Donnerstag, 6. November 2014

Was macht Moritz Aebersold?

Inzwischen scheint WELEDA wenigstens geschäftlich wieder in einigermaßen ruhigem Fahrwasser zu schwimmen, die Zahlen sind nicht mehr knallrot und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen nicht mehr um ihren Arbeitsplatz bangen.
Wie im "echten Leben", also auch z.B. in der Politik oder bei anderen Unternehmen, hat sich aber wohl der Hauptverantwortliche für den finanziellen Fast-Zusammenbruch, das ehemalige und langjährigste Mitglied der Geschäftsführung Moritz Aebersold, ohne persönlichen Schaden und ohne jedes Schuld-Eingeständnis aus der Affäre gezogen.
Und nicht nur das, er besitzt sogar die Dreistigkeit, die ehemaligen Konkurrenzunternehmen und Mitbewerber auf dem Kosmetikmarkt zu "beraten" - dass da Internas aus der WELEDA Zeit auf den Tisch kommen, dass Details von Kunden der WELEDA zum Nutzen der Konkurrenz verwendet werden, ist nach meiner Einschätzung seiner Wesenszüge zumindest nicht ausgeschlossen.
Wenn Sie sehen wollen, wie dreist der für die geschäftliche Talfahrt der WELEDA über viele Jahre verantwortliche seine "beruflichen Erfahrungen" präsentiert, finden Sie das auf seiner neuen Seite seiner Firma "Contura Consulting".

Wer sein Verhalten und seine "soziale Kompetenz" bei WELEDA noch in Erinnerung hat, dem werden seine Werbesprüche auf dieser Seite sehr anmaßend vorkommen - oder mit sehr wenig Selbsteinschätzungsvermögen.

Wenn da unter "Profil" steht:
"respektvolles, entwicklungsorientiertes Turnaround-Management" - so kann sich der "Respekt" nach den Erfahrungen derjenigen, die bei WELEDA gearbeitet haben und nicht zu seinen Lieblingen gehörten, nur auf die Aktionäre und Inhaber, nicht aber auf die Mitarbeiter beziehen.

Wenn er unter "Werte" schreibt:
"Wir fördern eine gradlinige, transparente Dialog-Kultur und pflegen einen verantwortungsbewussten und respektvollen Umgang in der Zusammenarbeit mit Management und Mitarbeitern", dann werden viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die seinen Führungsstil bei WELEDA in Arlesheim erfahren mussten, wahrscheinlich genau das Gegenteil erlebt haben - dies trifft auch auf die Aussage zu:
"Wir achten auf Integrität, soziale Kompetenz und Unternehmens Ethik ..."

Wie würden Sie ein solches Verhalten nennen?
Kommentare gerne erwünscht.

Samstag, 16. November 2013

Anspruch und Wirklichkeit der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft - ein Interview


Dieses Interview ist entstanden aus einem langen Telefonat mit Michael Mentzel, dem Herausgeber von Themen der Zeit. Es wurde dann in einem Schriftwechsel komprimiert und in diese Form gebracht.
Doch lesen Sie selbst hier oder auch auf der Seite der Themen der Zeit:
(Sie können das ganze Interview auch hier als PDF Datei herunterladen.)

