Montag, 28. Januar 2008

Lesehilfe für die TRANSPARENZ

Da mir öfters gesagt wurde: "Ja, die WELEDA steht doch gut da!" möchte ich einige Lesehilfen geben für den Geschäftsbericht 2006, euphemistisch TRANSPARENZ 2006 genannt. Sie können ihn hier in datenreduziertem Format herunterladen.

Wichtig ist, dass auch die immer verwendete Ausrede und Behauptung, WELEDA verdiene kein Geld weil sie in die Forschung und Entwicklung der Arzneimitel investieren müsse, relativiert wird. Wenn stolz eine Investitionssumme von 25 Mio CHF in 5 Jahren für Arzneimittelforschung prognostiziert wird, sind das 5 Mio CHF pro Jahr und bei 323 Mio CHF Jahresumsatz etwa 1,5 % - etwas mehr als die jährlichen Zinszahlungen und eine Betrag, der für ein erfolgreiches Naturkosmetikunternehmen irrelevant sein sollte und der nur ca. 1/4 der Verwaltungskosten beträgt - viellieicht sollten die Verwaltungskosten statt um knapp 2 Mio CHF gesteigert besser um 2 Mio CHF gesenkt werden, dann wären die Forschungkosten schon fast finanziert.

Interessant sind die Seiten 43 - 55.

Die Bilanzen an sich sind nicht so interessant, denn da muss oben und unten nur alles stimmen.
Etwas aussagekräftiger ist die "Erfolgs"-Rechnungen auf Seite 43 und 45 - die ja wohl besser - da MINUS im Ergebnis - "Misserfolgs"-Rechnungen heissen sollten.
Sie weisen für die WELEDA Gruppe einen Fehlbetrag von TCHF 113 aus.
Gesamtergebnis also MINUS TCHF 113 bzw. ca. 80 T€.

Position 1a: Finanzanlagen der WELEDA Arlesheim
Hier waren die Entscheidungen wohl nicht so glücklich. Bei der WELEDA Gruppe taucht ein Dr. Greenfinger - vielleicht besser "Goldfinger" genannt - auf mit einer "Einzelwertberichtigung" von CHF 110.000 CHF.
Falsch ausgeliehenes Geld also im Wert von 110.000 CHF!

Position 4: Eigenkapital
Das Eigenkapital der WELEDA Gruppe hat sich auf dem Papier leicht erhöht, bei näherem Hinschauen sieht es anders aus, denn der Erhöhung stammt aus der Veränderung des Umrechnungskurses CHF : €. Diesen Posten und rein buchhalterische Korrekturen herausgerechnet vermindert sich das Eigenkapital um 0,855 Mio CHF.
Eigenkapitalentwicklung also: MINUS 0,855 Mio CHF oder knapp 1% des gesamten Eigenkapitals

Position 6: Verbindlichkeiten - im Verhältnis zu sehen zu Position 4 Forderungen
Verbinden wir beide Positionen, so ergibt sich folgendes Bild:
WELEDA Gruppe: 2005: 105,5 - 48,5 = - 57 Mio CHF, 2006: 138 - 57 = - 81 Mio CHF
Aufgerechnet also: Verbindlichkeiten in Höhe von 81 Mio CHF bzw. 83 % des Eigenkapitals und eine Steigerung auf 142 % des Vorjahres

Position 11: Sonstige Aufwendungen
Interessant ist, dass die Verwaltungskosten bei WELEDA Gruppe um von 17 auf 19 Mio CHF - also um 1,85 Mio CHF zugenommen hat.
Verwaltungskostenzuwachs also 1,85 Mio CHF oder knapp 10 % auf knapp 6 % des Umsatzes

Position 13: Zinsergebnis
Die Zinsbelastung abzüglich Zinserträge steigt von 1,2 Mio CHF auf 4 Mio CHF jährlich.
Monatlich Zinsen: 333.000 CHF oder 210.000 €

Position 14:
Abschreibungen über 1 Mio CHF für die HeartBalance AG. Verantwortlich (siehe http://www.zefix.ch/): Moritz Aebersold (auch Geschäftsführer WELEDA Arlesheim und zeichnungsberechtigtes Mitglied im Verwaltungsrat der WELEDA AG) als Präsdent des Verwaltungsrates der HeartBalance AG. Da wurden also 1 Mio CHF für eine fixe Idee einiger WELEDA Manager in den Sand gesetzt, die meinten, es wäre so einfach in der Medizingeräteindustrie mitzuspielen.
Verlust durch Fehlinvestition: 1 Mio CHF

Seite 54: "Zur Sicherung eigener Verpflichtungen verpfändete oder abgetretene Aktiven sowie Aktiven unter Eigentumsvorbehalt" - sprich: Es wurde Geld geliehen und eigene Aktien verpfändet, um das Gebäude in Arlesheim zu erstellen (weitgehend). Steigerung in einem Jahr von 12,7 Mio CHF auf 25,3 Mio CHF.
Verpfändete Aktien im Wert von 25,3 Mio CHF, eine Steigerung auf 200 % des Vorjahreswertes

Es fehlen aber - trotz dem euphemistischen Namen "TRANSPARENZ" - Angaben über die Bezüge der Mitglieder der Geschäftsführung sowie die Tantiemen der Mitglieder des Verwaltungsrates.

Fazit: Es müssen noch viele Tübchen und Fläschchen verkauft werden, um diese Misswirtschaft wieder auszugleichen. Ob das je geschehen wird, steht in den Sternen.
WELEDA ist ein Vermächtnis von Rudolf Steiner - und wird hier und wurde seit Jahrzehnten hemmungslos heruntergewirtschaftet - und die Anthroposophen und die Anthroposophische Gesellschaft schauen einfach zu!

Freitag, 18. Januar 2008

Geschwächt und zurück in den Kapitalismus

Am 14.12.2007 erschien im "Goetheanum" folgender Artikel von Cornelius Pietzner (Schatzmeister am Goetheanum) - ich erlaube mir, einige Kommentare (K:) einzufügen.

