. Erstes ist ein allgemeines Menschheitsgut und wird umso "erfolgreicher", je mehr es sich von zweitem, dem anachronistischen Zentrum im Goetheanum, abnabeln kann. Die Anthroposophie an sich muss nicht "flott gemacht" werden, sie ist ein Gedanke, eine "Weltanschauung", die sich entwickeln wird weil sie es – wie keine andere mir bekannte Weltanschauung – ermöglicht, sowohl die moderne Naturwissenschaft als auch das Bedürfnis des Menschen, einen "Sinn" im Leben, in der Existenz und in dem Dasein der Welt zu finden, in einem Gedankengebäude zu vereinen und gleichzeitig auf die Überlieferungen der alten Hochkulturen aufzubauen. Für alle Menschen, die noch nicht durch "digitale Demenz" verblödet sind, ist es ein Urbedürfnis, den "Sinn des Lebens" zu erfassen und mit der erlebten und erlernten Wirklichkeit und Wissenschaft in Einklang zu bringen. Rudolf Steiner hat in der "Anthroposophie" dieses Gedankengebäude, die Zusammenhänge, erklärt und ihnen Namen gegeben. Ob diese Zusammenhänge der physischen und geistigen Welten von anderen Menschen mit den gleichen Namen bezeichnet werden, ob es "Akasha-Chronik" oder "morphogenetisches Feld" heisst, ist eher unwichtig. Wichtig wäre es aber, die vielen Menschen, die sich weltweit mit diesen Fragen beschäftigen, zu vernetzen, zu verbinden. Dies wäre die Aufgabe einer "globalen Hochschule für Geisteswissenschaft". Zu Steiners Zeiten war das einfach, da war die "zivilisierte" Welt noch klein, und Rudolf Steiners Ansatz war ja auch ein mitteleuropäischer. Heute ist die Welt viel größer, ein "mitteleuropäischer" Ansatz hätte keinerlei Gewicht mehr, aber es wird auch kein physisches Zentrum mehr benötigt, es gibt globale Netzwerke, in denen auch geisteswissenschaftliche Forschung stattfinden kann. Die verschiedenen Religionen und Kulturen können sich in der spirituellen Forschung treffen, verbinden, voneinander lernen. Wenn sie die "Anthroposophie" als Nomenklatur akzeptieren, können Sie sich darin wiederfinden und ausdrücken – oder sie entwickeln eine neue, zeitgemäße Nomenklatur.
MM: Zurück zur WELEDA. Die Marktstrukturen im Naturkosmetikbereich haben sich inzwischen weiterentwickelt. Waren es in den 1980Jahren noch zwei oder drei Kosmetikfirmen, die Naturkosmetik anboten, sind es heute doch ungleich mehr, und Weleda ist zwar ein bekannter Name, aber man muss sich in diesem Markt ja auch behaupten.
DF: Genau das ist die Tragik der verpassten Chancen – "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben". Die WELEDA in diesem heutigen Marktumfeld so zu entwickeln, dass sie ihre von Rudolf Steiner gestellten Aufgaben erfüllen kann, ist ungleich schwieriger als es noch von 20 Jahren war. Das stümperhafte Management der WELEDA in den letzten 30 Jahren und die mangelnde Kontrolle durch die AAG und deren Mitglieder hat diese Tragödie des verpassten Aufstiegs der WELEDA zum Weltmarktführer in Naturkosmetik mit Milliardenumsatz und Millionendividende zu verantworten und damit die Handlungsunfähigkeit der Anthroposophie durch mangelnde finanzielle Ressourcen. Die WELEDA war als erster Hersteller von Naturkosmetika in der Pole-Position und hat es nicht ausgenutzt und viele andere Hersteller an sich vorbeiziehen lassen.
Die traurige Realität ist doch: WELEDA ist nur ein Schatten vom dem, was sie sein könnte, WELEDA ist inzwischen ein Unternehmen von vielen, ein relativ normaler mittelständischer Konsumgüterhersteller in einem kompetitiven Markt, abhängig von den großen Handelsketten, der, wenn nicht noch ein Wunder geschieht, mangels Eigenkapital früher oder später von einem der "Großen" geschluckt werden wird. Ein regelmäßiger, verlässlicher und nennenswerter finanzieller Beitrag kann von ihr nicht mehr erwartet werden – aber vielleicht reicht der Verkaufserlös ja aus, das Goetheanum einmal rundum zu renovieren? Mitgliedsbeiträge, Spenden und Legate an die Anthroposophische Gesellschaft reichen nur noch knapp für die Erhaltung des Gebäudes und die Bezahlung der Mitarbeiter, nicht aber für eine geisteswissenschaftliche Forschung mit der sich eine "allgemeine Anerkennung" erwerben lässt, auch weil die Ausstrahlung in die Menschheit fehlt.
