Dienstag, 5. Mai 2009

Zuhören statt Fragen stellen - Euphemismuspreis an Herrn Pietzner

Es war eine gute Entscheidung, nicht auf die Generalversammlung zu gehen. Heute konnte ich eine Zusammenfassung in der "Anthroposophie weltweit" Zeitschrift lesen. Neues wurde also nicht gesagt. Nur immer wieder die gleiche Frage: "Wie können wir unsere Gesellschaft so gestalten, dass sich mehr und mehr Menschen, die zu uns gehören, mit uns in der Gesellschaft zusammenfinden können?" (Sergej Prokofieff).
Ich überetze diese Frage mal in "Normaldeutsch": "Warum findet spirituelle und soziale Gesellschaft woanders statt und nicht in unseren Lesezirkeln und "Klassenstunden"? Warum steigt das Durchschnittsalter der europäischen Mitglieder jedes Jahr um 363 Tage? Warum spendet uns niemand mehr Geld?"
Lieber Herr Prokofieff, die Antwort pfeifen die Spatzen von den Dächern: Dornach ist morsch, marode, nicht nur der Beton, sondern auch die Strukturen, die hinter dicken Holztüren "öffentliche" Geisteswissenschaft pflegen.
Die Welt heute ist ein Netzwerk, kennt keine Hierarchien mehr, ist flexibel und gibt jedem die Möglichkeit, sich sofort und überall einzulinken. Die Menschen von heute sind dem "Geist" viel näher als viele in dem Betonsarg Goetheanum, der seit dem Verscharren von Rudolf Steiners Asche im Feld auch keinen Geist mehr beinhaltet sondern leere Hülle ist. Und alles, was morsch, marode, unzeitgemäß und veraltet ist, das wird in der Natur vom gnädigen Zahn der Zeit hinweggerafft, der sich im Sozialen durch eine Insolvenz, auch Pleite genannt, ausdrückt.
Lieber Herr Prokofieff, SIE sind das Problem, SIE und das Kollegium mit den veralteten Strukturen. Sie können die Idee Anthoposophie am besten unterstützen, indem Sie sich selbst abschaffen.
Das ist ehrlich, das können Sie tun. Tun Sie aber nicht, weil Sie an der Macht kleben.

Und, diesmal an Herrn Pietzner gerichtet: Seien doch auch Sie ehrlich mit dem was Sie tun. Einen Notverkauf von Immobilien zur Finanzierung von "Initiativen" als "Befreiung versteckter Initiativkraft" zu titulieren, - dafür müssten Sie den Sonderpreis für Euphemismus bekommen, wenn es diesen denn gäbe. Der Satz ist einfach gut: "Versteckte Initiativkraft, die in Form von geronnenem Kapital in Immobilien steckt, wurde durch den Verkauf einer Liegenschaft befreit und Initiativen zugeführt."

Ein schöner Gedanke: Wenn ich sterbe, hinterlasse ich also einen Haufen "versteckte Initiativkraft" in Form von Besitz, der dann verkauft und neuen Initiativen zugeführt werden kann??? Das versteht doch kein Normalsterblicher mehr.

Und da fragen Sie sich noch, warum niemand mehr in diesem Verein Mitglied werden will???