Gestärkt und weiterhin gemeinsam in die Zukunft (K: die richtige Übeschift müsste heissen: siehe oben)

Partizipation der AAG und IWK an der Weleda AG.
Die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft (AAG) und die Ita-Wegman-Klinik (IWK) folgten bereits im September dem Vorschlag des Verwaltungsrates (K: Der personell weitgehend identisch ist mit dem Management = Geschäftsführung) der Weleda AG, das Eigenkapital der Weleda AG zu erhöhen. (K: ... denn leider waren die in den letzten Jahren erwirtschafteten Erträge zu gering, um das notwendige Wachstum aus eigener Kraft zu bewerkstelligen.)
Auf die Weleda AG kommen in diesen Jahren hohe Investitionen zu, will sie ihren Weg, anthroposophische Heilmittel und Kosmetika international anbieten zu können, weiter erfolgreich fortsetzen. (K: "Erfolgreich" ist anscheinend ein sehr dehnbarer Begriff. Eine negative Bilanz im letzten Jahr und unter einer Sparbuchverzinsung liegende Erträge in den Vorjahren als "Erfolg" zu verkaufen, dazu gehört schon viel Phantasie ...) Um diese besonderen Aufwendungen (K: "besondere Aufwendungen" bedeutet einfach nur, dass das Management die Anforderungen der Zukunft nicht einkalkuliert hat - denn sonst wäre das Geld für Investitionen da) solide finanzieren zu können, folgten die Aktionäre dem Vorschlag des Verwaltungsrates, das Eigenkapital der Weleda AG zu erhöhen.
(K: Andere Firmen der Naturkosmetikbranche finanzieren das Wachstum aus Eigenmitteln - diese stehen aber dank des schlechten Managements bei WELEDA nicht zur Verfügung.)
Zu diesem Zweck wurde an der außerordentlichen Generalversammlung der Weleda AG in Arlesheim am 11. September 2007 beschlossen, maximal 16000 weitere stimmrechtslose Partizipationsscheine zu je 500 Franken nominal auszugeben. Der Ausgabepreis wurde auf 1250 Franken pro Partizipationsschein festgelegt. Mit diese Kapitalerhöhung ist gemäß den Statuten der Weleda die Eigenkapitalfinanzierung ausgeschöpft.
(K: Das bedeutet auf Deutsch: Mehr Geld kann nicht gepumpt werden, wenn das Management weiter so rumwurschtelt und kein Geld verdient, geht WELEDA pleite - oder kann eben nicht weiter investieren und wachsen und wird von der wirklich erfolgreichen Konkurrenz abgehängt!)
Als Hauptaktionären stand sowohl der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft (AAG) wie auch der Ita-Wegman-Klinik (IWK) ein gesetzliches Bezugsrecht entsprechend ihren bisherigen Beteiligungen (21,46 Prozent für die AAG und 12,34 Prozent für die IWK) zu.
(K: Wahrscheinlich handelt es sich hier um die finanziellen Beteiligungsprozente, denn die Stimrechtsaktien sind ja wohl anders verteilt - verantwortlich sind die AAG und die IWK, denn sie sind stimmberechtigt!)
Sowohl aus ideellen als auch aus wirtschaftlichen Gründen lag den Verantwortlichen von Klinik und Anthroposophischer Gesellschaft daran, dieses Maß der Beteiligung an der Weleda aufrechtzuerhalten; doch weder AAG noch IWK besaßen die nötigen eigenen freien Finanzmittel, um in dieser Höhe, nämlich 4,3 Millionen respektive 2.5 Millionen Franken, Partizipationsscheine zeichnen zu können. Deshalb unternahmen die Finanzverantwortlichen in AAG und IWK Schritte, um die Weleda mit dem gewünschten Zukunftskapital zu versorgen.
(K: "Zukunftskapital" ist eine schöne Umschreibung für den "letzten Rettungsanker" - denn nach diesem "Zukunftskapital" ist die "Zukunft" aufgebraucht - wenn nicht endlich Geld verdient wird.)
Der eignerfreundliche Preis der Partizipationsscheine gab Anlass, nach einem Partner zu suchen, der bereit wäre, zu einem höheren Preis als dem Ausgabepreis Partizipationsscheine zu übernehmen. Damit wäre eine Finanzierung der eigenen Partizipationsscheine gegeben. Dieser Partner wurde in der zur Verfügung stehenden Frist gefunden. Es handelt sich um eine schweizerische Vermögensverwaltungsgesellschaft, Albin Kistler AG, die im Namen ihrer Kunden an einer langfristigen Beteiligung interessiert ist und die Firmenkultur der Weleda AG, anthroposophische Grundsätze mit wirtschaftlichen Zielen in Einklang zu bringen, ausdrücklich bejaht.
(K: Die Verscherbelung an einen eindeutig renditeorientieren Investor (Albin Kistler über Albin Kistler: "Wir sind vorsichtige und konservative Anleger – für uns stehen Sicherheit, Substanz und Rendite im Zentrum.") ist ein endgültiger Bruch mit der anthroposophischen Tradition der WELEDA. Dass der Investor eingestiegen ist - und zwar weit über dem Nennwert der Partizipationsscheine - zeigt, dass WELEDA einen potentiellen Wert hat. Lohnen würde sich der Einstieg für die Vermögensverwaltung (und auch für alle anderen Aktionäre) vor allem, wenn WELEDA-Aktien ein frei handelbares Börsenprodukt werden. Durch die Ausgabe von Partizipationsscheinen wird der Anteil der AAG immer geringer und so das Kapital der Anthroposphischen Gesellschaft vernichtet!)

Scheine gemeinsam gezeichnet
Vor diesem Hintergrund haben AAG und IWK am 25. September beschlossen, gemeinsam 12000 Partizipationsscheine zu zeichnen. Davon wurden 6000 Partizipationsscheine an den Kunden von Albin Kistler AG übertragen. Aus dem Erlös der Übertragung konnten die Ita-Wegman-Klinik und die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft ihre Partizipationsscheine finanzieren und ihren Kapitalanteil an der Weleda AG aufrechterhalten.
(K: Rechnung: 12.000 Partizipationsscheine (PS) - im Nominalwert von 500 SFr - x 1.250 SFr. = 15 Mio SFr.. Finanziert durch den Verkauf von 6.000 PS für 15 Mio SFr. = 2.500 SFr. pro PS.)

