Dienstag, 10. März 2009

Die bevorstehende Pleite der Anthroposophische Gesellschaft - Schicksalsschlag oder Sabotage?

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Die Anthoposophische Gesellschaft steht finanziell mit dem Rücken zur Wand (Den Finanzbericht von Herrn Pietzner finden Sie hier). Ist dies ein Schicksalsschlag? Oder liegt nicht eher eine bewusste oder unbewusste Sabotage durch Missachtung der Wirklichkeit und Egozentrismus vor?

Im ZDF würde es jetzt heissen: WISO ermittelt ...

Und was findet der Detektiv? Er findet einen Verein, dem bei einem Umsatz von über 22 Mio CHF noch ca. 2,5 Mio CHF für das Jahr 2009 fehlen - also über 10% - und der seine Einnahmen u.a. auf unsichere Posten wie Erbschaften und Legate (4,6 Mio CHF = ca. 20% des Umsatzes) und Spenden (2,3 Mio CHF = ca. 10%) stützt.

Der Detektiv gräbt etwas in der Historie und findet er dass die Situation schon einmal deutlich anders war. Dem Verein gehörte ein Drittel eines der ersten und heute in Mitteleuropa sicherlich zu den bekanntesten gehörenden Naturkosmetik-Herstellern, der sogar vom Vereinsgründer mit der Aufgabe gegründet wurde, die Finanzierung dieses Vereins zu sichern: Die Firma WELEDA* AG.

Nun wird unser Detektiv stutzig. Naturkosmetik gehört zu den Boombranchen, in denen gutes Geld verdient wird. Da liefert WELEDA doch sicher regelmäßig signifikante Beträge in die Vereinskasse ab. Doch - oh Schreck - da kommt kaum etwas an. Sie scheint nicht wirklich genug zu verdienen, diese WELEDA, trotz des großen Namens und der hohen Preise ihrer Produkte.
Er schaut sich Bilanzen an von Naturkosmetikherstellern. Da gibt es einen, auch anthroposophisch, der gehört niemandem, d.h. einer Stiftung, einer Idee - und er expanidert und macht gute Geschäfte, kann sich sogar leisten, anthroposophische Medikamente als Fertigprodukt zu liefern, die weniger als 500 x pro Jahr nachgefragt werden: Die WALA. (WELEDA hat unter Hinweis auf die mangelnde Rentabilität trotz Protest vieler anthroposophsicher Ärzte in den letzten Jahren viele selten gebrauchte, aber oft ur-anthroposophische Medikamente aus dem Programm genommen.) Statt diesem Luxus sollten von der wesentlich größeren WELEDA doch Gewinne erwirtschaftet werden? Was läuft denn nun falsch bei WELEDA?

Unser Detektiv überlegt. In einer solchen Notlage, bevor der Verein pleite geht, da sollte der Verein vielleicht seine Anteile verkaufen, wenn sie schon nicht regelmäßig etwas in die Vereinkasse einbringen. Was ist denn so ein Unternehmen wert?

Der Detektiv schaut sich Firmenwerte von Naturkosmetik-Herstellern an: Da wurde z.B. BodyShop an L'Oreal verkauft für über 1 Mrd. EURO - mehr als die Hälfte davon sollte WELEDA schon wert sein - also ca. 200 Mio EURO für den Verein - das sollte zur Sanierung und langfristigen Finanzierung durchaus genügen. Doch - der Schreck wird größer - was findet er bei WELEDA? Alles schon verkauft. Die ganze Firma beliehen und auf gepumptem Geld aufgebaut. Es bleibt leider nicht mehr viel übrig, was zu verkaufen wäre. Das ist auch der Grund dass nichts in die Vereinskasse fließt - alles verdiente Geld geht an die Gläubiger.