MM: Das sind starke Argumente, die aber immer wieder mit Menschen rechnen müssen, die derlei Ideen auch in die Welt tragen und letztendlich dann auch durchsetzen müssen. Mir scheint jedoch, wenn ich den so genannten Markt betrachte, dass die Konsumenten heute ihre Entscheidungen nach ganz persönlichen Bedürfnissen und Vorlieben ausrichten und auch im Hinblick auf ihre Spiritualität ihre eigenen Wege gehen wollen und sich möglicherweise von einer solchen Strategie überrumpelt fühlen könnten.
DF: Das sehe ich anders – jedenfalls für den Teil der Menschen, die noch nicht "digital dement" geworden sind. So wie jedes Kind lernen will, will jeder Mensch etwas in der Welt bewegen und auch die Zusammenhänge, den "Sinn des Lebens", erkennen. Anthroposophie bietet hier ein Werkzeug, das man erlernen kann wie man Autofahren lernt. Wichtig ist aber natürlich, dass sie nicht als "Lehrmeinung" oder "Religion" herüberkommt.
MM: Was folgt aus all dem von Ihnen gesagten? Wie könnte eine Zukunftsperspektive aussehen? Denn Sie sagen selbst, dass von Weleda ein "verlässlicher und nennenswerter finanzieller Beitrag" nicht erwartet werden kann. Was also ist zu tun?
DF: Das Konzept, mit einem Naturkosmetikunternehmen spirituelle Entwicklung nicht nur zu finanzieren, sondern auch zu den Menschen zu bringen, ist auch heute noch genial und wirksam. Deshalb bin ich der Meinung, dass WELEDA noch etwas für die "Weisheit vom Menschen" tun kann – vorausgesetzt, sie wird mit einem mindestens mittleren dreistelligen EURO-Millionenbetrag handlungsfähig gemacht, sie erhält ein fähiges, wenn nicht sogar geniales Management, das sich als "Diener der Sache" fühlt, und sie wird in eine Stiftung umgewandelt, in deren Stiftungsrat die globalen Vordenker der spirituellen Entwicklung sitzen. Bei dieser WELEDA ist dann Produktion und Verkauf von Naturkosmetik nicht der Zweck, sondern nur das Mittel dazu. Diese WELEDA hat auf jedem Kontinent Produktionsstätten und global eigene Geschäfte – mindestens so viele wie BodyShop (2.800) -, die nicht nur dem Verkauf dienen, sondern auch der Information, in denen Vorträge, kulturelles Leben und geistige Weiterbildung stattfinden, in denen über ganzheitliche (Waldorf-)Pädagogik, menschliches (anthroposophisches) Banking, biologisch (-dynamische) Landwirtschaft … informiert wird und die Keimzellen für eine Kultur der "Weisheit vom Menschen" sind. Und das alles finanziert nicht aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen, sondern aus dem Verkauf von Kosmetika. Schluss mit der ganzen peinlichen Bettelei, die jedem Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft inzwischen mehrmals jährlich in Form von irgendwelchen Spendenaufrufen etc. ins Haus flattert.
MM: Das ist nicht ihr Ernst, die Weleda als Zentrale der anthroposophischen Arbeitsfelder oder der "Bewegung", bei der die Fäden zusammenlaufen und von wo eine Erneuerung der Anthroposophie ausgehen könnte? Wo wäre dann da der Unterschied zur AAG?
DF: Vielleicht bin ich nicht deutlich genug. Das wäre dann nicht mehr eine WELEDA die „den Anthroposophen“ oder der AAG gehört, sondern das wäre eine WELEDA die mit ihren Gewinnen eine Stiftung finanziert, die eine globale „spirituelle Offensive“ betreibt, die ein Gegengewicht bildet zu der zunehmenden materialistischen Verblödung der Menschheit und in deren Verwaltungs- bzw. Stiftungsrat spirituelle Leader aus alle spirituellen Strömungen der Welt – auch Anthroposophen – sitzen.