Kommentar:
Dies ist Kapitalismus und Spekulation in Reinkultur. Da werden auf der einen Seite große Worte über ein dreigegliedertes Sozialwesen, über neue Formen der Geldkultur etc. geredet, praktisch werden aber Finanzierungskonzepte des 19. Jahrhunderts angewendet. Aber kein Aufschrei geht durch die Migliedschaft. Kein Protest regt sich.
Sind die Leser des "Goetheanums" alle schon so vergreist oder verstehen sie zu wenig von finanziellen Zusammenhängen?
Oder lassen sie sich einfach von der euphemistischen (= schönfärberischen) Wortwahl einlullen?
Oder vertrauen sie (blind) einfach, dass die "lieben Freunde" im Management, im Verwaltungsrat und in der "Schatzmeisterei des Goetheanums" es schon richtig machen???

Viellleicht würde Sie eine Meldung wie die folgende ja aufschrecken:

WELEDA das letzte Mal vor Pleite und Bedeutungslosigkeit gerettet
Da die WELEDA AG durch die miserabelen Geschäftsergebnisse der letzten Jahre nicht in der Lage ist, die für den "Stand der Technik" dringend notwendigen Investitionen aus Eigenmitteln zu tätigen, wurde von dem - mit dem für die schlechten Geschäftsergebnisse verantwortlichen Management personell weitgehend identischen - Verwaltungsrat eigenmächtig und ohne Diskussion mit den wirklichen Eignern - den Mitgliedern der Anthoposophischen Gesellschaft - beschlossen, ein letztes Mal Fremdkapital durch die Ausgabe von Partizipationsscheinen aufzunehmen. Ein letztes Mal deshalb, weil mit dieser Fremdbeteiligung der satzungsmäßig maximal zulässige Anteil an Fremdkapital erreicht ist, weitere Fremdbeteiligungen sind nicht mehr möglich - WELEDA steht so mit dem Rücken an der Wand.
Um das Heft nicht ganz aus der Hand zu geben, wendete der Verwaltungsrat einen am Kapitalmarkt üblichen Trick an: Partizipationsscheine im Nennwert von 500 SFr. wurden mit einem Ausgabekurs von 1.250 SFr. bewertet und davon die Hälfte an einen schweizer Finanzinvestor zum doppelten Preis weiterverkauft. Welche Renditeerwartungen dieser Finanzinvestor hat und vor allem, wie diese Renditeerwartungen befriedigt werden können, bleibt Geheimnis des Managements bzw. des (personell identischen) Verwaltungsrates, denn die schlechten Geschäftsergebnisse der letzten Jahr, verbunden mit der geringen Eigenkapitalquote, zeigen jedem Finanzanalysten deutlich an, dass es sich um eine strukturelle Schwäche der Firma handelt und nicht um saisonale oder marktbedingte Schwankungen - vor allem da die schlechten Ergebnisse in einem sonst boomenden Markt (Naturkosmetik) erwirtschaftet werden.

Wer es gemerkt hat: Die Meldungen sind identisch - es kommt eben immer auf die Verpackung an.

Freitag, 11. Januar 2008

Eine Zensur findet (nicht) statt - ist das anthroposophische "Diskussionskultur"?

Der interessanteste Inhalt ist nichts wert, wenn er nicht gelesen wird - deshalb wollte ich eine Kleianzeige schalten auch in der anthroposophischen Zeitschrift "Die Drei".

Sie sollte lauten:

www.weledablog.eu- WELEDAs* Aufgabe und
die (traurige) Realität. Warum WELEDA nicht nur
eine Kosmetikfirma ist. Was ihre Aufgabe gewesen
wäre und warum ALLE Anthroposophen für sie
und ihr Scheitern mit verantwortlich sind.

Leider wurde diese Anzeige abgelehnt. Begründung: "Die Rubrik Kleinanzeigen dient nicht als Forum für Angriffe (ob berechtigt oder nicht spielt keine Rolle) auf andere Institutionen."

Ist das die "anthoposophische Diskussionskultur"? Mit diesem Blog will ich ja in keinster Weise die WELEDA angreifen, sonderen darauf aufmerksam machen, dass sie - nach meinen Erfahrungen, die sich durch Gespräche mit (ehemaligen) Kolleginnen und Kollegen immer wieder bestätigt - durch ein seiner Aufgabe nicht bewusstes und teilweise unfähiges Management zugrunde gerichtet wurde und immer weiter wird, und dass die Verantwortlichen dafür die Mitglieder der Anthroposphischen Gesellschaft sind, die als Eigentümer ihren Eigentümer-Pflichten nicht nachkommen, da sie - wie auch aktuell die Kleinanzeigen-Redaktion von "Die Drei" - kontroversen Diskussionen aus dem Weg gehen und lieber "die lieben Freunde (im Management)" weiter schalten und walten lassen und dabei nicht wahrnehmen, dass sie damit die Wirksamkeit der Anthoposophischen Gesellschaft in der Welt zerstören, indem sie ihr die wirtschaftliche Grundlage entziehen.

Ich möchte auch ganz deutlich betonen:
WELEDA hat hoch motivierte, begeisterungsfähige und teilweise geniale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ich schätze meine ehemailgen Kolleginnen und Kollegen sehr, einige bewundere ich geradezu. Umso tragischer ist es, dass ihre Arbeit nicht die volle Wirkung entfalten kann, weil der (wirtschaftliche) Erfolg durch ein in meinen Augen unfähiges Management konterkariert wird.

Mir tut ja auch Herr Pietzner (Schatzmeister der Anthroposophischen Gesellschaft am Goetheanum) leid, der jeden Franken umdrehen muss und zu jedem Weihnachtsfest Bettelbriefe schreiben - das war sicher nicht in Rudolf Steiners Sinne. Rudolf Steiner wollte, dass die Anthroposophie in der Welt wirksam wird und dass die WELEDA Kosmetik die Anthroposphische Arbeit in der Welt finanziert - und andere Naturkosmetikfirmen beweisen ja, dass es durchaus möglich ist, mit guter Naturkosmetik richtig Geld zu verdienen.

*WELEDA ist ein eingetragenes Markenzeichen der WELEDA AG, die zu über 30 % der Anthroposophischen Gesellschaft gehört, deren Mitglied ich seit über 2 Jahrzehnten bin. Als Miteigentümer fühle ich mich für diese Gesellschaft mitverantwortlich.

