Da hab ich mich gefreut - und wurde herb enttäuscht. Gefreut habe ich mich, dass Info3 im Briefkasten lag, und noch mehr, als ich das Titelthema "Globuli & Geld - wie WELEDA zwischen Heilauftrag und Markt balanciert" sah. Herb enttäuscht wurde ich dann aber beim Lesen des Artikels. Investigativer Journalismus? Fehlanzeige. Ausgewogene Darstellung verschiedener Meinungen? Fehlanzeige. Befragung von Mitarbeitern, ehemaligen Mitarbeitern, kritischen (anthropsophischen) Ärzten? Fehlanzeige. Stattdessen die Übernahme von WELEDA-Slogans und Pressemitteilungen.
Will Info3 einen großen Anzeigenkunden (ganzseitige Anzeige der WELEDA auf der ersten Umschlagseite) nicht vergraulen? Oder ist die neue Redakteurin Laura Krautkrämer durch ihre vorherige Tätigkeit in der Medienstelle Anthroposophie so geprägt, das sie keine kritischen und unvoreingenommenen Blick auf anthroposophische Institutionen mehr hat?
Das WELEDA Marketing fängt schon beim ersten Satz an: "Weleda ist bis heute die erfolgreichste Marke mit anthroposophischer Prägung ..." - leider bleibt die Begründung für diese Behauptung aus. Erfolgreich in welcher Hinsicht? Wie weit wird "anthroposophische Prägung" gefasst? Der Drogeriemarkt dm hat auch eine anthroposophische Prägung und ist sowohl finanziell als auch inhaltlich sicher wesentlich erfolgreicher, und wer die Bilanzen, die Gewinne, die Eigenkapitalquote und vielleicht auch die Mitarbeiterzufriedenheit, aber auch die Akzeptanz bei Ärzten etc. nebeneinander stellt, wird vielleicht sehen, dass WALA bzw Dr. Hauschka bessere Zahlen und bessere Resultate aufweist. Wer Wachstumsraten als Maßstab für Erfolg nimmt, wird vielleicht Alnatura als wesentlich erfolgreicher sehen. Wo, bitteschön, ist den WELEDA wirklich erfolgreich??? Wie wird Erfolg definiert???
Im weiteren Verlauf werden systematisch die Kritiker in die Ecke der Querulanten, Altmodischen, und "Versteinerten" geschoben ... schon in der Wortwahl:
"Schon im Frühjahr 2010 kursierte ein ... Brandbrief mit dem Titel "Heilmittelkatastrophe"" - es folgt eine tendenziöse, den Inhalt fast ins lächerliche ziehende Inhaltsbeschreibung ...
"Die Geschäftsleitung versucht seither, ihre Sicht gegenüber jenen kritischen Ärzten deutlich zu machen, aber der Widerstand bleibt. Die missliebige Stimmung verband sich zusätzlich mit Kritik an einem unterstellten "anthroposophischen Ausverkauf" der Weleda: Immer weniger Mitarbeitende, insbesondere auf der Führungsebene, hätten einen Bezug zur den anthroposophischen Wurzeln des Unternehmens." Wer einmal z.B. auf XING die Biographien der dort vertretenen WELEDA Mitarbeiter anschaut, wird sehen, dass die meisten erst seit wenigen Jahren im Unternehmen sind und insbesondere viele Führungskader aus Kaderschmieden wie Ernst & Joung oder eben aus anderen Industriebetrieben stammen - dass langjährige Mitarbeiter, die WELEDA kennen, eine Chance bekommen in leitende Positionen aufzusteigen, findet sehr selten statt.