Wie sehen Mitglieder der AAG (Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft) auf diese ihre Gesellschaft? Welche Chance haben Veränderungen und wie könnten diese beschaffen sein? Das folgende Interview gibt vielleicht einen kleinen - wenn auch durchaus subjektiv gefärbten - Einblick in das, was derzeit in der anthroposophischen Bewegung lebt. Oder auch nicht.
mm/tdz. - Mit den folgenden Sätzen lud vor einiger Zeit die Zeitschrift Info3 bei Facebook zu einem Treffen von Redaktion, Autoren und Lesern ein: "Ohne Zweifel ist Anthroposophie ein nachhaltiger "Lifestyle". Das weckt aber auch Fragen: Wo ist Steiner ein Trendsetter und welchen Beitrag leisten Anthroposophen heute für eine bessere Zukunft – wo aber bleiben sie auch hinter dem heutigen Zeitgeist zurück? Wo ist Anthroposophie Mittel zum Aufbruch geworden – und wo eine dogmatische Insel der Kulturpessimisten geblieben?"
Ob diese Fragen beantwortet wurden, entzieht sich meiner Kenntnis, gleichwohl sind aus dem vielfältigen Meinungsspektrum der Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft immer wieder kritische Stimmen zu hören, dass sich die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft (AAG) nach hundert Jahren überlebt hätte. Ramon Brüll, Herausgeber der Info3 und andere, wie z. B. Michael Eggert von den Egoisten warnen vor verkrusteten Strukturen, Institutionalisierung und Funktionärstum. Der Hauptvorwurf dabei: Die AAG sei zu träge und nicht mehr zeitgemäß.
Auch Dietmar Ferger, der unter anderem einige Jahre als Exportleiter bei Weleda Arlesheim gearbeitet hat und seine Erfahrungen und Erkenntnisse daraus in seinem "WELEDABlog" - teilweise durchaus provokativ - veröffentlicht, macht sich Gedanken um den Fortbestand der Anthroposophie, über Anspruch und Wirklichkeit sowie die Aufgabe von anthroposophischen Unternehmen im Wirtschaftsleben. Er vermisst das Engagement der AAG zu politischen und gesellschaftlichen Fragen und weist dabei insbesondere der Weleda AG eine spezielle Aufgabe zu. Wir fragten ihn nach seinem konkreten Zukunftsbild der Anthroposophie und der AAG.
Dietmar Ferger: Schauen Sie sich die Themen in "Anthroposophie weltweit", dem Mitteilungsblatt für die Mitglieder der "Weltgesellschaft" AAG, an: Das Buch eines ehemaligen Vorstandes und eine Dame (Judith v. Halle) in Berlin mit geistigen Schauungen. Die spirituellen Hintergründe der verschiedenen möglichen Standorte des "Menschheitsrepräsentanten" verbunden mit der Neugestaltung des Goetheanumsaals. Goethes Faust und die Mysteriendramen. Die Frage warum das reale Goetheanum niedriger ist als das Modell … Dagegen sehen wir die aktuellen Themen in der realen Welt: Die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer, wenige Oligarchen beherrschen die Menschheit bald vollkommen. Die Staaten sind bankrott und in der Schuld der Oligarchen. Die digitale Verblödung bzw. digitale Demenz beherrscht immer mehr Menschen, insbesondere Kinder und Jugendliche. Die Privatsphäre ist abgeschafft. Die Umwelt verkommt zu einer Müllhalde, Tiere sterben weltweit an unserem Plastik. Der Pazifik ist radioaktiv verseucht, in zwei Jahren strahlt auch die Ostsee. Die Bienen sterben. Die Wiegen unserer Kultur, das Zweistromland und das Nildelta, werden zerstört …
Michael Mentzel: Verstehe ich das richtig, Sie vermissen bei den Anthroposophen - erst einmal ganz allgemein - den konkreten Bezug zur Realität, wie sie sich derzeit, für viele erleb- und am eigenen Leib erfahrbar, darstellt? Wo liegt denn nach Ihrer Auffassung das Hauptproblem?
DF: „Die“ Anthroposophen, und dann noch „ganz allgemein“, gibt es nicht. Es gibt aber einen Verein in Dornach, der den Anspruch erhebt, „Die Anthroposophen“ und die Anthroposophie an sich zu repräsentieren. Durch diesen Anspruch werden alle Menschen, die sich in ihrer Arbeit auf die Erkenntnisse Rudolf Steiners beziehen, immer mit diesem Verein identifiziert. Dabei lebt dieser Verein AAG offensichtlich in seiner eigenen Welt und versteht sich immer als "unpolitisch", obwohl das Kapitel „Vereinszweck“ in seiner Vereinssatzung, den „Statuten“, auf die "Prinzipien" der Anthroposophischen Gesellschaft hinweisen. Und dort steht im dritten Absatz eine klare gesellschaftliche Aufgabe, auch wenn sie nur als "Anschauung" formuliert wird: Das nämlich die Anthroposophie zu Ergebnissen führt, "die jedem Menschen (…) als Anregung für das geistige Leben dienen können. Sie können zu einem wirklich auf brüderliche Liebe aufgebauten sozialen Leben führen. Ihre Aneignung als Lebensgrundlage ist nicht an einen wissenschaftlichen Bildungsgrad gebunden, (...) Ihre Forschung und die sachgemäße Beurteilung ihrer Forschungsergebnisse unterliegt aber der geisteswissenschaftlichen Schulung, (...) Diese Ergebnisse sind (…) so exakt wie die Ergebnisse der wahren Naturwissenschaft. Wenn sie in derselben Art wie diese zur allgemeinen Anerkennung gelangen, werden sie auf allen Lebensgebieten einen gleichen Fortschritt wie diese bringen, nicht nur auf geistigem, sondern auch auf praktischem Gebiete." Dieser letzte Satz ist m.E. der wichtigste, denn ich verstehe ihn so, dass Anthroposophie nur dann wirksam werden und ihre Aufgabe in der Welt erfüllen kann, wenn sie "allgemeine Anerkennung" erlangt, wenn sie so selbstverständlich wird wie die Naturwissenschaften. Die Nabelschau, die im "Verein Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft" – der ja in der Öffentlichkeit mit „der Anthroposophie“ gleichgesetzt wird – betrieben wird, das Kreisen um interne Themen, Personalien und Baufragen, verhindert diese allgemeine Anerkennung der Anthroposophie an sich und damit die Fortschritte im praktischen sozialen und gesellschaftlichen Leben.
MM: Aber sind nicht die praktischen Auswirkungen der Anthroposophie und die Ideen Steiners weithin sichtbar? In der Ökologie, in der Medizin und der Pädagogik? Wolle, Weleda, Waldorfschulen?
DF: Es ist richtig, einige der "Tochterbetriebe", insbesondere Waldorfschulen, "anthroposophisches" Banking und biologisch-dynamische Landwirtschaft, haben eine gewisse Anerkennung erlangt – aber erstens muss diskutiert werden, wie "weithin sichtbar" diese Institutionen für die Allgemeinheit außerhalb der Anthroposophie und des gehobenen mitteleuropäischen Bildungsbürgertums wirklich sind, und zweitens leiden diese Bewegungen eher darunter, dass sie immer mit dem etwas "verschrobenen" und anachronistischen "Zentrum" in Verbindung gebracht werden.
MM: Mit "verschrobenen Zentrum" meinen Sie das Goetheanum? Was ja auch naheliegt, denn von dort ist ja nun - so die landläufige Meinung - alles ausgegangen ...
DF: Nicht wirklich, denn Rudolf Steiner ist ja viel gereist, die Waldorfschule wurde in Stuttgart, die biologisch-dynamische Landwirtschaft im heutigen Polen gegründet, die erste Anthroposophische Gesellschaft in Köln mit Sitz in Berlin, und in der Zeit nach dem 1. Weltkrieg gab es Flugblätter, die die Abdankung der Württembergischen Regierung forderten und Rudolf Steiner als Regierungspräsident haben wollten – sie wurden von vielen tausend Menschen unterzeichnet. Heute wird dies leider oft so dargestellt, als ob Steiner eine "zentralistische" Gesellschaft wollte – m.E. wollte er eine "Hochschule für Geisteswissenschaft", aber kein "Zentrum aller Anthroposophie". Steiner war – auch bedingt durch seine vielen Reisen – das, was man heute als "Netzwerker" bezeichnet, jemand, der mit vielen Menschen an vielen Orten arbeitet und sie zu einem Netzwerk zusammenbringt. Steiner hätte heute sicher eine vielsprachige Homepage und seine Vorträge würden weltweit live übertragen.
Nun ist es ja so, dass trotz der ganzen Vortragstätigkeit Steiners in der Satzung der AAG nirgends das Ziel formuliert ist, die oben als zentraler Punkt in den Zielen der AAG erkannte "allgemeine Anerkennung" auch erreichen zu müssen – es gibt sozusagen kein "Missionsgebot". Steiner konnte ja schlecht gegen seine eigenen Erkenntnisse über die karmischen Aufgaben der zukünftigen Menschen handeln, er wollte ja keine missionierende Religion begründen und konnte so nur hoffen, dass eine seriöse geisteswissenschaftliche Forschung genügen würde um das Interesse der Welt zu wecken und dass die Menschen an den "Schaltstellen" ihre Aufgabe erkennen würden. Dass diese Forschung nicht stattfindet, dass Anthroposophie in der Allgemeinheit eher als kleine, verschrobene, aber harmlose Sekte denn als geisteswissenschaftlicher Impuls wahrgenommen wird, liegt nicht nur an den handelnden Personen, sondern auch an deren Abneigung, erfolgreich zu sein.
MM: Was versteht man denn unter geisteswissenschaftlicher Forschung? Wo müsste diese denn stattfinden?
DF: Geisteswissenschaftliche Forschung und Schulung findet heute weltweit und weit verbreitet statt, es gibt ein großes Bedürfnis danach. In jeder größeren Stadt gibt es Vereine, die sich damit beschäftigen – interessanterweise finden wir den mitgliederstärksten Verein Europas in Basel, den Basler PSI-Verein, in direkter Nachbarschaft des Goetheanums und in der Stadt, in der einige der "materialistischsten" Konzerne ihren Hauptsitz haben wie Novartis, Roche, Syngenta etc., aber auch die "Bank für internationalen Zahlungsausgleich", die "Bank der Banken" und oberster Repräsentant des kapitalistischen Systems.
MM: Einen "PSI-Verein" als Beispiel für geisteswissenschaftliche Forschung anzuführen, erscheint mir jetzt etwas gewagt.
DF: Warum? Sicher, beim PSI-Verein steht sicher mehr die Schulung als die Forschung im Vordergrund, aber er führt Menschen zusammen, die intensiv an ihrer geistigen und spirituellen Weiterbildung arbeiten – auch wenn da mancher Anthroposoph jetzt die Nase rümpfen wird. Und diese Vereine sind meist wesentlich erfolgreicher als die Anthroposophen. Auf "wissenschaftlichem" Gebiet, der auch mehr den Bereich Forschung abdeckt, gibt es z.B. die DGEIM "Deutsche Gesellschaft für Energetische und InformationsMedizin", in der auch anerkannte Wissenschaftler mitarbeiten. Statt sich dort zu engagieren wo die Menschen sind und die sicherlich wertvollen "anthroposophischen" Ansätze dort einzubringen, kochen die Anthroposophen in Dornach lieber ihre eigene Suppe mit dem nach außen demonstrierten Anspruch "wir wissen es ja besser".
Wenn ein Anthroposoph dann erfolgreich ist und die allgemeine Anerkennung seines Landes erlangt hat und dieses mit gestaltet, weil er die "Weisheit vom Menschen" erfolgreich lebt und vermittelt, wird er von der AAG eher gemieden. Dies zeigt sich am deutlichsten bei Dr. Ibrahim Abouleish, dem Gründer und "Spiritus Rektor" von SEKEM in Ägypten.
Wäre die AAG eine wirkliche, spirituell einflussreiche Weltgesellschaft, hätte sie ihn sicherlich so unterstützen können dass ein ägyptischer Präsident Ibrahim Abouleish den Gang der Welt zum Positiven hätte verändern können. Ähnlich ist es mit dem Anthroposophen Nicanor Perlas auf den Philippinen, dessen Präsidentschaftskandidatur leider nicht erfolgreich war.
MM: Muten Sie damit der anthroposophischen Bewegung nicht ein bisschen viel zu?
DF: Wenn Sie "anthroposophische Bewegung" als die heutigen Mitglieder der AAG betrachten, sicherlich. Wenn wir das spirituelle Potential auf der Welt betrachten, sicherlich nicht. In der Geschichte öffnen sich Tore oft nur kurz, entweder werden sie durchschritten oder nicht. Dies zeigt sich z.B. im Scheitern der Dreigliederungsbewegung vor etwa 100 Jahren. Auch Rudolf Steiner hatte ja auch keine Berührungsängste mit den "Mächtigen" dieser Welt und hat sich selbst auch politisch engagiert.
MM: Wenn Sie von Dreigliederung sprechen, davon hat doch in der Öffentlichkeit kaum jemand etwas gehört. Und doch gibt es viele Menschen, die sich innerhalb der anthroposophischen Bewegung intensiv mit diesen Fragen auseinandersetzen.
DF: Es ist richtig dass von "Dreigliederung" kaum jemand gehört hat, doch Bewegungen, die auf den gleichen Erkenntnissen wie die Dreigliederung aufbauen, gewinnen sehr an Zulauf – wie z.B. die weltweite Bewegung für ein Bedingungsloses Grundeinkommen, die die in der Dreigliederung geforderte Unabhängigkeit von Arbeit und Einkommen umsetzen will. Hier wird deutlich, dass sich Gedanken, die in der Anthroposophie zentral sind, auch auf anderem Wege und mit einer anderen Terminologie verbreiten – meist erfolgreicher als es mit der antiquierten anthroposophischen Terminologie geschieht.
MM: Mir wäre da natürlich noch die Frage – um noch einmal auf den eben genannten "Erfolg" von Personen zurückzukommen – wie eine Unterstützung eines erfolgreichen Anthroposophen aussehen könnte? Und woran ließe sich der Erfolg messen?
DF: Ich fange mal mit der letzten Frage an: Erfolg misst sich heute in Geld, denn Geld ist nicht nur der "schnöde Mammon", sondern "Vermögen", es ermöglicht, etwas in der materiellen und auch in der geistigen Welt zu verwirklichen. So dient der AAG das fehlende Geld auch immer als Entschuldigung dafür, dass weder die geisteswissenschaftliche Forschung noch die "allgemeine Anerkennung" erfolgreich sind.
Was wäre denn, wenn genügend Geld vorhanden wäre? Wenn das einzige kommerzielle Unternehmen, das aus den ursprünglichen "anthroposophischen" Unternehmensgründungen der FUTURUM AG bzw. "Der kommende Tag AG" noch übrig geblieben ist, nämlich die WELEDA – deren Hauptaktionär die AAG ja ist – jedes Jahr einen größeren zweistelligen Millionenbetrag an Dividende abliefern würde? Wenn wirkliche Handlungsfähigkeit gegeben wäre, um die geisteswissenschaftliche Forschung und die "allgemeine Anerkennung" der Anthroposophie in der Welt zu fördern? Denn dafür hat Rudolf Steiner die Kosmetiksparte der WELEDA gegründet: Als Botschafter der Anthroposophie zu dienen und Geld für die Anthroposophie und ihre unabhängige Forschung zu verdienen. Für beides gibt es kein besseres Mittel als Kosmetik, denn diese erreicht die Menschen "hautnah" und sie geben dafür gerne viel Geld aus. Doch WELEDA durfte nicht erfolgreich sein. Deshalb ignorierten der Vorstand und die Mitglieder als Hauptaktionäre jahrzehntelang tatenlos das Missmanagement der Manager und das Wachstum der Schulden – denn eine erfolgreiche WELEDA wäre ja auch eine Verpflichtung, in der wirklichen Welt erfolgreich zu sein und sich um anderes zu kümmern als um "Internas" wie die spirituellen Hintergründe der verschiedenen möglichen Standorte des "Menschheitsrepräsentanten" auf der Bühne.
MM: Dabei sollte man aber vielleicht bedenken, dass es eine häufig gepflegte Eigenschaft innerhalb anthroposophischer Organisationen ist, dass durch die Strukturen dem jeweils anderen oft viel Freiräume zugestanden wird, Stichwort Selbstverwaltung, und man gern auch mal die Fragen nach dem Geld als zweitrangig behandeln möchte.
DF: Nun, WELEDA ist keine selbstverwaltete Waldorfschule, und professionell gutes Geld für die Entwicklung der Anthroposophie zu verdienen bedeutet auch nicht, nicht darüber zu reden. Und ob Selbstverwaltung oder nicht, es braucht vor allem fachlich gute Mitarbeiter sowohl auf der Sach- als auf der Leitungsebene, die sich in den Dienst der Sache und nicht ihr Ego vornean stellen. Wenn WELEDA das Unternehmen geworden wäre, was es sein könnte – global erfolgreich, mit mindestens so vielen "outlets" wie z.B. heute BodyShop, die wir an jedem Flughafen, in jeder größeren Stadt weltweit finden, wenn eine solche Firma ihre Marketing- und Informationskompetenz, die die Menschen ja "hautnah" erreicht, für die Unterstützung von "anthroposophischen" Ideen einsetzt – was meinen Sie, welchen Erfolg dies haben kann? Ein ganz konkretes Beispiel: Wenn WELEDA auf seine Sanddorn-Pflegedusche einen Aufkleber anbringen würde, auf dem stünde: "20 Cent pro Packung gehen an das Centrul de Pedagogie Curativa Hunedoara" (anthroposophisches Kinderheim in Rumänien), und in der Packung findet sich ein Informationsblatt über die Arbeit der Menschen dort und mit Hinweisen, wie dort weiter geholfen werden kann – wäre das nicht ein Unterschied? Auf diesem Wege können natürlich auch die Ideen von Menschen, die ein Land positiv verändern wollen, verbreitet werden.
MM: Das klingt ja erst einmal gut, was Sie da sagen, nur: Reicht ein Unternehmen wie Weleda aus, um die "Dampflok Anthroposophie" (Michael Eggert) wieder flott zu machen? Gehört da nicht ein bisschen mehr dazu? Sind inzwischen denn noch genügend Menschen da, die sich so etwas auf ihre Fahnen schreiben und loslegen?
DF: Wie ich schon eingangs gesagt habe, wir müssen unterscheiden zwischen "Anthroposophie" und der "Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft" mit Sitz in Dornach. Erstes ist ein allgemeines Menschheitsgut und wird umso "erfolgreicher", je mehr es sich von zweitem, dem anachronistischen Zentrum im Goetheanum, abnabeln kann. Die Anthroposophie an sich muss nicht "flott gemacht" werden, sie ist ein Gedanke, eine "Weltanschauung", die sich entwickeln wird weil sie es – wie keine andere mir bekannte Weltanschauung – ermöglicht, sowohl die moderne Naturwissenschaft als auch das Bedürfnis des Menschen, einen "Sinn" im Leben, in der Existenz und in dem Dasein der Welt zu finden, in einem Gedankengebäude zu vereinen und gleichzeitig auf die Überlieferungen der alten Hochkulturen aufzubauen. Für alle Menschen, die noch nicht durch "digitale Demenz" verblödet sind, ist es ein Urbedürfnis, den "Sinn des Lebens" zu erfassen und mit der erlebten und erlernten Wirklichkeit und Wissenschaft in Einklang zu bringen. Rudolf Steiner hat in der "Anthroposophie" dieses Gedankengebäude, die Zusammenhänge, erklärt und ihnen Namen gegeben. Ob diese Zusammenhänge der physischen und geistigen Welten von anderen Menschen mit den gleichen Namen bezeichnet werden, ob es "Akasha-Chronik" oder "morphogenetisches Feld" heisst, ist eher unwichtig. Wichtig wäre es aber, die vielen Menschen, die sich weltweit mit diesen Fragen beschäftigen, zu vernetzen, zu verbinden. Dies wäre die Aufgabe einer "globalen Hochschule für Geisteswissenschaft". Zu Steiners Zeiten war das einfach, da war die "zivilisierte" Welt noch klein, und Rudolf Steiners Ansatz war ja auch ein mitteleuropäischer. Heute ist die Welt viel größer, ein "mitteleuropäischer" Ansatz hätte keinerlei Gewicht mehr, aber es wird auch kein physisches Zentrum mehr benötigt, es gibt globale Netzwerke, in denen auch geisteswissenschaftliche Forschung stattfinden kann. Die verschiedenen Religionen und Kulturen können sich in der spirituellen Forschung treffen, verbinden, voneinander lernen. Wenn sie die "Anthroposophie" als Nomenklatur akzeptieren, können Sie sich darin wiederfinden und ausdrücken – oder sie entwickeln eine neue, zeitgemäße Nomenklatur.
MM: Zurück zur WELEDA. Die Marktstrukturen im Naturkosmetikbereich haben sich inzwischen weiterentwickelt. Waren es in den 1980Jahren noch zwei oder drei Kosmetikfirmen, die Naturkosmetik anboten, sind es heute doch ungleich mehr, und Weleda ist zwar ein bekannter Name, aber man muss sich in diesem Markt ja auch behaupten.
DF: Genau das ist die Tragik der verpassten Chancen – "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben". Die WELEDA in diesem heutigen Marktumfeld so zu entwickeln, dass sie ihre von Rudolf Steiner gestellten Aufgaben erfüllen kann, ist ungleich schwieriger als es noch von 20 Jahren war. Das stümperhafte Management der WELEDA in den letzten 30 Jahren und die mangelnde Kontrolle durch die AAG und deren Mitglieder hat diese Tragödie des verpassten Aufstiegs der WELEDA zum Weltmarktführer in Naturkosmetik mit Milliardenumsatz und Millionendividende zu verantworten und damit die Handlungsunfähigkeit der Anthroposophie durch mangelnde finanzielle Ressourcen. Die WELEDA war als erster Hersteller von Naturkosmetika in der Pole-Position und hat es nicht ausgenutzt und viele andere Hersteller an sich vorbeiziehen lassen.
Die traurige Realität ist doch: WELEDA ist nur ein Schatten vom dem, was sie sein könnte, WELEDA ist inzwischen ein Unternehmen von vielen, ein relativ normaler mittelständischer Konsumgüterhersteller in einem kompetitiven Markt, abhängig von den großen Handelsketten, der, wenn nicht noch ein Wunder geschieht, mangels Eigenkapital früher oder später von einem der "Großen" geschluckt werden wird. Ein regelmäßiger, verlässlicher und nennenswerter finanzieller Beitrag kann von ihr nicht mehr erwartet werden – aber vielleicht reicht der Verkaufserlös ja aus, das Goetheanum einmal rundum zu renovieren? Mitgliedsbeiträge, Spenden und Legate an die Anthroposophische Gesellschaft reichen nur noch knapp für die Erhaltung des Gebäudes und die Bezahlung der Mitarbeiter, nicht aber für eine geisteswissenschaftliche Forschung mit der sich eine "allgemeine Anerkennung" erwerben lässt, auch weil die Ausstrahlung in die Menschheit fehlt.
MM: Das sind starke Argumente, die aber immer wieder mit Menschen rechnen müssen, die derlei Ideen auch in die Welt tragen und letztendlich dann auch durchsetzen müssen. Mir scheint jedoch, wenn ich den so genannten Markt betrachte, dass die Konsumenten heute ihre Entscheidungen nach ganz persönlichen Bedürfnissen und Vorlieben ausrichten und auch im Hinblick auf ihre Spiritualität ihre eigenen Wege gehen wollen und sich möglicherweise von einer solchen Strategie überrumpelt fühlen könnten.
DF: Das sehe ich anders – jedenfalls für den Teil der Menschen, die noch nicht "digital dement" geworden sind. So wie jedes Kind lernen will, will jeder Mensch etwas in der Welt bewegen und auch die Zusammenhänge, den "Sinn des Lebens", erkennen. Anthroposophie bietet hier ein Werkzeug, das man erlernen kann wie man Autofahren lernt. Wichtig ist aber natürlich, dass sie nicht als "Lehrmeinung" oder "Religion" herüberkommt.
MM: Was folgt aus all dem von Ihnen gesagten? Wie könnte eine Zukunftsperspektive aussehen? Denn Sie sagen selbst, dass von Weleda ein "verlässlicher und nennenswerter finanzieller Beitrag" nicht erwartet werden kann. Was also ist zu tun?
DF: Das Konzept, mit einem Naturkosmetikunternehmen spirituelle Entwicklung nicht nur zu finanzieren, sondern auch zu den Menschen zu bringen, ist auch heute noch genial und wirksam. Deshalb bin ich der Meinung, dass WELEDA noch etwas für die "Weisheit vom Menschen" tun kann – vorausgesetzt, sie wird mit einem mindestens mittleren dreistelligen EURO-Millionenbetrag handlungsfähig gemacht, sie erhält ein fähiges, wenn nicht sogar geniales Management, das sich als "Diener der Sache" fühlt, und sie wird in eine Stiftung umgewandelt, in deren Stiftungsrat die globalen Vordenker der spirituellen Entwicklung sitzen. Bei dieser WELEDA ist dann Produktion und Verkauf von Naturkosmetik nicht der Zweck, sondern nur das Mittel dazu. Diese WELEDA hat auf jedem Kontinent Produktionsstätten und global eigene Geschäfte – mindestens so viele wie BodyShop (2.800) -, die nicht nur dem Verkauf dienen, sondern auch der Information, in denen Vorträge, kulturelles Leben und geistige Weiterbildung stattfinden, in denen über ganzheitliche (Waldorf-)Pädagogik, menschliches (anthroposophisches) Banking, biologisch (-dynamische) Landwirtschaft … informiert wird und die Keimzellen für eine Kultur der "Weisheit vom Menschen" sind. Und das alles finanziert nicht aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen, sondern aus dem Verkauf von Kosmetika. Schluss mit der ganzen peinlichen Bettelei, die jedem Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft inzwischen mehrmals jährlich in Form von irgendwelchen Spendenaufrufen etc. ins Haus flattert.
MM: Das ist nicht ihr Ernst, die Weleda als Zentrale der anthroposophischen Arbeitsfelder oder der "Bewegung", bei der die Fäden zusammenlaufen und von wo eine Erneuerung der Anthroposophie ausgehen könnte? Wo wäre dann da der Unterschied zur AAG?
DF: Vielleicht bin ich nicht deutlich genug. Das wäre dann nicht mehr eine WELEDA die „den Anthroposophen“ oder der AAG gehört, sondern das wäre eine WELEDA die mit ihren Gewinnen eine Stiftung finanziert, die eine globale „spirituelle Offensive“ betreibt, die ein Gegengewicht bildet zu der zunehmenden materialistischen Verblödung der Menschheit und in deren Verwaltungs- bzw. Stiftungsrat spirituelle Leader aus alle spirituellen Strömungen der Welt – auch Anthroposophen – sitzen.
Voraussetzung ist natürlich, dass der Verwaltungsrats der WELEDA erstens diese Aufgabe der WELEDA erkennt und zweitens auch erkennt, dass er in seiner jetzigen Zusammensetzung dies nicht leisten kann. Seine Aufgabe wäre es, an die spirituellen Netzwerke der Welt den Gedanken einer "spirituelle Offensive" heranzutragen, die WELEDA als "Strukturkeim" für ein spirituelles Netzwerken zur Verfügung zu stellen und anzuerkennen, das die "organisierte Anthroposophie" selber nur ein sehr kleines Teilchen darin ist. Selbstverständlich können sich noch andere Unternehmen dieser Stiftung anschließen, vorausgesetzt ihr Handeln folgt konsequent ethischen Leitlinien.
MM: Welche Aufgabe hätte dann die jetzige AAG noch?
DF: Der Verein AAG in seiner jetzigen Form, mit dem Anspruch, das Zentrum der geistigen Entwicklung und einer "Weltgesellschaft" zu sein, ist nicht mehr zeitgemäß und auch nicht mehr handlungsfähig im Sinne seines Inhalts, er ist eine leere Hülle, der sich an den Formalien und an der Instandhaltung des Goetheanums abarbeitet. Durch den Wandel der Strukturen, durch die Globalisierung, ist er auch nicht mehr notwendig. Wir müssen deshalb die Frage stellen: Darf der Verein "Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft" die Anthroposophie "besitzen"? Muss er nicht sein Scheitern eingestehen und die Anthroposophie "freigeben"? Muss er die Anthroposophie nicht von dem Ballast, mit einem gescheiterten Verein identifiziert zu werden, befreien, und dies auch mit einer Namensänderung unterstreichen, beispielsweise in den – früher schon mal existenten – Namen "Goetheanum-Bauverein"? Der Name "Verein Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft" drückt einen Anspruch aus, der von keinem Verein mehr erfüllt werden kann, da Vereinsstrukturen nicht in das 21. Jahrhundert passen. Eine "freigegebene" Anthroposophie könnte sich zeitgemäß organisieren, z.B. als globales, gleichberechtigtes Netzwerk von spirituell arbeitenden Individuen und Institutionen, die sich gegenseitig wahrnehmen, fördern und in ihrer Entwicklung unterstützen.
Sie sehen, es geht mir nicht um einen "Abgesang" an die Anthroposophie, sondern um deren Stärkung, indem sie sich in der Form, nicht dem Inhalt, an die Gegebenheiten der modernen Welt anpasst und sich als Werkzeug den spirituellen Bewegungen zur Verfügung stellt – auch Rudolf Steiner war in seiner Zeit immer sehr "modern".
MM: Ich würde hier doch noch einmal nachfragen, wenn Sie von einem Netzwerk sprechen. Eigentlich besteht dieses Netzwerk doch schon lange. Die Frage bleibt für mich virulent: Warum können nicht diejenigen, die diese "alte" Anthroposophie immer so vehement kritisieren, sich nicht in geeigneter Weise in diese Netzwerke einbringen? Oder anders gefragt, warum tun sie es nicht einfach? Ich erlebe seit Jahren, dass ein offensichtlicher Kampf um eine Deutungshoheit tobt und diejenigen, die immer Toleranz einfordern, dabei ganz vorne mit fighten.
DF: Bis zu einem gewissen Maße haben Sie Recht, nur ist es eben ein ungleicher "Kampf". Auf der "progressiven" Seite stehen Menschen, die das nur als Hobby machen können, da sie einen anderen Beruf haben, ihren Lebensunterhalt verdienen müssen und keine organisierte Struktur haben. Deshalb gibt es viele kleine, meist wenig qualifizierte Netzwerke, die auch kaum Kontakt untereinander haben, initiiert oft von Menschen, die nur sehr partikuläre Interessen haben. Auf der Seite der AAG steht ein Vorstand, der sich auf die finanziellen Beiträge, Legate und die Trägheit der veralteten Mitgliedschaft sowie eine inzwischen hundertjährige Tradition stützt, sich in dem alltäglichen klein-klein und der Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit eingerichtet hat und der nichts anderes tut als diese Existenz irgendwie zu rechtfertigen und dafür alle Hilfsmittel, vom Ignorieren bis zur strukturellen Gewalt, einsetzt.
Der Aufbau eines solchen Netzwerkes ist ja auch kein triviales Unterfangen, es bedarf Menschen, die nicht nur die organisatorischen Fähigkeiten, sondern auch die spirituelle und menschliche Reife mitbringen, der spirituellen Entwicklung der Menschheit zu dienen – solche Menschen stehen nicht "Gewehr bei Fuß" um die AAG zu reformieren, sondern haben sich in anderen spirituellen Organisationen eingebracht und wirken dort.
MM: Kann man da Namen nennen? Das würde mich jetzt aber interessieren, wen Sie da meinen oder Im Auge haben.
DF: Nun, einen Namen habe ich schon genannt, Dr. Ibrahim Abouleish, aber es gibt ja auch weitere spirituelle und geistige Führer und Lehrer, die angefragt werden könnten – auch in der Referentenliste des Basler PSI-Vereins. Rüdiger Dahlke beispielsweise, oder Gregg Braden, Deepak Chopra oder auch Dr. Tulku Lobsang, den tibetischen Meister und Arzt, vielleicht auch Götz Werner, der Gründer des dm-Drogeriemarktes. Menschen eben, die die spirituelle Aufgabe unserer Zeit erkennen und die Gefahr der materialistischen Verblödung und für die die eine neue WELEDA das Werkzeug ist, für das sie Rudolf Steiner geschaffen hat, ein Werkzeug um Geld zur Finanzierung einer "spirituellen Offensive" zu verdienen und um als Mittel der Kommunikation mit den Menschen zu dienen.
Wenn die Menschen, die jetzt den Vorstand der AAG bilden, die spirituelle Größe hätten, die sie für sich reklamieren, würden sie dies erkennen. Ich befürchte aber, dass es bleibt wie es ist, dass die WELEDA bis zu ihrem Verkauf an einen "Global Player" der Konsumgüterindustrie bestenfalls einen kleinen Beitrag zur Erhaltung der Bausubstanz am Goetheanum beiträgt und der Name "Anthroposophie" weiterhin an diese Gemäuer und ihre zerfallende Struktur gekettet ist.
MM: Herr Ferger, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Sonntag, 10. November 2013

