Freitag, 4. Januar 2008

Antroposophie-Marketing mit WELEDA*

In anthroposophischen Kreisen wird immer wieder geklagt, dass sich "die Welt" zwar für Waldorfschulen und bio-dynamische Landwirtschaft interessiert, nicht aber für die dahinterstehende Anthroposophie. Die Anthroposophische Gesellschaft wird immer kleiner und immer älter - und das bei einem fast exponentiell zunehmendem Interesse an Spiritualität und Esoterik. Anthroposophie ist nicht attraktiv.

Welche Marketingstrategie müsste verfolgt werden, damit Anthroposophie wieder attraktiv und interessant wird? Und dies natürlich nicht nur national oder europäisch, sondern global - so wie die Anthroposophische Gesellschaft ja auch den Anspruch erhebt, eine "Weltgesellschaft" zu sein. Welche Voraussetzungen muss also eine Marketingstrategie haben, damit sie als Interessenwecker, als Kontaktmöglichkeit und -angebot, weltweit wirksam sein kann?

Sie muss
  • für alle Menschen - unabhängig von Kulturkreis, politischer Einstellung, intellektueller Bildung etc. - interessant und be"greif"bar sein.
  • Menschen ohne Hürden direkt ansprechen, ohne sich jedoch aufzudrängen.
  • Menschen im täglichen Leben begleiten, so dass sie sich mit ihr anfreunden.
  • Menschen mit Qualität überzeugen und innerlich und äusserlich berühren.

Die Anthroposophie hat ein Marketinginstrument, dass alle diese Vorgaben erfüllt, sie nutzt es nur nicht. Viel von Ihnen benutzen es täglich, es steht meist im Badezimmer, findet sich in Handtaschen und Nachttischschubladen: Ich spreche von WELEDA und ihren kosmetischen Produkten. Stellen Sie sich vor: in jeder Iris-Creme ein Bericht aus biologisch-dynamischen Betrieben, in jedem Calendula-Baby-Produkt eine Story aus einer anderen Waldorfschule oder Waldorfkindergarten weltweit (mit der Aufschrift: 10 Cent von dem Verkaufserlös gehen an die Waldorfschule xxx in yyy), in jedem Badezusatz Bilder aus heilpädagogsichen Initiativen? Aber dazu ist im Management kein Mut da, den Vorschlag habe ich vor knapp 10 Jahren schon gemacht ...

Das WELEDA leider diese "Marketingfunktion" nicht erfüllt - und dass diese Aufgabe auch nicht in der Firma als Aufgabe präsent ist - habe ich in den vorherigen Beiträgen schon dargestellt, und dass in den letzten Jahrzehnten dort leider der "Zug der Zeit" verschlafen wurde. Ein Erkennen der Aufgabe, verbunden mit einem fähigen Management, hätte dazu geführt, dass es heute in jeder größeren Stadt der Erde mindestens eine WELEDA Filiale gäbe - als Verkaufsgeschäft, aber auch als Zentrum künstlerischer, wissenschaftlicher, pädagogischer und volks-bildender Aktivitäten. Das dies keine Utopie ist, beweisen die über 2.000 BodyShop Fillialen und Geschäfte, die es weltweit gibt - und die mit wesentlich weniger "Kapital" und über 50 Jahre später als WELEDA an den Start gegangen sind.

Zurück in die Wirklichkeit. Die WELEDA hat ihre Struktur als Institut, dass Anthroposophen mit Medikamenten versorgt, noch nicht überwunden. Es gibt in einer zusammenwachsenden Welt nationale WELEDA-Gesellschaften, die neben- und sogar gegeneinander anstatt miteinander arbeiten. Zeitgemässe Mitarbeiterführung und -beteiligung, modernes Management, Kostenbewusstsein, Kundenorientierung, langfristige Strategie ... - das Fehlen dieser Qualitäten bewirken nicht nur eine äusserst hohe Fluktuation der Mitarbeiter, sondern ist auch die Ursache dafür, dass WELEDA nicht weltweit die Nr. 1 im Naturkosmetikmarkt ist. Als 85-jähriges Unternehmen mit einer "garantierten Stammkundschaft" hatte die Firma die beste Startposition dafür.

WELEDA gehört zu ca. 1/3 direkt, zu 1/3 indirekt über die Ita-Wegmann-Klinik der Anthropsophischen Gesellschaft, und zu 1/3 einzelnen Mitgliedern. Damit sind wir - als Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft - selbst verantwortlich dafür, dass WELEDA ihren von Rudolf Steiner vorgesehenen Aufgaben nicht gerecht wird und uns als Marketinginstrument nicht zur Verfügung steht. Es ist Aufgabe der Mitgliedschaft, dafür zu sorgen, dass dieses Geschenk Rudolf Steiners - die Kosmetik-Sparte der WELEDA - so geführt wird und eine solche Struktur bekommt, dass es seine Aufgabe - als Marketinginstrument zu dienen und Geld zu verdienen - erfüllen kann. Denn erst dann kann darauf eine Marketingstrategie aufgebaut werden.

*WELEDA ist ein eingetragenes Markenzeichen der WELEDA AG, die zu über 30 % der Anthroposophischen Gesellschaft gehört, deren Mitglied ich seit über 2 Jahrzehnten bin. Als Miteigentümer fühle ich mich für diese Gesellschaft mitverantwortlich.

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