Unser Detektiv ist ein guter Detektiv. Er sucht weiter - und was findet er? In der Führung der WELEDA findet er - typische Manager. Er findet Menschen, die jahrzehntelang ihrem persönlichen Egoismus gefrönt haben, die notwendige Schritte in der Unternehmensführung aus Ehrgeiz und Konkurrenz untereinander nicht oder viel zu spät gegangen sind mit dem Resultat, dass die für ein Weiterbestehen und für Investitionen notwendigen Mittel nicht aus Rücklagen aufgebracht werden konnten, sondern geliehen werden mussten.

Nun wird unser Detektiv erst recht stutzig. WELEDA ist eine AG und in einer AG kontrolliert ein Verwaltungs- oder Aufsichtsrat die Geschäfte, der i.d.R. von den Eigentümern - also auch vom Verein - gestellt wird. Und er schaut in den Handelsregisterauszügen nach und findet - und jetzt kommt ihm das Grausen - dass WELEDA sich die ganzen langen Jahre hauptsächlich selbst kontrolliert hat - kein Vertreter des Vereins und auch kein Vertreter der anderen Eigentümer sass in leitender Funktion im Verwaltungsrat.

Und so macht unser Detektiv den Managern der WELEDA auch kein Vorwurf. Wer Füchse zum Aufpassen in den Hühnerstall schickt, darf sich später nicht beklagen wenn die Hühner tot sind. Wer Manager sich selbst kontrollieren lässt darf sich ebensowenig beklagen wenn die Firma pleite ist. Füchse sind eben Füchse und Manager sind eben Manager - sie können nicht aus iher Haut.

Und zum krönenden Abschluss findet der Detektiv noch einen Hinweis, der ihm die Haare zu Berge stehen lässt: Die Manager der WELEDA werden noch nicht einmal von den Eigentümern eingesetzt, nein, sie ergänzen sich selbst - Ko-Optieren nennt sich das dann auf anthroposophisch. Dass da keine Krähe der anderen die Augen aushackt ist ja wohl deutlich.


So beisst sich die Katze in den Schwanz. Wer ist nun für die kommende Pleite verantwortlich?
Sind es die Manager der WELEDA, die mangels Kontrolle ihre Macht zur Selbstdarstellung verwendet haben (und noch verwenden), statt sich um satte Renditen für den Verein Gedanken zu machen?
Ist es der Vorstand des Vereins, der seiner Kontrollfunktion und -aufgabe nicht nachgekommen ist?
Sind es die Mitglieder des Vereins, die jedes Jahr willig aus ihrem versteuerten Einkommen die wachsenden Löcher durch Spenden gestopft und ihre Kinder zugunsten des Vereins enterbt haben, statt sich zu fragen warum die Löcher immer größer werden?

Die Schuldfrage ist müßig, zu retten gibt es kaum noch etwas, und so kehrt unser Detektiv mit einem fast salomonischen Ergebnis zurück: Niemandem kann Vorsatz nachgewiesen werden im Sinne der Anklage, es lässt sich nur statuieren, dass der Weg in die Pleite seit Jahrzehnten zielstrebig gegangen wurde und alle darauf hinweisenden Zeichen mit bewundernswerter Konsequenz ignoriert wurden.



In den älteren Beiträgen dieses Blogs können Sie einige Stationen auf dem Weg in die Pleite nachvollziehen (falls nicht sichtbar, klicken Sie dazu unten auf "Startseite") und auch sehen dass die Ausrede "wir haben es ja nicht wissen können" nicht stimmt - wenigstens von mir wurden die Hinweise oft und intensiv kommuniziert.


Nachbemerkung: Ich habe letztes Weihnachten den "Weihnachtsbrief" (Spendenaufruf) von Herrn Pietzner nicht kommentiert. Es wird irgendwann zur Routine, auch wenn er ein bewundernswertes Talent hat, jedes Jahr wieder die einzigartige Dringlichkeit der Situation zu beschwören um Spenden zu generieren. Wenn die Weihnachtsspenden aber noch nicht mal bis Ostern reichen, dann wird es kritisch - muss der arme Herr Pietzner sich jetzt jeden Monat einen neuen Brief ausdenken?

1 Kommentare:

xebezizz hat gesagt…

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