Donnerstag, 19. November 2009

Selbsterkenntnis - Welterkenntnis

Eigentlich hatte ich diesen Blog mehr oder weniger abgeschlossen. Heute erhielt ich eine Zuschrift, in der folgendes stand und auf die ich dann doch antworten musste:

Die Zuschrift:
Lieber Herr Ferger
Ihre Ausführungen habe ich wiederholt gelesen. Sie haben eine enorme Arbeit geleistet, aber wofür? Sie sehen sich offenbar noch als Mitglied der AAG e.V. an und glauben an eine geistige Verbindung dieser mit Rudolf Steiner? Wissen Sie nicht, dass dieser scheinheilige Verein auf einer furchtbaren, bis heute "gepflegten" Lüge sich gründet, so dass Sie notgedrungen dort als Nestbeschmutzer eingestuft werden, mit dem man nicht spricht? Denn die lieben Mitglieder könnten ja an den Rand des Aufwachens getrieben werden? Man muss den hochheiligen Funktionären doch blindes Vertrauen schenken...

R.St. meinte sinngemäß: Immer wenn bei uns von Vertrauen die Rede war, lief etwas schief.

M.St.: Wir haben uns der Lüge ergeben (so ähnlich). Warum sagte sie auf die Frage, was denn am 8.2.1925 gewesen sei, nur immer: Ich weiss von NICHTS? Ganz einfach weil nichts rechtswirksames geschen ist, weil die gefälschte Anmeldung zum HR NICHT "unterschrieben" wurde, weil niemand dazu am Krankenbett war und R.St. gelinkt worden ist!

Ein längst verstorbener Freund, Schüler von R.St. und M.St., Nicla Don, sagte stets: "Sie haben R.St. aus dem Goetheanum geschmissen". Dementsprechend ist die von ihm geschaffene Büste, von der M.St. schrieb: "Er ist es, ich habe mit ihm gesprochen" im Goetheanum nicht erwünscht und das Original steht im R.St.-Archiv im Keller.

Was Wunder, dass die Asche das Freie Geistesleben "gestört" hat?


Meine Antwort:
Die Anthroposophie ist ein trauriges Kapitel. Ich bin in sie hineingeboren, bin in 3. Generation Waldorfschüler und habe auch eine Waldorflehrausbildung. Sie ist für mich Lebensgrundlage, aber ich nehme mir die Freiheit heraus, im morphogenetischen Feld (von R.S. Akasha-Chronik genannt) die Fäden aufzunehmen von denen ich meine, dass sie diejenigen sind, die zur Weisheit vom Menschen führen – und an dieser Weisheit sind Vereinigungen ausserhalb der Anthroposophie viel näher dran als die Anthroposophen.

Ich bin (bis jetzt) zu der Erkenntnis gekommen, dass R.S. ein Freimaurer des höchsten Grades und ein außerordentlicher Eingeweihter war, der versuchte das Wissen der Freimaurerei öffentlich zu machen.
Deshalb wurde er vergiftet. Die Menschen um ihn herum konnten (oder wollten) das nicht verhindern.

Die Mächte, die die Öffentlichkeit der Weisheit verhindern wollten, haben gleichzeitig Menschen „eingesetzt“, die in der AAG viele „einfache“ Menschen „einfangen“ und ihnen mit der rückwärtsgewandten Betrachtung des Lebenswerkes R.S.s eine Beschäftigung geben und sie damit davon abhalten, in der Jetztzeit zu leben und den Machenschaften der „bösen“ Mächte gefährlich zu werden. Der jetzige Vorstand und auch die Geschäftsführung der WELEDA – die ich ja selbst erleben konnte – sind ebenfalls solche „eingesetzte“ Menschen, die unter der dem Schein, FÜR die Anthroposophie zu sein, GEGEN sie arbeiten.

So werden in der AAG viele Menschen, die von tiefster Seele „guten Willens“ sind, von den wirklichen Schauplätzen des Lebens ferngehalten, so dass sich die Wirklichkeit immer weiter von dem wegentwickelt, was eigentlich gut ist. Z.B. Menschen wie Dr. Abouleish in SEKEM, die wirklich politisch und sozial wirksam werden und sich die Freiheit herausnehmen, R.S. selbst zu verstehen und seine Gedanken in eine andere Kultur zu adaptieren und unabhängig umzusetzen, werden „freundlich ignoriert“. Ich konnte dies bei WELEDA erleben, wo eine Zusammenarbeit mit SEKEM nicht gewünscht war.

Anthroposophie hatte eine Aufgabe in der Menschheitsentwicklung. Sie hat sie nicht ergriffen. Jetzt muss von anderen Menschen und Vereinigungen das weitergeführt werden, für das die Anthroposophie eigentlich eine Aufgabe hatte. Und es kommt ungefähr ein Jahrhundert zu spät, ein Jahrhundert voller Leiden, Kriege und „schlechtem“ Karma.

Dies zeigt auch die anthroposophische „Abstinenz“, was soziale und politische Fragen anbetrifft.

Ich möchte allen Anthroposophen zurufen: Verlasst Eure Studierstuben, engagiert Euch wirklich – kompromisslos, unter Einsatz von Leben, Hab und Gut – für eine wirkliche soziale, politische, geistige und kulturelle Weiterentwicklung der Menschheit. So wie R.S. es getan hat. Die geht nicht durch die x-te Aufführung der Mysteriendramen oder des Fausts. Dies sind nur „Schlaftabletten“ für die Zuschauer, die der Meinung sind, eine wichtige Tat getan zu haben, indem sie sich ein Theaterstück angeschaut haben. Was Faust betrifft – wer ihn verstanden hat, der sollte sich selbst als Besoffener in Auerbachs Keller empfinden, wenn er die Aufführung verlässt.

Es ist für mich ein Erkenntnisweg, dies ist mein augenblicklicher Stand.

Was die AAG anbetrifft: In ihr sind viele Menschen gefangen, die eines wirklich guten Willens sind. Ich habe in dem WELEDA Blog das aufgeschrieben, was ich erlebt habe, um dem einen oder anderen die Möglichkeit zu geben, darüber nachzudenken. Die Beiträge spiegeln auch etwas meinen eigenen Erkenntnisweg. Ich MUSSTE das tun, sonst hätte ich mich nicht im Spiegel anschauen können. Vielleicht gehe ich ja nochmal auf die Generalversammlung am heiligen Hügel und sage nochmal was zu den „lieben Freunden“.

Und was die „Gesellschaft gelebte Weihnachtstagung“ macht und alle anderen die sich mit der „Konstitutionsfrage“ beschäftigen, empfinde ich ebenso rückwärtsgewandt und von den eigentlichen Aufgaben abhaltend. Jetzt haben „kritische“ Anthroposophen sogar noch die Möglichkeit, „innerhalb“ der AAG zu „kämpfen“ – was gibt es für die Mächte, die die Öffentlichkeit der Weisheit vom Menschen verhindern wollen, besseres, als dass sich die Suchenden nach ihr selbst zerfleischen und vor allem mit der eigenen Historie beschäftigen statt in die Welt und in die Zukunft zu schauen, wo sie eigentlich gebraucht würden?

So können diese Mächte ihr Werk ungestört weiterführen. Ein geschicktes Ablenkungsmanöver, auf dass leider sehr viele, sonst recht vernünftige Menschen hereinfallen.

Dienstag, 5. Mai 2009

Zuhören statt Fragen stellen - Euphemismuspreis an Herrn Pietzner

Es war eine gute Entscheidung, nicht auf die Generalversammlung zu gehen. Heute konnte ich eine Zusammenfassung in der "Anthroposophie weltweit" Zeitschrift lesen. Neues wurde also nicht gesagt. Nur immer wieder die gleiche Frage: "Wie können wir unsere Gesellschaft so gestalten, dass sich mehr und mehr Menschen, die zu uns gehören, mit uns in der Gesellschaft zusammenfinden können?" (Sergej Prokofieff).
Ich überetze diese Frage mal in "Normaldeutsch": "Warum findet spirituelle und soziale Gesellschaft woanders statt und nicht in unseren Lesezirkeln und "Klassenstunden"? Warum steigt das Durchschnittsalter der europäischen Mitglieder jedes Jahr um 363 Tage? Warum spendet uns niemand mehr Geld?"
Lieber Herr Prokofieff, die Antwort pfeifen die Spatzen von den Dächern: Dornach ist morsch, marode, nicht nur der Beton, sondern auch die Strukturen, die hinter dicken Holztüren "öffentliche" Geisteswissenschaft pflegen.
Die Welt heute ist ein Netzwerk, kennt keine Hierarchien mehr, ist flexibel und gibt jedem die Möglichkeit, sich sofort und überall einzulinken. Die Menschen von heute sind dem "Geist" viel näher als viele in dem Betonsarg Goetheanum, der seit dem Verscharren von Rudolf Steiners Asche im Feld auch keinen Geist mehr beinhaltet sondern leere Hülle ist. Und alles, was morsch, marode, unzeitgemäß und veraltet ist, das wird in der Natur vom gnädigen Zahn der Zeit hinweggerafft, der sich im Sozialen durch eine Insolvenz, auch Pleite genannt, ausdrückt.
Lieber Herr Prokofieff, SIE sind das Problem, SIE und das Kollegium mit den veralteten Strukturen. Sie können die Idee Anthoposophie am besten unterstützen, indem Sie sich selbst abschaffen.
Das ist ehrlich, das können Sie tun. Tun Sie aber nicht, weil Sie an der Macht kleben.

Und, diesmal an Herrn Pietzner gerichtet: Seien doch auch Sie ehrlich mit dem was Sie tun. Einen Notverkauf von Immobilien zur Finanzierung von "Initiativen" als "Befreiung versteckter Initiativkraft" zu titulieren, - dafür müssten Sie den Sonderpreis für Euphemismus bekommen, wenn es diesen denn gäbe. Der Satz ist einfach gut: "Versteckte Initiativkraft, die in Form von geronnenem Kapital in Immobilien steckt, wurde durch den Verkauf einer Liegenschaft befreit und Initiativen zugeführt."

Ein schöner Gedanke: Wenn ich sterbe, hinterlasse ich also einen Haufen "versteckte Initiativkraft" in Form von Besitz, der dann verkauft und neuen Initiativen zugeführt werden kann??? Das versteht doch kein Normalsterblicher mehr.

Und da fragen Sie sich noch, warum niemand mehr in diesem Verein Mitglied werden will???

Montag, 6. April 2009

Wer nichts mehr zu verlieren hat, gründet eine Stiftung ...

Nein, an diesem ersten Aprilwochenende war das Wetter zu schön, die Kinder haben Ferien, und statt die heiligen Hallen zur Mitgliederversammlung der AAG zu besuchen, habe ich mit meinem Sohn eine Fahrradtour gemacht. Es ist auch das Meiste gesagt, was zur Anthoposophischen Gesellschaft und zur WELEDA zu sagen ist, und es wird noch einige Jahre dauern, bis alles das, was ich vor vielen Jahren schon vorgeschlagen habe, umgesetzt wird.
Nur ein zentraler Punkt ändert sich nicht, und ohne diesen sind alle anderen Maßnahmen nur kosmetische Operationen - und auch mit bester WELEDA Kosmetik können keine ernsthaften Erkrankungen geheilt werden. Dieser zentrale Punkt sind die Menschen, die als Manager mit alttestamentarlicher Macht ausgestattete auf den Chefsesseln der WELEDA Gesellschaften sitzen.
Jetzt soll also der Stiftungsgedanke umgesetzt werden. Damit bei einer Zahlungsunfähigkeit der AAG deren Anteile an der WELEDA nicht verkauft werden müssen. Ich bin überzeugt davon, dass diese Initiative vom Management der WELEDA ausgeht, die die von ihnen mit verschuldeten Pleite der AAG voraussehen. Und das Paul Mackay für diese Gefahr keinen Anhaltspunkt sieht, wie er in der aktuellen Ausgabe der "Anthroposophie weltweit" betont, nehme ich ihm nicht ab. Er hat auch vor 10 Jahren die Situationen nicht sehen wollen, die sich jetzt bewahrheitet haben.
Hier wird der Sachverhalt in gewohnt euphemistischer Weise aufbereitet und dargestellt. Die Irritationen der letzten Jahre werden als ein "Konflikt unter Schwestern" bezeichnet, Herr Kerler wird zitiert, er habe erst sehr spät erkannt, dass die AAG und die Ita-Wegman-Klinik (IWK) ihre Anteile an der WELEDA als Geldwert sehen. Aus der Not geboren, müssen wohl dieses beiden Institutionen dies tun - die AAG wohl mehr als die IWK.
Spannend wird es nun, wie diese Stiftungsgründung und ihre Finanzierung gelingen soll. Sowohl die AAG als auch die IWK sind gemeinnützige Institutionen, die ihre Finanzmittel für den Satzungszweck einsetzen müssen. Eine Stiftungsgründung gehört definitiv nicht zum Satzungszweck, weder der AAG noch der IWK. Um ihre Unternehmensanteile in eine Stiftung zu überführen, müssen diese also erst aus dem Vermögen herausgekauft werden - Herr Pietzner spricht vom "befreien" des in der WELEDA gebundenen Kapitals - von wem und zu welchem Preis, auf diese Fragen bleiben uns die Verantwortlichen noch die Antwort schuldig. Es kann spannend werden.

