In diesem Artikel versuche ich, die wichtigsten Inhalte der Debatte um den "Antrag zur Rettung der anthroposophischen Heilmittel und der Weleda AG" darzustellen.
Ein schöner sonniger Frühjahrssamstag am Goetheanum, der große Saal ist etwa 3/4 besetzt.
Ein schöner sonniger Frühjahrssamstag am Goetheanum, der große Saal ist etwa 3/4 besetzt.
Zum Beginn des 2. Teils der Generalversammlung ruft Paul Mackay den Antrag auf und zitiert aus den Statuten, dass der Vorstand eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen muss, wenn 1/5 aller Mitglieder dies fordern.
Anschließend erläutert Dr. Andreas M. Worel den Antrag. Er geht darauf ein dass dieser Antrag auf der Ebene des Rechtes angesiedelt ist und dass die Rechtsebene die Ebene des Herzens ist, dass er deshalb keine formelle rechtliche Auseinandersetzung sucht, sondern an die Herzensebene appelliert. Er betont, dass in den letzten 20 Jahren sich schon sehr viele Menschen in großer Sorge um die Entwicklung der WELEDA an den Vorstand gewendet haben (u.a. meine Wenigkeit ...), dass aber keinerlei Reaktionen seitens des Vorstandes erfolgten, und schließt die Frage an, wie weit die AAG ihre Verantwortung für die WELEDA wahrnimmt.
Weiterhin erläutert er, dass dieser Antrag vor der Umgestaltung des Vorstandes und der Geschäftsführung der WELEDA formuliert wurde, dass er deshalb aber nicht zurückzuziehen sei, denn die Frage sei immer noch, welcher Maßnahmen es bedarf um den Fortbestand der WELEDA zu sichern, was die AAG dafür tun kann, wie die nötige öffentliche Unterstützung herzustellen sei und wie alle Mitglieder mit innerer Kraft die WELEDA unterstützen können. Er betont, dass Öffentlichkeit auch Transparenz bedeutet und dass Transparenz heisst, die Tatsachen anzuschauen - und diese Tatsachen sind, dass die WELEDA in 4 der letzten 5 Jahren Verluste gemacht hat und kurz davor sei, keine Kredite mehr zu erhalten für die Zahlung der Zinsen und Löhne und Gehälter. Er verknüpft weiter die Identität der AAG mit der Wahrheitsfrage und betont, dass AAG und WELEDA abhängig voneinander sind, dass die WELEDA das äußerste Organ der AAG sei und das sie existenziell miteinander verbunden sind.
Paul Mackay rechtfertigt die Handlungen des Vorstandes, er geht darauf ein, dass am 8.12.2011 intensive Gespräche zur Rettung der WELEDA begonnen hatten, die in der soeben erfolgten Umgestaltung resultierten, und betont, dass der neue Verwaltungsrat jetzt Ruhe brauche um seine Arbeit zu tun und dass es darum ginge, wie wir ihn dabei unterstützen können. Seine Darstellung entspricht in etwa dem was er auch im Interview mit der Basler Zeitung dargestellt hat - und ist auch ebenso zu bewerten. (siehe untenstehender Abschnitt).
Als nächster Redner plädiert auch Andreas Studer dafür, dem neuen Verwaltungsrat und der WELEDA Zeit zu geben sich neu zu strukturieren.
Anschließend wird Dr. Andreas Jäschke aufgerufen, obwohl er sich nicht zu Wort gemeldet hatte. Er bezweifelt, dass der Antrag zielführend sei, und betont, dass die WELEDA eine rechtlich eigenständige Firma sei und eben kein Organ der Anthroposophischen Gesellschaft, und deshalb unabhängig von ihr zu sehen sei.
Anschließend spricht Theo Stepp und vergleicht die WELEDA mit einem Burn-Out-Patienten, der jahrelang überfordert gewesen sei und deshalb zur Genesung Ruhe benötige.
In einem weiteren Beitrag schildert Dr. Thomas Breitkreuz, wie die anthroposophische Ärzteschaft das Handeln der WELEDA Geschäftsführung und des Verwaltungsrates in den letzten Monaten im Hinblick auf die Gestaltung der Arzneimittelherstellung als Vertrauensbruch empfunden haben, da die Ärzte seit vielen Jahren in die Entscheidungen der WELEDA eingebunden waren, nun aber Entscheidungen gefällt wurden, die mit ihnen nicht abgesprochen waren und von ihnen auch nicht mitgetragen werden konnten. Mit der Berufung des neuen Verwaltungsrates und des neuen CEO habe sich die Situation aber fundamental verändert, die AAG und die Ita-Wegmann-Klinik sei personell und direkt in Verantwortung gegangen. Er bittet, den Antrag zurückzuziehen.
Anschließend warnt Laurenz Kistler am Ende einer etwa 8-minütigen! Rede vor der drohenden Insolvenz der WELEDA.
Dann geht Dr. Michaela Glöckler ans Pult und lobt, dass die WELEDA bis jetzt die Versorgung der anthroposophischen Ärzte mit Arzneimitteln sichergestellt hat, und weist darauf hin dass die Arzneimittelsparte erst seit etwa 1997 defizitär geworden sei durch die Verschärfung der Behördenauflagen und den Ausschluss aus der Erstattung durch die Krankenkassen in Deutschland, und dass seit 1988 regelmäßige Treffen mit den Ärzten am Goetheanum stattfinden.
Anschließend weist John Ermel nochmals darauf hin, das die AAG ihre Verantwortung wahrnehmen muss, dass sie dies auch den Mitarbeitern der WELEDA schuldig sei und dass es jetzt "5 vor 12" sei.
Der Gesprächsführer möchte die Debatte beenden und zur Abstimmung kommen, obwohl noch viele Redebeiträge angemeldet sind.
Wiederum meldet sich Dr. Andreas M. Worel zu Wort und stellt den Ordnungsantrag, den Formulierung des Antrages zu ändern. Dieser Antrag wird mit 188 zu 182 Stimmen angenommen.
Dr. Andreas M. Worel erläutert, dass Antrag 1 bis 1.5 unverändert zur Abstimmung gestellt werden, Antrag 1.6 so formuliert wird, dass diese außerordentliche Mitgliederversammlung bis zum 31.10.2012 stattfinden soll, Antrag 1.7 soll heißen, dass Anträge dazu bis 3 Wochen vor dem festgesetzten Termin eingereicht werden können, Antrag 1.8 soll heißen, dass das Ziel dieser außerordentlichen Generalversammlung sein solle, die Führung und die Mitarbeiter der WELEDA zu unterstützen und eine breite, unterstützende Basis mit sachkundiger Begleitung zu schaffen, die in der Mitgliedschaft vorhanden wäre.
Daraufhin wird ein Antrag auf Schluss der Debatte gestellt, der mit Mehrheit angenommen wird.
Ebenso mit Mehrheit wird anschließend gegen den veränderten Antrag 1 gestimmt.
Zum Schluss weist Dr. Andreas M. Worel darauf hin, dass der Antrag so formuliert ist, dass seine Ablehnung nicht die Aufhebung des Beschlusses der Generalversammlung 2011 bedeute, die den Vorstand beauftragt hat, eine außerordentliche Generalversammlung einzuberufen, dass dieser Beschluss und Auftrag also weiterhin gültig sei. Er zieht angesichts der fortgeschrittenen Zeit und der inzwischen emotionalen Stimmung die Anträge 1.2 bis 1.8 zurück.
Falls es etwas zu ergänzen oder zu korrigieren gibt bei diesem Bericht, freue ich mich auf Ihre Mail. Danke!
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