Samstag, 5. Januar 2008

WELEDA* in Asien - (m)eine Vision

Rudolf Steiner hat ja wohl einmal bemerkt, dass, wenn Anthroposophie in Europa nicht kulturwirksam wird, sie aus "dem Osten" erneuert werden muss. Anthroposophen haben deshalb in den osteuropäischen Ländern und der Ex-UdSSR sehr viel "investiert" - aber vielleicht war ja nicht Russland gemeint, sondern die aisatische Kultur, die viel von dem besitzt was der Anthroposophie fehlt? Denn dass Anthroposophie in Europa nicht wirklich kulturwirksam geworden ist, sondern eine Nische besetzt, ist jedem deutlich, der objektiv die Wirklichkeit anschaut.

Wenn wir an Asien denken - tauchen verschiedene Bilder, Vorstellungen und Erfahrungen auf über diesen Kontinent und die Menschen, die dort leben:
  • Reichtum und Armut
  • rückständige Landwirtschaft und intensive Industrialisierung
  • schwer arbeitende Industriearbeiter, moderne Banker sowie ursprüngliche Fischer und Reisbauern
  • Traumstände und Naturzerstörung
  • Megastädte mit Slums und den modernsten Wolkenkratzern
  • Menschen zwischen Tradition und Fortschritt
  • ...

Asien ist ein Kontinent in Entwicklung, in dem Menschen leben, die nach einer Perspektive für eine lebenswerte Zukunft suchen. Verglichen mit den asiatischen Ländern ist Europa fertig, geordnet und unbeweglich. In Asien finden wir Menschen, die bewusst und ohne Berührungsängste die modernsten Hochtechnologien entwickeln und benützen und gleichzeitig verwurzelt sind in ihrer Tradition und den Werten der Familie und der Spiritualität.

Moderne Asiaten sind sehr oft Menschen, die suchen, wie sie ihr in europäisch geprägten Schulen erworbenes modernes Bewusstsein über Menschenrechte, Demokratie und Technologie verbinden können mit dem Streben nach Weisheit über die Aufgabe und die Zukunft des Menschen und dem Bewusstsein der Spiritualität, das in Europa als „östlich“ gilt.
Asien ist der Anthoposophie schon sehr nahe. In Asien ist die Weisheit über die Zukunft und die Aufgabe des Menschen vielerorts noch vorhanden, die in der Anthroposophie mit moderner Erkenntnismethode und kompatibel zu dem soziologischen und technologischen Fortschritt neu entwickelt wird. Diese Weisheit hat aber den Anschluss an die moderne Welt nicht gefunden und stirbt langsam aus. An diese traditionelle Weisheit wird Anthroposophie in Asien anknüpfen können.

WELEDA* ist ein Teil eines Gegenpols zur rein naturwissenschaftlich-technologisch orientierten Gesellschaft und das grösste und einflussreichste Organ der anthroposophischen Bewegung.

Mit dem Vertrieb der Körperpflegeprodukte wird WELEDA in Asien Menschen erreichen, die nach Ideen und Gedanken suchen, die nicht entweder aus den alten, eigenen Traditionen stammen oder aus der technologisch-naturwissenschaftlichen Weltanschauung, die ihrem Wesen eigentlich fremd ist. Besonders junge Familien wird WELEDA erreichen, die sensibel für diese Fragen sind und für das Neugeborene nur das Beste und Alternativen zu dem entweder Alten, Traditionellen oder dem als „unmenschlich“ empfundenen neuen naturwissenschaftlichen Denken und der daraus erwachsenden Medizin, Pädagogik etc. suchen.

Durch WELEDA werden diese Menschen einen eigenen Zugang zur Anthroposophie und den anthroposophischen Tätigkeitsfeldern (Pädagogik, Landwirtschaft, Medizin ...) finden und diese Erkenntnisse in die Suche nach Standpunkten für die Zukunft einfliessen lassen, die zur Zeit entwickelt, erprobt und auch wieder verworfen werden. Nach dem faktischen Tod des Kommunismus erscheint zur Zeit der amerikanische „way of living“ oft als einzig erstrebenswertes Ziel, andererseits werden die Schwächen dieses Systems erkannt und Führer asiatischer Staaten wie z.B. Malaysia und Singapur ergreifen entschieden Partei, wenn es um die Diskussion über die Gefahren der Globalisierung, der Amerikanisierung und des Regimes der multinationalen Konzerne geht. Ein "anthroposophsicher" Ansatz in der Suche nach einer Alternative zur Diktatur des Kapitals und der Börse wird hier auf fruchtbaren Boden fallen, wie sich auf den Philippinen zeigt, wo Gedanken der Dreigliederungsbewegung auf dem besten Weg sind, Gesetzeskraft zu erlangen.

Auf der Suche nach Alternativen brauchen die Menschen in Asien keine grossen Ideale, sondern praktische Beispiele und Visionen, die die Bedürfnisse sowohl nach einer modernen Gesellschaft als auch nach Spiritualität und Weisheit befriedigen. Asien ist auf der Suche und offen für neue Impulse. Es herrscht eine Art Vakuum, das aufgefüllt werden muss. Ein Beispiel einer Vakuum-Situation war die Zeit nach dem 1. Weltkrieg in Europa, in der verschiedenste Gesellschaftsformen diskutiert wurden und dann der Nationalsozialismus anstatt der Dreigliederung das entstandene Vakuum ausfüllte.

In Asien werden zur Zeit Gesellschaften geformt. Aus Mangel an Alternativen werden es kapitalistische, unter dem Druck Europas und Amerikas auch demokratische Gesellschaften, aber das eigentliche Bedürfnis der Menschen befriedigt diese Gesellschaftsform nicht, da durch sie die noch vorhandenen traditionellen Werte zerstört und spirituelle Bedürfnisse nicht befriedigt werden. Diese Unzufriedenheit äussert sich z.B. in einer Betäubung durch den Konsum - wie in HongKong und Singapur - oder einer Hinwendung zu religiös-fanatischen Weltbildern, die meist aus dem Islam abgeleitet werden. Beide Phänomene sind Ausdruck des Vakuums, das nicht mit den adäquaten Inhalten gefüllt wird.

Durch ein ökonomisch-kulturelles Zentrum in Asien - z.B. in Singapur - wird WELEDA dazu beitragen, dass dieses Vakuum mit positiven, menschengemässen und zukunftsfähigen Inhalten gefüllt wird.

