Freitag, 23. März 2012

Neuer Verwaltungsrat gewählt

Während einer dreistündigen Sitzung von 14  bis 17 Uhr im Grundsteinsaal des Goetheanmus wurde heute, am 17.3.2012, WELEDA- und anthroposophische Geschichte geschrieben. (Ob es allerdings möglich ist, nach drei Stunden ohne Pause noch eine überlegte und durchdachte Entscheidung zu fällen, sei dahingestellt ...) Die dort anwesenden Aktionäre (es waren auch einige Inhaber von Partizipationsscheinen ohne Stimmrecht da) wählten einen völlig neuen Verwaltungsrat:
In den Verwaltungsrat wurde gewählt
Herr Paul Mackay (geb. 1946), Seit 1996 Mitglied des Vorstandes der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft, Dornach. Paul Mackay  studierte Wirtschaftswissenschaften in Rotterdam und Business Administration in Fontainebleau. Nach einigen Jahren Tätigkeit im internationalen Bankwesen folgte die Begegnung mit der Anthroposophie und deren Studium in England und Deutschland (1974-1977). Von 1977 bis 2012 war Paul Mackay im anthroposophischen Bankwesen tätig, unter anderem als Mitbegründer und Direktor der Triodos Bank, Niederlande, und als Vorstand der GLS Bank, wo er bis zum 16. März 2012 Vorsitzender des Aufsichtsrats war.
Herr Dr. math. Andreas Jäschke (geb. 1956), seit 2008 Mitglied im Verwaltungsrat und Leiter Finanzen und Controlling der Ita-Wegmann-Klinik, Arlesheim. Andreas Jäschke studierte Mathematik, Philosophie und Musik an den Universitäten Bielefeld und Athens, Georgia (USA). Nach Tätigkeiten in Forschung und Lehre promovierte er in Mathematik. 1998 folgte eine Leadership-Ausbildung bei MIRA in Deutschland und 2007 die Ausbildung zum DAS Controller an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Seit 1993 ist Andreas Jäschke an der Ita Wegman Klinik in Arlesheim tätig. 1998 wurde er Mitglied der Klinikleitung. Seit 2005 ist er Vorstandsmitglied des internationalen Verbandes der anthroposophischen Kliniken.
Herr Dr. med. Harald Matthes  (geb. 1961), Ärztlicher Leiter des Klinikums Havelhöhe, Berlin. Harald Matthes besuchte die Rudolf Steiner-Schule und studierte Humanmedizin in Berlin. Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter für Innere Medizin und Gastroenterologie am Universitätsklinikum Charité, wo er 1987 promovierte. Es folgten Auslandsaufenthalte in London (UK) und Stanford (USA). Harald Matthes ist Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologie / Onkologie und Psychotherapie. Seit 1995 leitet er die Abteilung für Gastroenterologie am Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe, welches er mit begründete und wo er auch als Ärztlicher Leiter tätig ist. 2011 folgte die Habilitation an der Charité Berlin im Fach Innere Medizin. Harald Matthes ist Mitglied der Kommission C und der Stufenplankommission am deutschen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sowie Mitglied der Kommission Medizin der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) und des Nationalen Krebsrates AG5. Er ist zudem Mitglied des Vorstandes der Hufelandgesellschaft, der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Tumorzentren (ADT) sowie des Tumorzentrums Berlin (TZB und TZKB).
Frau Elfi Seiler (geb. 1955), seit 2002 Mitinhaberin der St.-Peter-Apotheke in Zürich und Präsidentin des Trägervereins des Paracelsus-Spitals Richterswil. Elfi Seiler ist gelernte Drogistin. Sie ist seit 23 Jahren Mitarbeiterin der St. Peter-Apotheke in Zürich. Elfi Seiler gehört seit 15 Jahren der Geschäftsleitung an und ist Präsidentin des Verwaltungsrates der Apotheke.
Herr Dr. jur. Jürg Galliker (geb. 1964), Advokat und Mediator, seit 2001 Partner bei der Kanzlei Natterer - López - Galliker und Partner, Basel und seit Oktober 2011 ehrenamtlicher Präsident des Stiftungsrats der Wegwarte Basel. Jürg Gallicker studierte Jura, erwarb 1991 das Anwaltspatent und promovierte 1994 an der Universität Basel zum Dr. iur. Rechtsanwalt. Nach Tätigkeiten im Konzernrechtsdienst eines Basler Pharmaunternehmens und im Rechtsdienst einer Basler Privatbank wechselte er zu seiner jetzigen Kanzlei. Im Jahre 2006 schloss er an der Fachhochschule Nordwestschweiz die Ausbildung zum Mediator ab. Seit Oktober 2009 ist Jürg Galliker freiberuflicher Anwalt in Basel und berät und unterstützt Unternehmen und Organisationen sowie Privatpersonen in rechtlichen und unternehmerischen Fragestellungen.
Paul Mackay - Dr. Andreas Jäschke - Dr. Harald Mettes - Elfi Seiler - Dr. Jürg Galliker:
Der neue Verwaltungsrat der WELEDA.
Wünschen wir ihm Erfolg und Entscheidungsfreudigkeit bei seiner Arbeit!
Von dieser Stelle aus kann dem neuen Verwaltungsrat nur viel Glück und Entscheidungsfreude gewünscht werden bei dem schwierigen Vorhaben, die WELEDA zu retten und die notwendigen weiteren Schritte ebenso konsequent zu gehen, denn neben einem neuen Verwaltungsrat bedarf es mindestens ebenso dringend einer neuen Geschäftsleitung. Vor allem diejenigen Mitglieder der Geschäftsleitung, die WELEDA in jahre- und teilweise jahrzentelanger Arbeit konsequent auf den Weg in die jetzt drohende Insolvenz geführt haben, müssen schnellstmöglich durch Menschen ersetzt werden, die die wahren Werte und Ziele der WELEDA verinnerlichen und über das Streben nach persönlicher Macht und Anerkennung stellen. Denn nur einen neuen Verwaltungsrat zu wählen, der dann in der operativen Führung alles beim Alten lässt, ist wenig sinnvoll.
Die Kunst wird sein, Menschen für die operativen Führungsaufgaben zu finden, die das Kunststück vollbringen, die für WELEDA nötige Liquidität zu schaffen, möglichst vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den Arbeitsplatz zu erhalten und die Produktion weiter laufen zu lassen.
Ich persönlich hoffe sehr, dass sich in einem Punkt die Geschichte nicht wiederholt: Als Rolf Kerler noch im Vorstand der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft war, konnte ich einige Gespräche mit ihm führen über die Zustände in der WELEDA und der Geschäftsleitung. Er hörte mir verständnisvoll zu - es geschah aber nichts. Dann wurde er Mitglied des Verwaltungsrates - und es änderte sich trotzdem nichts in der operativen Führung. Auch mit Herrn Paul Mackay habe ich schon über die WELEDA gesprochen, auch er hat mir verständnisvoll zugehört, es ist bis jetzt nichts geschehen. Nun wird auch er Mitglied des Verwaltungsrates. Hoffentlich ändert sich jetzt auch etwas in der operativen Führung!