Erschreckend ist, wie die Situation der WELEDA beschrieben wird. Pietzner: "Ohne die jährlichen Zuwendungen der WELEDA wäre manche Forschung am Goetheanum ... schwer möglich." Warum beziffern Sie diese "Zuwendungen" nicht, Herr Pietzner? "manche Forschungen" können auch mit einigen 1000 Franken möglich gemacht werden! Der Beitrag der WELEDA ist wahrscheinlich so lächerlich klein, dass es peinlich wäre seine "Höhe" zu nennen.

Weiterhin betont Georg Fankhauser (den ich als einzigen der Herren nicht persönlich kenne) sehr offen, dass das WELEDA Management gerne über viel Geld verfügt "um seine "unternehmerischen Projekte" zu realisieren" (ehrlicher wäre: " ... um seiner Selbstdarstellung zu frönen"), und Rolf Kerler erhofft sich von einer Stiftung die Möglichkeit, weiter hemmungslos Geld von gutwilligen Aktionären oder Partizipationsschein-Zeichnern einzutreiben, statt es selbst zu verdienen. Denn die maximale Anzahl an Partizipationsscheinen war ja vor einiger Zeit ausgegeben worden, neues Geld einzutreiben ist ohne neue Aktienausgaben nicht möglich.

Ja, Herr Kerler, Sie sagen es richtig, "die finanziellen Möglichkeiten der WELEDA sind beschränkt." Aber warum hinterfragen Sie nicht, warum dies so ist? In den früheren Einträgen dieses Blogs können Sie einige der Gründe nachlesen, wenn Sie es schon vergessen haben sollten, was ich Ihnen damals, als Sie noch als Generalsekretär der AAG die Weichen hätten in eine bessere Zukunft stellen könne, in zahlreichen Briefen, Emails und Gesprächen mitgeteilt habe.

Damals - also vor ca. 10 Jahren - gab es die Diskussion, dass WELEDA die Palette der anthroposophsichen Arzneimittel aus Kostengründen reduzieren müsse - den Protesten vieler anthroposophischer Ärzte zum Trotz wurde diese Reduzierung gnadenlos durchgeführt - statt anthroposophische Ärzte in der Anwendung dieser Präparate zu schulen - viele ur-anthroposophische Arzneimittel sind seitdem nicht mehr als Fertigpräparat erhältlich, die anthroposphische Medizin hat einen nicht wieder gut zu machenden Schaden erlitten. Und nun beklagen Sie sich immer noch über den marginalen Rest an Arzneimitteln, den WELEDA noch produzieren "muss". Dies soll nun "kostenneutral" geschehen, also von einer Stiftung finanziert, die Gewinne der WELEDA sollen für Zwecke "außerhalb des Unternehmens" zur Verfügung stehen. Warum kann die WELEDA nicht, was die WALA schon seit Jahrzehnten erfolgreich macht? Mit anthroposophischer Kosmetik anthroposophische Heilmittel querfinanzieren und trotzdem gut Geld verdienen?

Es ist ungeheuerlich. Da vergeudet ein unfähiges Management das medizinische und finanzielle Vermächtnis Rudolf Steiners (die WELEDA), das der AAG und der IWK treuhänderisch zur Kontrolle übertragen worden war, unter den Augen der Mitglieder und mit Billigung und sogar aktiver Mittäterschaft der Generalsekretäre, und nun, da die AAG vor der Pleite steht, verabschiedet sich das WELEDA Management von ihr, um durch eine Stiftung von "anthroposophischen Gutmenschen" weiter finanziert zu werden - statt sich ihr Geld selbst zu verdienen. Ich hoffe nur, dass die GLS Bank - an der ich auch einen Genossenschaftsanteil halte - kein Kapital für diese Stiftung gibt, ohne dass bei der WELEDA grundlegende personelle und organisatorische Strukturen entfilzt und geordnet wurden.

Es scheint, dass in den letzten 10 Jahren das Chaos noch größer geworden ist. Auch damals wirden öfters ganze Chargen weggeworfen und das Fakturierungssystem war abentheuerlich, aber die folgende Meldung zeigt, dass es bei WELEDA Deutschland und heute mitnichten besser ist:

Über eine Finanzkrise der besonderen Art berichtete die Stuttgarter Zeitung im Wirtschaftsteil ihrer Samstagsausgabe. Trotz eines um 10% gestiegenen Umsatzes vermeldet die Weleda AG in Schwäbisch Gemünd, ... , für das Jahr 2008 rote Zahlen. Für einen kleinen Teil der Verluste, so war es von einem Sprecher der Weleda AG zu erfahren, seien Probleme bei der Distribution und der Rechnungslegung verantwortlich. ... Auch seien in größerem Umfang Teile der begrenzt haltbaren Warenbestände vernichtet worden, weil die "gesamte Lagerwirtschaft nicht funktionstüchtig" gewesen sei, ... .
... Zitat Sirdey: "Das genaue Ausmaß kennen wir noch nicht". Der Bericht geht davon aus, dass es sich um einige Millionen Euro handeln kann. "Im vergangenen Jahr ist laut Sirdey trotz gestiegener Umsätze "erstmals seit Jahrzehnten" ein Verlust entstanden". ... . Kriminelle Machenschaften seitens der Mitarbeiter, so die Zeitung, würden von Sirdey "übrigens kategorisch" ausgeschlossen und die Frage, ob zur Problemlösung "Köpfe gerollt" seien, sei von Sirdey entschieden verneint worden. Der vorzeitige Weggang des Konzernleitungsmitglieds Rudolf Frisch im vergangenen Jahr habe nichts damit zu tun gehabt. ....
Der Bericht, ... , schließt mit dem Hinweis, dass Unternehmenskonzepte wie Weleda, die auf Vertrauen und Eigenverantwortung setzen -"ganz so wie die Anthroposophie es als Ideal beschreibt" - allerdings auch Nachteile haben könne: "Wie gehen die freundlichen Chefs mit groben Fehlern um?" Die durchaus selbstkritische Antwort von Patrick Sirdey: "Wir haben zuerst gesagt, die Verantwortlichen werden das schon hinbekommen, - vielleicht warten wir aber generell zu lange, bis wir eingreifen."

Mein Kommentar: Vielleicht haben "die freundlichen Chefs" auch deshalb so lange gewartet, weil sie weder den Überblick haben noch den Willen, eine funktionierende Organisation zu ermöglichen. Mit den strukturellen "Bordmitteln", die den Mitarbeitern der WELEDA zur Verfügung stehen, ist es ein Wunder und ein Zeichen höchster Kompetenz und Improvisationsvermögens, dass die Verluste nicht noch wesentlich größer sind. Innovationen sind jedenfalls zu meiner Zeit immer am mangelnden Verständnis der ach so "freundlichen Chefs" gescheitert. Viele Verantwortliche der WELEDA arbeiten so wie ein Pilot, der ein Passagierflugzeug ohne Radar und Funk, sondern nur mit einer Landkarte sicher navigieren soll.

Dienstag, 10. März 2009

Die bevorstehende Pleite der Anthroposophische Gesellschaft - Schicksalsschlag oder Sabotage?

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Die Anthoposophische Gesellschaft steht finanziell mit dem Rücken zur Wand (Den Finanzbericht von Herrn Pietzner finden Sie hier). Ist dies ein Schicksalsschlag? Oder liegt nicht eher eine bewusste oder unbewusste Sabotage durch Missachtung der Wirklichkeit und Egozentrismus vor?

Im ZDF würde es jetzt heissen: WISO ermittelt ...

Und was findet der Detektiv? Er findet einen Verein, dem bei einem Umsatz von über 22 Mio CHF noch ca. 2,5 Mio CHF für das Jahr 2009 fehlen - also über 10% - und der seine Einnahmen u.a. auf unsichere Posten wie Erbschaften und Legate (4,6 Mio CHF = ca. 20% des Umsatzes) und Spenden (2,3 Mio CHF = ca. 10%) stützt.

Der Detektiv gräbt etwas in der Historie und findet er dass die Situation schon einmal deutlich anders war. Dem Verein gehörte ein Drittel eines der ersten und heute in Mitteleuropa sicherlich zu den bekanntesten gehörenden Naturkosmetik-Herstellern, der sogar vom Vereinsgründer mit der Aufgabe gegründet wurde, die Finanzierung dieses Vereins zu sichern: Die Firma WELEDA* AG.

Nun wird unser Detektiv stutzig. Naturkosmetik gehört zu den Boombranchen, in denen gutes Geld verdient wird. Da liefert WELEDA doch sicher regelmäßig signifikante Beträge in die Vereinskasse ab. Doch - oh Schreck - da kommt kaum etwas an. Sie scheint nicht wirklich genug zu verdienen, diese WELEDA, trotz des großen Namens und der hohen Preise ihrer Produkte.
Er schaut sich Bilanzen an von Naturkosmetikherstellern. Da gibt es einen, auch anthroposophisch, der gehört niemandem, d.h. einer Stiftung, einer Idee - und er expanidert und macht gute Geschäfte, kann sich sogar leisten, anthroposophische Medikamente als Fertigprodukt zu liefern, die weniger als 500 x pro Jahr nachgefragt werden: Die WALA. (WELEDA hat unter Hinweis auf die mangelnde Rentabilität trotz Protest vieler anthroposophsicher Ärzte in den letzten Jahren viele selten gebrauchte, aber oft ur-anthroposophische Medikamente aus dem Programm genommen.) Statt diesem Luxus sollten von der wesentlich größeren WELEDA doch Gewinne erwirtschaftet werden? Was läuft denn nun falsch bei WELEDA?

Unser Detektiv überlegt. In einer solchen Notlage, bevor der Verein pleite geht, da sollte der Verein vielleicht seine Anteile verkaufen, wenn sie schon nicht regelmäßig etwas in die Vereinkasse einbringen. Was ist denn so ein Unternehmen wert?

Der Detektiv schaut sich Firmenwerte von Naturkosmetik-Herstellern an: Da wurde z.B. BodyShop an L'Oreal verkauft für über 1 Mrd. EURO - mehr als die Hälfte davon sollte WELEDA schon wert sein - also ca. 200 Mio EURO für den Verein - das sollte zur Sanierung und langfristigen Finanzierung durchaus genügen. Doch - der Schreck wird größer - was findet er bei WELEDA? Alles schon verkauft. Die ganze Firma beliehen und auf gepumptem Geld aufgebaut. Es bleibt leider nicht mehr viel übrig, was zu verkaufen wäre. Das ist auch der Grund dass nichts in die Vereinskasse fließt - alles verdiente Geld geht an die Gläubiger.

Unser Detektiv ist ein guter Detektiv. Er sucht weiter - und was findet er? In der Führung der WELEDA findet er - typische Manager. Er findet Menschen, die jahrzehntelang ihrem persönlichen Egoismus gefrönt haben, die notwendige Schritte in der Unternehmensführung aus Ehrgeiz und Konkurrenz untereinander nicht oder viel zu spät gegangen sind mit dem Resultat, dass die für ein Weiterbestehen und für Investitionen notwendigen Mittel nicht aus Rücklagen aufgebracht werden konnten, sondern geliehen werden mussten.

Nun wird unser Detektiv erst recht stutzig. WELEDA ist eine AG und in einer AG kontrolliert ein Verwaltungs- oder Aufsichtsrat die Geschäfte, der i.d.R. von den Eigentümern - also auch vom Verein - gestellt wird. Und er schaut in den Handelsregisterauszügen nach und findet - und jetzt kommt ihm das Grausen - dass WELEDA sich die ganzen langen Jahre hauptsächlich selbst kontrolliert hat - kein Vertreter des Vereins und auch kein Vertreter der anderen Eigentümer sass in leitender Funktion im Verwaltungsrat.

Und so macht unser Detektiv den Managern der WELEDA auch kein Vorwurf. Wer Füchse zum Aufpassen in den Hühnerstall schickt, darf sich später nicht beklagen wenn die Hühner tot sind. Wer Manager sich selbst kontrollieren lässt darf sich ebensowenig beklagen wenn die Firma pleite ist. Füchse sind eben Füchse und Manager sind eben Manager - sie können nicht aus iher Haut.

Und zum krönenden Abschluss findet der Detektiv noch einen Hinweis, der ihm die Haare zu Berge stehen lässt: Die Manager der WELEDA werden noch nicht einmal von den Eigentümern eingesetzt, nein, sie ergänzen sich selbst - Ko-Optieren nennt sich das dann auf anthroposophisch. Dass da keine Krähe der anderen die Augen aushackt ist ja wohl deutlich.