Abenteuerlich wird es, wenn die Autorin ihre Gedanken freien Lauf lässt, was auch viel über die Autorin selbst aussagt (die die Medienstelle Anthroposophie leitete!): "Die Kritik an Weleda ist möglicherweise auch als tief eingewurzelter kulturpessimistischer Reflex zu sehen. Anthroposophie und ihre Praxisfelder galten jahrzehntelang als subversiv, als eher verfolgt vom Mainstream und diesem prinzipiell entgegengesetzt. Für manch einen Anthroposophen ist diese Erfolglosigkeit daher geradezu ein Ausweis geistigen Adels - und umgekehrt der Erfolg immer verdächtig." Hier wird zweierlei impliziert: Einmal, dass die Kritiker "Ewiggestrige" sind, sozusagen die "violetten Strickstrumpfanthroposophen", und der WELEDA den Erfolg missgönnen, und zum anderen, dass WELEDA mit der jetzigen Strategie und dem jetzigen Management erfolgreich ist. Für das erstere gibt es - auch in dem Artikel - keine Beweise, es ist ja eher so, dass es Menschen sind, die genau das verstanden haben, was in dem Artikel für WELEDA reklamiert wird, dass nämlich bewusste Konsumenten sich für die Qualität des Unternehmens interessieren - und die misst sich nicht an bunten Werbeanzeigen an Bushaltestellen, sondern z.B. an der Qualität im Umgang mit den Mitarbeitenden. Und leider bleibt auch für das zweite der Beweis schuldig, die Unterstellung, dass WELEA erfolgreich sei, ist weder durch Zahlen noch durch Aussagen untermauert - und leider auch vollkommen haltlos:
"Kann es da noch mit rechten Dingen zugehen, wenn eine anthroposophische Marke Erfolg hat, ja sogar Gewinn macht, wo doch die "böse Außenwelt" "wahre Anthroposophie" stets verschmäht?" - bitte, wo bleibt denn der Gewinn?
Die Bilanz 2010 weist aus:
- einen Verlust von fast 3 Mio €
- eine Verminderung des Eigenkapitals um 10,7%
- eine Verminderung der Bilanzsumme um 8,1% auf einen Bilanzverlust von 10,5 Mio CHF
- eine Verminderung des Umsatzes um 3,5%
- eine Erhöhung der Nettoverschuldung von 87,8 Mio € auf 101 Mio € auf fast 120% des Eigenkapitals
- eine Dividende kann nicht gezahlt werden.
Das sind die harten Fakten, nachzulesen im Geschäftsbericht der WELEDA 2010. Unternehmenszahlen eines erfolgreichen Unternehmens, das Gewinn macht, sehen anders aus.
Mit diesem Wissen im Hinterkopf, liest sich der nächste Satz des Artikels geradezu grotesk: ""Natürlich streben wir Gewinn an, jedoch nicht als Selbstzweck. Wichtig ist doch die Frage, aus welchen Gründen? Es ist uns wichtig, dass wir notwendige Investitionen selber bezahlen und damit unsere Unabhängigkeit erhalten können ...", so Peter Braun aus der Geschäftsleitung der Weleda-Gruppe" - vor dem Hintergrund des Betriebsergebnisses hat WELEDA also auch dieses selbst gesetzte Ziel weit verfehlt.
Weiter wird Peter Braun mit Basis-Weisheiten zitiert: "Ein Unternehmen, das keinen Gewinn erwirtschaftet, kann seine Investitionen ... nicht selbst finanzieren, sondern muss sich verschulden." - Ja, genau, WELEDA hat sich seit vielen Jahren hemmungslos verschuldet, z.B. durch die GLS Fonds Weleda 1 mit über 5 Mio. € und Weleda 2 mit 10 Mio. €, um grundlegende Investitionen zu tätigen. Beide Fonds müssen übrigens ab 2012 getilgt, also zurückbezahlt werden - ob da nach der Tilgung noch Geld für Gewinne übrig bleibt???
Weiter geht es in dem Artikel mit inhaltlichen Gesichtspunkten:
"Damit die Arzneimittel ... sich eigenständig behaupten können, wurden grundlegende Kursänderungen vorgenommen: "Unsere Dachmarke Weleda ist gut etabliert und hat ein fantastisches Image", erläutert Nikolai Keller." Das stimmt vielleicht noch, aber WELEDA tut viel dazu, dass dieses Image den Bach hinuntergeht - so z.B. durch die Ramschverkäufe über Drogeriegroßmärkte wie Müller (siehe vorherigen Beitrag).
