Freitag, 18. Januar 2008

Geschwächt und zurück in den Kapitalismus

Am 14.12.2007 erschien im "Goetheanum" folgender Artikel von Cornelius Pietzner (Schatzmeister am Goetheanum) - ich erlaube mir, einige Kommentare (K:) einzufügen.

Gestärkt und weiterhin gemeinsam in die Zukunft (K: die richtige Übeschift müsste heissen: siehe oben)

Partizipation der AAG und IWK an der Weleda AG.
Die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft (AAG) und die Ita-Wegman-Klinik (IWK) folgten bereits im September dem Vorschlag des Verwaltungsrates (K: Der personell weitgehend identisch ist mit dem Management = Geschäftsführung) der Weleda AG, das Eigenkapital der Weleda AG zu erhöhen. (K: ... denn leider waren die in den letzten Jahren erwirtschafteten Erträge zu gering, um das notwendige Wachstum aus eigener Kraft zu bewerkstelligen.)
Auf die Weleda AG kommen in diesen Jahren hohe Investitionen zu, will sie ihren Weg, anthroposophische Heilmittel und Kosmetika international anbieten zu können, weiter erfolgreich fortsetzen. (K: "Erfolgreich" ist anscheinend ein sehr dehnbarer Begriff. Eine negative Bilanz im letzten Jahr und unter einer Sparbuchverzinsung liegende Erträge in den Vorjahren als "Erfolg" zu verkaufen, dazu gehört schon viel Phantasie ...) Um diese besonderen Aufwendungen (K: "besondere Aufwendungen" bedeutet einfach nur, dass das Management die Anforderungen der Zukunft nicht einkalkuliert hat - denn sonst wäre das Geld für Investitionen da) solide finanzieren zu können, folgten die Aktionäre dem Vorschlag des Verwaltungsrates, das Eigenkapital der Weleda AG zu erhöhen.
(K: Andere Firmen der Naturkosmetikbranche finanzieren das Wachstum aus Eigenmitteln - diese stehen aber dank des schlechten Managements bei WELEDA nicht zur Verfügung.)
Zu diesem Zweck wurde an der außerordentlichen Generalversammlung der Weleda AG in Arlesheim am 11. September 2007 beschlossen, maximal 16000 weitere stimmrechtslose Partizipationsscheine zu je 500 Franken nominal auszugeben. Der Ausgabepreis wurde auf 1250 Franken pro Partizipationsschein festgelegt. Mit diese Kapitalerhöhung ist gemäß den Statuten der Weleda die Eigenkapitalfinanzierung ausgeschöpft.
(K: Das bedeutet auf Deutsch: Mehr Geld kann nicht gepumpt werden, wenn das Management weiter so rumwurschtelt und kein Geld verdient, geht WELEDA pleite - oder kann eben nicht weiter investieren und wachsen und wird von der wirklich erfolgreichen Konkurrenz abgehängt!)
Als Hauptaktionären stand sowohl der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft (AAG) wie auch der Ita-Wegman-Klinik (IWK) ein gesetzliches Bezugsrecht entsprechend ihren bisherigen Beteiligungen (21,46 Prozent für die AAG und 12,34 Prozent für die IWK) zu.
(K: Wahrscheinlich handelt es sich hier um die finanziellen Beteiligungsprozente, denn die Stimrechtsaktien sind ja wohl anders verteilt - verantwortlich sind die AAG und die IWK, denn sie sind stimmberechtigt!)
Sowohl aus ideellen als auch aus wirtschaftlichen Gründen lag den Verantwortlichen von Klinik und Anthroposophischer Gesellschaft daran, dieses Maß der Beteiligung an der Weleda aufrechtzuerhalten; doch weder AAG noch IWK besaßen die nötigen eigenen freien Finanzmittel, um in dieser Höhe, nämlich 4,3 Millionen respektive 2.5 Millionen Franken, Partizipationsscheine zeichnen zu können. Deshalb unternahmen die Finanzverantwortlichen in AAG und IWK Schritte, um die Weleda mit dem gewünschten Zukunftskapital zu versorgen.
(K: "Zukunftskapital" ist eine schöne Umschreibung für den "letzten Rettungsanker" - denn nach diesem "Zukunftskapital" ist die "Zukunft" aufgebraucht - wenn nicht endlich Geld verdient wird.)
Der eignerfreundliche Preis der Partizipationsscheine gab Anlass, nach einem Partner zu suchen, der bereit wäre, zu einem höheren Preis als dem Ausgabepreis Partizipationsscheine zu übernehmen. Damit wäre eine Finanzierung der eigenen Partizipationsscheine gegeben. Dieser Partner wurde in der zur Verfügung stehenden Frist gefunden. Es handelt sich um eine schweizerische Vermögensverwaltungsgesellschaft, Albin Kistler AG, die im Namen ihrer Kunden an einer langfristigen Beteiligung interessiert ist und die Firmenkultur der Weleda AG, anthroposophische Grundsätze mit wirtschaftlichen Zielen in Einklang zu bringen, ausdrücklich bejaht.
(K: Die Verscherbelung an einen eindeutig renditeorientieren Investor (Albin Kistler über Albin Kistler: "Wir sind vorsichtige und konservative Anleger – für uns stehen Sicherheit, Substanz und Rendite im Zentrum.") ist ein endgültiger Bruch mit der anthroposophischen Tradition der WELEDA. Dass der Investor eingestiegen ist - und zwar weit über dem Nennwert der Partizipationsscheine - zeigt, dass WELEDA einen potentiellen Wert hat. Lohnen würde sich der Einstieg für die Vermögensverwaltung (und auch für alle anderen Aktionäre) vor allem, wenn WELEDA-Aktien ein frei handelbares Börsenprodukt werden. Durch die Ausgabe von Partizipationsscheinen wird der Anteil der AAG immer geringer und so das Kapital der Anthroposphischen Gesellschaft vernichtet!)