So beisst sich die Katze in den Schwanz. Wer ist nun für die kommende Pleite verantwortlich?
Sind es die Manager der WELEDA, die mangels Kontrolle ihre Macht zur Selbstdarstellung verwendet haben (und noch verwenden), statt sich um satte Renditen für den Verein Gedanken zu machen?
Ist es der Vorstand des Vereins, der seiner Kontrollfunktion und -aufgabe nicht nachgekommen ist?
Sind es die Mitglieder des Vereins, die jedes Jahr willig aus ihrem versteuerten Einkommen die wachsenden Löcher durch Spenden gestopft und ihre Kinder zugunsten des Vereins enterbt haben, statt sich zu fragen warum die Löcher immer größer werden?

Die Schuldfrage ist müßig, zu retten gibt es kaum noch etwas, und so kehrt unser Detektiv mit einem fast salomonischen Ergebnis zurück: Niemandem kann Vorsatz nachgewiesen werden im Sinne der Anklage, es lässt sich nur statuieren, dass der Weg in die Pleite seit Jahrzehnten zielstrebig gegangen wurde und alle darauf hinweisenden Zeichen mit bewundernswerter Konsequenz ignoriert wurden.



In den älteren Beiträgen dieses Blogs können Sie einige Stationen auf dem Weg in die Pleite nachvollziehen (falls nicht sichtbar, klicken Sie dazu unten auf "Startseite") und auch sehen dass die Ausrede "wir haben es ja nicht wissen können" nicht stimmt - wenigstens von mir wurden die Hinweise oft und intensiv kommuniziert.


Nachbemerkung: Ich habe letztes Weihnachten den "Weihnachtsbrief" (Spendenaufruf) von Herrn Pietzner nicht kommentiert. Es wird irgendwann zur Routine, auch wenn er ein bewundernswertes Talent hat, jedes Jahr wieder die einzigartige Dringlichkeit der Situation zu beschwören um Spenden zu generieren. Wenn die Weihnachtsspenden aber noch nicht mal bis Ostern reichen, dann wird es kritisch - muss der arme Herr Pietzner sich jetzt jeden Monat einen neuen Brief ausdenken?

Sonntag, 13. Juli 2008

Wie transparent ist die "Transparenz"

Highlights aus der neuen Transparenz:

Auf Seite 18 findet sich die Überschrift "Zukunftsidee Apotheke"
Dazu nur eine kleine Bemerkung am Rande: Diese "Zukunftsidee" hatte ich schon 2001 in meine Stellungsnahme 2001 zur Weiterentwicklung der WELEDA an die Geschäftsleitung gerichtet. Schön dass es jetzt umgesetzt wird - nur eine Idee die schon ein Jahrsiebt alt ist als "Zukunft" zu verkaufen, ist etwas seltsam - vielleicht sollte besser da stehen: "Alte Idee endlich verwirklicht". Auch die in meiner Stellungsnahme als Voraussetzung genannte Erstellung eines Firmeninternen Intranets scheint sich langsam zu verwirklichen.

Auf Seite 32 findet sich doch wirklich die Überschrift "Weleda Führunskultur"
- für mich als engagierten Mitarbeiter, der trotz nachprüfbarer Erfolge und guter Ergebnisse ohne Aussprache und Abfindung aus dem Unternehmen geworfen wurde, ein blanker Hohn! Aber vielleicht findet Führungskultur nur in Deutschland statt, nicht aber in WELEDA Schweiz?

Wenn dann noch auf Seite 56 stolz zu lesen ist:
In diesem Zusammenhang (mit der Gesamtbilanz) sei darauf hingewiesen, dass wir ganz bewusst von »Einkommen« und »Mitarbeitern« sprechen, und nicht von »Personalkosten« und »Personal«. Wir sehen die Mitarbeiter als Beteiligte am Leistungsprozess, als Mitunternehmer« und nicht als Produktionsfaktor.
Dann ist das für mich, der ich ganz bewußt als "Mitunternehmer" Verantwortung für die bis jetzt brachliegende Entwicklung der WELEDA in Asien übernehmen wollte, ein wirklicher Schlag ins Gesicht.

Aber Papier ist ja geduldig - und auch wenn WELEDA von "Einkommen" und nicht von "Personalkosten" spricht, bedeutet dies noch lange nicht dass das "Einkommen" der "Mitarbeiter" auch zum "Auskommen" der "Mitarbeiter" ausreicht.

Wo ist die Transparenz? Es fehlt immer noch die Darstellung der Einkommen der Geschäftsleitung.

Leider wird auch der Umsatzzuwachs um 11,7 % nicht in Relation zum Wachstum des Gesamtmarktes Naturkosmetik gesehen. Dieser Betrug nämlich in den letzten Jahren durchgehend weit über 10% pro Jahr. In den letzten Jahren hat WELEDA also trotz des erfreulichen Umsatzwachstums signifikante Marktanteile eingebüßt.

Verwaltungsrat dezimiert

Mit Handelsregisterauszug vom 16.6. wurde bekannt gegeben, dass folgende WELEDA-Geschäftsführer aus der Geschäftsleitung ausscheiden:

Rudolf Frisch
Rainier Dierdorf
Marc Follmer
Mathieu van den Hoogenband (geht in den Ruhestand)

Stattdessen wurde Peter Braun aus Günsberg als Direktor in die Geschäftsleitung berufen - über den nur zu finden ist, dass er von 2001bis 2004 Präsident des Verwaltungsrates einer Firma namens Sinus-Point AG tätig war, die chirurgisches Nahtmaterial herstellt. Aber vielleicht ist Herr Braun ja von den neuen Investoren entsandt worden?


Das bedeutet, dass folgende Personen jetzt noch zeichnungsberechtigt im der Geschäftsleitung der WELEDA AG sind:

Moritz Aebersold - Geschäftsführer WELEDA Schweiz
Patrick Sirdey - Geschäftsführer WELEDA Frankreich und neuer Vorsitzender der WELEDA Gruppenleitung (siehe Bild rechts - entnommen aus der Transparenz)
Patrick Kersting-Hartmann - Leiter Controlling und Finanzen
Dr. Hans W. Steisslinger - Leiter Forschung und Entwicklung Kosmetika
Peter Braun
Rolf Kerler als Präsident
Dr. Henner Ehringhaus

Ob dies zur besseren Entwicklung der WELEDA AG beiträgt?

China boomt - und WELEDA schaut zu


Werdende Chinesische Mütter sind nicht nur sehr bewußt, was ihr eigenes Aussehen während der Schwangerschaft betrifft, sie sorgen sich auch sehr um das Wohl der Babys - meist nach dem Motto "Das Beste ist gerade gut genug".
Firmen aus HongKong bedienen zur Zeit den Markt der hochpreisigen Babyprodukte.
Als ich 2002 bei WELEDA aufhören musste, waren die Weichen gestellt für eine expansive Marktdurchdringung des chinesischen Marktes, beginnend mit den Auslandschinesen in Singapur, Malaysia, Thailand, Philippinen etc., um sich dort auf einen professionellen Markteintritt in China vorzubereiten.
Nach meinen letzten Informationen sind WELEDA Babyprodukte in China nur über verschiedene Zwischenhändler und zu Preisen zu bekommen, die teilweise wesentlich über den Schweizer Preisen liegen.
Kurz - eine verpasste Chance sowohl um Geld zu verdienen als auch um den Weg zu bereiten für anthroposophisches Gedankengut.

Dienstag, 29. April 2008

WELEDA von LAVERA überholt


Zwar ist die gerade eben 21 Jahre alte Firma LAVERA GmbH im Vergleich zu der über 80-jährigen WELEDA noch ein richtiger "Jungspund", doch hat sie inzwischen die WELEDA überholt - jedenfalls in der jüngsten Bewertung in dem Spezialheft "Ratgeber Kosmetik und Wellness" der Zeitschrift ÖKOTEST, wie das Portal BioMarkt berichtet.

Warum ist das so? Nicht nur ist WELEDA weit davon entfernt, eine globale Marke zu sein, sie wird sogar auf ihrem Heimatmarkt in ihrem Hauptdisziplin, der ökologischen Qualität, überholt. Und das, obwohl sie als die älteste der zur Zeit existierenden Naturkosmetikfirmen gilt, obwohl sie mit der "anthroposophischen Gemeinde" eine relativ kritiklose und treue Stammkundschaft hatte und noch hat, und obwohl sie von eben dieser "anthroposophischen Gemeinde" finanziell und ideell massiv unterstützt wurde und wird. Oder gerade WEGEN dieser "anthroposophischen Gemeinde"?

Tatsache ist, dass innovative Konzepte nicht bei WELEDA, sondern bei anderen Naturkosmetikfirmen zu finden sind. So eröffnet Annemarie Börlind gerade ihren zweiten Flagship Store in Stuttgart, nachdem der erste in Mailand ein großer Erfolg war, und die wirklich frische, konservierungsmittelfreie und konsequente Naturkosmetik kommt inzwischen von der österreichischen Firma RINGANA, deren Produkte ich auch persönlich verwende und empfehle. RINGANA zeigt, dass auch mit einem Wareneinsatz-Anteil von ca. 25% am Endpreis, immer frischen Klein-Chargen-Produktionen in der Größenordnung von 50 kg pro Charge, mit einer konsequenten Frische-Philosophie und einer innovativen Marketing-Strategie ein Unternehmen mit Wachstums- und Gewinnzahlen sich entwickeln kann, von denen WELEDA nur träumen kann.

Und so rückt Rudolf Steiners Ziel, mit der Produktion von Kosmetik die Anthroposophie zu finanzieren und Menschen zu erreichen, in immer weitere Ferne.

Sonntag, 16. März 2008

Mitgliederversammlung der AAG 2 - Paradigmenwechsel bei WELEDA

Herr Dr. Benediktur Hardorp, der langjährige Rechtsbegleiter vieler anthroposophischer Institutionen, hielt nach der Darstellung des Finanzberichts zum Thema der Partizipationsschein-Ausgabe eine lange Rede, deren Inhalt ich kurz darstellen will und die auch für mich einige interessante Erkenntnisse enthielt.
Er wies vor allem darauf hin, dass das Vorgehen der AAG und ihres Schatzmeisters Cornelius Pietzner in der letzten Partizipationsschein-Ausgabe an einen institutionellen Investor einen signifikanten Paradigmenwechsel bedeutet, der die bis jetzt geübte Kultur der Umsetzung anthropsophischer Kernüberzeugungen - dass der Handel von Firmenanteilen eine "Sünde" (so R. Steiner) sei - verlässt. Er schilderte auch die eigentliche Intention der praktizierten "kontrollierten Aktienausgabe" (WELEDA Aktien - nicht Partizipationsscheine - sind nicht frei handelbar und dürfen nur an Mitglieder der AAG verkauft werden - WELEDA hat aber ein Vetorecht, so dass z.B. ich jetzt sicher keine WELEDA-Aktie erwerben könnte), dass nämlich die WELEDA Geschäftsleitung frei von Renditedruck arbeiten können solle und dass die Aktien sozusagen als "Pfand" für das Kapital gesehen werden, dass die Aktienkäufer - also Mitglieder der AAG - der Firma zur Verfügung gestellt haben. WELEDA Aktien sind also ein Ausdruck einer "Assoziation des Wirtschaftslebens" und damit weder ein Spekulationsobjekt noch ein Kaufgegenstand an sich - wer Interesse an einer von mir vor vielen Jahren erstellten Darstellung über die Grundprinzipien des anthropsophischen Wirtschaftsgedankens hat, kann sich diese gerne hier herunterladen. Die bis jetzt geübte Praxis, zur Finanzierung der Expansion Partizipationsscheine nur über einen Fond des anthropsophischen Finanzinstituts GLS-Bank auszugeben, war schon eine Verwässerung dieses Gedankens, aber die "Gefahr" eines gewerblichen Handels mit Partizipationsscheinen der WELEDA war so nicht groß.
Durch den Verkauf zum ungefähr doppelten Preis an die Albin-Kistler-AG (der genaue Verkaufspreis ist nicht bekannt) bekommen nun natürlich auch alle früher gekauften Partizipationsscheine einen höheren und spekulativen Wert und die Spirale der Spekulationen beginnt.
Was mir bei Herrn Dr. Hardops Darstellung klar wurde sind vor allem zwei Punkte:
  1. Die Geschäftsleitung der WELEDA hat durch diesen - im Grunde positiven - fehlenden Renditedruck weder einen Anreiz noch eine Verpflichtung darin gesehen, mit der Kosmetikherstellung Geld zu verdienen - ein Fehlschluss, denn - wie in meiner Darstellung beschrieben - jedes Wirtschaftsunternehmen sollte eine - möglichst satte - Rendite für das Geistesleben - zu der z.B. auch die Weiterentwicklung der anthroposophischen Medikamente gehört - abwerfen.
  2. Die Kontrolle durch die Gemeinschaft der Aktionäre, die jedes Unternehmen als "Auftraggeber" kontrollieren sollte, hat schon seit Jahrzehnten versagt.