Russische Anthroposophen bitten WELEDA


Der Prozess gegen den ehemaligen Geschäftsführer der WELEDA Russland GmbH, Andrei Loktev, nimmt in Moskau seinen Fortgang. Wie er mir in einigen Mails beschreibt, sind da Prozesse im Gange die nur mit der immer noch fragwürdigen Praxis russischer Gerichtsbarkeit zu erklären sind und mit Einflussnahme und evtl. auch Schmiergeldzahlungen interessierter Personen, zu denen seinen Angaben zufolge auch einige der jetzigen Vertreter der WELED AG in Russland gehören, also der WELEDA East LLC, die seit 2012 als 100%ige Tochter der WELEDA AG in Moskau tätig ist.
Herr Loktev übermittelte mir den folgenden Brief an die die Geschäftsleitung der WELEDA AG, den ich hier im Wortlaut - der besseren Lesbarkeit halber leicht korrigiert - wiedergebe:
An die Geschäftsleitung der WELEDA AG
Ralf Heinisch
Samir Kedwani
Andreas Sommer
Harald Mathes
Sehr geehrte Herren
In Russland während mehr als 20 Jahre entwickelt sich die anthroposophische Medizin. Die Weleda AG, als anthroposophisches Unternehmen, gegründet von Rudolf Steiner persönlich in 1921, hatte immer versucht die Arbeit in Moskau zu unterstützen. In bedeutenden Maß war es ermöglicht dadurch, dass in Moskau eine russische Weleda gegründet wurde durch deren ersten Direktor Andrei Loktev und durch die ärztliche Betreuung von Dr. Olaf Titze. Gewiss, sie waren nicht alleine auf diesem breiten Arbeitsfeld. Solche bedeutenden Persönlichkeiten wie Dr. Hans Werner, Georg Soldner, Markus Sommer und viele andere haben mitgewirkt.
Viele russische Ärzte, die zur anthroposophischen Medizin kamen, sind dankbar für die wohlwollende Fürsorge dieser Ärzte und auch Andrei Loktevs. Dieser hat die ersten Seminare für die anthroposophische Medizin organisiert und war sehr aktiv in dieser Bewegung. Unter seiner Leitung wurden die ersten anthroposophischen Präparate, die besten "-dorons" registriert und hergestellt. Auch andere Weleda Präparate sind damals in der Weleda in Moskau hergestellt worden, dadurch hatten die ersten Ärzte die Möglichkeit zu handeln gehabt.
Außerdem wurden noch komplizierte wissenschaftliche pharmakologische Studien bezüglich der klinischen Wirksamkeit von Iscador Qu (mit Teilnahme führender russischer Wissenschaftler) durchgeführt. Auf Grund dieser Forschung wurde das Präparat zugelassen und sollte auf den Markt gebracht werden durch eine "Iscador-Schule" für Ärzte.
Man muss sich klarmachen, dass die Registrierung, Herstellung und Wirtschaftsführung in Russland besondere Durchhaltekräfte im Menschen fordert. Diese kann man in sich aufbauen durch das Verständnis des Wichtigkeit unserer Bewegung im Sinne der Geisteswissenschaft von Rudolf Steiner für das Russland der Zukunft.
Mit vielen Mühen und Schwierigkeiten registrierte Präparate wurden jetzt nicht hergestellt und auch nicht in Russland verwendet.
Die negative Dynamik der Entwicklung der Weleda in Russland begann nach dem Rücktritt aus Altersgründen von Dr. Olaf Tizte, der regelmäßig nach Russland kam und objektiv unsere Probleme und Taten abschätzen konnte. er versuchte uns immer dabei zu helfen. Kurz nach seinem Rücktritt wurde die Weleda in Russland geschlossen.
Seitdem gibt es seit vielen Jahren keine Weleda Heilmittel mehr in Russland, außer Hepatodoron (als Nahrungsergänzung). Und es ist auch klar warum. Für eine Neubildung einer Organisation die eine geistige Weltanschauung in ihrer Basis hat, braucht man Menschen, die diesen Impuls in sich tragen und einen guten Willen und einen starken Geist haben. Wenn dies auf einer anderen Ebene gemacht wird, nur mit einem Impuls mehr zu verkaufen um schneller an Geld zu kommen durch bloß kommerziell orientierte Menschen, kann man Kosmetik verkaufen, aber auch diese Präparate verlieren ihre Besonderheiten, die viele Menschen angezogen haben.
Außerdem entstand in dieser Zeit in der anthroposophischen Gesellschaft und in ihrer Umgebung eine unklare und nicht gesunde Atmosphäre über Weleda. Immer mehr hören wir unerwartete Informationen von einer anthroposophischen Initiative. Amoralische Vorgänge, die die jetzigen Vertreter der Weleda AG in Russland durchziehen. Unendliche Gerichtsprozesse gegen den ersten Direktor der Weleda in Russland, Andrei Loktev, auf dem die Misserfolge der Weleda in Russland zu Beginn der 2000er Jahre übertragen werden. Diese Übertragung stellt uns eine Frage über die Moralität von dem Vorgehenden aus dem anthroposophischen Gesichtspunkt. Nach unserer Meinung - es gab keine richtige Durcharbeitung dieser Situation in Moskau von der deutschen Seite dadurch entstanden Vorgänge die der anthroposophischen Ethik nicht entsprechen.
Wir haben eine Bitte an Sie. Es kann sein, dass Sie nicht objektiv über die Lage in der ersten russischen Weleda und über den Gerichtsprozess gegen Andrei Loktev informiert sind. Wir biten um einen persönlichen Kontakt mit Herrn Loktev, um eine friedliche, nicht gerichtliche Lösung der Situation zu finden. Die russische anthroposophische und auch medizinische Öffentlichkeit bittet die Sache zu klären und den Verdienst von Herrn Loktev richtig einzuschätzen und dadurch die Meinung über die Weleda in Russland in eine positive Richtung zu ändern.
Im Namen und im Auftrag der anthroposophischen medizinischen Gemeinschaft in Russland 1. Für die Anthroposophissche Gesellschaft in Russland: R. Beilmann
2. Für die Waldorfbewegung in Russland
3. Der Koordiantor des Iscador-Studiums in Russland: M. Tomkevitsch
4. Für das Moskauer Therapeutikum
Dieser Brief wurde erstmals von Vertretern der o.g. Institutionen unterschrieben, anschließend von vielen weiteren Menschen, und während der Jahresversammlung der Anthroposopischen Gesellschaft in Russland in diesem Monat werden noch viele weitere Unterschriften hinzukommen.
Vielleicht ist es hilfreich sich vor Augen zu führen, welche Zustände zur Zeit der Gründung der WELEDA am Ande des 20. Jahrhunderts in Russland herrschten. Herr Loktev schreibt in einer Mail, dass bei uns im Westen wohl nur Dr. Titze beurteilen kann und "weiss Alles wie es war und was bedeutete - Weleda in 90en Jahren in banditisch-geheimdienstliche Russland führen und pflegen."
Herr Loktev freut sich weitere Fragen gerne direkt zu beantworten, am besten per Mail an andr.ark.loktev@yandex.ru. Herr Loktev spricht uns schreibt auch gut deutsch.