Voraussetzung ist natürlich, dass der Verwaltungsrats der WELEDA erstens diese Aufgabe der WELEDA erkennt und zweitens auch erkennt, dass er in seiner jetzigen Zusammensetzung dies nicht leisten kann. Seine Aufgabe wäre es, an die spirituellen Netzwerke der Welt den Gedanken einer "spirituelle Offensive" heranzutragen, die WELEDA als "Strukturkeim" für ein spirituelles Netzwerken zur Verfügung zu stellen und anzuerkennen, das die "organisierte Anthroposophie" selber nur ein sehr kleines Teilchen darin ist. Selbstverständlich können sich noch andere Unternehmen dieser Stiftung anschließen, vorausgesetzt ihr Handeln folgt konsequent ethischen Leitlinien.
MM: Welche Aufgabe hätte dann die jetzige AAG noch?
DF: Der Verein AAG in seiner jetzigen Form, mit dem Anspruch, das Zentrum der geistigen Entwicklung und einer "Weltgesellschaft" zu sein, ist nicht mehr zeitgemäß und auch nicht mehr handlungsfähig im Sinne seines Inhalts, er ist eine leere Hülle, der sich an den Formalien und an der Instandhaltung des Goetheanums abarbeitet. Durch den Wandel der Strukturen, durch die Globalisierung, ist er auch nicht mehr notwendig. Wir müssen deshalb die Frage stellen: Darf der Verein "Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft" die Anthroposophie "besitzen"? Muss er nicht sein Scheitern eingestehen und die Anthroposophie "freigeben"? Muss er die Anthroposophie nicht von dem Ballast, mit einem gescheiterten Verein identifiziert zu werden, befreien, und dies auch mit einer Namensänderung unterstreichen, beispielsweise in den – früher schon mal existenten – Namen "Goetheanum-Bauverein"? Der Name "Verein Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft" drückt einen Anspruch aus, der von keinem Verein mehr erfüllt werden kann, da Vereinsstrukturen nicht in das 21. Jahrhundert passen. Eine "freigegebene" Anthroposophie könnte sich zeitgemäß organisieren, z.B. als globales, gleichberechtigtes Netzwerk von spirituell arbeitenden Individuen und Institutionen, die sich gegenseitig wahrnehmen, fördern und in ihrer Entwicklung unterstützen.
Sie sehen, es geht mir nicht um einen "Abgesang" an die Anthroposophie, sondern um deren Stärkung, indem sie sich in der Form, nicht dem Inhalt, an die Gegebenheiten der modernen Welt anpasst und sich als Werkzeug den spirituellen Bewegungen zur Verfügung stellt – auch Rudolf Steiner war in seiner Zeit immer sehr "modern".
MM: Ich würde hier doch noch einmal nachfragen, wenn Sie von einem Netzwerk sprechen. Eigentlich besteht dieses Netzwerk doch schon lange. Die Frage bleibt für mich virulent: Warum können nicht diejenigen, die diese "alte" Anthroposophie immer so vehement kritisieren, sich nicht in geeigneter Weise in diese Netzwerke einbringen? Oder anders gefragt, warum tun sie es nicht einfach? Ich erlebe seit Jahren, dass ein offensichtlicher Kampf um eine Deutungshoheit tobt und diejenigen, die immer Toleranz einfordern, dabei ganz vorne mit fighten.
DF: Bis zu einem gewissen Maße haben Sie Recht, nur ist es eben ein ungleicher "Kampf". Auf der "progressiven" Seite stehen Menschen, die das nur als Hobby machen können, da sie einen anderen Beruf haben, ihren Lebensunterhalt verdienen müssen und keine organisierte Struktur haben. Deshalb gibt es viele kleine, meist wenig qualifizierte Netzwerke, die auch kaum Kontakt untereinander haben, initiiert oft von Menschen, die nur sehr partikuläre Interessen haben. Auf der Seite der AAG steht ein Vorstand, der sich auf die finanziellen Beiträge, Legate und die Trägheit der veralteten Mitgliedschaft sowie eine inzwischen hundertjährige Tradition stützt, sich in dem alltäglichen klein-klein und der Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit eingerichtet hat und der nichts anderes tut als diese Existenz irgendwie zu rechtfertigen und dafür alle Hilfsmittel, vom Ignorieren bis zur strukturellen Gewalt, einsetzt.
Der Aufbau eines solchen Netzwerkes ist ja auch kein triviales Unterfangen, es bedarf Menschen, die nicht nur die organisatorischen Fähigkeiten, sondern auch die spirituelle und menschliche Reife mitbringen, der spirituellen Entwicklung der Menschheit zu dienen – solche Menschen stehen nicht "Gewehr bei Fuß" um die AAG zu reformieren, sondern haben sich in anderen spirituellen Organisationen eingebracht und wirken dort.