Mitgliederversammlung der AAG 1 - mein Beitrag

Da die Darstellung der kürzlichen Partizipationsschein-Ausgabe durch die WELEDA auf der Tagesordnung stand, besuchte ich die Mitgliederversammlung der AAG in Dornach - obwohl es an einem schönen Sonnen-Frühlings-Samstag sicher angenehmere Dinge zu tun gibt.
Das Durchschnittsalter im Goetheanum-Saal betrug geschätzt 60+ und die Reaktionen des Publikums auf die Ausführungen des Vorstandes waren entsprechend gedämpft.
Da die Teilnehmer ja nichts von den Informationen über WELEDA wissen konnten - wenn Sie nicht Info3-Leser sind - verteilte ich vor Beginn des Nachmittagsprogramms Handzettel mit der "nicht-euphemistischen" Darstellung des Partizipationsschein-Verkaufs und einiger weiterer Details.
Interessant war, dass - zufällig?? - nach der Mittagspause, als der Finanzbericht behandelt und das Budget vorgestellt werden sollte, die Mikrofone für die Übersetzer ausfielen, was eine Verzögerung von ca. 15 Minuten bewirkte - 15 Minuten weniger unangenehme Fragen für den Schatzmeister???
Jedenfalls wurde ich an der Darstellung meines Redebeitrages von Herrn Paul Mackay gehindert, er wollte mich sogar vom Podium drängen - obwohl ich erst einige Sekunden gesprochen hatte!
Hier also mein Redebeitrag - wie er hätte sein sollen - in ungekürzter und ungestörter Fassung:

Herr Pietzner, Sie beklagen sich über die Abhängigkeit der Goetheanum-Finanzierung von den Spenden und Legaten und darüber, dass die Finanzierung des Goetheanums und seiner Tätgkeit zunehmend schwieriger wird.
Das Goetheanum ist eine Institution des Geisteslebens, und es ist Grundwissen der Dreigliederung, dass eine Institution des Geisteslebens keine Gewinne erzielen kann und soll, sondern aus der Wirtschaft finanziert werden muss. Zuverlässige Einnahmen können also weder aus dem versteuerten Einkommen der Mitglieder in Form von Spenden noch aus Nachlässen generiert werden (auch alte Menschen haben immer weniger Geld und damit auch weniger zu vererben, und vielleicht wird ein Nachlass für wichtigere Dinge benötigt als zum Stopfen des Goetheanumhaushalts), sondern nur aus der Wirtschaft.
Deshalb ist die Beteiligung der AAG an der WELEDA auch richtig und sinnvoll unter der Voraussetzung, dass die WELEDA signifikant zur Deckung des Goetheanumhaushalts beiträgt - nur von signifikanten Beiträgen der WELEDA zum Goetheanumhaushalt sind leider weder in dem Finanzbericht noch im Budget auch nur Spuren zu finden. Wenn keine Einnahmen generiert werden, ist die Beteiligung der AAG und das Aufwenden von Finanzmitteln zum Erwerb von Partizipationsscheinen weder notwendig noch sinnvoll, denn der (teilweise) Besitz einer Firma ist für eine Institution des Geisteslebens kein Selbstzweck an sich.
Wenn Sie, liebe Mitglieder, im Internet unter www.zefix.ch nachsehen, können Sie finden, dass die zeichnungsberechtigten Mitglieder des Verwaltungsrats der WELEDA fast ausschließlich Mitglieder der Geschäftsleitung sind. Von unseren - also der AAG - Vertretern keine Spur. Warum hält die AAG denn 38% der Stimmrechtsaktien, wenn sie ihr Aufsichtsrecht und ihre Aufsichtspflicht nicht ausübt? Wer vertritt unsere - also AAG- - Interessen im Verwaltungsrat der WELEDA?
Dass sich der Vorstand der AAG zur Komplettierung ko-optiert, d.h. neue Mitglieder in den Vorstand einläd, ist die Freiheit des Geisteslebens und für eine Institution des Geisteslebens gut und sinnvoll. Dass aber auch die Geschäftsführung der WELEDA ko-optiert wird, ist "Freiheit im Wirtschaftsleben", auf gut Deutsch "Korruption" genannt. Dies sollte Aufgabe eines Verwaltungsrates sein, der von den Eigentümern bzw. Aktionären gebildet wird.
Die WELEDA AG hat in den letzten Jahrzehnten nur minimale Gewinne bzw. sogar Verluste erwirtschaftet und konnte so ausser durch die relativ geringen Dividendenzahlungen keine signifikanten Beiträge zum Haushalt der AAG leisten. Wer übernimmt denn die Verantwortung dafür, wenn die AAG keinen Einfluss im Verwaltungsrat hat? Wer übernimmt die Verantwortung dafür, dass WELEDA im boomenden Markt der Naturkosmetik schon lange nicht mehr Marktführer ist? Wer übernimmt die Verantwortung dafür, dass in der WELEDA Bilanz 2006 sich das Eigenkapital um 1 % verringert hat, dafür aber die Verwaltungskosten um 10% gestiegen sind? Jeder Aktionär würde bei einer solchen Bilanz die Neubesetzung der Geschäftsführung fordern - was tun Sie als Schatzmeister des Mehrheitsaktionärs AAG, dass dies nicht wieder vorkommt?
Ich habe Ihrem Vorgänger im Amt, Herrn Rolf Kerler, (der hier im Saal und als Präsident im Verwaltungsrat der WELEDA sitzt - als Dankeschön für sein Nichtstun?), und auch Ihnen zu Beginn Ihrer Täigkeit als Schatzmeister detailliert dargelegt, welche personellen, organisatorischen und strukturellen Defizite bei der WELEDA herrschen und ursächlich für die schlechten Betriebsergebnisse sind. Geschehen ist seitdem - NICHTS! Personen, Strukturen und Organisationsformen der WELEDA sind immer noch so wie vor 7 Jahren. Was denken Sie denn zu tun, da jetzt mit der letzten ultimativen Partizipationsschein-Ausgabe alle Möglichkeiten der externen Geldbeschaffung ausgereizt sind, damit WELEDA nicht insolvent wird wenn das neue Geld aufgebraucht ist? Was gedenken Sie zu tun um die Renditeerwartungen der Albin-Kistler-AG zu befriedigen?
Ich sehe mich jedenfalls aussersstande - trotz Würdigung der inhaltlichen Arbeit - einen Vorstand zu entlasten, der seiner Aufsichtspflicht als Mehrheitsaktionär der einzig möglichen permanenten Finanzquelle unserer Gesellschaft so sträflich vernachlässigt, und ich bitte alle Mitglieder, meinem Beispiel zu folgen.

Leider wurde - was angesichts des Durschnittsalters und der "blinden Treue" der Mitglieder zu "Ihrem" Vorstand auch zu erwarten war - der Vorstand natürlich mit überwältigender Mehrheit entlastet.

Donnerstag, 13. März 2008

Die Aufgabe der WELEDA im morphogenetischen Feld

Inzwischen ist ja die Existenz des morphogenetischen Feldes - von Rudolf Steiner Akasha-Chronik genannt - in aufgeklärten Wissenschaftskreisen nicht mehr strittig.
So wie sich Menschen fragen "Warum bin ich hier? warum tue ich was ich tue?" so sollten sich auch Firmen diese Frage stellen, vor allem wenn Sie - wie WELEDA - mit einem Auftrag und / oder einer einzigartigen Individualität "geboren" werden.
Tragisch sind Menschen - und eben auch Firmen - die ihre Aufgabe nicht erkennen oder die nötigen Schritte in der Selbstentwicklung nicht gehen, die für die Erfüllung der für sie vorgesehenen Aufgabe notwendig sind.
Auch Sebastian Gronbach hat dies seinem Blog (und wohl auch in seinem Buch "Missionen", das ich aber noch nicht gelesen habe) beschrieben.
Als ich damals bei WELEDA arbeitete, waren mir die geistigen Zusammenhänge noch nicht so klar wie heute (ja, der Mensch entwickelt sich eben), obwohl ich sie deutlich gefühlt habe und mich in meinem Tun von ihnen habe leiten lassen. Heute kann ich es klar sehen, dass WELEDA eine Aufgabe hatte, für deren Erfüllung im morphogenetischen Feld die Strukturen bzw. "Freiräume" vorhanden waren um sie auszufüllen. So wie der physische Leib dem Menschen die Möglichkeit gibt, etwas zu tun, so gibt finanzieller Erfolg einer Firma wie WELEDA die Möglichkeit, Menschen zu erreichen. Erfolgreich sind Menschen ebenso wie Firmen und Unternehmen, wenn sie Freiräume in morphogenetischen Feld erkennen und nutzen - im Marketing spricht man dann von "Trendsettern", dabei sind die "Trends" = Freiräume im morphogenetischen Feld ja schon da, sie werden nur erfolgreich ausgefüllt.
So waren im morphogenetischen Feld Freiräume vorhanden für die Entwicklung einer weltweiten Naturkosmetikkette - nur wurden sie eben nicht von WELEDA ausgefüllt, sondern vor allem von BodyShop. Dass Anita Roddick (die Gründerin von BodyShop) mit ihrem "Garagenunternehmen" (dies ist nicht abwertend gemeint, ich habe große Hochachtung vor ihrem Lebenswerk) diesen großartigen Erfolg hatte und ihr Unternehmen vor einigen Jahren für knapp 1 Mrd. €uro verkaufen konnte, ist nur damit zu erklären, dass nicht ausgefüllte Freiräume in morphogenetischen Feld vorhanden waren, die sie erfolgreich nutzen konnte.
Auch Anthroposophie hatte und hat eine Aufgabe und es gab und gibt Freiräume im morphogenetischen Feld, die von ihr hätten ausgefüllt werden sollen. Es wäre einmal eine Aufgabe einer selbstkritischen geisteswissenschaftlichen Betrachtung, zu erforschen, inwieweit diese Aufgaben ergriffen und Freiräume ausgefüllt worden sind bzw. welche Kräfte, Mächte und Organisationen diese Freiräume jetzt ausfüllen.
Wer die Weltgeschichte seit der Gründung der anthroposophischen Gesellschaft betrachtet und sie im Kontekt einer klaren Geschichtsbetrachtung seit der Entwicklung der menschlichen Bewusstseins sieht - für eine kurze, aber intensiven Überblick empfehle ich den Film "ZEITGEIST" oder die 911-Filme auf Deutsch - für Englisch-sprechende noch ausführlicher auf Englisch - der wird sich vielleicht so wie ich die Frage stellen, warum dies so gekommen ist und ob nicht die Anthroposophie die Aufgabe gehabt hätte, die Freiräume auszufüllen, die jetzt von diesen und anderen "negativen" Mächten besetzt sind. Warum ist beispielsweise eine Organisation wie Scientology so erfolgreich? Doch nur, weil ein geistiges Vakuum besteht, weil es einen Freiraum im morphogenetischen Feld gibt, der nicht ausgefüllt ist. Jedenfalls wird deutlich, dass zwischen dem Anspruch der Anthroposophie ("Weltgesellschaft", "Weisheit vom Menschen") und der realen Wirklichkeit eine sehr große Lücke klafft und dass es sehr schwer, wenn nicht unmöglich ist, einen einmal mit anderen Inhalten gefüllten Freiraum im morphogenetischen Feld zu besetzen - ein Scientologe wird nur sehr schwer von Anthroposophie zu überzeugen sein, obwohl er vielleicht ursprünglich eigentlich Anthropsophie gesucht, aber eben nur Scientology gefunden hat. Und da WELEDA die Aufgabe gehabt hat, das "Ausfüllen der morphogenetischen Freiräume" durch die Anthropsophie finanziell möglich zu machen, hat die Marginalisierung und Unwirksamkeit der Anthroposophie in der heutigen Welt einen direkten und ursächlichen Zusammenhang mit dem Versagen der WELEDA als Finanzier und Botschafter der Anthroposophie.

Dienstag, 11. März 2008

Warum WELEDA nichts verdient

Als Exportverantwortlicher hatte ich einige Jahre Einblick in das WELEDA Management.
ich möchte hier einige Dinge darstellen, die in den Jahren 1998 - 2001 geschahen, die aber mit verantwortlich dafür sind, dass WELEDA heute in einer so schlechten finanziellen Verfassung ist.

Da sich weder die Struktur noch die personelle Besetzung der Verantwortlichen seitdem geändert hat, gibt es keinen Grund anzunehmen, dass diese Managementfehler heute nicht mehr auftreten.

Beispiel 1: Die Geschäftsleitung hatte die Preise für die japanischen Importeure ausgehandelt, die schon vor meiner Beschäftigung bei WELEDA galten. Als ich dann einen Rentabilitätscheck machte, stellte sich heraus, dass WELEDA Schweiz bei einigen Produkten einen Verlust von bis zu CHF 2.- pro Stück machte. Auf Grund meines Rentabilitätschecks stellte sich auch heraus, dass WELEDA Schweiz bei einigen Produkten, die sie an COOP verkaufte, keinen Gewinn machte, sondern die Waren etwa zu den Herstellungskosten an COOP weitergab.

Beispiel 2: Die Geschäftsleitung hatte bei einem Besuch in Italien der italienischen WELEDA versprochen, die Zahnputz-Muster-Sets in italienischer Aufmachung innerhalb weniger Wochen zu einem bestimmten Preis zu liefern. Weder war es möglich, innerhalb dieser Frist die notwendigen Packmittel zu beschaffen, noch war der versprochene Preis in irgendeiner Weise kostendeckend. Auch war im Abfüllturnus eine Abfüllung der 10 ml Tuben in diesem Zeitraum nicht vorgesehen.

Beispiel 3: Der jetzt endlich errichtete Neubau der WELEDA Arlesheim wurde schon zweimal vorher geplant, dann aber nicht realisiert. Jedes Mal wurden Planungskosten in der Höhe von vielen hunderttausend Schweizerfranken abgeschrieben.

Beispiel 4: Als ich 2 Jahre in WELEDA Arlesheim arbeitete, gehörte ich schon zu den "Alten Hasen". Von 20 MitarbeiterInnen im Bereich Marketing waren 13 kürzer als 2 Jahre im Betrieb (ihre VorgängerInnen haben entweder gekündigt oder wurden gekündigt). Mit dieser Mitarbeiterfluktuation kann kein Betrieb sinnvoll arbeiten - so wechselte z.B. die Stelle "Packmittelbeschaffung und -organisation" innerhalb der drei Jahre drei mal mit dem Effekt, dass Packmittel oft falsch, nicht ausreichend oder garnicht zur Verfügung standen ...

Ganz generell: WELEDA ist ein Unternehmen mit drei Produktionsstätten in Mitteleuropa: In Schwäbisch Gmünd / Deutschland, Arlesheim / Schweiz und Huningue / Frankreich. Jeder normal denkende Mensch würde nun versuchen, die Produktion so aufzuteilen dass sie am wenigsten Kosten verursacht, sprich an einem Standort z.B. alle Tuben, am zweiten Standort alle Flaschen und am dritten Standort alle Medikamente abzufüllen. Stattdessen werden an allen Standorten alle Produkte und Darreichungsformen hergestellt.
(Bemerkung: Das Umrüsten einer Abfüllanlage z.B. von der Abfüllung von 30 ml-Tuben auf 100-ml-Tuben dauert - ja nach Modernität der Anlage - einen bis mehrere Tage. Deshalb sollten Umrüstungen möglichst minimiert werden - ideal wäre es natürlich, wenn in einem Betrieb für jede Tuben- bzw. Flaschengröße eine Abfüllanlage vorhanden wäre, dann würden viele Tage nutzlose Umrüstzeit und viele -zigtausende Franken eingespart weden.)
Es war immer interessant zu sehen, wie bei einem neuen Produkt (ich habe z.B. die Einführung der Rosen-Serie miterlebt) um die Produkionsstandorte geschachert wurde. Schauen Sie mal auf die verschiedenen Tuben z.B. der Iris-Cremes: Tagesceme aus Deutschland, Feuchtigkeitscreme aus Frankreich, Nachtcreme wieder aus Deutschland ...
Viele Produkte werden sogar an zwei Standorten abgefüllt ...
Und dazu kommt noch, dass der Produktions- und Bestellrythmus der drei WELEDA Gesellschaften nicht identisch war - in Frankreich wurde 6 mal im Jahr das gleiche Produkt hergestellt, in der Schweiz nur vier mal ...
Allein durch die Verringerung der Reibungsverluste, die Optimierung der Produktion und der Logistik hätten damals sicher einige hunderttausende Franken eingespart werden können - ob sich dies inzwischen gebessert hat, kann ich leider nicht sagen, da mir der Einblick fehlt.

Insgesamt habe ich erlebt, dass das WELEDA Management eine bemerkenswerte Beratungsresistenz besass. Auch wurden spezialisierte Mitarbeiter (wie ich es z.B. für den Export war) nicht gefragt. Das einzige Mal, wo eine Stellungsnahme von mir eingefordert wurde, wurde diese ignoriert und die angeschnittenen Probleme und Fragen sind in vielen wichtigen Punkten (z.B. in der Tropentauglichkeit der Kosmetika, in der Optimierung des Transports zwischen den Auslieferungslagern der verschiedenen Gesellschaften) immer noch nicht angegangen, andere - wie z.B. die Auslagerung der selten gebrauchten anthropsophischen Medikamente in eine WELEDA eigene Apotheke - werden jetzt nach 7 Jahren umgesetzt. Das Kommentar meines Vorgesetzten, der immer noch die WELEDA Schweiz leitet, zu meiner Stellungsnahme war übrigens: Kompetenzüberschreitung.

Insbesondere in meinem Arbeitsfeld, dem Export, war ein signifikantes Desinteresse zu beobachten. In Anbetracht der Tatsache, dass allein die indische Mittelklasse schon damals eine Kaufkraft besass die die Kaufkraft Mitteleuropas überstieg - von China ganz zu schweigen - und dass damals schon abzusehen war dass sich diese Kaufkraft - wie heute bestätigt - signifikant erhöhen würde, ist es unverständlich, dass nicht wenigstens einige Massnahmen ergriffen und Investitionen getätigt wurden, um auf diesem lukrativen Feld präsent zu sein. jedenfalls wurde weder mein Marketingplan umgesetzt noch wurde sich für eine Strategie entschieden - es wurde einfach weitergewurstelt mit dem Effekt, dass ausser in Japan in Asien keine nennenswerten Umsätze stattfinden.

Montag, 3. März 2008

Zur Verantwortung der Anthroposophischen Gesellschaft

In der Ausgabe 8 der Zeitschrift "Das Goetheanum" nimmt Herr Pietzner (Schatzmeister der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft (AAG) in Dornach) Stellung zu Fragen nach dem WELEDA - Deal. Ich muss gestehen, ich bewundere ihn für seine Fähigkeit, eine riskante Notoperation als ein geplantes, durchdachtes und optimales Vorgehen darzustellen! Denn: hätte es mit dem Deal nicht geklappt, hätte die Albin-Kistler-AG nicht zum doppelten Preis gekauft, wäre irgendein Investor bei WELEDA eingestiegen.

Dieser Blogeintrag ist also quasi ein offner Brief an Herrn Pietzner. Ich würd mich über eine Antwort sehr freuen - bitte, Herr Pietzner, schreiben Sie mir.
(Siehe auch Blogeintrag vom 18. Januar: Geschwächt und zurück in den Kapitalismus.)

Auf die Frage nach der moralischen Bewertung diese Deals sagten Sie:

"Die AAG hat eine der Sache entsprechende Verantwortung, die natürlich auch in ihrem Geschäftsgebaren sichtbar werden soll. Langfristige Ausrichtung und ein achtsamer Umgang mit Ressourcen sind ein Teil dessen was wir unter moralischem Handeln verstehen."

Lieber Herr Pietzner, seine Sie doch mal ehrlich: Es stinkt Ihnen doch auch, dass WELEDA kein Geld verdient, im Gegenteil, dass WELEDA Geld verliert. Warum sagen Sie es denn nicht? Warum decken Sie das unfähige Management dieser Firma?
Wenn Sie sagen, dass die AAG eine Verantwortung hat, dann nehmen Sie diese Verantwortung doch bitte auch wahr! Retten Sie die WELEDA vor der endgültigen Pleite!

Ich verstehe nur nicht, wie sich diese Verantwortung in dem Geschäftsgebaren zeigt. Zum Geschäftsgebaren kann man nur sagen: Ganz schön clever gemacht - aber so ganz richtig seriös ist das auch nicht, dieses Jonglieren mit niedrigem Ausgabekurs der Partizipationsscheine, dem Weiterverkauf der Hälfte für den doppelten Preis, und das Ganze auch noch in einem zeitlichen Rahmen, der keine großen Überbrückungskredite notwendig macht. Vieleicht sollte die AAG die Spenden nächstens in Aktien investieren - da geht es auch darum billig einzukaufen und teuer zu verkaufen, und das beherrschen Sie ja anscheinend gut. Nur ist das leider etwas weit von dem entfernt, was Rudolf Steiner als "moralisches bzw. brüderliches Verhalten" in der Wirtschaft verstand.

Sie sprechen auch von "langfristiger Ausrichtung" und "schonendem Umgang mit Ressourcen" - warum schauen Sie nicht, dass dies bei WELEDA auch so ist? Dass auch WELEDA verantwortungsbewusst mit dem Geld der Aktionäre und Partizipationsschein-Inhaber umgeht? Was ist denn das langfristige Zeil der WELEDA? Weiterhin Gelder in Hobby-Projekten einzelner Geschäftsführer - wie z.B. die Heart-Balance AG - abzuschreiben? Was tun Sie, dass dies nicht mehr geschieht? (Siehe auch Blogeintrag vom 28. Januar: Lesehilfe für die TRANSPARENZ)

Die AAG und die Ita Wegmann Klinik (IWK) haben zusammen die Mehrheit des Stimmkapitals. Sie können - einen entsprechenden Willen vorausgesetzt - das Management austauschen und mit fähigen Leuten besetzen. Mit Menschen, die ihre Verantwortung ernst nehmen.

Während meiner Zeit bei WELEDA - also vor ca. 8 Jahren schon - hatte ich wiederholt längere Gespräche mit Ihrem Vorgänger, Herrn Kerler, (und auch mit anderen Persönlichkeiten, die in der AAG für die WELEDA zuständig waren) und habe ihn gebeten, seine Verantwortung wahr zu nehmen und das Management wenigstens teilweise auszutauschen, da ich erlebte, wie durch die Unfähigkeit dieses Managements das Geld, dass für die Entwicklung der Anthroposophie eingesetzt werden solte, verschwendet wurde.
(Einige Briefe an Herrn Kerler können Sie hier nachlesen: Brief 1 (anonym) , Brief 2, Brief 3, Brief 4, Brief 5, Briefe an andere Persönlichkeiten hier: An den Lörracher Zweigleiter, An das Arbeitszentrum Freiburg - und ein zweiter Brief dorthin, An Herrn Pommerenning und an die deutsche Landesgesellschaft )

Auch mit Ihnen hatte ich längere Gespräche, ich hatte Ihnen an verschiedenen Punkten dargelegt, warum in der jetzigen Struktur der WELEDA mit dem jetzigen Management immer wieder Geld verschwendet wird und trotzdem die Aufgaben nicht erfüllt werden, die WELEDA hat.

Herr Kerler hat nichts getan - und sitzt jetzt als Präsident im Verwaltungsrat der WELEDA. Ist das der Dank der WELEDA Manager für sein Nichtstun? Dass er sie hat weiter wurstel lassen und ihre Egoismen pflegen? Das er sie weiter hat ihre Hobbys pflegen lassen und z.B. die Heart-Balance AG mit WELEDA Geld gründen, die in 2006 mit 1 Mio CHF Verlust die Bilanz der WELEDA belastet? Das Schema kommt bekannt vor, deutsche Politiker tun das auch - während ihrer Amtszeit erlassen Sie Gesetze und Vorschriften, die den Unternehmen gefallen, um es sich nach ihrer Amtszeit im Vorstandssessel bequem zu machen.

Sie sind jetzt 6 Jahre Schatzmeister der AAG, und seit 6 Jahren wissen Sie Bescheid über die Zustände - ich habe sie Ihnen ausführlich dargelegt. Und Sie haben nichts getan - und jetzt die Quittung dafür.

In den 6 Jahren ist also weiter Kapital vernichtet worden, musste WELEDA weiter Darlehen aufnehmen (= Partizipationsscheine ausgeben), während andere Naturkosmetikfirmen sich eine satte Kapitaldecke zulegen und expandieren konnten.
Ich werde in einem der nächsten Einträge einige Begebenheiten aus der dreijährigen Missmanagementhistorie der WELEDA Schweiz, wie ich sie erlebt habe, schildern, damit dem geneigten Leser klar wir, wo das Geld bleibt. Warum WELEDA - trotz der hohen Preise ihrer Produkte - im Export nicht richtig gut Geld verdient, habe ich ja im vorherigen Kapitel "Verpasste Chancen und Aufgaben" beschrieben. Ich habe zwar nicht Betriebswirtschaft studiert, sondern nur Umweltschutz, Waldorfleherer und dann noch Asien-Management, aber um die Misswirtschaft bei WELEDA zu erkennen braucht es nichts ausser einem gesunden Menschenverstand.

Donnerstag, 28. Februar 2008

Verpasste Chancen und Aufgaben

In der angesehenen Zeitschrift "CO'MED" erscheint soeben ein zweiteiliges Firmenporträt über die WELEDA. Wie in vielen anderen Veröffentlichungen auch, ist der Reporter begeistert von dem Ambiente, der Fürsorge für die Mitarbeiter, die Mitarbeiterentwicklung, die individuellen Entfaltungsmöglichkeiten, die den Mitarbeitern zur Verfügung stehen etc..

Leider sind mir persönlich viele Menschen bekannt, die von Innen heraus andere Erlebnisse haben. Wohlgemerkt: Ich spreche vor allem von WELEDA Schweiz in Arlesheim und von Erlebnissen, die inzwischen einige Jahre zurück liegen. Aber weder in der Struktur der WELEDA noch in der personellen Besetzung der Geschäftsführung hat sich seitdem wesentliches verändert, so dass davon ausgegangen werden kann dass die Strukturen noch so sind wie im folgenden beschrieben.