Durch die Körperpflegeprodukte, besonders durch die Baby- und Kinderpflege, erreicht WELEDA die Menschen, die auf keinem anderen Weg erreicht werden können. WELEDA wird so praktische Brücken zu bauen zu der Kultur, die hinter der WELEDA-Idee steht und nach der die Menschen suchen: modern, aber trotzdem spirituell, und die sich manifestiert in Waldorfpädagogik, in biologisch-dynamischer Landwirtschaft, in anthroposophisch erweiterter Medizin und sozialer Dreigliederung ... . WELEDA wird z.B. Eltern eine Brücke zu bauen zu Alternativen für die Pflege, die Gesundheit und die Erziehung ihrer Kinder, eine Brücke, die sie zu einer Alternative zu Konsum einerseits und zu religiösem Fanatismus andererseits führen kann. Dieser Brückenbau kann nur von WELEDA geleistet werden, da WELEDA der Anthroposophischen Gesellschaft gehört und in ihren Produkten und in ihrer Geschichte das verkörpert, nach dem die Menschen suchen. Der Weg zu diesem ökonomisch-kulturellen WELEDA-Zentrum ist schon teilweise erforscht. Es bedarf noch ca. zwei Jahre intensiver Vorarbeit, dann kann das Zentrum Wirklichkeit werden.

*WELEDA ist ein eingetragenes Markenzeichen der WELEDA AG, die zu über 30 % der Anthroposophischen Gesellschaft gehört, deren Mitglied ich seit über 2 Jahrzehnten bin. Als Miteigentümer fühle ich mich für diese Gesellschaft mitverantwortlich.

Freitag, 4. Januar 2008

Antroposophie-Marketing mit WELEDA*

In anthroposophischen Kreisen wird immer wieder geklagt, dass sich "die Welt" zwar für Waldorfschulen und bio-dynamische Landwirtschaft interessiert, nicht aber für die dahinterstehende Anthroposophie. Die Anthroposophische Gesellschaft wird immer kleiner und immer älter - und das bei einem fast exponentiell zunehmendem Interesse an Spiritualität und Esoterik. Anthroposophie ist nicht attraktiv.

Welche Marketingstrategie müsste verfolgt werden, damit Anthroposophie wieder attraktiv und interessant wird? Und dies natürlich nicht nur national oder europäisch, sondern global - so wie die Anthroposophische Gesellschaft ja auch den Anspruch erhebt, eine "Weltgesellschaft" zu sein. Welche Voraussetzungen muss also eine Marketingstrategie haben, damit sie als Interessenwecker, als Kontaktmöglichkeit und -angebot, weltweit wirksam sein kann?

Sie muss
  • für alle Menschen - unabhängig von Kulturkreis, politischer Einstellung, intellektueller Bildung etc. - interessant und be"greif"bar sein.
  • Menschen ohne Hürden direkt ansprechen, ohne sich jedoch aufzudrängen.
  • Menschen im täglichen Leben begleiten, so dass sie sich mit ihr anfreunden.
  • Menschen mit Qualität überzeugen und innerlich und äusserlich berühren.

Die Anthroposophie hat ein Marketinginstrument, dass alle diese Vorgaben erfüllt, sie nutzt es nur nicht. Viel von Ihnen benutzen es täglich, es steht meist im Badezimmer, findet sich in Handtaschen und Nachttischschubladen: Ich spreche von WELEDA und ihren kosmetischen Produkten. Stellen Sie sich vor: in jeder Iris-Creme ein Bericht aus biologisch-dynamischen Betrieben, in jedem Calendula-Baby-Produkt eine Story aus einer anderen Waldorfschule oder Waldorfkindergarten weltweit (mit der Aufschrift: 10 Cent von dem Verkaufserlös gehen an die Waldorfschule xxx in yyy), in jedem Badezusatz Bilder aus heilpädagogsichen Initiativen? Aber dazu ist im Management kein Mut da, den Vorschlag habe ich vor knapp 10 Jahren schon gemacht ...

Das WELEDA leider diese "Marketingfunktion" nicht erfüllt - und dass diese Aufgabe auch nicht in der Firma als Aufgabe präsent ist - habe ich in den vorherigen Beiträgen schon dargestellt, und dass in den letzten Jahrzehnten dort leider der "Zug der Zeit" verschlafen wurde. Ein Erkennen der Aufgabe, verbunden mit einem fähigen Management, hätte dazu geführt, dass es heute in jeder größeren Stadt der Erde mindestens eine WELEDA Filiale gäbe - als Verkaufsgeschäft, aber auch als Zentrum künstlerischer, wissenschaftlicher, pädagogischer und volks-bildender Aktivitäten. Das dies keine Utopie ist, beweisen die über 2.000 BodyShop Fillialen und Geschäfte, die es weltweit gibt - und die mit wesentlich weniger "Kapital" und über 50 Jahre später als WELEDA an den Start gegangen sind.

Zurück in die Wirklichkeit. Die WELEDA hat ihre Struktur als Institut, dass Anthroposophen mit Medikamenten versorgt, noch nicht überwunden. Es gibt in einer zusammenwachsenden Welt nationale WELEDA-Gesellschaften, die neben- und sogar gegeneinander anstatt miteinander arbeiten. Zeitgemässe Mitarbeiterführung und -beteiligung, modernes Management, Kostenbewusstsein, Kundenorientierung, langfristige Strategie ... - das Fehlen dieser Qualitäten bewirken nicht nur eine äusserst hohe Fluktuation der Mitarbeiter, sondern ist auch die Ursache dafür, dass WELEDA nicht weltweit die Nr. 1 im Naturkosmetikmarkt ist. Als 85-jähriges Unternehmen mit einer "garantierten Stammkundschaft" hatte die Firma die beste Startposition dafür.

WELEDA gehört zu ca. 1/3 direkt, zu 1/3 indirekt über die Ita-Wegmann-Klinik der Anthropsophischen Gesellschaft, und zu 1/3 einzelnen Mitgliedern. Damit sind wir - als Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft - selbst verantwortlich dafür, dass WELEDA ihren von Rudolf Steiner vorgesehenen Aufgaben nicht gerecht wird und uns als Marketinginstrument nicht zur Verfügung steht. Es ist Aufgabe der Mitgliedschaft, dafür zu sorgen, dass dieses Geschenk Rudolf Steiners - die Kosmetik-Sparte der WELEDA - so geführt wird und eine solche Struktur bekommt, dass es seine Aufgabe - als Marketinginstrument zu dienen und Geld zu verdienen - erfüllen kann. Denn erst dann kann darauf eine Marketingstrategie aufgebaut werden.