Donnerstag, 3. Oktober 2013

Was geschah und geschieht bei WELEDA Russland?


Vor einiger Zeit schrieb Andrei Loktev, der ehemalige Geschäftsführer der WELEDA Russland GmbH, einen Kommentar zu dem Blogeintrag "Was machen die Ex-Manager?"
Daraufhin entwickelte sich eine Kommunikation, in der er mir seine Not schilderte und bat, die Vorgänge, die sich in Russland im Zusammenhang mit der Entwicklung der WELEDA abgespielt hatten und zur Zeit abspielen, der "westlichen" Welt zur Kenntnis zu geben und sie zu bitten, sich zur Wahrung des Ansehens der Anthroposophie in der Welt und zur Wahrung der Gerechtigkeit einzumischen und Stellung zu beziehen.
Dieser Bitte komme ich hier gerne nach und bitte Sie, diese Informationen so weit wie möglich zu verbreiten. Vielen Dank.

In diesem Beitrag werden die Ereignisse aus der Sicht von Herrn Loktev geschildert, ergänzt durch einige objektive Fakten und Dokumente. Ich freue mich sehr, auch von anderer Seite über diese Zusammenhänge zu erfahren, um ein möglichst klares Bild der Ereignisse zeichnen zu können.

Herr Loktev war (und ist) einer der führenden Anthroposophen Russlands, seit 1981 ist er Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft, seit 1990 Klassen-Mitglied. Zur Zeit ist er Mitglied des Vorstandes der Anthroposophischen Gesellschaft in Moskau.
Seine Not besteht darin, dass er von der jetzigen WELEDA AG und deren jetzigen Vertreter in Russland für die 2006 erfolgte Insolvenz der damaligen WELEDA Russland GmbH, deren Geschäftsführer er war, verantwortlich gemacht und von diesen auf Rückzahlung der Restschulden in Höhe von 175.000 € verklagt wird.

Ich versuche hier die Grundlagen darzustellen, damit Sie sich eine eigene Meinung zu den Ereignissen bilden können.
Die WELEDA Russland GmbH wurde 1992 gegründet als Gemeinschaftsunternehmen der WELEDA AG Arlesheim (75%) und der LAD Moskau (25%), die größtenteils Herrn Loktev gehörte. Er wurde als Geschäftsführer der WELEDA Russland GmbH in Moskau eingesetzt.

Hier kurz einen Blick darauf, was die Geschäftsberichte der WELEDA über Russland aussagen:
In den WELEDA Geschäftsberichten wird die WELEDA Russland GmbH - jeweils mit Zweigniederlassung in St. Petersburg - 2004 bis 2006 aufgeführt.
Im WELEDA Geschäftsbericht 2004 wird die WELEDA Russsland lobend erwähnt. Dort heisst es: "Ein großer Erfolg war die Zulassung von ISCADOR in Russland für die Indikation Hepatitis C. Eine klinische Studie in Moskau hat gezeigt, dass ISCADOR auch für den Einsatz bei Hepatitis C geeignet ist und zu positiven Ergebnissen führt. WELEDA hat entschieden, in diesem Indikationsbereich die Forschung weiterzuführen."
Weiterhin steht in diesem Geschäftsbericht über die wirtschaftliche Lage:
Die Geschäftsentwicklung auf dem russischen Markt gestaltete sich 2004 insgesamt schwierig. In St. Petersburg wurde 2004 eine Tochtergesellschaft der russischen Gesellschaft für einen neuen strategischen Impuls gegründet. Auf der medizinischen Seite konnte in Russland ISCADOR für die Indikation Hepatitis C registriert werden, wodurch sich für 2005 neue Perspektiven ergeben. Trotz dieser positiven Maßnahmen ist die Geschäftsentwicklung 2005 unsicher und muss genau beobachtet werden. Die eingeleiteten vertrieblichen Initiativen wurden bereits 2004 veranlagt.
und
med. WELEDA Moskau
• Mitarbeiter: 16 (Vorjahr: 23)
• Umsatz: Rubel 18.499.975 (entspricht: CHF 752.949)
• Umsatz pro Mitarbeiter: Rubel 1.156.248 (CHF 47.059)
• Gesellschaftskapital: Rubel 8.106 (CHF 330)
• Anteil WELEDA AG: 75,0%
• Ergebnis nach Steuern: Rubel –2.666.100 (CHF –108.510) (Vorjahr: Rubel –928.789)
med. Weleda Moskau
• Mitarbeiter: 17 (Vorjahr: 16)
• Umsatz: Rubel 22.977.837(entspricht: CHF 1.034.003)
• Umsatz pro Mitarbeiter: Rubel 1.351.637 (CHF 60.824)
• Gesellschaftskapital: Rubel 8.106 (CHF 365)
• Anteil WELEDA AG: 75,0%
• Ergebnis nach Steuern: Rubel 2.418.963 (CHF 108.853) (Vorjahr: Rubel – 2.666.100)
Seit 2005 gibt es auch die WELEDA Nachrichten in russischer Sprache.

Im Geschäftsbericht 2007 wird WELEDA Russland GmbH noch mit Adresse erwähnt, aber keine Zahlen mehr veröffentlicht, 2008 bis 2011 wird Russland nur als Land genannt, in dem WELEDA Produkte erhältlich sind, erst im WELEDA Geschäftsbericht 2012 taucht WELEDA Russland als neue Gesellschaft wieder auf. Dort steht:
... Zum Wachstum trug die Neugründung von WELEDA Russland ganz wesentlich bei. Diese Gesellschaft war bereits im Jahr ihrer Gründung profitabel. ... In Russland konnte der Umsatz verdreifacht werden, allerdings von einem noch sehr niedrigen Niveau ausgehend. In Russland und Schweden wurde jeweils ein neues Arzneimittel für die Selbstmedikation zugelassen. ... Der Erfolg auf dem russischen Markt basiert auch auf dem Ausbau des Vertriebs über Apotheken und über spezialisierte Babyläden. Die Zielgruppe der werdenden Mütter fühlte sich besonders angesprochen: Die WELEDA Babylinie konnte auf den ersten Platz im russischen Naturkosmetik-Markt vorrücken.
und
Während beispielweise die Euro­Krise Südeuropa erheblich belastet, gewinnen Länder wie Brasilien und Russ­land an Bedeutung. ... WELEDA Brasilien und Russland entwickelten sich sehr dynamisch. ...
Die Zahlen weisen für 2012 einen Mitarbeiterstand von 12 Mitarbeitern und einen Umsatz von 71,6 Mill. Rubel = 1.795 T€ aus, 97% mit Kosmetika.

In keinem der WELEDA Geschäftsberichte wird eine Insolvenz oder eine Schließung einer WELEDA Russland erwähnt.

Was ist also passiert zwischen 2004, wo die erfolgreichen ISCADOR Studien in Russland durchgeführt wurden, und 2012, wo in Moskau eine neue WELEDA Gesellschaft gegründet wurde?

Die mir zugänglichen Dokumente besagen das folgende:

2006 gab die WELEDA AG ihre Beteiligung an WELEDA Russland GmbH auf (obwohl der WELEDA Geschäftsbericht 2005 einen von 18,5 auf 23 Millionen Rubel gesteigerten Umsatz und ein positives Ergebnis meldet!). Herr Loktev hat mir die dazu gehörigen Dokumente übersendet: Ein von den Beteiligten unterschriebenes Protokoll der Vereinbarungen des Rückzugs der WELEDA AG aus ihren Beteiligungen an der WELEDA Russland GmbH (im Protokoll fälschlicherweise als WELEDA Russland AG bezeichnet) vom November 2005, den danach geschlossenen Vertrag zur Übernahme des Darlehens und der Vermögenswerte sowie das offizielle Schreiben der WELEDA AG zur Aufkündigung der Geschäftsbeziehungen mit WELEDA Russland GmbH vom November 2007.