Wichtig ist noch, dass ja WELEDA Schweiz rechtlich gesehen das Mutterhaus ist, WELEDA Deutschland nur eine rechtlich unselbständige Niederlassung.

Als Exportverantwortlicher war ich in WELEDA Schweiz verantwortlich für die Entwicklung des asiatischen Marktes. Auf Grundlage eines von mir während meiner Asien-Management-Ausbildung verfassten Marketingplanes (PDF Datei, 190 MB) wurde ich eingestellt mit dem Ziel - mündlich mit Herrn Aebersold vereinbart - diesen Plan im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten umzusetzen.

Leider bekam ich für diese Aufgabe keinerlei Rückhalt in der Geschäftsführung. Im Gegenteil, meine Bemühungen wurden konterkariert.

Einige Beispiele:

Ich hatte (angekündigt und der Geschäftsleitung mitgeteilt) Besuch eines koreanischen Investors und potentiellen Vertriebspartners. Er besaß in Korea eine Apothekenkette und hatte gerade eine ehemalige Bayer-Fabrik übernommen. Ich hatte ihn u.a. durch das Goetheanum geführt (sein Kommentar: "Das alte Goetheanum ist viel schöner. Das möchte ich in Korea möglichst Originalgetreu in Holz bauen lassen.") - und um einen Termin bei der Geschäftsführung gebeten - der wurde aber ncht gewährt, es hatte niemand Zeit. (Wohlgemerkt: Die Geschäftsführung war im Haus, es waren nur andere Besprechungen anscheinend wichtiger.) Da Koreaner aber nur auf Augenhöhe verhandeln, wurde weder aus der potentiell sehr vielversprechenden Vertriebsparterschaft etwas noch aus dem Goetheanumbau in Korea.
Fazit: Peinlicher "Gesichtsverlust" und verpasster Marktzugang zum koreanischen Markt.

Nach interessanten und erfolgreichen Verhandlungen hatten wir einen Vertrag unterzeichnet mit einem Importeur für die Vereinigten Arabischen Emirate. Die ersten Lieferungen waren bestellt und bezahlt, zur Markteinführung wollte der Importeur WELEDA in einem eigenen Stand auf der GULF BEAUTY (der drittgrößten Kosmetikmesse weltweit) vorstellen. Er würde alles finanzieren (inclusive Unterstützung aus der Schweiz) nur den Stand (ca. 5.000 SFr.) sollte WELEDA buchen, damit WELEDA im Ausstellerverzeichnis steht. Dieser Betrag wurde von der Geschäftsleitung nicht bewilligt.
Um nicht ganz das Gesicht zu verlieren, nahm ich eine Woche Urlaub und flog (Business Class und mit Familie) auf Einladung des Importeurs nach Dubai, baute dort die Messe mit auf, gab den Mitarbeitern eine Einführung in die WELEDA Philosophie und die Prdukteingenschaften und war auf der Messe präsent. Zu bemerken ist, dass die Mitarbeiter - größtenteils indischer oder pakistanischer Herkunft und teilweise mit Doktortiteln in Chemie und Phamazie - nach einer relativ kurzen Einführung durch mich und intensivem Studium der Inhaltsstoffe auf der Messe die Produkte mindestens so gut und treffend erklären konnten wie viele WELEDA BeraterInnen in Deutschland mit vielen Jahren Berufserfahrung.
Fazit: Peinlicher Gesichtsverlust - WELEDA wird inzwischen von einem anderen Importeur in den VAE vertreten, die geplante WELEDA-Shop-Kette in den Einkaufszentren íst nicht Wirklichkeit geworden. (Dubai ist das Shopping-Zentrum für den ganzen mittleren Osten bis nach Moskau und Mombasa).

Auf ebendieser Messe besuchte der Marketingleiter des drittgrößten indischen Kosmetikherstellers den WELEDA Stand. Nach einer langen Diskussion über die WELEDA Rasierseife (die sie in ähnlicher Rezeptur herstellten) fragte er, ob seine Firma nicht WELEDA Produkte in Lizenz für Indien herstellen könnte. Meine an die Geschäftsleitung gerichtete Anfrage blieb unbeantwortet. (Mit einer indischen Produktionsbasis könnte WELEDA zu annehmbaren Kosten nicht nur in Indien, sondern in ganz Ost- und Südostasien präsent sein und so ein Stück "Lebensphilosophie" transportieren. Zur Zeit kosten z.B. WELEDA Calendula Babypflegeprodukte in China ca. das 1,5 fache wie in der Schweiz)
Fazit: In Indien wird WELEDA immer noch von einer kleinen Apotheke vertreten. (Der indische Mittelstand ist inzwischen größer und kaufkräftiger als die Bevölkerung Mitteleuropas)

Nach der Unterzeichnung des Vertrages mit einem Importeur für Griechenland (mit dem ich immer noch persönlich befreundet bin) erhielt ich die Einladung, zur Eröffnung des ersten WELEDA Shops nach Athen zu kommen. Weder erhielt ich die Erlaubnis, dorthin zu fliegen, noch nahm ein anderer WELEDA Delegierter an der Ladeneröffnung teil.
Fazit: Peinlicher Gesichtsverlust, Griechenland wird inzwischen von Deutschland aus betreut.

Diese Liste ließe sich noch mit vielen anderen Punkten fortsetzen und soll nur als Beispiel dienen wie "individuelle Mitarbeiterentwicklung" in WELEDA Arlesheim praktiziert wurde - und da die Geschäftsleitung immer noch im Sattel sitzt, hat sich auch mit einem neuen Gebäude wahrscheinlich nicht viel daran geändert.

Samstag, 23. Februar 2008

Zensur zum zweiten - die Angst des Goetheanums vor der Wahrheit

Leider weigert sich auch nun auch die Zeitschrift "Das Goetheanum", eine (selbstverständlich von mir bezahlte) Kleinanzeige zu drucken, die auf diesen Blog hinweist.

Schade - über die Beweggründe kann sich jeder seine Gedanken machen - ist es die Angst vor einer Diskussion, die nur jemand haben muss der etwas zu verbergen hat? Oder ist es einfach die Furcht einer unselbständigen Redaktion vor eventuellen Konsequenzen der "Mächtigen"? Oder werden generell unbequeme Themen ausgeklammert, damit die "heile Welt" der esoterischen Diskurse nicht gestört werden? Wir wissen es nicht - aber vielleicht schreiben Sie einfach einmal eine Mail an die Zeitschrift selber und fragen Sie, was die Zeitungsmacher so an diesem Blog stört dass sie verhindern will dass ihre ehrenwerte Leserschaft ihn zu Gesicht bekommt? Schreiben Sie direkt an den Geschäftsführer, Herrn Christian Peter, unter christian.peter@dasgoetheanum.ch.
Und falls Sie auch die Zeitschrift "Die Drei" kennen, können Sie dieselben Fragen auch gleich an deren Redaktion stellen: Schreiben Sie an Herrn Stefan Eisenhut unter st.ei@diedrei.org.

Aber vielleicht können ja Sie, liebe Leserinnen und Leser, dazu beitragen, dass die Tatsachen über WELEDA und ihre versäumte Aufgabe bekannt und diskutiert werden, indem Sie Ihre Freunde und Bekannte auf diesen Blog aufmerksam machen. Immerhin haben bis jetzt fast 1.000 Menschen diesen Blog gelesen ...

Ich freue mich auch über Ihr Feedback in Form eines Kommentars oder einer Mail an info@weledablog.eu.

:-): Was macht ein Deutscher in einer Schweizer Bank? Er zumwinkelt!

Montag, 28. Januar 2008

Lesehilfe für die TRANSPARENZ

Da mir öfters gesagt wurde: "Ja, die WELEDA steht doch gut da!" möchte ich einige Lesehilfen geben für den Geschäftsbericht 2006, euphemistisch TRANSPARENZ 2006 genannt. Sie können ihn hier in datenreduziertem Format herunterladen.

Wichtig ist, dass auch die immer verwendete Ausrede und Behauptung, WELEDA verdiene kein Geld weil sie in die Forschung und Entwicklung der Arzneimitel investieren müsse, relativiert wird. Wenn stolz eine Investitionssumme von 25 Mio CHF in 5 Jahren für Arzneimittelforschung prognostiziert wird, sind das 5 Mio CHF pro Jahr und bei 323 Mio CHF Jahresumsatz etwa 1,5 % - etwas mehr als die jährlichen Zinszahlungen und eine Betrag, der für ein erfolgreiches Naturkosmetikunternehmen irrelevant sein sollte und der nur ca. 1/4 der Verwaltungskosten beträgt - viellieicht sollten die Verwaltungskosten statt um knapp 2 Mio CHF gesteigert besser um 2 Mio CHF gesenkt werden, dann wären die Forschungkosten schon fast finanziert.

Interessant sind die Seiten 43 - 55.

Die Bilanzen an sich sind nicht so interessant, denn da muss oben und unten nur alles stimmen.
Etwas aussagekräftiger ist die "Erfolgs"-Rechnungen auf Seite 43 und 45 - die ja wohl besser - da MINUS im Ergebnis - "Misserfolgs"-Rechnungen heissen sollten.
Sie weisen für die WELEDA Gruppe einen Fehlbetrag von TCHF 113 aus.
Gesamtergebnis also MINUS TCHF 113 bzw. ca. 80 T€.

Position 1a: Finanzanlagen der WELEDA Arlesheim
Hier waren die Entscheidungen wohl nicht so glücklich. Bei der WELEDA Gruppe taucht ein Dr. Greenfinger - vielleicht besser "Goldfinger" genannt - auf mit einer "Einzelwertberichtigung" von CHF 110.000 CHF.
Falsch ausgeliehenes Geld also im Wert von 110.000 CHF!

Position 4: Eigenkapital
Das Eigenkapital der WELEDA Gruppe hat sich auf dem Papier leicht erhöht, bei näherem Hinschauen sieht es anders aus, denn der Erhöhung stammt aus der Veränderung des Umrechnungskurses CHF : €. Diesen Posten und rein buchhalterische Korrekturen herausgerechnet vermindert sich das Eigenkapital um 0,855 Mio CHF.
Eigenkapitalentwicklung also: MINUS 0,855 Mio CHF oder knapp 1% des gesamten Eigenkapitals

Position 6: Verbindlichkeiten - im Verhältnis zu sehen zu Position 4 Forderungen
Verbinden wir beide Positionen, so ergibt sich folgendes Bild:
WELEDA Gruppe: 2005: 105,5 - 48,5 = - 57 Mio CHF, 2006: 138 - 57 = - 81 Mio CHF
Aufgerechnet also: Verbindlichkeiten in Höhe von 81 Mio CHF bzw. 83 % des Eigenkapitals und eine Steigerung auf 142 % des Vorjahres

Position 11: Sonstige Aufwendungen
Interessant ist, dass die Verwaltungskosten bei WELEDA Gruppe um von 17 auf 19 Mio CHF - also um 1,85 Mio CHF zugenommen hat.
Verwaltungskostenzuwachs also 1,85 Mio CHF oder knapp 10 % auf knapp 6 % des Umsatzes

Position 13: Zinsergebnis
Die Zinsbelastung abzüglich Zinserträge steigt von 1,2 Mio CHF auf 4 Mio CHF jährlich.
Monatlich Zinsen: 333.000 CHF oder 210.000 €

Position 14:
Abschreibungen über 1 Mio CHF für die HeartBalance AG. Verantwortlich (siehe http://www.zefix.ch/): Moritz Aebersold (auch Geschäftsführer WELEDA Arlesheim und zeichnungsberechtigtes Mitglied im Verwaltungsrat der WELEDA AG) als Präsdent des Verwaltungsrates der HeartBalance AG. Da wurden also 1 Mio CHF für eine fixe Idee einiger WELEDA Manager in den Sand gesetzt, die meinten, es wäre so einfach in der Medizingeräteindustrie mitzuspielen.
Verlust durch Fehlinvestition: 1 Mio CHF

Seite 54: "Zur Sicherung eigener Verpflichtungen verpfändete oder abgetretene Aktiven sowie Aktiven unter Eigentumsvorbehalt" - sprich: Es wurde Geld geliehen und eigene Aktien verpfändet, um das Gebäude in Arlesheim zu erstellen (weitgehend). Steigerung in einem Jahr von 12,7 Mio CHF auf 25,3 Mio CHF.
Verpfändete Aktien im Wert von 25,3 Mio CHF, eine Steigerung auf 200 % des Vorjahreswertes

Es fehlen aber - trotz dem euphemistischen Namen "TRANSPARENZ" - Angaben über die Bezüge der Mitglieder der Geschäftsführung sowie die Tantiemen der Mitglieder des Verwaltungsrates.

Fazit: Es müssen noch viele Tübchen und Fläschchen verkauft werden, um diese Misswirtschaft wieder auszugleichen. Ob das je geschehen wird, steht in den Sternen.
WELEDA ist ein Vermächtnis von Rudolf Steiner - und wird hier und wurde seit Jahrzehnten hemmungslos heruntergewirtschaftet - und die Anthroposophen und die Anthroposophische Gesellschaft schauen einfach zu!