*WELEDA ist ein eingetragenes Markenzeichen der WELEDA AG, die zu über 30 % der Anthroposophischen Gesellschaft gehört, deren Mitglied ich seit über 2 Jahrzehnten bin. Als Miteigentümer fühle ich mich für diese Gesellschaft mitverantwortlich.

WELEDA* verkaufen?

Nachdem das Jahresergebnis der WELEDA 2006 bei MINUS 113.000 CHF liegt und auch in den vorhergehenden Jahren nicht wesentlich über einer Sparbuchverzinsung lag, ist es eine nostalgiefreie Überlegung wert, ob es nicht besser für die Anthroposophie ist, WELEDA zu verkaufen. Da die Anthroposophische Gesellschaft und die Ita-Wegmann-Klinik die Mehrheit im Verwaltungsrat haben, dürfte eine entsprechende Veränderung der Statuten, die aus der WELEDA AG eine handel- und verkaufsfähige Aktiengesellschaft machten, möglich sein.

Schon im Frühjahr 2006 habe ich diesen Vorschlag anlässlich der Mitgliederversammlung der Anthroposophischen Gesellschaft formuliert:

Die Stammaktien der WELEDA AG sind zu ca. 30% im Besitz der AAG. Die WELEDA wurde von Rudolf Steiner ins Leben zu rufen, um mit der Medizinsparte die für die anthroposophische Medizin notwendigen Medikamente herzustellen, und mit der Kosmetiksparte als Botschafter für die Anthroposophie in der Welt zu dienen und Geld für die Anthroposophie zu verdienen.

Die Medizinsparte der WELEDA erfüllt diese Aufgabe zur Zeit nicht, im Gegenteil, WELEDA stellt zur Zeit die Produktion und den Vertrieb vieler der wichtigsten und besonderen anthroposophischen Heilmittel ein und streicht die Zuschüsse zur Ärztefortbildung.

Opionen für einen evtl. Verkauf sollten deshalb auch beinhalten, wie WELEDA vor dem Verkauf in eine Kosmetiksparte und eine Medizinsparte getrennt werden kann. Die Kosmetiksparte könnte verkauft werden, die Medizinsparte in eine Stiftung umgewandelt werden, deren Kapital aus einem Teil der Verkaufserlöses besteht. So würde eine von finanziellen Interessen freie Medikamentenproduktion und entsprechende Schulung anthroposophischer Ärzte ermöglicht, wie sie Rudolf Steiner (Aus der Krankheit von Menschen darf kein Gewinn gezogen werden) gewünscht hat.

Die Kosmetiksparte erfüllt ihre von Rudolf Steiner gegebene Aufgabe ebenfalls nicht. Sie erwirtschaftet seit Jahrzehnten einen sehr mageren Ertrag. Im Jahr 2005 waren es beispielsweise 0,99% vom Umsatz (Ertrag nach Steuern), bzw. knapp über 1 % des bilanzierten Kapitalwertes – eine sozialverträgliche Anlage des Geldes - z.B. in ökologische Aktienfonds – hätte einen wesentlich höheren Ertrag erbracht. 2006 wurde sogar ein Verlust gemacht - in einer Sparte (Wellness, Gesundheit und Natur), in der sonst überall satte Gewinne erwirtschaftet werden.

Auch die Rolle des „Botschafter“ der Anthroposophie in der Welt erfüllt WELEDA nicht – so wurde die Förderung der Ärztefortbildung und Unterstützung waldorfpädagogischer Einrichtungen eingestellt, WELEDA unterstützt lieber olympische Ruderfrauen oder betätigt sich unternehmerisch mit Ausgründungen wie der Heart Balance AG, die Messgeräte zur Herzratenvariabilität vertreibt – ein durchaus interessantes, aber sicher kein spezifisch anthroposophisches Arbeitsgebiet.

Da WELEDA im deutschsprachigen Raum eine sehr bekannte Marke ist, ist allein der Wert des Markennamens WELEDA auf einige 100 Millionen EURO zu schätzen – nur als Größenordnung: L’Oreal hat vor kurzem für die Übernahme von BodyShop ca. 1 Mrd. EURO bezahlt. Einen Aktienverkaufserlös von nur 500% des Eigenkapitals vorausgesetzt, würden 500 Mio CHF für die Kosmetiksparte erlöst werden. Dies in sozialverträglichen Unternehmen mit nur 5% Verzinsung investiert würde einen Ertrag 25 Mio CHF jährlich abwerfen, von dem der AAG und der IWK mit zusammen ca. 70 % Aktienanteil knapp 18 Mio CHF zur Verfügung stünden, die für die Entwicklung und Unterstützung der Medikamentenentwicklung (jetzt 5 Mio CHF jährlich) und der Anthroposophie eingesetzt werden könnten.

Der Verkauf sollte natürlich nicht an "Jedermann" bzw. an Finanzinvestoren erfolgen, aber wenn z.B. Prof. Götz Werner / dm Markt und einige andere Persönlichkeiten und Unternehmer der anthroposophischen Geschäftswelt neue Eigentümer würden, könnte dies einer neuen, straffen und ertragreichen Firmenstruktur nur förderlich sein.


*WELEDA ist ein eingetragenes Markenzeichen der WELEDA AG, die zu über 30 % der Anthroposophischen Gesellschaft gehört, deren Mitglied ich seit über 2 Jahrzehnten bin. Als Miteigentümer fühle ich mich für diese Gesellschaft mitverantwortlich.

WELEDA* und die Finanzierung der Anthroposophie

Was haben diese beiden Themen miteinander zu tun? Werden Sie sich vielleicht fragen.

Sehr viel!

Rudolf Steiner hat die WELEDA Kosmetiksparte gegründet, damit sie als Botschafter für die Anthroposophie diene und Geld für die Anthroposophie verdiene.

Wenn Sie Mitglied in der Anthroposophischen Gesellschaft oder sonstwie in die Kartei gekommen sind, bekommen Sie ja auch kurz vor Weihnachten den jährlich leicht variierenden, aber doch immer gleichen Bettelbrief vom Goetheanum. Dafür, dass dies nicht so sein muss, sollte eigentlich die WELEDA mit ihren Erträgen sorgen. Aber dafür reicht es ja leider nicht.