Herr Loktev schrieb dazu am 9. April 2013 in einem Brief an Herrn Paul Mackay als Verwaltungsratspräsident der WELEDA AG und Vorstandsmitglied der AAG (von mir zur besseren Lesbarkeit leicht bearbeitet):
Sehr geehrter Herr Mackay!
Ich schreibe Ihnen wegen einer Geschichte, die mir zufällig vor einigen Tagen bekannt wurde, deren Folge aber meine Existenz bedroht.
Fakten: 1992 wurde die WELEDA Russland GmbH gegründet als Gemeinschafts­unternehmen nach Russischen Recht. 75% der Anteile hielt die WELEDA AG, Schweiz, 25% der Anteile die LAD, Moskau, an der ich immer einen entscheidenden Anteil hatte. Wie erwähnt, wurde ich als Geschäftsführer der WELEDA Russland GmbH eingestellt, mit entsprechender jährlicher Bestätigung durch die WELEDA AG, Schweiz, bis 2006, als die WELEDA AG ihre Beteiligung aufgab.
Die Vermögenswerte der WELEDA Russland GmbH wurden wie folgt verteilt: ein nicht bebautes Grundstück in der Nähe von Moskau, 1HA, wurde auf die WELEDA AG übertragen; die Schulden aus dem Einkauf von Waren gegenüber der WELEDA AG wurden in ein Darlehen umgewandelt. Innerlich fand ich all das nicht gerecht. Die Verhandlungen darüber waren lang und schwer. Letztendlich habe ich all das unterschrieben weil mir versichert wurde, dass die WELEDA Russland GmbH das genannte Grundstück für den Heilpflanzen-Anbau nutzen könnte. Wir wollten das Darlehen zurückzahlen durch weiteren Verkauf von westeuropäischer WELEDA Kosmetik und ISCADOR, das 2003 in Russland registriert wurde, sowie durch Verkauf der in Russland hergestellte Heilmittel, wir hatten die 10 wichtigsten OTC-Medikamente und mehr als 300 andere anthroposophische Heilmittel im Programm.
Diese für uns schwierige Konstruktion hätte funktionieren können. Einen großen Teil des Darlehens bzw. unserer Schulden von insgesamt 250.000 € konnten wir relativ schnell zurückzahlen. Doch die WELEDA AG hatte schon seit 2005 parallel neue Vertriebswege und Partnerschaften in Russland aufgebaut und wir wurden nicht mehr mit ISCADOR und Kosmetik beliefert - Lieferstopp. Was mit dem an die WELEDA AG übergebenen Grundstück geschehen ist, ist uns nicht bekannt. Auch die legale Heilmittelherstellung in Moskau wurde unmöglich gemacht, da der zugesagte Lizenzvertrag seitens WELEDA AG nie besprochen wurde. Im Jahre 2007 bekamen wir von der WELEDA AG die offizielle Aufkündigung unserer Partnerschaft. Auf meiner Besorgnisse wegen dem restlichen Teil des Darlehens wurde mir versichert, dass uns die WELEDA AG wegen unserer mehr als 15-jährigen und auch teilweise fruchtbare Zusammenarbeit auf jeden Falls nicht verfolgen würde … Wir haben, sozusagen, „viel geweint” und letztendlich all das als „Vergangenheit“ in uns bezeichnet.
Jetzt ist mir plötzlich bekannt geworden, dass die WELEDA AG noch im Jahre 2009 ein Verfahren gegen die WELEDA Russland GmbH, Moskau, beim Schiedsgericht in Moskau angestrengt hat, und zwar ohne uns zu informieren – weder offiziell noch inoffiziell, nicht per Mail oder Telefon. So wurde die WELEDA Russland GmbH wegen der Restsumme von 175.000 € aus den Schulden vom Gericht als insolvent und bankrott erklärt – ohne unsere Teilnahme im Prozess und ohne das wir informiert wurden.
Dies war aber noch nicht Alles, denn 2010 wurde von Vertretern der WELEDA AG ein neues Verfahren am selben Schiedsgericht gegen uns angestrengt, wiederum ohne uns zu informieren, um die Auszahlung der o.g. Verbindlichkeit nach dem Bankrott-Entscheidung zu erreichen. Dabei wächst die Summe natürlich durch Zinsen und Verfahrenskosten.
Jetzt habe ich einige Beschlüsse und Zwischen-Beschlüsse auf der Internetseite des Schiedsgerichts „zufällig” gelesen. Sie laufen darauf hinaus: „das Gericht will den Geschäftsführer im Prozess haben, kann ihn aber nicht finden”. Dabei war ich alle diese Jahre in Moskau tätig, von mir sind mehrere Übersetzungen anthroposophischer Literatur erschienen (R. Steiner, I. Wegmann, V. Bott, A. Selawry, W. Pelikan, Marg. Kirchner-Bockholt, O. Wolf…) ich organisierte Seminare und Vorträge, z.B in der Anthroposophische Gesellschaft und in der Hochschule, bei der Firma WALA in Moskau, ich war auch einer der Dolmetscher während des jüngsten Moskau-Besuches von Frau Sea Zimmermann! Mein Pass, meine Adresse, meine Telefonnummer und Email sind alle diese Jahren unverändert gewesen!
Aber das Schlimmste kommt noch: durch Veränderungen in der russischen Gesetzgebung – dieser Artikel wurde erst 2009 verabschiedet – ist ein Geschäftsführer einer GmbH persönlich, als physische Person, verantwortlich für die Schulden seiner Gesellschaft, wenn er nicht rechtzeitig eine untätige Gesellschaft liquidiert. Der Stand von heute in dieser schmutzigen Geschichte ist, dass man mich persönlich für alle Schulden haftbar machen will, vermehrt durch verschiedene Zinsen, Strafen, Gerichtsausgaben etc.. Nachdem mir diese Angelegenheit jetzt bekannt wurde, werde ich selbstverständlich vor Gericht gehen. Die nächste Sitzung ist am 18 April. Die Juristen sagen, dass die Situation schlecht ist – insbesondere durch meine lange Abwesenheit bei vorigen Prozessen. Ich werden einen guten Rechtsanwalt bitten mir zu helfen. (Ich denke es ist nicht nötig zu sagen, dass ich kein Vermögen habe um die „Schulden” zu bezahlen … .
Ich komme zum Schluss, sehr geehrter Herr Mackay, ich kann mich vorstellen, dass Sie viel zu tun haben…
Formellerweise könnten Sie mich fragen: „Warum, lieber Freund, schreibst Du dies an mich?”, „Was willst Du eigentlich?”… – Ich hätte nicht grob und direkt geantwortet: „Weil es alles passiert im Namen der WELEDA AG…” – Ich sage anders: „Wenn es so weiter gehen wird in unserer Anthroposophischen GEMEINSCHAFT, dann werden wir alle, besonders wir, die Verantwortung für die entsprechende soziale Gebiete weltweit tragen, bald, noch während dieses Erdenlebens die bittere Früchte essen…”
Außer Ihrer Funktion als Verwaltungsrat der WELEDA AG, wegen der Sie meinen Schreiben nicht einfach in Ihrem Tisch liegen lassen werden, habe ich gedacht, dass ich Ihnen einigen Menschen nenne, die während meiner mehr als 30-Jährigen anthroposophischen „Karriere” mit mir „zu tun hatten” und denen ich direkt ins Auge schauen durfte (ich nenne auch manche verstorbene Personen, weil wenn ich Ihnen jetzt auch vertraulich schreibe, ich stehe vor ihnen auch):
Sergei und Astrid Prokoffiev, meine liebe und alte Freunden, noch von Ende 70-en Jahren
Herr Dr Hans Werner, Öschelbronn – mein “geistige Vater” und Freund, Lehrer in der Medizin und in der Anthroposophie (seit 1983)
Frau Dr. Michaela Gloeckler (seit etwa 1988)
Herr Dr. Schuppbach (mit ihm wurde 1989 bei mir zu Hause – an derselben Adresse, – im Beisein von Dr. Udo Hermannsdorfer die Entscheidung getroffen, eine WELEDA-Tochter in Russland zu gründen)
Herr Dr. Unger und Frau Ruth Unger (noch seit Sowjetischen Zeiten, in Moskau, meine Erste-Klassen-Leser)
Frau Else Klink (meine erste und ewige Lehrerin in Eurythmie, seit 1987…)
Herr Dr. Olaf Titze, medizinischer Direktor der WELEDA, mein Freund, der ungeheuer viel für uns getan hat.
Herr Dr. Jürgen Schürholz, während aller 90-er Jahre
Herr Dr. Otto Wolf (ich dolmetschte immer bei seiner Vorträgen in Russland, er wohnte sogar jedes Mal bei mir, in der Wohnung, die “WELEDA -Vertreter” jetzt innerhalb 3 Jahren “nicht finden konnten”)
Frau Irene Johanson (eine der Vorstände der Christengemeinschaft) – seit etwa 1982, manche erste “Weihehandlungen” wurden damals auch in meiner Wohnung gefeiert)
Herr Matthieu van Hoogenband, mein geliebte “Boss” und “Trainer”, mit dem es für mich manchmal schwer war, aber er war Trainer! … Und ich kann mich nicht vorstellen, dass er mit der oben beschriebene Geschichte zu tun hat mit unrechtem Gericht gegen mich als “Sündenbock”…
Ich werde keine weiteren Personen nennen, weil sonst das Gefühl entsteht, ob wollte ich damit irgendwelche spezielle positive Eindrücke auf Sie machen…. Nein. Aber es ist auch keine Lyrik…
Wir haben uns viele Mal gesehen – in Dornach, aber auch in Moskau… Doch miteinander nie gesprochen… Vielleicht noch nicht. Seltsamerweise schaute ich vor einem Monat auf die Website des Goetheanums und sah bei den “Offenen Stellen” zwei Sekretär-Stellen – eine Stelle in der Med. Sektion und die zweite … bei Ihnen. Und ich habe währen einiger Tage ernsthaft überlegt – „und warum nicht? Mein Herz ist in Dornach … Meine Kinder sind erwachsen … Anthroposophie in Russland läuft … Mit der Weleda ist Schluss … Ich kenne das Französische, das Deutsche, etwas das Englische, als Referent-Sekretär arbeitete ich früher viel (sogar als persönlicher Referent des Patriarchs der Russischen Orth. Kirche), als Simultan-Dolmetscher arbeitete ich überall, auch bei manchen UNO und UNESCO Konferenzen….”. – Ich schrieb kurz an Michaela und sie antwortete mir – “Danke, aber Deutsch braucht man als Muttersprache …” – Dann habe ich gedacht – “Vielleicht hat es auch kein Zweck zu versuchen mich bei Herr Mackay zu bewerben …” Und ich schrieb Ihnen nicht …
… Doch – jetzt. Und aus ganz andere Gründen…
Grüßen Sie, bitte, herzlich Ulrike – so darf ich sagen, weil wir uns auch seit Ewigkeit kennen …
Ihr Andrei Loktev, der auf schnelle Reaktionen wartet, sonst… sonst was?!

Die Antwort von Herrn Mackay war kurz und erfolgte umgehend am 12. April per Mail wie folgt:
Sehr geehrter Herr Loktev
Haben Sie Dank für Ihre Mail vom 9. April 2013, in der Sie Ihre Sicht der Rechtsprozesse, in die Sie mit Weleda verwickelt sind, darstellen.
Die Weleda wird in dieser Angelegenheit von ihrer Geschäftsleitung vertreten.
Mit freundlichen Grüssen
Paul Mackay
Vorstand am Goetheanum
Tel. +41-61-706.43.09
Fax. +41-61-706.43.14
http://www.goetheanum.org

Mittwoch, 11. September 2013

Moritz Aebersold Vizepräsident des VR bei SPAGYROS AG und auf dem Naturkosmetik-Branchenkongress in Berlin

Vor einigen Monaten habe ich ja gefragt, was die ehemaligen Manager der WELEDA jetzt machen, die vom Verwaltungsrat jahrzehntelang unbehelligt das Unternehmen so glorreich "an die Wand fahren" durften, dass es kurz vor der Insolvenz stand.
Die meisten von ihnen haben sich in anderen Branchen eine neue Tätigkeit gesucht, nur Moritz Aebersold, der "langjährigste" von ihnen, der 17 Jahre als Mitglied der Geschäftsleitung mit für den Niedergang der WELEDA verantwortlich war, tummelt sich weiter im Kosmetik-Geschäft mit seiner "Contura Consulting AG" mit Sitz in Basel.
Wie diese Pressemitteilung zeigt, ist er außerdem als Vizepräsident des Verwaltungsrates der Spagyros AG tätig, und zwar, wie Moneyhouse zeigt, mit Zeichnungsberechtigung auch für die Zweigniederlassungen in Kollektivunterschrift zu zweien - bei einer Firma, die in direkter Konkurrenz steht zur WELEDA. Dazu bedarf es kein Kommentar. Ich frage mich nur, warum Spagyros ausgerechnet einen Manager, der so offensichtlich eine Firma bis kurz vor die Insolvenz gebracht hat, einen "erfahrenen Managementprofi mit internationalem Erfolgsausweis in der Komplementärmedizin und Naturkosmetik" nennt und mit ihm die "Zukunftsausrichtung im Inland- und Exportgeschäft nachhaltig sichern" will. Jedenfalls scheinen die Verantwortlichen dort nicht die schweizer Wirtschaftszeitung BILANZ zu lesen, die ja in Ausgabe 15/2012 titelte "Stümperhaftes Management trieb Weleda ins Minus" - und für das Management in der Schweiz war vor allem Moritz Aebersold verantwortlich. Verantwortlich war Moritz Aebersold als Verwaltungsratspräsident auch für die Insolvenz der inzwischen liquidierten HeartBalance AG, die er 2004 mit seinem Spezi, dem Tierarzt Rainier Dierdorf, und 360.000 CHF Aktienkapital (nicht privat, sondern aus dem Vermögen der WELEDA, denn die HeartBalance AG stand damals auch als Beteiligung in den Büchern der WELEDA AG) gründete und 2009 wieder auflöste. Ob die Aktionäre - also hauptsächlich die WELEDA - jemals wieder etwas von dem eingezahlten Geld gesehen haben, ist mir nicht bekannt. Warum nur vertraut die Spagyros AG nun jemandem, der seine Fähigkeit, Firmen in die Insolvenz zu führen, so eindrucksvoll bewiesen hat? Oder ist es anderes Wissen, das Herr Aebersold mitbringt, an dem die Spagyros AG interessiert ist? 
Wer Moritz Aebersold dazu befragen will, der kann dies am 24. und 25. September in Berlin auf dem "Naturkosmetik-Branchenkongress" tun, wo er als "Speaker" auftritt und ausgerechnet an einer Experten-Diskussion mit dem Titel "Identität Naturkosmetik - Zukunftsfähige Konzepte für die Märkte" teilnehmen wird. Es würde interessant sein zu hören was er da zu sagen hat, nachdem er ja 17 Jahre Zeit hatte, in die WELEDA ein zukunftsfähiges Konzept umzusetzen - sichtbar ohne Erfolg.
Leider habe ich 1. keine Zeit dazu und 2. kostet die Teilnahme 1,640 € - aber falls jemand Herrn Aebersold da hört, freue ich mich über einen Bericht. Und vielleicht kann man ihn da ja auch mal fragen, warum er denn bei WELEDA keine zukunftsfähigen Konzepte umgesetzt hat, als er die Möglichkeit dazu hatte.

Donnerstag, 29. August 2013

WELEDA macht Werbung in Fernsehen - ist das die Zielgruppe?