Freitag, 18. Januar 2008

Geschwächt und zurück in den Kapitalismus

Am 14.12.2007 erschien im "Goetheanum" folgender Artikel von Cornelius Pietzner (Schatzmeister am Goetheanum) - ich erlaube mir, einige Kommentare (K:) einzufügen.

Gestärkt und weiterhin gemeinsam in die Zukunft (K: die richtige Übeschift müsste heissen: siehe oben)

Partizipation der AAG und IWK an der Weleda AG.
Die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft (AAG) und die Ita-Wegman-Klinik (IWK) folgten bereits im September dem Vorschlag des Verwaltungsrates (K: Der personell weitgehend identisch ist mit dem Management = Geschäftsführung) der Weleda AG, das Eigenkapital der Weleda AG zu erhöhen. (K: ... denn leider waren die in den letzten Jahren erwirtschafteten Erträge zu gering, um das notwendige Wachstum aus eigener Kraft zu bewerkstelligen.)
Auf die Weleda AG kommen in diesen Jahren hohe Investitionen zu, will sie ihren Weg, anthroposophische Heilmittel und Kosmetika international anbieten zu können, weiter erfolgreich fortsetzen. (K: "Erfolgreich" ist anscheinend ein sehr dehnbarer Begriff. Eine negative Bilanz im letzten Jahr und unter einer Sparbuchverzinsung liegende Erträge in den Vorjahren als "Erfolg" zu verkaufen, dazu gehört schon viel Phantasie ...) Um diese besonderen Aufwendungen (K: "besondere Aufwendungen" bedeutet einfach nur, dass das Management die Anforderungen der Zukunft nicht einkalkuliert hat - denn sonst wäre das Geld für Investitionen da) solide finanzieren zu können, folgten die Aktionäre dem Vorschlag des Verwaltungsrates, das Eigenkapital der Weleda AG zu erhöhen.
(K: Andere Firmen der Naturkosmetikbranche finanzieren das Wachstum aus Eigenmitteln - diese stehen aber dank des schlechten Managements bei WELEDA nicht zur Verfügung.)
Zu diesem Zweck wurde an der außerordentlichen Generalversammlung der Weleda AG in Arlesheim am 11. September 2007 beschlossen, maximal 16000 weitere stimmrechtslose Partizipationsscheine zu je 500 Franken nominal auszugeben. Der Ausgabepreis wurde auf 1250 Franken pro Partizipationsschein festgelegt. Mit diese Kapitalerhöhung ist gemäß den Statuten der Weleda die Eigenkapitalfinanzierung ausgeschöpft.
(K: Das bedeutet auf Deutsch: Mehr Geld kann nicht gepumpt werden, wenn das Management weiter so rumwurschtelt und kein Geld verdient, geht WELEDA pleite - oder kann eben nicht weiter investieren und wachsen und wird von der wirklich erfolgreichen Konkurrenz abgehängt!)
Als Hauptaktionären stand sowohl der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft (AAG) wie auch der Ita-Wegman-Klinik (IWK) ein gesetzliches Bezugsrecht entsprechend ihren bisherigen Beteiligungen (21,46 Prozent für die AAG und 12,34 Prozent für die IWK) zu.
(K: Wahrscheinlich handelt es sich hier um die finanziellen Beteiligungsprozente, denn die Stimrechtsaktien sind ja wohl anders verteilt - verantwortlich sind die AAG und die IWK, denn sie sind stimmberechtigt!)
Sowohl aus ideellen als auch aus wirtschaftlichen Gründen lag den Verantwortlichen von Klinik und Anthroposophischer Gesellschaft daran, dieses Maß der Beteiligung an der Weleda aufrechtzuerhalten; doch weder AAG noch IWK besaßen die nötigen eigenen freien Finanzmittel, um in dieser Höhe, nämlich 4,3 Millionen respektive 2.5 Millionen Franken, Partizipationsscheine zeichnen zu können. Deshalb unternahmen die Finanzverantwortlichen in AAG und IWK Schritte, um die Weleda mit dem gewünschten Zukunftskapital zu versorgen.
(K: "Zukunftskapital" ist eine schöne Umschreibung für den "letzten Rettungsanker" - denn nach diesem "Zukunftskapital" ist die "Zukunft" aufgebraucht - wenn nicht endlich Geld verdient wird.)
Der eignerfreundliche Preis der Partizipationsscheine gab Anlass, nach einem Partner zu suchen, der bereit wäre, zu einem höheren Preis als dem Ausgabepreis Partizipationsscheine zu übernehmen. Damit wäre eine Finanzierung der eigenen Partizipationsscheine gegeben. Dieser Partner wurde in der zur Verfügung stehenden Frist gefunden. Es handelt sich um eine schweizerische Vermögensverwaltungsgesellschaft, Albin Kistler AG, die im Namen ihrer Kunden an einer langfristigen Beteiligung interessiert ist und die Firmenkultur der Weleda AG, anthroposophische Grundsätze mit wirtschaftlichen Zielen in Einklang zu bringen, ausdrücklich bejaht.
(K: Die Verscherbelung an einen eindeutig renditeorientieren Investor (Albin Kistler über Albin Kistler: "Wir sind vorsichtige und konservative Anleger – für uns stehen Sicherheit, Substanz und Rendite im Zentrum.") ist ein endgültiger Bruch mit der anthroposophischen Tradition der WELEDA. Dass der Investor eingestiegen ist - und zwar weit über dem Nennwert der Partizipationsscheine - zeigt, dass WELEDA einen potentiellen Wert hat. Lohnen würde sich der Einstieg für die Vermögensverwaltung (und auch für alle anderen Aktionäre) vor allem, wenn WELEDA-Aktien ein frei handelbares Börsenprodukt werden. Durch die Ausgabe von Partizipationsscheinen wird der Anteil der AAG immer geringer und so das Kapital der Anthroposphischen Gesellschaft vernichtet!)

Scheine gemeinsam gezeichnet
Vor diesem Hintergrund haben AAG und IWK am 25. September beschlossen, gemeinsam 12000 Partizipationsscheine zu zeichnen. Davon wurden 6000 Partizipationsscheine an den Kunden von Albin Kistler AG übertragen. Aus dem Erlös der Übertragung konnten die Ita-Wegman-Klinik und die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft ihre Partizipationsscheine finanzieren und ihren Kapitalanteil an der Weleda AG aufrechterhalten.
(K: Rechnung: 12.000 Partizipationsscheine (PS) - im Nominalwert von 500 SFr - x 1.250 SFr. = 15 Mio SFr.. Finanziert durch den Verkauf von 6.000 PS für 15 Mio SFr. = 2.500 SFr. pro PS.)

Kommentar:
Dies ist Kapitalismus und Spekulation in Reinkultur. Da werden auf der einen Seite große Worte über ein dreigegliedertes Sozialwesen, über neue Formen der Geldkultur etc. geredet, praktisch werden aber Finanzierungskonzepte des 19. Jahrhunderts angewendet. Aber kein Aufschrei geht durch die Migliedschaft. Kein Protest regt sich.
Sind die Leser des "Goetheanums" alle schon so vergreist oder verstehen sie zu wenig von finanziellen Zusammenhängen?
Oder lassen sie sich einfach von der euphemistischen (= schönfärberischen) Wortwahl einlullen?
Oder vertrauen sie (blind) einfach, dass die "lieben Freunde" im Management, im Verwaltungsrat und in der "Schatzmeisterei des Goetheanums" es schon richtig machen???

Viellleicht würde Sie eine Meldung wie die folgende ja aufschrecken:

WELEDA das letzte Mal vor Pleite und Bedeutungslosigkeit gerettet
Da die WELEDA AG durch die miserabelen Geschäftsergebnisse der letzten Jahre nicht in der Lage ist, die für den "Stand der Technik" dringend notwendigen Investitionen aus Eigenmitteln zu tätigen, wurde von dem - mit dem für die schlechten Geschäftsergebnisse verantwortlichen Management personell weitgehend identischen - Verwaltungsrat eigenmächtig und ohne Diskussion mit den wirklichen Eignern - den Mitgliedern der Anthoposophischen Gesellschaft - beschlossen, ein letztes Mal Fremdkapital durch die Ausgabe von Partizipationsscheinen aufzunehmen. Ein letztes Mal deshalb, weil mit dieser Fremdbeteiligung der satzungsmäßig maximal zulässige Anteil an Fremdkapital erreicht ist, weitere Fremdbeteiligungen sind nicht mehr möglich - WELEDA steht so mit dem Rücken an der Wand.
Um das Heft nicht ganz aus der Hand zu geben, wendete der Verwaltungsrat einen am Kapitalmarkt üblichen Trick an: Partizipationsscheine im Nennwert von 500 SFr. wurden mit einem Ausgabekurs von 1.250 SFr. bewertet und davon die Hälfte an einen schweizer Finanzinvestor zum doppelten Preis weiterverkauft. Welche Renditeerwartungen dieser Finanzinvestor hat und vor allem, wie diese Renditeerwartungen befriedigt werden können, bleibt Geheimnis des Managements bzw. des (personell identischen) Verwaltungsrates, denn die schlechten Geschäftsergebnisse der letzten Jahr, verbunden mit der geringen Eigenkapitalquote, zeigen jedem Finanzanalysten deutlich an, dass es sich um eine strukturelle Schwäche der Firma handelt und nicht um saisonale oder marktbedingte Schwankungen - vor allem da die schlechten Ergebnisse in einem sonst boomenden Markt (Naturkosmetik) erwirtschaftet werden.

Wer es gemerkt hat: Die Meldungen sind identisch - es kommt eben immer auf die Verpackung an.

Freitag, 11. Januar 2008

Eine Zensur findet (nicht) statt - ist das anthroposophische "Diskussionskultur"?

Der interessanteste Inhalt ist nichts wert, wenn er nicht gelesen wird - deshalb wollte ich eine Kleianzeige schalten auch in der anthroposophischen Zeitschrift "Die Drei".

Sie sollte lauten:

www.weledablog.eu- WELEDAs* Aufgabe und
die (traurige) Realität. Warum WELEDA nicht nur
eine Kosmetikfirma ist. Was ihre Aufgabe gewesen
wäre und warum ALLE Anthroposophen für sie
und ihr Scheitern mit verantwortlich sind.

Leider wurde diese Anzeige abgelehnt. Begründung: "Die Rubrik Kleinanzeigen dient nicht als Forum für Angriffe (ob berechtigt oder nicht spielt keine Rolle) auf andere Institutionen."

Ist das die "anthoposophische Diskussionskultur"? Mit diesem Blog will ich ja in keinster Weise die WELEDA angreifen, sonderen darauf aufmerksam machen, dass sie - nach meinen Erfahrungen, die sich durch Gespräche mit (ehemaligen) Kolleginnen und Kollegen immer wieder bestätigt - durch ein seiner Aufgabe nicht bewusstes und teilweise unfähiges Management zugrunde gerichtet wurde und immer weiter wird, und dass die Verantwortlichen dafür die Mitglieder der Anthroposphischen Gesellschaft sind, die als Eigentümer ihren Eigentümer-Pflichten nicht nachkommen, da sie - wie auch aktuell die Kleinanzeigen-Redaktion von "Die Drei" - kontroversen Diskussionen aus dem Weg gehen und lieber "die lieben Freunde (im Management)" weiter schalten und walten lassen und dabei nicht wahrnehmen, dass sie damit die Wirksamkeit der Anthoposophischen Gesellschaft in der Welt zerstören, indem sie ihr die wirtschaftliche Grundlage entziehen.

Ich möchte auch ganz deutlich betonen:
WELEDA hat hoch motivierte, begeisterungsfähige und teilweise geniale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ich schätze meine ehemailgen Kolleginnen und Kollegen sehr, einige bewundere ich geradezu. Umso tragischer ist es, dass ihre Arbeit nicht die volle Wirkung entfalten kann, weil der (wirtschaftliche) Erfolg durch ein in meinen Augen unfähiges Management konterkariert wird.

Mir tut ja auch Herr Pietzner (Schatzmeister der Anthroposophischen Gesellschaft am Goetheanum) leid, der jeden Franken umdrehen muss und zu jedem Weihnachtsfest Bettelbriefe schreiben - das war sicher nicht in Rudolf Steiners Sinne. Rudolf Steiner wollte, dass die Anthroposophie in der Welt wirksam wird und dass die WELEDA Kosmetik die Anthroposphische Arbeit in der Welt finanziert - und andere Naturkosmetikfirmen beweisen ja, dass es durchaus möglich ist, mit guter Naturkosmetik richtig Geld zu verdienen.

*WELEDA ist ein eingetragenes Markenzeichen der WELEDA AG, die zu über 30 % der Anthroposophischen Gesellschaft gehört, deren Mitglied ich seit über 2 Jahrzehnten bin. Als Miteigentümer fühle ich mich für diese Gesellschaft mitverantwortlich.

