Montag, 7. Mai 2012

Gut geBrüllt, Ramon ... oder?

Ramon Brüll hat in der aktuellen Info3-Ausgabe einen Bericht und einen offenen Brief an Paul Mackay veröffentlicht. Während dem Bericht nichts hinzuzufügen ist, kann der offenen Brief nicht unkommentiert bleiben. Da dies auch angesprochen wird möchte ich auch hinzufügen, dass ich natürlich auch gerne lieber direkt mit den Mitmenschen spreche als über sie, dass ich dies auch mit Paul Mackay und auch seinen Vorgängern im Amt versucht habe - auch in Bezug auf den vorhergehenden Artikel - dass aber auf mehr oder weniger verständnisvolles Zuhören keine Taten erfolgten.
Auch wenn ich mir nicht anmaße ein guter Kapitän für ein "Schiff" wie die WELEDA zu sein, und erst recht sicher nicht ein besserer als der jetzige, Ralph Heinisch, möchte ich doch einige Aspekte hinzufügen, die m.E. von Bedeutung sind.
Erst einmal ist zu überlegen, ob Paul Mackay der richtige Ansprechpartner ist, denn das "manövrieren" des "leckgeschlagenen Schiffes WELEDA" ist ja nicht Aufgabe des Verwaltungsratspräsidenten Paul Mackay, sondern des CEO -  der Verwaltungsratspräsident ist eher der Reeder, dem das Schiff gehört und der die Aufträge erteilt. 
Zu Punkt 1 ist zu sagen: Gerade jetzt ist ein neuer Kapitän auf dem Schiff - Ralph Heinisch - und Ramon Brüll möchte diesem gleich den Gehalt kürzen? Das geht ja schon garnicht, was aber auf jeden Fall wichtig wäre ist, zu wissen, wie hoch dieser Gehalt (und der Gehalt der anderen Offiziere auf dem Schiff) ist - denn nur dann kann beurteilt werden, ob sich Leistung und Bezahlung einigermaßen in der Waage halten. Die Veröffentlichung von Managergehältern ist in guten Firmen schon heute üblich - warum eigentlich bei WELEDA nicht? Auch rückwirkend wäre es interessant zu wissen, was die Offiziere aus der "alten Riege" (Moritz Aebersold, Patrick Sirdey, Marc Follmer, Rudolf Frisch, Olaf Sommer, Nicolai Keller, Mathieu van den Hoogenband, Rainer Dierdorf, Peter Braun, Patrick Kersting ...) so verdienen oder verdient haben und ob dieser "Verdienst" in einem angemessenen Verhältnis zu ihren Leistungen steht oder stand. Dazu ist zu sagen, dass mir persönlich ein professioneller nicht-anthroposophischer Manager, der mit WELEDA die in der Naturkosmetik üblichen Margen (zweistellige Umsatzrendite) erreicht, lieber ist als ein pseudo-anthroposophisches Führungsteam, das im anthroposophischen Sumpf erstickt und Verluste erwirtschaftet - denn professionelle Manager wissen heute durchaus den Wert von guten MitarbeiterInnen zu schätzen, was bei den bisherigen Führungsriegen oftmals nicht der Fall war. Soweit zu Punkt 1.
Über Punkt 2, der Gewinnverwendung, muss sich in den nächsten Jahren kaum Gedanken gemacht werden, denn bevor irgendwelche Dividenden zur Verfügung stehen, wird es noch einige Jahre dauern. Eigentlich ist die Forderung aber zu kurz gegriffen, denn es ist die Eigentumsfrage, die bei WELEDA völlig neu gegriffen werden sollte - ein wenigstens zeitweises Miteigentum der Mitarbeiter wäre das mindeste, was eine WELEDA an sozialen und Dreigliederungsgedanken umsetzen sollte.
Der Forderung nach dem Abbau des Verwaltungswasserkopfes, die Ramon Brüll in Punkt 3 stellt, kann ich mich vollumfänglich anschließen. Das ganze Büro in Basel gehört aufgelöst, die Verwaltung muss wieder in räumliche und persönliche Nähe zur Produktion. Wenn Weltfirmen mit -zigfachem Umsatz der WELEDA in kleinen Schwarzwalddörfern ihren Hauptsitz haben, dann sollte sich WELEDA ihres Hauptsitzes in Arlesheim nicht schämen.
Der Forderung in Punkt 4 dagegen nach einer Entmachtung des Verwaltungsrates kann ich in keinster Weise zustimmen, denn die Macht- und Interessenlosigkeit des Verwaltungsrates und der Eigentümer (der Anthroposophischen Gesellschaft und der Ita-Wegmann-Klinik) sind ja schließlich die Ursache der Probleme. Wer dann Vertreter in den Verwaltungsrat entsendet - ich vermisse dort sehr die Vertreter der Mitarbeiter / Arbeitnehmer - ist eine andere Frage, aber ein unkontrolliertes, im eigenen Saft schmorendes, sich selbst ergänzendes Management, wie es viele Jahre vor sich hingewurschtelt hat, kann nicht das Ziel sein und würde die Problematik wieder verschärfen.
Insofern kann ich dazu nur sagen - als etwas abgewandeltes Sprichwort -: "Ramons die brüllen, beissen nicht" - was schade ist, denn etwas mehr Biss in der Berichterstattung der letzten Jahrzehnte, etwas weniger Rücksicht auf den großen Anzeigenkunden WELEDA, hätte den Prozess vielleicht etwas beschleunigt und einige der Aktionäre oder der Anthroposophen etwas früher aufgeweckt und so die Katastrophe abgemildert.

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