Wie die Zeitung "Markenartikel-Magazin" berichtet, wird WELEDA viel Geld in herkömmliche Werbung stecken. Geld, das die Konsumenten zum Kauf anreizen soll - nur wo kaufen die Konsumenten dann WELEDA? Hauptsächlich sicher in den Drogeriemärkten - denn Reformhaus- und Bioladen-Kunden kaufen WELEDA mit oder ohne Werbung, bei diesen wird die Werbung wenig zusätzliche Käufe ermöglichen.
Mich macht diese Ankündigung traurig und besorgt. Geht WELEDA jetzt den Weg, ein ganz normaler Markenartikelhersteller zu werden, der kurz oder lang zu einem der großem Konzerne gehören wird? Will sich WELEDA mit diesen Aktionen, die ja vor allem den Wert der Marke WELEDA stärken, fit machen für einen möglichst teuren Verkauf?
Zur Erinnerung: Der französische Kosmetikhersteller L'Oreal hat vor etwa 10 Jahren für die Kosmetikkette BodyShop mit ihrem Franchisesystem und den Body-Shop-Läden einen Kaufpreis von über 1. Mrd. (1.000 Millionen!) € bezahlt. Wenn WELEDA für nur 1/10 dieses Kaufpreises "wegginge", wäre die Anthroposophische Gesellschaft für einige Jahre saniert. Nur - ist das noch im Sinne des Gründers, im Sinne Rudolf Steiners?
Sicher war Rudolf Steiner ein moderner Mensch, und es ist auch grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden, Menschen über das Medium Fernsehen zu erreichen. Nur: Welche Message bietet WELEDA? Bringt WELEDA noch einen "tieferen Sinn" zum Kunden, oder bedient WELEDA ganz allgemein den Trend zu hochwertigen Produkten, die das Ego des Kunden stärken? Ganz abgesehen davon, dass sich Familien mit einem durchschnittlichen Einkommen WELEDA nicht mehr leisten können und die Marke eine Marke für die Schicht der "Besserverdienenden" wird.
Nochmals als Erinnerung: Die WELEDA Kosmetiksparte wurde von Rudolf Steiner gegründet mit zwei Aufgaben:
  • Als Botschafter für die Anthroposophie zu dienen. Denn mit den Kosmetik-Artikeln kommen die Produkte zu Menschen, über diesen Kontakt können Informationen, Werte und Denkanstöße vermittelt werden - nicht plump missionarisch, aber doch so, dass Menschen zum Selbst-Nachdenken angeregt werden. Oder es können Unterstützer für die vielen Engagements anthroposophischer Initiativen weltweit gesucht und gefunden werden.
  • Geld für die Finanzierung der Anthroposophie zu verdienen. Denn mit Kosmetik konnte auch damals schon gutes Geld verdient werden, und im Gegensatz zu Medikamenten und Lebensmitteln, wo das "Geld verdienen" mit Krankheit und Hunger eher fragwürdig ist, ist es auch nicht moralisch verwerflich, denn Kosmetika sind ein Luxusartikel - mehr als eine gute Seife brauch eigentlich kein Mensch wirklich. Auch deshalb sollen WELEDA Medikamente kostendeckend, aber nicht gewinnbringend kalkuliert werden.
  • Werden diese beiden Ziele mit diesen Aktionen erreicht? Ich glaube eher Nein.
    Menschen, die in einem mehr oder weniger anonymen Drogerie- oder Supermarkt WELEDA Produkte erwerben, bekommen von der "Botschaft" wenig mit - vor allem da WELEDA alles dafür tut, möglichst "normal" zu werden (wobei "normal" nicht unbedingt "gesund" bedeutet). WELEDA wird zu einem Image-Produkt sowohl für die der wachsenden, kommerziell immer mehr ausgeschlachtete Gruppe der LOHAS als auch von Menschen, die meinen "etwas besseres zu sein". Ein Transfer von Werten, Botschaften oder Informationen, die mehr sind als nur die Produktinformationen, findet nicht statt.
    Wie ist es mit dem Geld verdienen? Wer die "Hackordnung" im Konsumgeschäft kennt der weiß, dass inzwischen die Produzenten ganz unten stehen. Die großen Handelsketten diktieren die Preise und haben die Macht, einem Hersteller über Nacht viel Umsatz weg zu nehmen, indem sie ihn einfach nicht mehr ins Regal stellen - oft reicht auch ein einfaches Umplatzieren, wenn ein Produkt an einer anderen, ungünstigeren Stelle steht, wird es weniger gekauft - Werbung hin oder her. Und natürlich stellen die großen Handelsketten diejenigen Produkte an die bevorzugten Stellen, an denen sie am meisten verdienen. Ein guter Platz im Regal wird also von zwei Seiten bezahlt: Einmal vom Kunden durch einen höheren Preis, zum anderen vom Hersteller durch einen höheren Rabatt.
    Fazit ist, dass diese Werbeaktionen vor allem den großen Handelsketten einen höheren Gewinn bringen und ins Leere laufen, wenn WELEDA als Hersteller den Ketten nicht saftige Rabattmargen einräumt. Dass dies dauerhaft zur Gesundung des Unternehmens beiträgt, ist eher fraglich.
    Gerne würde ich wissen, wie viele WELEDA Fillialgeschäfte in einigen Großstädten hätten eingerichtet werden können von dem Geld, das jetzt für Werbespots und Großflächenplakate ausgegeben wird. Fillialgeschäfte, in denen reale Menschen einen interessanten Arbeitsplatz haben und in denen Kundinnen und Kunden die wirklichen Werte der WELEDA kennenlernen, in denen auch Veranstaltungen stattfinden können und in denen der Kaufpreis auch ganz an die WELEDA geht. Sicher wird das eventuell das Produktionsvolumen anfänglich etwas verringern, doch: Hat WELEDA wirklich die Aufgabe, die hochwertige Kosmetik herzustellen für die besserverdienenden Massen, die WELEDA nur zum aufpolieren ihres Images brauchen?
    Oder soll vielleicht diese ganze Aktion nur bewirken, dass die großen Ladenketten WELEDA wieder auf ein bessere Platzierung im Regal setzen? Oder vielleicht sogar das Auslisten von WELEDA zugunsten der Eigenmarken verhindern? Der dm Markt beispielsweise - der sicher einen hohen zweistelligen Prozentanteil am gesamten Umsatz der WELEDA hat - hat mit seiner Hausmarke alverde eine Marke geschaffen, die nicht nur in allen Test hervorragend abschneidet, sondern auch zu einem Preis verkauft wird, der auch für ein normales Familienbudget machbar ist. Welchen Grund soll nun ein Konsument haben, statt der guten und günstigen alverde die ebenfalls gute, aber wesentlich teurere WELEDA zu kaufen, wenn die eigentlichen Werte, die hinter WELEDA stecken und die den höheren Preis rechtfertigen, nicht wirklich vermittelt werden können? Denn für das Vermitteln dieser Werte bedarf es mehr als eines 20-sekündigen Fernsehspots oder eines Großflächenplakats - vor allem wenn es eine "emotionale Ansprache" der Kunden werden soll, wie Herr Stroink betont.

    Dienstag, 6. August 2013

    Kartellverfahren: WALA muss Bußgeld und evtl. Schadenersatz zahlen - was mach WELEDA?


    Im Sommer 2009 hatte das Bundeskartellamt die Geschäftsräume von WALA durchsucht. WALA wurde vorgeworfen, durch Depotverträge eine sog. "vertikale Preisbindung" bei den Kosmetikprodukten durchgesetzt zu haben. WALA hat die "Verfehlungen" zugegeben, sich mit dem Kartellamt geeinigt und ein Bußgeld in Höhe von 6,5 Mio € akzeptiert.
    "Vertikale Preisbindung" bedeutet, dass - anders als bei den "horizontalen Kartellen", wo Konkurrenten ihre Preise absprechen - ein Hersteller die Preise der Handelsstufen vorschreibt. Dies kann sogar zulässig sein, wenn davon die Verbraucher profitieren. Der Vorteil – etwa eine fachliche Beratung – muss vom Hersteller allerdings quantifiziert werden. Im Falle WALA konnte dies anscheinend nicht belegt werden.
    Nach Abschluss des Verfahrens planen nun verschiedene Verkäufer, vor allem Versand-Apotheken, die von WALA wegen Nicht-Einhaltung der Endkundenpreise nicht mehr beliefert wurden, eine Schadenersatzklage wegen entgangenem Umsatz und Gewinn. Diese Klagen haben durchaus Aussicht auf Erfolg, da die europäischen Wettbewerbs-Richtlinien Preisbindungen verbieten und mit dem festgestellten Kartellverstoß die Kläger eine Rechtsgrundlage haben. Da die Verkäufer WALA als "Schlüsselmarke" definieren, können sie mehr Schaden geltend machen als den reinen Verdienstausfall, denn sie können sagen dass Kunden überhaupt nicht bei ihnen gekauft hatten, weil die Marke WALA fehlte.
    Welche Schlüsse können daraus gezogen werden?
    Einmal wird deutlich, dass ein Hersteller nur sehr begrenzt die Endkundenpreise beeinflussen kann, denn es gibt "übliche" Margen für die verschiedenen Handelsstufen und für die Händler ein Recht auf Gleichbehandlung. Ein Hersteller kann also nicht verhindern, dass beispielsweise eine Supermarktkette seine Produkte mit nur einem minimalen Aufschlag auf den Einkaufspreis weiterverkauft - so lange es "normale" Produkte sind, die keine spezielle Beratung bedürfen.
    Welche Auswege gibt es daraus?
    Der einzige Ausweg, den es daraus gibt, ist die Beschränkung des Verkaufs auf eigene Läden, in denen eine umfassende Beratung sichergestellt werden kann. Nur wenn ein Hersteller seine Produkte ausschließlich selbst verkauft, kann er den Endkundenpreis bestimmen. "BodyShop" ist ein solches Beispiel, die BodyShop Produkte gibt es ausschließlich in den eigenen Läden - dadurch ist einerseits eine auskömmliche Marge gesichert, andererseits wird verhindert dass die Produkte "verramscht" werden.
    WELEDA könnte nun - vielleicht sogar gemeinsam mit WALA - ein System von eigenen Ladengeschäften aufbauen, in denen die WELEDA (und vielleicht auch WALA) Produkte verkauft werden. Dann fallen natürlich die Verkäufe über Bioläden, Drogerien, Apotheken etc. weg, und es wird anfänglich sicher einen Umsatzeinbruch geben. Denkbar und gegenüber Kartellamtsklagen sicher wären sicher auch ein Franchise-System, bei dem Inhaber von Bioläden, Drogerien oder Apotheken Franchisenehmer werden, eine Franchisegebühr entrichten, an Franchise-Lehrgängen teilnehmen und damit das Recht erhalten, die Produkte zu verkaufen.
    Wie ist die Situation heute im "normalen" Handel? Durch die zunehmende Konzentration wird die Macht der Handelsketten immer größer, Hersteller sind - wenn sie kein eigenes Vertriebsnetz haben - dieser Macht schutzlos ausgeliefert und müssen Preise akzeptieren, die mit viel Glück das Überleben sichern, aber keine Gewinne zulassen die für soziale, kulturelle oder Expansionszwecke genutzt werden können - vor allem wenn die Herstellung - wie bei WELEDA und WALA - so aufgebaut ist dass viel Handarbeit notwendig ist, dass die Beschaffung der Rohstoffe schwierig ist und dass somit eine Produktionserhöhung nur eine minimale Kostensenkung bewirkt.
    Diese Schwierigkeiten waren vorhersehbar spätestens mit dem Aufkommen des Internethandels, der Preise für den Endkunden vergleichbar macht. Schon 2001 habe ich bei WELEDA deshalb den Aufbau eines Franchise-Systems vorgeschlagen mit dem Ziel, mit eigenen oder Shop-in-Shop-Läden die Kunden direkt und ohne Zwischenhandel zu erreichen. In diesen WELEDA Läden hätten auch weitere Aktivitäten (Lesungen, Buchvorstellungen, Vorträge ...) stattfinden können, die Konsumenten würden direkt erreicht und WELEDA hätte den eigentlichen Zweck seines Bestehend, nämlich der Anthroposophie als Multiplikator zu dienen, erfüllt. Dies wäre ein Konzept ähnlich wie McDonalds, in dem ein Franchisenehmer zum Repräsentant der WELEDA (und evtl. WALA) in einem Gebiet wird und vor Ort verschiedene Vermarktungskanäle betreibt. Ich schrieb (mit vielen anderen Punkten) im Juni 2001 in einer Stellungnahme zum WELEDA Geschäftsentwicklungskonzept "Quo vadis", das von Herrn van Hoogenbandt initiiert wurde:

    Franchise
    Das Franchisekonzept sollte modular aufgebaut sein. Eine regelmässige Schulung der Franchisenehmer und seines Personals ist obligatorisch und in den Franchisekosten inbegriffen.
    • Grundmodul: Das komplette WELEDA Kosmetik- und Diätetik-Programm, etwas Fachliteratur sowie ein Probierausschank für WELEDA Elixiere. Platzbedarf: ca. 20 qm & Lager, somit auch als Shop-im-Shop (evtl. in grossen dm-Filialen) oder in 1a Lagen mit teurer Miete möglich. Gebietsschutz für ein Einzugsgebiet von 100'000 Einwohnern.
    • Ergänzungsmodul 1: Behandlungsräume für Massage. Gebietsschutz für ein Einzugsgebiet von 200'000 Einwohnern.
    • Ergänzungsmodul 2: Wannenbäder und Massage. Gebietsschutz für ein Einzugsgebiet von 200'000 Einwohnern.
    • Ergänzungsmodul 3: Apotheke (beim Vorliegen entsprechender Fähigkeitsausweise des Franchisenehmers) mit vollem WELEDA Sortiment. Gebietsschutz für ein Einzugsgebiet von 100'000 Einwohner
    • Ergänzungsmodul 4: Apotheke (beim Vorliegen entsprechender Fähigkeitsausweise des Franchisenehmers) mit Labor zur Herstellung von WELEDA Magistralpräparaten aus WELEDA Halbfertigfabrikaten. Gebietsschutz für ein Gebiet von 50 anthroposophisch arbeitenden Ärzten.
    • Ergänzungsmodul 5: Nur in Ländern ohne WELEDA Tochtergesellschaft oder WELEDA Vertretung: Versand von Internetbestellungen an Consumer. Gebietsschutz: Ein Land.
    Ich habe dies auch in einem Memorandum an die Geschäftsleitung im Sommer 2001 ausgearbeitet. Leider sahen aber das damalige Management der Herren Aebersold, Sirdey, van Hoogenband etc. keine Notwendigkeit, über solche Konzepte nachzudenken - ich habe noch nicht einmal ein Feedback dazu erhalten. Und so muss auch WELEDA weiterhin seine wertvollen Produkte über Handelsketten verkaufen, die den Wert überhaupt nicht erkennen, und zu Preisen, die eine Einhaltung der selbst gesetzten hohen Qualitätsstandards zunehmend schwierig machen.