Samstag, 5. Januar 2008

WELEDA* in Asien - (m)eine Vision

Rudolf Steiner hat ja wohl einmal bemerkt, dass, wenn Anthroposophie in Europa nicht kulturwirksam wird, sie aus "dem Osten" erneuert werden muss. Anthroposophen haben deshalb in den osteuropäischen Ländern und der Ex-UdSSR sehr viel "investiert" - aber vielleicht war ja nicht Russland gemeint, sondern die aisatische Kultur, die viel von dem besitzt was der Anthroposophie fehlt? Denn dass Anthroposophie in Europa nicht wirklich kulturwirksam geworden ist, sondern eine Nische besetzt, ist jedem deutlich, der objektiv die Wirklichkeit anschaut.

Wenn wir an Asien denken - tauchen verschiedene Bilder, Vorstellungen und Erfahrungen auf über diesen Kontinent und die Menschen, die dort leben:
  • Reichtum und Armut
  • rückständige Landwirtschaft und intensive Industrialisierung
  • schwer arbeitende Industriearbeiter, moderne Banker sowie ursprüngliche Fischer und Reisbauern
  • Traumstände und Naturzerstörung
  • Megastädte mit Slums und den modernsten Wolkenkratzern
  • Menschen zwischen Tradition und Fortschritt
  • ...

Asien ist ein Kontinent in Entwicklung, in dem Menschen leben, die nach einer Perspektive für eine lebenswerte Zukunft suchen. Verglichen mit den asiatischen Ländern ist Europa fertig, geordnet und unbeweglich. In Asien finden wir Menschen, die bewusst und ohne Berührungsängste die modernsten Hochtechnologien entwickeln und benützen und gleichzeitig verwurzelt sind in ihrer Tradition und den Werten der Familie und der Spiritualität.

Moderne Asiaten sind sehr oft Menschen, die suchen, wie sie ihr in europäisch geprägten Schulen erworbenes modernes Bewusstsein über Menschenrechte, Demokratie und Technologie verbinden können mit dem Streben nach Weisheit über die Aufgabe und die Zukunft des Menschen und dem Bewusstsein der Spiritualität, das in Europa als „östlich“ gilt.
Asien ist der Anthoposophie schon sehr nahe. In Asien ist die Weisheit über die Zukunft und die Aufgabe des Menschen vielerorts noch vorhanden, die in der Anthroposophie mit moderner Erkenntnismethode und kompatibel zu dem soziologischen und technologischen Fortschritt neu entwickelt wird. Diese Weisheit hat aber den Anschluss an die moderne Welt nicht gefunden und stirbt langsam aus. An diese traditionelle Weisheit wird Anthroposophie in Asien anknüpfen können.

WELEDA* ist ein Teil eines Gegenpols zur rein naturwissenschaftlich-technologisch orientierten Gesellschaft und das grösste und einflussreichste Organ der anthroposophischen Bewegung.

Mit dem Vertrieb der Körperpflegeprodukte wird WELEDA in Asien Menschen erreichen, die nach Ideen und Gedanken suchen, die nicht entweder aus den alten, eigenen Traditionen stammen oder aus der technologisch-naturwissenschaftlichen Weltanschauung, die ihrem Wesen eigentlich fremd ist. Besonders junge Familien wird WELEDA erreichen, die sensibel für diese Fragen sind und für das Neugeborene nur das Beste und Alternativen zu dem entweder Alten, Traditionellen oder dem als „unmenschlich“ empfundenen neuen naturwissenschaftlichen Denken und der daraus erwachsenden Medizin, Pädagogik etc. suchen.

Durch WELEDA werden diese Menschen einen eigenen Zugang zur Anthroposophie und den anthroposophischen Tätigkeitsfeldern (Pädagogik, Landwirtschaft, Medizin ...) finden und diese Erkenntnisse in die Suche nach Standpunkten für die Zukunft einfliessen lassen, die zur Zeit entwickelt, erprobt und auch wieder verworfen werden. Nach dem faktischen Tod des Kommunismus erscheint zur Zeit der amerikanische „way of living“ oft als einzig erstrebenswertes Ziel, andererseits werden die Schwächen dieses Systems erkannt und Führer asiatischer Staaten wie z.B. Malaysia und Singapur ergreifen entschieden Partei, wenn es um die Diskussion über die Gefahren der Globalisierung, der Amerikanisierung und des Regimes der multinationalen Konzerne geht. Ein "anthroposophsicher" Ansatz in der Suche nach einer Alternative zur Diktatur des Kapitals und der Börse wird hier auf fruchtbaren Boden fallen, wie sich auf den Philippinen zeigt, wo Gedanken der Dreigliederungsbewegung auf dem besten Weg sind, Gesetzeskraft zu erlangen.

Auf der Suche nach Alternativen brauchen die Menschen in Asien keine grossen Ideale, sondern praktische Beispiele und Visionen, die die Bedürfnisse sowohl nach einer modernen Gesellschaft als auch nach Spiritualität und Weisheit befriedigen. Asien ist auf der Suche und offen für neue Impulse. Es herrscht eine Art Vakuum, das aufgefüllt werden muss. Ein Beispiel einer Vakuum-Situation war die Zeit nach dem 1. Weltkrieg in Europa, in der verschiedenste Gesellschaftsformen diskutiert wurden und dann der Nationalsozialismus anstatt der Dreigliederung das entstandene Vakuum ausfüllte.

In Asien werden zur Zeit Gesellschaften geformt. Aus Mangel an Alternativen werden es kapitalistische, unter dem Druck Europas und Amerikas auch demokratische Gesellschaften, aber das eigentliche Bedürfnis der Menschen befriedigt diese Gesellschaftsform nicht, da durch sie die noch vorhandenen traditionellen Werte zerstört und spirituelle Bedürfnisse nicht befriedigt werden. Diese Unzufriedenheit äussert sich z.B. in einer Betäubung durch den Konsum - wie in HongKong und Singapur - oder einer Hinwendung zu religiös-fanatischen Weltbildern, die meist aus dem Islam abgeleitet werden. Beide Phänomene sind Ausdruck des Vakuums, das nicht mit den adäquaten Inhalten gefüllt wird.

Durch ein ökonomisch-kulturelles Zentrum in Asien - z.B. in Singapur - wird WELEDA dazu beitragen, dass dieses Vakuum mit positiven, menschengemässen und zukunftsfähigen Inhalten gefüllt wird.

Durch die Körperpflegeprodukte, besonders durch die Baby- und Kinderpflege, erreicht WELEDA die Menschen, die auf keinem anderen Weg erreicht werden können. WELEDA wird so praktische Brücken zu bauen zu der Kultur, die hinter der WELEDA-Idee steht und nach der die Menschen suchen: modern, aber trotzdem spirituell, und die sich manifestiert in Waldorfpädagogik, in biologisch-dynamischer Landwirtschaft, in anthroposophisch erweiterter Medizin und sozialer Dreigliederung ... . WELEDA wird z.B. Eltern eine Brücke zu bauen zu Alternativen für die Pflege, die Gesundheit und die Erziehung ihrer Kinder, eine Brücke, die sie zu einer Alternative zu Konsum einerseits und zu religiösem Fanatismus andererseits führen kann. Dieser Brückenbau kann nur von WELEDA geleistet werden, da WELEDA der Anthroposophischen Gesellschaft gehört und in ihren Produkten und in ihrer Geschichte das verkörpert, nach dem die Menschen suchen. Der Weg zu diesem ökonomisch-kulturellen WELEDA-Zentrum ist schon teilweise erforscht. Es bedarf noch ca. zwei Jahre intensiver Vorarbeit, dann kann das Zentrum Wirklichkeit werden.

*WELEDA ist ein eingetragenes Markenzeichen der WELEDA AG, die zu über 30 % der Anthroposophischen Gesellschaft gehört, deren Mitglied ich seit über 2 Jahrzehnten bin. Als Miteigentümer fühle ich mich für diese Gesellschaft mitverantwortlich.

Freitag, 4. Januar 2008

Antroposophie-Marketing mit WELEDA*

In anthroposophischen Kreisen wird immer wieder geklagt, dass sich "die Welt" zwar für Waldorfschulen und bio-dynamische Landwirtschaft interessiert, nicht aber für die dahinterstehende Anthroposophie. Die Anthroposophische Gesellschaft wird immer kleiner und immer älter - und das bei einem fast exponentiell zunehmendem Interesse an Spiritualität und Esoterik. Anthroposophie ist nicht attraktiv.

Welche Marketingstrategie müsste verfolgt werden, damit Anthroposophie wieder attraktiv und interessant wird? Und dies natürlich nicht nur national oder europäisch, sondern global - so wie die Anthroposophische Gesellschaft ja auch den Anspruch erhebt, eine "Weltgesellschaft" zu sein. Welche Voraussetzungen muss also eine Marketingstrategie haben, damit sie als Interessenwecker, als Kontaktmöglichkeit und -angebot, weltweit wirksam sein kann?

Sie muss
  • für alle Menschen - unabhängig von Kulturkreis, politischer Einstellung, intellektueller Bildung etc. - interessant und be"greif"bar sein.
  • Menschen ohne Hürden direkt ansprechen, ohne sich jedoch aufzudrängen.
  • Menschen im täglichen Leben begleiten, so dass sie sich mit ihr anfreunden.
  • Menschen mit Qualität überzeugen und innerlich und äusserlich berühren.

Die Anthroposophie hat ein Marketinginstrument, dass alle diese Vorgaben erfüllt, sie nutzt es nur nicht. Viel von Ihnen benutzen es täglich, es steht meist im Badezimmer, findet sich in Handtaschen und Nachttischschubladen: Ich spreche von WELEDA und ihren kosmetischen Produkten. Stellen Sie sich vor: in jeder Iris-Creme ein Bericht aus biologisch-dynamischen Betrieben, in jedem Calendula-Baby-Produkt eine Story aus einer anderen Waldorfschule oder Waldorfkindergarten weltweit (mit der Aufschrift: 10 Cent von dem Verkaufserlös gehen an die Waldorfschule xxx in yyy), in jedem Badezusatz Bilder aus heilpädagogsichen Initiativen? Aber dazu ist im Management kein Mut da, den Vorschlag habe ich vor knapp 10 Jahren schon gemacht ...

Das WELEDA leider diese "Marketingfunktion" nicht erfüllt - und dass diese Aufgabe auch nicht in der Firma als Aufgabe präsent ist - habe ich in den vorherigen Beiträgen schon dargestellt, und dass in den letzten Jahrzehnten dort leider der "Zug der Zeit" verschlafen wurde. Ein Erkennen der Aufgabe, verbunden mit einem fähigen Management, hätte dazu geführt, dass es heute in jeder größeren Stadt der Erde mindestens eine WELEDA Filiale gäbe - als Verkaufsgeschäft, aber auch als Zentrum künstlerischer, wissenschaftlicher, pädagogischer und volks-bildender Aktivitäten. Das dies keine Utopie ist, beweisen die über 2.000 BodyShop Fillialen und Geschäfte, die es weltweit gibt - und die mit wesentlich weniger "Kapital" und über 50 Jahre später als WELEDA an den Start gegangen sind.

Zurück in die Wirklichkeit. Die WELEDA hat ihre Struktur als Institut, dass Anthroposophen mit Medikamenten versorgt, noch nicht überwunden. Es gibt in einer zusammenwachsenden Welt nationale WELEDA-Gesellschaften, die neben- und sogar gegeneinander anstatt miteinander arbeiten. Zeitgemässe Mitarbeiterführung und -beteiligung, modernes Management, Kostenbewusstsein, Kundenorientierung, langfristige Strategie ... - das Fehlen dieser Qualitäten bewirken nicht nur eine äusserst hohe Fluktuation der Mitarbeiter, sondern ist auch die Ursache dafür, dass WELEDA nicht weltweit die Nr. 1 im Naturkosmetikmarkt ist. Als 85-jähriges Unternehmen mit einer "garantierten Stammkundschaft" hatte die Firma die beste Startposition dafür.

WELEDA gehört zu ca. 1/3 direkt, zu 1/3 indirekt über die Ita-Wegmann-Klinik der Anthropsophischen Gesellschaft, und zu 1/3 einzelnen Mitgliedern. Damit sind wir - als Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft - selbst verantwortlich dafür, dass WELEDA ihren von Rudolf Steiner vorgesehenen Aufgaben nicht gerecht wird und uns als Marketinginstrument nicht zur Verfügung steht. Es ist Aufgabe der Mitgliedschaft, dafür zu sorgen, dass dieses Geschenk Rudolf Steiners - die Kosmetik-Sparte der WELEDA - so geführt wird und eine solche Struktur bekommt, dass es seine Aufgabe - als Marketinginstrument zu dienen und Geld zu verdienen - erfüllen kann. Denn erst dann kann darauf eine Marketingstrategie aufgebaut werden.

*WELEDA ist ein eingetragenes Markenzeichen der WELEDA AG, die zu über 30 % der Anthroposophischen Gesellschaft gehört, deren Mitglied ich seit über 2 Jahrzehnten bin. Als Miteigentümer fühle ich mich für diese Gesellschaft mitverantwortlich.