Leider ist auch das darauffolgende Interview mit Dr. Frank Meyer nicht sehr erhellend, denn auch Dr. Meyer ist im Auftrag der WELEDA unterwegs. Herr Meyer geht auf die WELEDA Qualität ein., die "Sorgfalt im Herstellungsprozess", die "eigenen, oft sehr aufwändigen Verfahren". Ja, es stimmt, bei WELEDA werden Prozesse mit hohem Qualitätsanspruch durchgeführt - nur die Mitarbeitenden der WELEDA, die die Arbeit tun, werden dabei nicht wirklich gewürdigt. Hat Herr Meyer mal einige Monate bei WELEDA im Garten oder in der Produktion mitgearbeitet? Qualität im quantenphysikalischen Sinne kann nur dann stattfinden, wenn die Ausführenden ihre Arbeit mit ganzem Herzen und in positiver Stimmung tun und die Arbeitsbedingungen ganzheitlich optimiert sind - und dazu gehört mehr als "abbe Ecken" und Lasurfarben an den Wänden. Ein quantenphysikalisch erweitertes Qualitätsverständnis fehlt bei WELEDA leider ganz - so wurden in der alten WELEDA Arlesheim die homöopatischen Verdünnungen und Verreibungen in einem Raum gemacht, der wenige Meter Luftlinie von der Oberleitung der Straßenbahn entfernt war - und jedesmal, wenn eine Straßenbahn vorbeifuhr, schob sich ein starkes elektromagnetisches Feld durch den Raum. Ganzheitliches Qualitätsmanagement sieht anders aus - meine Bedenken diesbezüglich wurden übrigens nicht gehört.
Das Problem der WELEDA und der WELEDA Qualität ist doch: Bei WELEDA gibt es einen großen Wasserkopf an Management, der sich jetzt auch noch in Basel seine eigenen Büros eingerichtet hat, um möglichst ungestört von den "niederen Gefilden" der Produktion Entscheidungen treffen zu können. Die Menschen aber, die die Arbeit tun und die Qualität produzieren, werden nur als austauschbare Rädchen gesehen, die vollkommen unwichtig sind. Das hat auch Herr Meyer anscheinend nicht verstanden.
Bleibt noch die Frage: Was veranlasst Info3, einen so schlecht recherchierten und so offensichtlich von der Marketingabteilung der WELEDA gesteuerten Titelartikel zu bringen??? Ob mein Leserbrief an Info3 wohl gedruckt wird??? Er lautet:
Was veranlasst Info3, einen mit so suggestiven Artikel zu bringen?
Er suggeriert, das Weleda ein erfolgreiches Unternehmen sei. Die Weleda-Fakten zeigen aber (Bilanz 2010)
- einen Verlust von fast 3 Mio €
- eine Verminderung des Eigenkapitals um 10,7%
- eine Verminderung der Bilanzsumme um 8,1% auf einen Bilanzverlust von 10,5 Mio CHF
- eine Verminderung des Umsatzes um 3,5%
- eine Erhöhung der Nettoverschuldung von 88 Mio € auf 101 Mio € auf fast 120% des Eigenkapitals
- eine Dividende kann nicht gezahlt werden.
Weiterhin suggeriert er, dass die Kritiker praktisch Querulanten und violette Strickstrumpfanthroposophen seien, ohne sie direkt zu Wort kommen zu lassen. Keiner der Kritikpunkte wurde journalistisch hinterfragt, z.B. durch Kontakt zu Mitarbeitenden, stattdessen kommt Dr. Meyer zu Wort, der im Auftrag der Weleda Kurse hält – da ist der Interessenskonflikt doch schon vorprogrammiert. Schade.
Leider geht es obffenbar weder Info3 noch der WELEDA-Administration um das Wesentliche.
AntwortenLöschenDas Wesentliche ist sicher nicht die Wirtschaftlichkeit oder Popularität.
Was ist das Wesentliche? Es geht um den Menschen, der mit anthroposophischer Medizin geheilt werden will. Dies ist schlicht unmöglich, wenn es keine anthroposophischen Medikamente mehr gibt. Mit Kosmetikartikeln kann man da wenig anfangen.