MM: Kann man da Namen nennen? Das würde mich jetzt aber interessieren, wen Sie da meinen oder Im Auge haben.
DF: Nun, einen Namen habe ich schon genannt, Dr. Ibrahim Abouleish, aber es gibt ja auch weitere spirituelle und geistige Führer und Lehrer, die angefragt werden könnten – auch in der Referentenliste des Basler PSI-Vereins. Rüdiger Dahlke beispielsweise, oder Gregg Braden, Deepak Chopra oder auch Dr. Tulku Lobsang, den tibetischen Meister und Arzt, vielleicht auch Götz Werner, der Gründer des dm-Drogeriemarktes. Menschen eben, die die spirituelle Aufgabe unserer Zeit erkennen und die Gefahr der materialistischen Verblödung und für die die eine neue WELEDA das Werkzeug ist, für das sie Rudolf Steiner geschaffen hat, ein Werkzeug um Geld zur Finanzierung einer "spirituellen Offensive" zu verdienen und um als Mittel der Kommunikation mit den Menschen zu dienen.
Wenn die Menschen, die jetzt den Vorstand der AAG bilden, die spirituelle Größe hätten, die sie für sich reklamieren, würden sie dies erkennen. Ich befürchte aber, dass es bleibt wie es ist, dass die WELEDA bis zu ihrem Verkauf an einen "Global Player" der Konsumgüterindustrie bestenfalls einen kleinen Beitrag zur Erhaltung der Bausubstanz am Goetheanum beiträgt und der Name "Anthroposophie" weiterhin an diese Gemäuer und ihre zerfallende Struktur gekettet ist.
MM: Herr Ferger, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Sonntag, 10. November 2013

Russische Anthroposophen bitten WELEDA


Der Prozess gegen den ehemaligen Geschäftsführer der WELEDA Russland GmbH, Andrei Loktev, nimmt in Moskau seinen Fortgang. Wie er mir in einigen Mails beschreibt, sind da Prozesse im Gange die nur mit der immer noch fragwürdigen Praxis russischer Gerichtsbarkeit zu erklären sind und mit Einflussnahme und evtl. auch Schmiergeldzahlungen interessierter Personen, zu denen seinen Angaben zufolge auch einige der jetzigen Vertreter der WELED AG in Russland gehören, also der WELEDA East LLC, die seit 2012 als 100%ige Tochter der WELEDA AG in Moskau tätig ist.
Herr Loktev übermittelte mir den folgenden Brief an die die Geschäftsleitung der WELEDA AG, den ich hier im Wortlaut - der besseren Lesbarkeit halber leicht korrigiert - wiedergebe:
An die Geschäftsleitung der WELEDA AG
Ralf Heinisch
Samir Kedwani
Andreas Sommer
Harald Mathes
Sehr geehrte Herren
In Russland während mehr als 20 Jahre entwickelt sich die anthroposophische Medizin. Die Weleda AG, als anthroposophisches Unternehmen, gegründet von Rudolf Steiner persönlich in 1921, hatte immer versucht die Arbeit in Moskau zu unterstützen. In bedeutenden Maß war es ermöglicht dadurch, dass in Moskau eine russische Weleda gegründet wurde durch deren ersten Direktor Andrei Loktev und durch die ärztliche Betreuung von Dr. Olaf Titze. Gewiss, sie waren nicht alleine auf diesem breiten Arbeitsfeld. Solche bedeutenden Persönlichkeiten wie Dr. Hans Werner, Georg Soldner, Markus Sommer und viele andere haben mitgewirkt.
Viele russische Ärzte, die zur anthroposophischen Medizin kamen, sind dankbar für die wohlwollende Fürsorge dieser Ärzte und auch Andrei Loktevs. Dieser hat die ersten Seminare für die anthroposophische Medizin organisiert und war sehr aktiv in dieser Bewegung. Unter seiner Leitung wurden die ersten anthroposophischen Präparate, die besten "-dorons" registriert und hergestellt. Auch andere Weleda Präparate sind damals in der Weleda in Moskau hergestellt worden, dadurch hatten die ersten Ärzte die Möglichkeit zu handeln gehabt.
Außerdem wurden noch komplizierte wissenschaftliche pharmakologische Studien bezüglich der klinischen Wirksamkeit von Iscador Qu (mit Teilnahme führender russischer Wissenschaftler) durchgeführt. Auf Grund dieser Forschung wurde das Präparat zugelassen und sollte auf den Markt gebracht werden durch eine "Iscador-Schule" für Ärzte.