5 Kommentare:

  1. Wirklich überzeugend: keine einziger Branchenkenner im neuen Verwaltungsrat! Das wird ja noch heiterer werden als bis anhin schon war. Das Chaos im "basisdemokratischen" Laden wird weitergehen, wo es zwar gelegentlich anthroposophisch vereint nach monatelangem Debattieren zu Entscheidungen kommn wird, die dann mit ebenso anthroposophischen Spielchen wieder umgekippt werden. So war es, bei Weleda, bis jetzt. Es wird eng, sehr eng...

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  2. @anonym: Der Verwaltungsrat soll und muss ja nicht das operative Geschäft führen. Er soll und muss "nur" geeignete Führungskräfte finden und einsetzen. Insofern ist Branchenkenntnis m.E. sicher nützlich, aber ihr Fehlen m.E. kein Ausschlusskriterium ...

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  3. Basisdemokratisch geht es bei der Weleda schon lange nicht mehr zu. Auf Branchenkenntnisse verzichtet man ebenfalls schon seit längerem zugunsten vollmundig klingender Management-Titel, vornehmlich aus St. Gallen. Stattdessen trennte man sich in den vergangenen Jahren in äußerst unschöner Weise von vielen erfahrenen und engagierten Mitarbeitern. Zukunft trägt Verantwortung? Nicht mehr bei Weleda! Und schon gar nicht mit diesen Führungskräften.

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  4. Das Panik auf der Goetheanumtitanic angesichts der eklatanten Finanznot bei den Anthroposophen ausbricht ist verständlich (darüber berichten die Medien erstaunlicherweise nichts...). Dass der Vorstandsvorsitzende der Gesellschaft gleich auch noch die Weleda steuern will ist aber ein Witz. Da weiss man in Salt Lake City Kommerzielles und Spirituelles wesentlich besser zu trennen.

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  5. Eine "Weledamed" gründen für die Anthroposophika und teilweise zusammen mit Wegmanklinik quasi innerhalb des Zirkels vermarkten, alles andere zu guten Konditionen outsourcen an einen Partner, der es tatsächlich kann und keine Nullsummendebatten darüber führt, ob eine Produktidee anthroposophisch oder nicht. Und staunen, was der Brand "Weleda" noch so alles hergibt.

    Danke, gern geschehen.

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