    Sonntag, 12. Mai 2013

    Wann ist ein starkes ICH zu viel ICH?


    In den "Nachrichten für Mitglieder" erschien der folgende Beitrag:


    Zur Wahl von Joan Sleigh in den Vorstand der AAG


    Bei der Generalversammlung wurde Joan Sleigh mit großer Mehrheit bei 2 Neinstimmen und 6 Enthaltungen in den Vorstand gewählt.
    Eine der Neinstimmen gehörte mir. Warum?
    Ich kann versichern, dass ich keinerlei persönliche Vorbehalte gegen Joan Sleigh habe. Ich bin auch überzeugt, dass sie eine sehr tüchtige und willensstarke Person ist und im Rahmen des jetzigen Vorstandes ihre Aufgaben erfüllen wird. So wie sie sich selbst auch am Tag nach der Wahl vorstellte: „Joan Sleigh, Vorstand.“
    Warum trotzdem mein „Nein“?
    Es lag an der Präsentation all der Gründe, die den Vorstand bewegten, Joan Sleigh zu kooptieren. Und an der Art, wie sie selbst sich präsentierte als das, „was mich ausmacht.“ Dass sie Südafrika und Europa verbinden kann. Dass sie durch ihre Herkunft als Enkelin von Karl König mit der Camphill-Bewegung und als Tochter eines Priesters mit der Strömung der Christengemeinschaft verbunden ist. Dass sie Qualitäten von Tieren Südafrikas repräsentiert. Und Mutter ist – ein Novum im Vorstand.
    Genügt das? Genügt es, Kontinenten zuzugehören, Strömungen anzugehören, Tochter zu sein, Mutter zu sein?
    Mir war zu wenig „ICH“ anwesend. Zu wenig Anthroposophie, die im ICH ergriffen war, durch das ICH sprach. Keine Initiative für die zukünftige Gestaltung der Anthroposophischen Gesellschaft. Und das hat mich zutiefst nachdenklich gemacht.
    Nun hat bekanntlich auch Rudolf Steiner im Urvorstand Persönlichkeiten gewählt, die bestimmte Strömungen repräsentieren konnten. Doch ging es hier um karmische Strömungen, die im jeweiligen ICH anwesend waren. Ist das nicht gerade das Gegenteil davon, einem bestimmten Land oder Kontinent anzugehören?
    Der ergreifendste Moment der Mitgliederversammlung war, als Bodo von Plato von seinem Verhältnis zu Sergej Prokofieff sprach. Man konnte ahnen, dass hier schicksalsmäßig eine Polarität bestand, die zu einer Steigerung hätte führen sollen und kann nur bestürzt darüber sein, dass dies (noch?) nicht gelang. Wird nun, nach dem Ausscheiden Prokofieffs, statt Steigerung „Harmonie“ walten? Harmonie, die nicht aus der gesteigerten Polarität errungen werden muss, sondern dadurch besteht, dass es gar keine Vertreter ICH-hafter Strömungen im Vorstand gibt? Dafür aber harmonische Repräsentanten von Erdteilen?

    Ich nehme dies als Anlass, auf das "Ich" und seine Bedeutung einzugehen, vor allem im Bezug auf die Arbeit in verantwortlicher Position:

    Sehr geehrter Herr ...
    Wir sind uns noch nicht bewusst begegnet, doch fordert mich Ihr Beitrag auf darzustellen, warum ich gerade die Vorstellung von Joan Sleigh als Wohltat empfand. Es ist doch ein großer Unterschied zwischen einem Künstler (wie Sie dies ja sind) und einem Vorstand eines Vereins, vor allem wenn dieser Verein die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft ist und die Aufgaben erfüllen muss, die der AAG in dieser Zeit gegeben sind.
    Während ein Künstler aus SEINEM ICH heraus SEIN Werk schafft, muss ein Vorstand sich selbst zurücknehmen und Wahrnehmungsorgan werden, welche Aufgaben die NOTWENIGKEIT ihm stellt und welche Handlungen zum bestmöglichen Erfüllen dieser Aufgaben notwendig sind.
    Die Hauptursache der ganzen Misere in der AAG und der WELEDA ist doch genau, dass zu viele ICHe die Notwendigkeiten nicht erkannt oder diese zugunsten der Präsentation des eigenen ICHs geflissentlich übersehen haben.
    An den Gegensätzen der ICHe von Bodo von Plato und Sergej Prokofieff wird dies deutlich, beide sind in erster Linie ICH und erst in zweiter Linie Vorstand. Dies zeigt sich z.B. an der Antwort von Bodo von Plato auf die Frage von Tatiana Garcia-Cuerca nach dem Gegensatz zwischen ihm und Sergej Prokofieff, bei der er die Ursachen in der „unterschiedlichen Sozialisation“ und der „Konfliktscheu“ der Elternhäuser sucht – dabei ist es doch die erste Aufgabe der Ich-Entwicklung, frei von den Einschränkungen seines Elternhauses zu werden. Es sind also große ICHe, die aber noch in den Beschränkungen des Elternhauses verhaftet sind – mit allen Konsequenzen.
    Oder nehmen Sie das Beispiel der WELEDA. Die dort lange Zeit führenden Managementpersonen waren so groß ICH, dass sie die Mitarbeiter kaum gesehen haben. Sie waren so von ihrem ICH überzeugt, dass sie jede Kritik, jeden konstruktiven Vorschlag der nicht von ihnen selbst kam, als Angriff darauf empfanden und mit der Ausübung ihrer Macht (z.B. durch Degradierung, Ausschluss von Informationen, Kündigung der kritisierenden Personen) begegneten – mit dem bekannten Ergebnis, dass die WELEDA sehenden Auges jahrzehntelang ins Verderben driftete. Der Kontrast des jetzigen Managements, das sein „Ich“ zurücknimmt zugunsten der großen Aufgabe, die vor ihm steht, wird deshalb von allen Mitarbeitenden als Wohltat empfunden.
    Ebenso ist es doch mit den Verantwortlichen im Goetheanum. Ein Vorstandsmitglied, das öffentlich verkündet dass „auf einmal“ klar wurde, dass die WELEDA in Nöten ist und Handlungsbedarf besteht, obwohl dies ihm nachweislich schon fast ein Jahrzehnt bekannt war – handelt dieses Vorstandsmitglied im Interesse der Sache oder im Interesse seines ICHs, dem es unmöglich ist einen Fehler zuzugeben? Was bewegt einen Verantwortlichen für so wichtige „juristische Personen“ wie es die WELEDA und die AAG sind, die Nöte und objektiven Bedürfnisse dieser notleidenden „Institutionen“ so zu ignorieren?
    Kurz, ich bin sehr froh, dass im Vorstand nicht ein weiteres „großes Ich“ sitzt sondern eine Frau, der ich zutraue, mit ihrer starken und überzeugenden Persönlichkeit selbstlos, aber in vollem Ich-Bewusstsein, nach bestem Wissen und Gewissen die notwendigen Aufgaben zu ergreifen.
    Ein Vorstand muss in erster Linie dazu fähig sein, sein ICH in den Dienst der Aufgaben zu stellen, statt es überall öffentlich auszubreiten.

    Samstag, 6. April 2013

    Erscheinung vom anderen Stern: WELEDA Bannerwerbung bei Fußballtabellen?

    Mit meinem Sohn habe ich heute Fußballtabellen angeschaut, also für die Nicht-fußballer: Das sind die Tabellen im Internet, wo die Ergebnisse der verschiedenen Fußballwettbewerbe (1. Bundesliga, 2. Bundesliga ...) zusammengefasst und aktuell dargestellt werden. Ich traue meinen Augen nicht: Da kommt eine Bannerwerbung dazwischen - so ein ganz fieser Banner, der sich quer übers Bild schiebt und den man wegklicken muss und über den man sich eigentlich immer mehr ärgert als dass man ihn anschaut - also da schiebt sich so ein Banner mit WELEDA MANDEL GESICHCHTSPFLEGE über die Fußballtabellen. Ich stelle mir hier die Frage, ob das wirklich die richtige Zielgruppe ist - oder hat sich der Banner einfach verlaufen ...??? Oder waren auf meinem PC WELEDA als Stichwort gespeichert? Gekauft habe ich WELEDA jedenfalls nicht im Internet, auch nicht Produkte gesucht. Seltsam seltsam. Was wohl das Erscheinen eines solchen Banners kostet?

    Dienstag, 26. März 2013

    Ist WELEDA noch ein "anthroposophisches" Unternehmen?


    Diese Frage wurde auch auf der Jahresversammlung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft in einem Beitrag thematisiert. Diesem Beitrag zufolge ist der Anteil der Mitarbeiter bei WELEDA, die eine "anthroposophische" Einstellung haben und Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft sind, sehr gering, er schrumpfte in den letzten Jahren und Jahrzehnten (absichtlich oder fahrlässig?) auf einen heute geschätzten Anteil im niedrigen einstelligen Prozentbereich.
    Es stellt sich natürlich die Frage, ob ein Mitarbeiter der WELEDA "Anthroposoph" sein muss. Diese Frage ist schwer zu beantworten, da sie die Definition von "Anthroposoph" voraussetzt. Ist ein "Anthroposoph" ein Mensch der Mitglied in der Anthroposophischen Gesellschaft ist? Oder ist derjenige ein Anthroposoph, der sich mit der "Weisheit vom Menschen" beschäftigt"? Oder ist derjenige "Anthroposoph" der mindestens die wichtigsten Schriften Rudolf Steiners gelesen und studiert hat?
    "Anthroposophie" ist ein großes Wort, es bedeutet ja "Die Weisheit vom Menschen", und deshalb ist es auch ein sehr großer Anspruch, den die "Allgemeine Anthroposophischen Gesellschaft" in ihrem Namen führt und damit ausdrückt, dass sie nämlich "allgemein(gültig)" für die "Weisheit vom Menschen" zuständig ist.
    Wer die Debatten auf den Jahresversammlungen verfolgt wird vielleicht zu dem Schluss kommen, dass dieser Anspruch von dieser faktischen "Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft" kaum oder garnicht erfüllt wird, denn die Debatten sind eher das, was beispielsweise in einem "Verein zur Erhaltung und Bewirtschaftung des Goetheanums" zu erwarten wäre - doch kann man dies so kurz sehen? Dr. Seja Zimmermann hat dies in ihrer "Bewerbung" um eine Verlängerung ihrer Vorstandstätigkeit auch ausgedrückt, wenn Sie dort (sinngemäß) schreibt: "Ist die Anthroposophische Gesellschaft das was sie sein kann? Nein!"
    Diese Defizit wird also wenigstens von einigen Menschen im Vorstand gesehen - wird es thematisiert? Was wird dafür getan dass die Anthroposophische Gesellschaft das wird, was sie sein kann und was ihre Aufgabe ist?
    In meinen Augen ist die Frage, ob die WELEDA ein "anthroposophisches" Unternehmen ist, eng damit Verknüpft ob die "Allgemeine Anthroposophischen Gesellschaft" als ein Hauptaktionär ihrem Namen gerecht wird. Wenn die "Allgemeine Anthroposophischen Gesellschaft" ihren Namen als Verpflichtung, als Arbeitsauftrag sieht, unseren Globus, unsere Lebensräume mit "Weisheit vom Menschen", also "menschenweise" gestalten zu helfen, dann ist die WELEDA in meinen Augen ein wichtiges "Tool" um diesen Auftrag zu erfüllen, um die Menschen zu erreichen. Mit "menschenweisen" Körperpflegeprodukten und Medikamenten kann die "Allgemeine Anthroposophischen Gesellschaft" durch die WELEDA den Menschen im wahrsten Sinne des Wortes "hautnah" nahe kommen, sie kann durch die WELEDA "menschenweise" Informationen vermitteln, die heute von so vielen Menschen verzweifelt gesucht werden - so verzweifelt, dass sie in ihrer Suche oft in Sekten, in Freikirchen, in psychologischen Gemeinschaften (Scientology) und anderen esoterischen Strömungen "landen" die oft nur darauf aus sind an diesen Menschen Geld zu verdienen und sie abhängig zu machen. Die "Allgemeine Anthroposophischen Gesellschaft" hätte eigentlich die Aufgabe, weltweit so präsent zu sein dass sie als ganzheitliche, Religionen und Philosophien übergreifende Alternative empfunden wird, dass Sie die suchenden Menschen erreicht. Sie hätte die Aufgabe, gemeinsam mit den anderen positiven Kräften, die auf andere Weise "menschenweise" arbeiten, vielleicht sogar als integrierendes Element, aktiv die Erde zu gestalten, also gemeinsam mit den spirituellen Führern dieser Welt - ohne selbst als "Sekte" oder "Religion" in Erscheinung zu treten, sondern nur als "Wissenschaft"
    Hier spannt sich wieder der Bogen zur WELEDA. Die Tatsache, dass die "Allgemeine Anthroposophischen Gesellschaft" sich viele Jahrzehnte kaum bis garnicht um die WELEDA gekümmert hat, zeigt, dass sie diesen Arbeitsauftrag, der schon in ihrem Namen begründet liegt, nicht erfüllt und vielleicht sogar noch nicht einmal erkannt hat - deshalb hat sie sich auch nicht darum gekümmert, ob die WELEDA ein "anthroposophisches" Unternehmen ist und bleibt, hat unfähigen Managern jahrzehntelang die Leitung überlasse und war froh, von der WELEDA einige Fränki Dividende zu erhalten um den Goetheanumbau zu erhalten. Ich bin überzeugt dass die Existenz der WELEDA als "wesentliches" Unternehmen (nicht als ein austauschbarer Hersteller von Naturkosmetik unter vielen anderen Herstellern, dessen Unternehmenszweck es ist einige Fränkli zur Erhaltung der Bausubstanz des Goetheanums zu erwirtschaften) erst dann gerechtfertigt ist, wenn sie der "Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft" als Botschafter dient, was aber voraussetzt dass die "Allgemeine Anthroposophischen Gesellschaft" ihren Arbeitsauftrag erkannt hat, ihre Botschaften und Intentionen so formuliert hat dass sie von den Menschen der Gegenwart erkannt und verstanden werden, und dass Menschen in ihren Reihen vorhanden sind, die diesen Arbeitsauftrag weltweit angemessen vertreten können.
    Insofern wird es wenig nützen, wenn die WELEDA wieder verstärkt "anthroposophisch" orientierte Mitarbeiter einstellt, so lange die "Allgemeine Anthroposophischen Gesellschaft" ihren Arbeitsauftrag nicht erkannt und klar formuliert hat und die WELEDA als entscheidendes Kommunikationselement in diesem Arbeitsauftrag eine wichtige Rolle spielt, die sich dann auch im Arbeitsauftrag des WELEDA Managements wiederfinden muss - der Auftrag, der Verbreitung der "Weisheit vom Menschen" zu dienen.