Ich möchte hier meinen Redebeitrag zu diesem Thema von der Mitgliederversammlung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft in Dornach im Frühjahr 2003 wiedergeben - Thema war die Finanzierung und der Rechenschaftsbericht des Schatzmeisters:

Sehr geehrte Damen und Herren des Vorstandes, liebe Mitglieder

ich möchte Sie im Zusammenhang mit den ungelösten Finanzierungsproblemen der Anthroposphischen Gesellschaft auf eine zum Schaden aller Beteiligten lange Zeit sträflich vernachlässigte Finanzierungsquelle hinweisen.

Wie Sie vielleicht nicht alle wissen, besitzt die Anthroposophische Gesellschaft - und damit indirekt auch wir, die Mitglieder - über 30 % der Aktien der WELEDA AG.

WELEDA wurde vor 80 Jahren gegründet und ist damit eine der ältesten Firmen im Bereich Naturkosmetik und -medizin.
Rudolf Steiner hat der WELEDA mit der Kosmetikproduktion die Aufgabe gegeben, einerseits als Botschafter für die Anthroposophie zu dienen, andererseits aber auch Geld zu verdienen. Dies ging sogar so weit, dass auf Steiners Anweisung hin die Eurythmistinnen Haarpflegemittel ausprobieren mussten, um vom Erlös einer etwaigen Produktion die Eurythmie zu finanzieren.

2001 - das sind die letzten Zahlen, die mir vorliegen - nach 80 Jahren Tätigkeit in einem der am stärksten wachsenden Märkte, nämlich Wellness und Gesundheit, erwirtschaftete die WELEDA ganze 625 000 Schweizer Franken Dividende bei einem Umsatz von ca. 200 Mio. Franken, d.h. für die Anthroposophische Gesellschaft sind dies etwas mehr als 150 000 Schweizer Franken, da ein Teil als Ausschüttung an nicht stimmberechtigte Partizipationsscheine geht.

In der Wirtschaft ist es immer sinnvoll, ein so genanntes Benchmarking zu machen, also ein Vergleich mit einer Firma im ähnlichen Sektor, um die Performance einer Firma zu beurteilen. Die meisten von Ihnen kennen die Firma Body Shop. Body Shop wurde vor 26 Jahren in einer südenglischen Garage gegründet und stellt Kosmetika her nach den Prinzipien „Natürlich“, „Ökologisch“, „Ohne Tierversuche“, „Sozial“, engagiert sich mit Umwelt- und Menschenrechtspreisen etc., also durchaus vergleichbar mit WELEDA. Heute hat Body Shop knapp 2‘000 Geschäfte in über 100 Ländern der Erde, hauptsächlich durch zufriedene Franchisenehmer, die sich intensiv mit der Philosophie der Firma auseinandersetzen und einen Grossteil der gebildeten und einflussreichen Bevölkerung dieses Planeten erreichen, und steht auf Rang 27 der am meisten respektierten Firmen der Erde. Body Shop erwirtschaftete 2001 bei einem Umsatz von ca. 920 Mio. Schweizer Franken eine Dividendenausschüttung von ca. 27 Mio. Schweizer Franken.

Sie mögen sich jetzt fragen: Woran liegt es, das WELEDA nicht Marktführer ist? Woran liegt es, dass WELEDA nur so magere Gewinne abliefert? Woran liegt es, dass außerhalb Deutschlands und der Schweiz WELEDA weitgehend unbekannt ist?

Es liegt einfach daran, dass das Management dieser Firma - und ich wiederhole: Sie alle im Saal anwesenden sind Miteigentümer dieser Firma und damit auch mit verantwortlich - dass dieses Management die Firma in keinster Weise im Griff hat, dass es entscheidungsunfähig ist, dass seit Jahrzehnten überkommene, unzeitgemäße Strukturen festgefahren sind, dass die Sozialstruktur der Firma aus den Gründungszeiten zu stammen scheint, dass Innovationen und Marktchancen verschlafen und Mitarbeiter unfair behandelt werden, und vieles mehr.

Ich möchte noch einen Gedanken mit Ihnen zusammen denken:
Stellen Sie sich einmal vor, dass es in über 100 Ländern der Erde 2‘000 WELEDA-Shops gäbe, in denen die Menschen unverbindlich und kostenlos die anthroposophische Philosophie, Waldorfpädagogik, biologisch-dynamische Landwirtschaft und alle weiteren, Ihnen bestens bekannten, bis jetzt weitgehend ungenutzten Erkenntnisse und Weisheiten der Anthroposophie kennenlernen könnten.

Was meinen Sie, wie viele Waldorfschulen es dann gäbe? Biologisch-dynamische Landwirtschaftsbetriebe? Anthroposophisch orientierte Kliniken? Wie dann die heutige Mitgliederversammlung aussähe? Welche Menschen hier säßen? Dann wäre die AG wirklich eine Weltgesellschaft.

Ich möchte Sie alle deshalb auffordern, Ihre Rechte - z.B. zur Teilnahme an der WELEDA Aktionärsversammlung - und Ihre Pflichten - nämlich die Kontrolle und entsprechende Besetzung des WELEDA Managements - wahrzunehmen, damit die WELEDA Ihre beiden Aufgabe erfüllen kann: Nämlich Bote und Finanzier für die Anthroposophie zu sein und in der Zukunft einige Millionen Franken an die Anthrop. Gesellschaft überweisen zu können. Denn nach den Prinzipien der Dreigliederung sollen Institutionen des Geisteslebens durch das Wirtschaftsleben finanziert werden und nicht durch das versteuerte Einkommen der Arbeitnehmer.

*WELEDA ist ein eingetragenes Markenzeichen der WELEDA AG, die zu über 30 % der Anthroposophischen Gesellschaft gehört, deren Mitglied ich seit über 2 Jahrzehnten bin. Als Miteigentümer fühle ich mich für diese Gesellschaft mitverantwortlich.