Man muss sich klarmachen, dass die Registrierung, Herstellung und Wirtschaftsführung in Russland besondere Durchhaltekräfte im Menschen fordert. Diese kann man in sich aufbauen durch das Verständnis des Wichtigkeit unserer Bewegung im Sinne der Geisteswissenschaft von Rudolf Steiner für das Russland der Zukunft.
Mit vielen Mühen und Schwierigkeiten registrierte Präparate wurden jetzt nicht hergestellt und auch nicht in Russland verwendet.
Die negative Dynamik der Entwicklung der Weleda in Russland begann nach dem Rücktritt aus Altersgründen von Dr. Olaf Tizte, der regelmäßig nach Russland kam und objektiv unsere Probleme und Taten abschätzen konnte. er versuchte uns immer dabei zu helfen. Kurz nach seinem Rücktritt wurde die Weleda in Russland geschlossen.
Seitdem gibt es seit vielen Jahren keine Weleda Heilmittel mehr in Russland, außer Hepatodoron (als Nahrungsergänzung). Und es ist auch klar warum. Für eine Neubildung einer Organisation die eine geistige Weltanschauung in ihrer Basis hat, braucht man Menschen, die diesen Impuls in sich tragen und einen guten Willen und einen starken Geist haben. Wenn dies auf einer anderen Ebene gemacht wird, nur mit einem Impuls mehr zu verkaufen um schneller an Geld zu kommen durch bloß kommerziell orientierte Menschen, kann man Kosmetik verkaufen, aber auch diese Präparate verlieren ihre Besonderheiten, die viele Menschen angezogen haben.
Außerdem entstand in dieser Zeit in der anthroposophischen Gesellschaft und in ihrer Umgebung eine unklare und nicht gesunde Atmosphäre über Weleda. Immer mehr hören wir unerwartete Informationen von einer anthroposophischen Initiative. Amoralische Vorgänge, die die jetzigen Vertreter der Weleda AG in Russland durchziehen. Unendliche Gerichtsprozesse gegen den ersten Direktor der Weleda in Russland, Andrei Loktev, auf dem die Misserfolge der Weleda in Russland zu Beginn der 2000er Jahre übertragen werden. Diese Übertragung stellt uns eine Frage über die Moralität von dem Vorgehenden aus dem anthroposophischen Gesichtspunkt. Nach unserer Meinung - es gab keine richtige Durcharbeitung dieser Situation in Moskau von der deutschen Seite dadurch entstanden Vorgänge die der anthroposophischen Ethik nicht entsprechen.
Wir haben eine Bitte an Sie. Es kann sein, dass Sie nicht objektiv über die Lage in der ersten russischen Weleda und über den Gerichtsprozess gegen Andrei Loktev informiert sind. Wir biten um einen persönlichen Kontakt mit Herrn Loktev, um eine friedliche, nicht gerichtliche Lösung der Situation zu finden. Die russische anthroposophische und auch medizinische Öffentlichkeit bittet die Sache zu klären und den Verdienst von Herrn Loktev richtig einzuschätzen und dadurch die Meinung über die Weleda in Russland in eine positive Richtung zu ändern.
Im Namen und im Auftrag der anthroposophischen medizinischen Gemeinschaft in Russland 1. Für die Anthroposophissche Gesellschaft in Russland: R. Beilmann
2. Für die Waldorfbewegung in Russland
3. Der Koordiantor des Iscador-Studiums in Russland: M. Tomkevitsch
4. Für das Moskauer Therapeutikum
Dieser Brief wurde erstmals von Vertretern der o.g. Institutionen unterschrieben, anschließend von vielen weiteren Menschen, und während der Jahresversammlung der Anthroposopischen Gesellschaft in Russland in diesem Monat werden noch viele weitere Unterschriften hinzukommen.
Vielleicht ist es hilfreich sich vor Augen zu führen, welche Zustände zur Zeit der Gründung der WELEDA am Ande des 20. Jahrhunderts in Russland herrschten. Herr Loktev schreibt in einer Mail, dass bei uns im Westen wohl nur Dr. Titze beurteilen kann und "weiss Alles wie es war und was bedeutete - Weleda in 90en Jahren in banditisch-geheimdienstliche Russland führen und pflegen."
Herr Loktev freut sich weitere Fragen gerne direkt zu beantworten, am besten per Mail an andr.ark.loktev@yandex.ru. Herr Loktev spricht uns schreibt auch gut deutsch.