Scheine gemeinsam gezeichnet
Vor diesem Hintergrund haben AAG und IWK am 25. September beschlossen, gemeinsam 12000 Partizipationsscheine zu zeichnen. Davon wurden 6000 Partizipationsscheine an den Kunden von Albin Kistler AG übertragen. Aus dem Erlös der Übertragung konnten die Ita-Wegman-Klinik und die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft ihre Partizipationsscheine finanzieren und ihren Kapitalanteil an der Weleda AG aufrechterhalten.
(K: Rechnung: 12.000 Partizipationsscheine (PS) - im Nominalwert von 500 SFr - x 1.250 SFr. = 15 Mio SFr.. Finanziert durch den Verkauf von 6.000 PS für 15 Mio SFr. = 2.500 SFr. pro PS.)

Kommentar:
Dies ist Kapitalismus und Spekulation in Reinkultur. Da werden auf der einen Seite große Worte über ein dreigegliedertes Sozialwesen, über neue Formen der Geldkultur etc. geredet, praktisch werden aber Finanzierungskonzepte des 19. Jahrhunderts angewendet. Aber kein Aufschrei geht durch die Migliedschaft. Kein Protest regt sich.
Sind die Leser des "Goetheanums" alle schon so vergreist oder verstehen sie zu wenig von finanziellen Zusammenhängen?
Oder lassen sie sich einfach von der euphemistischen (= schönfärberischen) Wortwahl einlullen?
Oder vertrauen sie (blind) einfach, dass die "lieben Freunde" im Management, im Verwaltungsrat und in der "Schatzmeisterei des Goetheanums" es schon richtig machen???

Viellleicht würde Sie eine Meldung wie die folgende ja aufschrecken:

WELEDA das letzte Mal vor Pleite und Bedeutungslosigkeit gerettet
Da die WELEDA AG durch die miserabelen Geschäftsergebnisse der letzten Jahre nicht in der Lage ist, die für den "Stand der Technik" dringend notwendigen Investitionen aus Eigenmitteln zu tätigen, wurde von dem - mit dem für die schlechten Geschäftsergebnisse verantwortlichen Management personell weitgehend identischen - Verwaltungsrat eigenmächtig und ohne Diskussion mit den wirklichen Eignern - den Mitgliedern der Anthoposophischen Gesellschaft - beschlossen, ein letztes Mal Fremdkapital durch die Ausgabe von Partizipationsscheinen aufzunehmen. Ein letztes Mal deshalb, weil mit dieser Fremdbeteiligung der satzungsmäßig maximal zulässige Anteil an Fremdkapital erreicht ist, weitere Fremdbeteiligungen sind nicht mehr möglich - WELEDA steht so mit dem Rücken an der Wand.
Um das Heft nicht ganz aus der Hand zu geben, wendete der Verwaltungsrat einen am Kapitalmarkt üblichen Trick an: Partizipationsscheine im Nennwert von 500 SFr. wurden mit einem Ausgabekurs von 1.250 SFr. bewertet und davon die Hälfte an einen schweizer Finanzinvestor zum doppelten Preis weiterverkauft. Welche Renditeerwartungen dieser Finanzinvestor hat und vor allem, wie diese Renditeerwartungen befriedigt werden können, bleibt Geheimnis des Managements bzw. des (personell identischen) Verwaltungsrates, denn die schlechten Geschäftsergebnisse der letzten Jahr, verbunden mit der geringen Eigenkapitalquote, zeigen jedem Finanzanalysten deutlich an, dass es sich um eine strukturelle Schwäche der Firma handelt und nicht um saisonale oder marktbedingte Schwankungen - vor allem da die schlechten Ergebnisse in einem sonst boomenden Markt (Naturkosmetik) erwirtschaftet werden.

Wer es gemerkt hat: Die Meldungen sind identisch - es kommt eben immer auf die Verpackung an.

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