Wem WELEDA* gehört

Die Eigentums- und Organisationsstruktur der WELEDA ist wohl ziemlich einzigartig und kaum einem Anthroposophen und erst recht nicht "normalen" Kunden bekannt.
WELEDA ist vor allem die WELEDA AG in Arlesheim in der Schweiz. Die deutsche WELEDA - obwohl viel größer - ist rechtlich gesehen eine Niederlassung der WELEDA AG Arlesheim. (allein schon diese Struktur bringt - vor allem wenn es unterschiedliche Auffassungen gibt im Management - rechtliche Probleme mit sich, denn da - um es bildlich auszudrücken - wackelt der Schwanz mit dem Hund.)

Die WELEDA-Stimmrechtsaktien sind in etwa wie folgt verteilt:

  • Ca. 1/3 gehören direkt der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft
  • Ca. 1/3 gehören der Ita-Wegmann-Klinik in Arlesheim (bzw. genauer: dem gemeinnützigen Verein "Klinisch-Therapeutischen Institut") und damit einer gemeinnützigen Organisation
  • Ca. 1/3 gehören verschiedenen Namens-Aktionären und können nur mit Zustimmung der WELEDA verkauft werden - d.h. die Inhaber sind von dem WELEDA Management "handverlesen". Es scheint auch, dass die WELEDA systematisch eigene Aktien zurückkauft - aber vielleicht gibt es ja unter den Lesern Aktionäre, die dies entweder bestätigen oder dementieren können.

Dies bedeutet, dass der Verwaltungsrat (entspricht dem deutschen Aufsichtsrat) vor allem von den Vertretern der Anthroposophischen Gesellschaft und der Ita-Wegmann-Klinik besetzt sein sollte, da diese Institutionen ja auch für die Performance der WELEDA schlussendlich verantwortlich sind. Leider sind die Vertreter der Inhaber im Verwaltungsrat aber nicht nur in der Minderheit, sondern haben auch nichts zu sagen (siehe "Der WELEDA Verwaltungsrat - Vertrauen ist gut - ???")

Trotzdem sind es die Vereinsmitglieder sowohl des Vereins "Klinisch Therapeutisches Institut" als auch des Vereins "Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft", denen die Firma WELEDA gehört und die damit auch die Pflichten eines Eigentümers haben.

Warum ich einen BLOG über WELEDA* schreibe

Einige Jahre habe ich bei WELEDA in der Schweiz gearbeitet. Ich hatte dort die Aufgabe, mich um die asiatischen "Märkte" zu kümmern. Mit einer Spezialausbildung in Asien-Management und einer asiatischen Ehefrau sowie einiger Erfahrung im Umgang mit asiatischen (Geschäfts-)partnern ausgerüstet (wobei ein "Geheimnis" einer erfolgreichen geschäftlichen Beziehung nach Asien ist, dass sie immer auch von einer mindestens persönlichen Sympathie, besser sogar von einer Freundschaft begleitet werden sollte - einige der damaligen asiatischen Geschäftsparner sind heute immer noch meine guten Freunde), gelang es mir auch innerhalb weniger Jahre einige neue Partner zu finden - leider wurden die in der "Pipeline" befindlichen "großen Fische" von der Geschäftsleitung nicht an Land gezogen.

Doch der Grund des Blogs ist nicht meine persönliche Enttäuschung über das Management der WELEDA, sondern vielmehr die Tatsache, dass in meinen Augen WELEDA für die Entwicklung der Anthroposophie in der Welt eine wichtige Aufgabe hatte - und dabei kläglich versagt hat.

WELEDA wurde von Rudolf Steiner für zwei Aufgaben gegründet: Mit der Medizinsparte die aus anthroposophischer Menschen- und Natursicht wichtigen Medikamente herzustellen und zu erfoschen, und mit der Kosmetiksparte als Botschafter der Anthroposophie in der Welt zu dienen und Geld für die Anthorposophie zu verdienen.

In beidem hat WELEDA versagt. Obwohl WELEDA für Jahrzehnte die einzige Naturkosmetikfirma war, von "Geburt" an mit einer treuen Stammkundschaft (der "anthroposophischen Gemeinde") gesegnet war und ausserdem weder Personen noch Kapitalgebern gehörte, die großes Geld aus der Firma ziehen wollten, hat sie es nicht geschafft, eine Firma von Weltgeltung zu werden.

In der Wirtschaft gilt ja zur Beurteilung einer Performance einer Firma das "Benchmarking", also der Vergleich mit anderen Firmen, die ein ähnliches Produkt herstellen. Bei WELEDA bietet sich der Vergleich an mit der Firma BodyShop - gegründet 1976 von Anita Roddick in einer Garage in Brighton in Südengland und 2006 für 652 Millionen Pfund (knapp 1 Mrd. EURO) an L'Oreal verkauft. Weltweit kennt fast jeder BodyShop - die Läden sind präsent in fast allen Ländern der Welt, die Philosophie ist nicht so "ausgefeilt" wie bei WELEDA, aber dafür ehrlich gelebt: BodyShop hat es geschafft, OHNE Stammkundschaft, OHNE Kapital, OHNE Weltanschauung, in wenigen Jahren weltweit die Menschen zu erreichen.

Stellen wir uns doch einmal vor: Es gäbe in jeder größeren Stadt auf dem Globus eine WELEDA Shop - nicht nur zum Verkauf der WELEDA Produkte, sondern auch als Vermittler des "anthroposophischen" paktischen Wissens wie biologisch-dynamische Landwirtschaft, wie kindgemäße Pädagogik (Waldofpädagogik), wie dreigliedrige Sozialformen - die Welt sähe heute vielleicht ganz anders aus, es gäbe vielleicht nicht nur ca. 1.000, sondern vielleicht einige 100.000 Waldorfschulen - und viele Kinder würden in den Genuss einer kindgemäßen, phantasie- und selbstbewustsein födernden Erziehung kommen, mit entsprechend positvem Effekt auf ihre Einsichten und Handlungsweisen als Erwachsene.

Meine Intention war, dafür bei WELEDA zu arbeiten. Leider wurde ich nicht unterstützt - stattdessen rausgeschmissen, obwohl ich im Export nach Asien in drei Jahren mehr aufgebaut habe als in allen Jahren vorher und auch seitdem geleistet wurde. Leider werden meine Briefe an die Geschäftsleitung WELEDA nicht beantwortet. Leider werden auch meine Briefe an den Vorstand der Anthoposophischen Gesellschaft nicht beantwortet. Deshalb schreibe ich diesen Blog. Denn es muss gesagt werden, und wer Fragen hat, sollte gerne kommentieren.