Mensch, werde wesentlich!
Leider geht es obffenbar weder Info3 noch der WELEDA-Administration um das Wesentliche.
AntwortenLöschenDas Wesentliche ist sicher nicht die Wirtschaftlichkeit oder Popularität.
Was ist das Wesentliche? Es geht um den Menschen, der mit anthroposophischer Medizin geheilt werden will. Dies ist schlicht unmöglich, wenn es keine anthroposophischen Medikamente mehr gibt. Mit Kosmetikartikeln kann man da wenig anfangen.
Mensch, werde wesentlich!
Ich muss einmal gestehen, dass ich Ihre Meinung nicht immer nachvollziehen kann! Wieso lautet der Name Ihres Blogs WeledaBlog? Nur wenige Unternehmen wirtschaften so nachhaltig wie Weleda und prägen damit unsere Zukunft mit, denn Weleda möchte als gutes Beispiel vorangehen. Das Unternehmen investiert viel und gutes Geld nicht nur in den Erhalt der Biodiversität und seine Mitarbeiter(tolle Arbeitszeitmodelle, bspw. können Jugendliche mit Kind eine Ausbildung in Teilzeit absolvieren). Selbstverständlich könnte die Weleda besser wirtschaften, würde dann aber ihrem eigenen Grundsatz nicht mehr treu bleiben. Mein Aussage bezieht sich jetzt nicht nur auf den Artikel in Info3, sondern auf Ihre Hetze gegen Weleda generell! Wenn Sie denken, dass das Unternehmen nicht anthroposophisch oder wirtschaftlich genug handelt sage ich - gründen Sie Ihr eigenes Unternehmen und zeigen Sie mir, wie es besser geht, ich lasse mich gern vom Gegenteil überzeugen. Dass Weleda 2/3 seines Umsatzes mit Naturkosmetik macht, hält die Arzneimittelsparte mit am Leben! Und nach wie vor besteht die Möglichkeit, dass Ärzte oder Apotheker sich mit den original Rezepturen Medikamente anmischen lassen. Ich könnte mich ebenfalls hier stunden- und seitenweise auslassen, aber mein abschließender Kommentar ist: es gibt nicht nur schwarz und weiß, gut und böse, Sie müssen in Ihren Betrachtungen in Zukunft einfach ein vielfältigeres Bild zeichnen, indem Sie mehr Faktoren mit einbeziehen. Weleda ist auch als anthroposophisches Unternehmen den Gegenbenheiten der freien Marktwirtschaft unterworfen (und ich bin mir nicht sicher, ob Sie wissen, was das tatsächlich bedeutet). Auf jeden Fall wünsche ich mich auf Grund Ihrer posts auf der Weleda-Seite (und ich habe kein Problem mit Dialog oder Kontroverse), dass facebook endlich den DISLIKE-Button einführt.
AntwortenLöschenMit freundlichen Grüßen!
PS: Lassen Sie es sich ja nicht einfallen, meinen Kommentar Nicht zu veröffentlichen, denn ansonsten poste ich es einfach bei facebook!
AntwortenLöschenLiebeR Frau/Herr Anonym
AntwortenLöschenWenn Sie meinen Blog wirklich gelesen hätten, würden Sie erkennen, dass ich nicht gegen WELEDA hetze, sondern nur die Unfähigkeit des Managements und die Schlafmützigkeit der Eigentümer (AAG und Ita-Wegmann-Klinik) kritisiere.
Der Punkt ist doch: WELEDA ist ein geniales Unternehmen, von 80 Jahren ca. 100 Jahre seiner Zeit voraus. Viele MitarbeiterInnen in den Betrieben sind erstklassige Fachleute - und das Management schafft es, diesem genialen Unternehmen einen negativen Jahresabschluss zu "verpassen". Mit Kosmetika Geld verdienen würde auch nicht den eigenen Grundsätzen widersprechen, im Gegenteil, die WELEDA könnte endlich mit einer richtig guten Dividende die AAG vor der Pleite retten.
Bitte setzen Sie nicht die WELEDA mit ihrem Management gleich, das haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht verdient.