    Sonntag, 24. März 2013

    Was machen die Ex-Manager?


    Da der administrative Wasserkopf bei WELEDA glücklicherweise abgebaut wurde, ist es nun interessant zu sehen, wohin es die Manager verschlagen hat. Welche neuen Aufgaben werden sie finden? Werden Sie zu Firmen wechseln, die WELEDA Konkurrenz machen?
    Fangen wir an mit Moritz Aebersold, der als langjähriges Mitglied der WELDEDA Gruppenleitung und der WELEDA Arlesheim in meinen Augen der Hauptverantwortliche für das finanzielle Desaster der WELEDA ist. Zu ihm meldet die Schweizer Plattform moneyhouse, dass am 17.01.2013 die Firma Contura Consulting AG mit einem Stammkapital von 100.000 CHF ins Handelsregister eingetragen wurde, einziges Verwaltungsratsmitglied mit Einzelunterschrift: Moritz Aebersold.
    Firmenzweck ist laut Handelsregisterauszug: Die Gesellschaft bezweckt die Unternehmensberatung und die Erbringung von Dienstleistungen in den Bereichen Management, Strategie, internationale Marktentwicklung, Branding und Design, ferner den Import und Export sowie den Vertrieb von Waren aller Art. Die Gesellschaft kann alle Geschäfte tätigen, die direkt oder Indirekt mit dem vorerwähnten Gesellschaftszweck zusammenhängen sowie alle Transaktionen des Mobilien- und Immobilienverkehrs vornehmen. Die Gesellschaft kann sich an anderen Unternehmen beteiligen und Zweigniederlassungen errichten.
    Es wird zu beobachten sein, ob und wie Herr Aebersold die bei WELEDA aufgebauten Netzwerke nutzen wird, ob er Konkurrenzunternehmen beraten wird ... .
    Ich frage mich, was einen Manager, der viele Jahre ein Unternehmen wie WELEDA geführt hat, der in vielen Verbänden der Kosmetik- und Pharmaindustrie Mitglied ist, bewegt, sich selbständig zu machen statt sich auf passende Führungspositionen in ähnlichen Unternehmen zu bewerben ...
    Selbständig gemacht hat sich auch Rudolf Frisch, der nach seinem Ausscheiden bei der WELEDA die Unternehmensberatung Commutatio Consult gegründet hat - ich habe Herrn Frisch aber als das einzige Mitglied des Managements in Erinnerung, dass sich nach meiner Entlassung um mich gekümmert hat. Und wenn wir dem Firmenprofil Glauben schenken, beschäftigt er sich mit dem Thema Personalfindung und -vermittlung sowie mit Organsiationsberatung - es ist also keine Konkurrenz zur WELEDA zu erkennen.
    Auch bei Erk Schuchhart ist dies nicht zu erwarten, denn die Lebensmittelzeitung meldet dass er im April als CEO die DAVERT GmbH führen wird. Wir wünschen ihm viel Erfolg.
    Leider gibt es aus der "zweiten Reihe" des Managements aber unschönes zu vermelden: Olaf Maurice, ehemals Vertriebsleiter WELEDA Frankreich, und Martine Schmitt, ehemals Personalleiterin bei WELEDA Frankreich, haben im Elsass eine eigene Naturkosmetik-Produktion begonnen mit dem Ziel in Frankreich der WELEDA Konkurrenz zu machen.
    Dass es auch anders geht, zeigt Nicolai Keller, 2008 bis 2012 Mitglied der Geschäftsleitung der WELEDA, der immer parallel zu seiner Tätigkeit bei WELEDA seine Rechtsanwaltspraxis geführt hat und seit Januar Geschäftsführer des Nicolaus-Cusanus-Hauses in Stuttgart ist. Und dies macht er gut - wie dieser Bericht in der Stuttgarter Zeitung eindrücklich zeigt.

    Wir werden sehen, was es hier noch zu vermelden gibt ... Hinweise sind immer willkommen.

    Samstag, 3. November 2012

    Aus dem "Nähkästchen" geplaudert ...


    Inzwischen erreichen mich einige Zuschriften von Menschen, die von der Misere bei der WELEDA betroffen sind bzw. die einen Einblick in die Geschehnisse haben und deren Identität ich hier natürlich nicht preisgeben kann. Ihre Berichte und Einschätzungen von aktuellen und vergangenen Zuständen und Entscheidungen des Managements stellen aber natürlich auch immer nur eine persönliche Meinung und (authentische) Beurteilung dar.

    Zum Blog selber heisst es da u.a.:
    "... Ihren Blog habe ich immer sehr geschätzt und eigentlich ist es ein Jammer, dass er überhaupt nötig ist, weil niemand gekommen ist und gesagt hat, ja, das sind gute Ideen, das setzen wir um.
    Aber vielleicht wird das jetzt besser, wenn irgendwelche Egoismen immer weniger nützen."

    Zur aktuellen Situation:
    "... In Schwäbisch-Gmünd wurde kürzlich wieder mit den "alten" Methoden gekündigt, 13 von 18 Mitarbeitenden im Medizinischen Außendienst, sehr rüde und unvorbereitet, behalten wurden ausgesprochen nur die "Gehorsamen", "Leicht zu Führenden", die die selbst denken und schon 20 Jahre und mehr dabei sind, sind unerwünscht.
    ... Ralph Heinisch wird als sehr wohltuend wahrgenommen, weil auch erreichbar für die "einfachen" Mitarbeiter, aber das Übel scheint sein "Einflüsterer", Andreas Sommer zu sein, der letzte, der von der Basler Führungsriege übriggeblieben ist. ...
    ... Herrn Heinisch ist es ja egal, wen er kündigt, er kennt sich noch nicht so aus. ...
    ... Es wird also immer noch unnötig viel Porzellan zerschlagen ...
    ... Auch wenn die Zahlen bald wieder stimmen, es geht doch auch um den Erhalt der Zukunftsfähigkeit! Selbst wenn man sich derzeit von langjährigen Mitarbeitern trennen muss - und damit von sehr viel Know-How -, sollte das doch unter Bedingungen geschehen, die die Menschen nicht langfristig verstören. Das scheint auch von den Neuen am Ruder offensichtlich noch viel zu wenig verstanden zu werden. ..."

    und
    " ... Über die Notwendigkeit von Sanierungen braucht man nicht diskutieren. Es ist auch richtig, den Wasserkopf im Management abzubauen. Jetzt aber sind Führungskräfte am Werk, die über keine Qualifizierung im Arzneimittelbereich verfügen.
    ... Der gesamte Außendienst Medizin wurde aufgelöst, langjährige und engagierte Mitarbeiter mit umfassendem Wissen entlassen.
    ... Nirgendwo in der Presse findet man, dass WELEDA zur Zeit umfangreiche Entlassungen durchführt. "Natürlich" geschieht das im gegenseitigen Einvernehmen und die Mitarbeiter unterschreiben, dass nichts an die Öffentlichkeit gelangt."

    und mehr auf die Vergangenheit bezogen:
    "...die vielen Leute im Headquarter Basel und die, die nachher in Arlesheim alle eingestellt wurden, sind vollkommen oversized (= es sind viel zu viele), man hatte dort eine eigene Business Unit (= Abteilung) für Naturkosmetik angesiedelt (Head Marketing NOC (=  Marketingleiter für Naturkosmetik), Head of F & E  NOC (= Leiter der Forschung und Entwicklung Naturkosmetik), Head of Production NOC (= Produktionsleiter Naturkosmetik), Head Projektleitung NOC.). Die F & E Naturkosmetik (Galenik) wurde von Schwäbisch Gmünd nach Arlesheim verlegt wo die F & E  Actives / Fragrances (= Wirkstoffe / Düfte) schon waren, incl. den beiden Verpackungsentwicklern. In Schwäbisch Gmünd hat man die Abteilung F & E Galenik NOC dann geschlossen, die Leute (Laboranten, Chemieingenieure usw.) dort sind dann gegangen, nur die zwei Verpackungsingenieure sind in Schweiz mit umgezogen, für die hat man dann noch zusätzlich einen Teamleiter gesucht. Für jeweils Galenik und Actives in CH wurden neue Leiter über Consulting Firmen eingestellt, für die einzelnen NOC Segmente (Baby, Face, Body, Hair, Cleansing) wurden Entwicklungsingenieure und Laboranten neu eingestellt, die meisten auch über Consulting Firmen. In Basel wurden in 2011 bis Anfang 2012 noch neue Nachhaltigkeitsbeauftragte, Marketingconsultants, Projektleiter bzw. ein Leiter Projektmanagement eingestellt (von renommierten Unternehmen).
    Bemerkung: Eine Anwerbung von Fachkräften über Consultingfirmen kostet immer richtig Geld, denn diese Firmen lassen sich ihre Dienste etwas kosten. Das Einschalten von Consultingfirmen zur Personalsuche ist immer dann notwendig, wenn niemand in der Firma die wirkliche Verantwortung für die Entscheidung für oder gegen einen Mitarbeiter / eine Mitarbeiterin übernehmen will oder wenn niemand die Zeit hat, sich darum zu kümmern. 
    ... Naturkosmetik sind immer Kleinmengen gegenüber konventioneller Kosmetik, der Headcount ist vollkommen oversized.
    ... Weleda kann nicht so viele Flaschen/Tuben bzw. neue Artikel listen damit sich der ganze personelle Headcount rechnet. Die Verpackungsentwicklung kann man über beide Sparten (Pharma und NOC) abdecken, das Supply Chain Management bzw. Quality ist auch für beide Sparten zuständig. Der dezentrale Einkauf ist ein Luxus den sich das Unternehmen leistete, drei Länder kaufen Kleinstmengen an Gläsern, Tuben, Kartonagen usw. ein, die Lieferanten schüttelten den Kopf. Die Glashütten lieferten z.T. nicht mehr direkt wegen den Mengen und verweisen auf Händler. Andere Lieferanten hatten die Mindestbestellmengen signifikant erhöht."

    Bemerkungen eines Kunden (Therapeuten):
    "... beim sporadischen Lesen Ihres Blogs sehe ich immer wieder das Bild von Rudolf Steiner auf der rechten Bildseite. Es ist ein sehr bezeichnendes, gut gewähltes Bild. Rudolf Steiner wollte ursprünglich sehr viele WELEDA-Niederlassungen mit einem ureigenen Impuls: zeitgemäße Heilmittel herstellen.
    ... Der anthroposophische Geist weht, wo er will. Der "Niedergang" im finanziellen Geldwesen der WELEDA hat mit dem spiritus rector zu tun, der dort abhanden gekommen ist.
    ... Ich beobachte diese Entwicklungen auch schon seit Jahren, zumal die WELEDA auch Therapeuten vor den Kopf gestoßen hat mit einseitigen bzw. ignoranten Maßnahmen.
    Es sind ja Abgründe in unserem Zeitalter schon aufgerissen zwischen Mensch und Mensch!
    In einer Weise, wie es die Menschen gar nicht ahnen, gehen sie heute aneinander vorbei, ohne sich im geringsten zu verstehen. [...]
    Wie blind heute die Menschen aneinander vorbeigehen, das sieht man dann, wenn diese Menschen in den mannigfaltigsten Gesellschaften und Sozietäten sich vereinigen. Die sind heute oftmals für die Menschen durchaus nicht eine Gelegenheit, Menschenkenntnis sich zu erwerben. Die Menschen können heute jahrelang mit anderen Menschen zusammensein und sie nicht genauer kennen als sie sie kannten, als sie mit ihnen bekannt geworden sind. [...]
    Und das ist das ungeheuer Wichtige, daß in uns der Trieb erwacht, nicht bloß den Menschen, wenn wir ihm gegenüberstehen, nach Sympathien und Antipathien zu empfinden, nicht bloß in uns den Trieb erwachen zu lassen, irgend etwas am Menschen zu lieben oder zu hassen, sondern ein liebe- und haßfreies Bild, wie der Mensch ist, in uns zu erwecken.
    12.12.1918, GA 186, S. 170ff."