Donnerstag, 13. September 2012

Rückblicke auf eigene Versäunisse sind schwer ...


Die WELEDA unter neuer Führung von Ralph Heinisch interessiert nun auch die nicht-anthroposophische und Wirtschaftspresse. Und da wird schreiben durchaus fähige Redakteurinnen und Redakteure, die Erfahrung mit der korrekten und objektiven Beschreibung von Firmen und ihren Eigenarten haben, wie sie die WELEDA sehen, ihre Vergangenheit zu verstehen suchen und die Chancen und Stolpersteine in der Zukunft bewerten.
Auch die Wirtschaftswoche übernahm diesen Artikel in leicht abgeänderter Form mit der Überschrift "Weleda im Einklang mit Natur und Profit"
Doch was macht die "anthroposophische" Presse? Statt sich über die ausführliche und objektive Berichterstattung zu freuen und dies als Anlass zu nehmen, von alten Versäumnissen Abstand zu nehmen, schreibt der anthroposophische Nachrichtendienst INMEDIA als Kommentar zu dem Link zu dem Artikel der Wirtschaftswoche: "Ausführlicher, aber journalistisch wenig überzeugender Artikel über den neuen Weleda-Chef Ralph Heinisch: mit nebulösen Andeutungen aus unklaren Quellen und haarsträubenden Aussagen über die angeblich fatale Angewohnheit der Anthroposophen, immer nur „das Gute im Menschen zu sehen“ (LK)"
Warum so negativ? Ist die Wahrheit wirklich so schwer zu ertragen, dass der Artikel so negativ beurteilt werden muss? Oder ist es die Konkurrenz, weil man es selbst nicht geschafft hat - trotz wesentlich besserer Kenntnis der handelnden Personen, der Umstände und der Hintergründe - einen solch objektiven und dabei noch spannend und abwechslungsreich zu lesenden Artikel zu schreiben? Hätte Frau Laura Krautkrämer (die sich ja wohl hinter dem Kürzel LK verbirgt) wohl gerne auch einen so "schmissigen" und lesenswerten Artikel über WELEDA geschrieben? Hat sie aber nicht, sondern nur - vor etwa einem Jahr - einen absolut unkritischen Artikel, der mehr die Werbebotschaften der WELEDA widerspiegelt als eine unabhängige und objektive Berichterstattung - siehe dazu auch meinen Blogeintrag "Unkritischer Journalismus - Info3-Artikel "Globuli & Geld" vom Juni 2011.
Ja, diese Artikel von Kristina Gnirke haben eine andere journalistische, investigative und kritische Qualität als das, was Frau Krautkrämer in Info3 über WELEDA geschrieben hat - wer diese beiden Artikel nebeneinander liest kann selbst beurteilen, wo "nebulöse Andeutungen" zu finden sind. In meinen Augen jedenfalls eher in dem Artikel von Frau Krautkrämer (ich will hier meinen o.g. Blogbeitrag nicht wiederholen) als in dem präzisen Artikel von Frau Gnirke. Und das Frau Gnirke ihre Quellen nicht alle angibt, kann auch seinen Grund darin haben, dass sich in der "anthroposophischen Szene" die Menschen eben kennen und eine Namensnennung einer Quelle die "Ächtung" des / der BetroffeneN zur Folge hätte.
Aus meinen Erfahrungen bei der WELEDA kann ich jedenfalls die Beschreibungen, die sich auf die Vergangenheit und die Ursachenforschung, warum die wirtschaftliche Lage dieses Unternehmens in einer der Boombranchen der letzten Jahrzehnte so katastrophal ist, sowohl vom sachlich-inhaltlichen als auch vom gefühlsmäßig-atmosphärisch-menschlichen Gesichtspunkt vollumfänglich bestätigen.
Auch das Frau Krautkrämer es als "haarstäubende Aussage" empfindet, dass Frau Gnirke mit ihren Worten "das Gute im Menschen sehen" kritisiert, dass dem alten Management nicht rechtzeitig - also vor über 10 Jahren - die Tür gewiesen wurde, obwohl klar war, dass dieses einfach Fehl am Platze und für die Sache (also für die WELEDA) schädlich war, ist ihr gutes Recht - nur wenn das zweifellos in jedem Menschen vorhandene "Gute" eben überdeckt wird von Geltungssucht, Unvermögen und anderen Eigenschaften, die dann aufkommen wenn Menschen die Realität nicht mehr sehen wollen und sich selbst immer dadurch beweisen müssen, dass sie andere Menschen, die ihnen weisungsmäßig unterstellt sind, schlecht machen (wie ich dies beim Management der WELEDA erfahren habe), dann muss auch neben dem "Guten" dessen Gegenstück gesehen und die Konsequenzen gezogen werden. Dass dies bei WELEDA nicht rechtzeitig geschehen ist, zeigt die wirtschaftliche Lage ja eindeutig. Dies beschreibt Frau Gnirke und damit hat sie vollkommen recht. 
Es ist schade, dass sich auch Medien, die sich selbst als "Erneuerer" und "kritische Begleiter" der Anthroposophie verstehen, wie Info3, den nötigen Abstand nicht haben um die Ursachen der Misere objektiv zu sehen.
Ja, wenn die Anthroposophie so wenig Abstand gewinnen kann von alten Versäumnissen, so wenig Zugeben kann, dass es vielleicht doch falsch war, das alte Management jahrzehntelang "rumwursteln" zu lassen, dann hat es Ralph Heinisch wirklich schwer, den Laden wieder auf Vordermann zu bringen. Dies ist insofern absolut unverständlich, als dass die Hauptverursacher der Misere - also die Herrn Aebersold, Sirdey & Co - ja überhaupt nicht mehr im Unternehmen sind und die jetzigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - jedenfalls diejenigen, die die wirkliche Arbeit machen und sich nicht im jetzt aufgelösten "Wasserkopf" des Basler Büros häuslich niedergelassen haben - wohl mehr unter dem Management gelitten haben als das es ihnen geholfen hat. Warum sich jetzt gegen einen klaren Blick auf die Vergangenheit so gewehrt wird, kann ich nicht verstehen.

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