Freitag, 4. Januar 2008

WELEDA* verkaufen?

Nachdem das Jahresergebnis der WELEDA 2006 bei MINUS 113.000 CHF liegt und auch in den vorhergehenden Jahren nicht wesentlich über einer Sparbuchverzinsung lag, ist es eine nostalgiefreie Überlegung wert, ob es nicht besser für die Anthroposophie ist, WELEDA zu verkaufen. Da die Anthroposophische Gesellschaft und die Ita-Wegmann-Klinik die Mehrheit im Verwaltungsrat haben, dürfte eine entsprechende Veränderung der Statuten, die aus der WELEDA AG eine handel- und verkaufsfähige Aktiengesellschaft machten, möglich sein.

Schon im Frühjahr 2006 habe ich diesen Vorschlag anlässlich der Mitgliederversammlung der Anthroposophischen Gesellschaft formuliert:

Die Stammaktien der WELEDA AG sind zu ca. 30% im Besitz der AAG. Die WELEDA wurde von Rudolf Steiner ins Leben zu rufen, um mit der Medizinsparte die für die anthroposophische Medizin notwendigen Medikamente herzustellen, und mit der Kosmetiksparte als Botschafter für die Anthroposophie in der Welt zu dienen und Geld für die Anthroposophie zu verdienen.

Die Medizinsparte der WELEDA erfüllt diese Aufgabe zur Zeit nicht, im Gegenteil, WELEDA stellt zur Zeit die Produktion und den Vertrieb vieler der wichtigsten und besonderen anthroposophischen Heilmittel ein und streicht die Zuschüsse zur Ärztefortbildung.

Opionen für einen evtl. Verkauf sollten deshalb auch beinhalten, wie WELEDA vor dem Verkauf in eine Kosmetiksparte und eine Medizinsparte getrennt werden kann. Die Kosmetiksparte könnte verkauft werden, die Medizinsparte in eine Stiftung umgewandelt werden, deren Kapital aus einem Teil der Verkaufserlöses besteht. So würde eine von finanziellen Interessen freie Medikamentenproduktion und entsprechende Schulung anthroposophischer Ärzte ermöglicht, wie sie Rudolf Steiner (Aus der Krankheit von Menschen darf kein Gewinn gezogen werden) gewünscht hat.

Die Kosmetiksparte erfüllt ihre von Rudolf Steiner gegebene Aufgabe ebenfalls nicht. Sie erwirtschaftet seit Jahrzehnten einen sehr mageren Ertrag. Im Jahr 2005 waren es beispielsweise 0,99% vom Umsatz (Ertrag nach Steuern), bzw. knapp über 1 % des bilanzierten Kapitalwertes – eine sozialverträgliche Anlage des Geldes - z.B. in ökologische Aktienfonds – hätte einen wesentlich höheren Ertrag erbracht. 2006 wurde sogar ein Verlust gemacht - in einer Sparte (Wellness, Gesundheit und Natur), in der sonst überall satte Gewinne erwirtschaftet werden.

Auch die Rolle des „Botschafter“ der Anthroposophie in der Welt erfüllt WELEDA nicht – so wurde die Förderung der Ärztefortbildung und Unterstützung waldorfpädagogischer Einrichtungen eingestellt, WELEDA unterstützt lieber olympische Ruderfrauen oder betätigt sich unternehmerisch mit Ausgründungen wie der Heart Balance AG, die Messgeräte zur Herzratenvariabilität vertreibt – ein durchaus interessantes, aber sicher kein spezifisch anthroposophisches Arbeitsgebiet.

Da WELEDA im deutschsprachigen Raum eine sehr bekannte Marke ist, ist allein der Wert des Markennamens WELEDA auf einige 100 Millionen EURO zu schätzen – nur als Größenordnung: L’Oreal hat vor kurzem für die Übernahme von BodyShop ca. 1 Mrd. EURO bezahlt. Einen Aktienverkaufserlös von nur 500% des Eigenkapitals vorausgesetzt, würden 500 Mio CHF für die Kosmetiksparte erlöst werden. Dies in sozialverträglichen Unternehmen mit nur 5% Verzinsung investiert würde einen Ertrag 25 Mio CHF jährlich abwerfen, von dem der AAG und der IWK mit zusammen ca. 70 % Aktienanteil knapp 18 Mio CHF zur Verfügung stünden, die für die Entwicklung und Unterstützung der Medikamentenentwicklung (jetzt 5 Mio CHF jährlich) und der Anthroposophie eingesetzt werden könnten.

Der Verkauf sollte natürlich nicht an "Jedermann" bzw. an Finanzinvestoren erfolgen, aber wenn z.B. Prof. Götz Werner / dm Markt und einige andere Persönlichkeiten und Unternehmer der anthroposophischen Geschäftswelt neue Eigentümer würden, könnte dies einer neuen, straffen und ertragreichen Firmenstruktur nur förderlich sein.


*WELEDA ist ein eingetragenes Markenzeichen der WELEDA AG, die zu über 30 % der Anthroposophischen Gesellschaft gehört, deren Mitglied ich seit über 2 Jahrzehnten bin. Als Miteigentümer fühle ich mich für diese Gesellschaft mitverantwortlich.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen